Gartenpraxis · Düngen, Boden & Kompost · Wissen

Wurzelaktivatoren im Faktencheck: Stress, Forschung, Kosten und Recht

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 9 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Wurzelaktivatoren werden als Starthilfe für die Wurzelbildung angeboten, dosiert wird nach Packungsangabe.
  • Mykorrhizapilze erschließen vorhandene Bodennährstoffe, zusätzliche Nährstoffe bringen sie nicht mit.
  • In mehreren Versuchen mit mikrobiellen Präparaten blieb ein eindeutiger Effekt aus, die Wirkung hängt stark von Standort und Klima ab.
  • Kohlarten, Rüben und Spinat gelten als Nichtwirte der arbuskulären Mykorrhiza.
  • Pflanzenstärkungsmittel brauchen keine Zulassung und keinen Wirksamkeitsnachweis, aber eine Mitteilung an das BVL.
Gesunde, humusreiche Gartenerde in den Händen
Foto: Juan J. Morales-Trejo · Pexels License · Quelle ↗

Eine frisch gepflanzte Hecke treibt zögerlich, und im Gartencenter versprechen Wurzelaktivatoren kräftige Wurzeln. Bevor ich so ein Mittel kaufe, drehe ich die Packung um und lese, unter welcher Bezeichnung es verkauft wird. Daran erkennst du, nach welchen Regeln es in den Handel kam und was dafür geprüft werden musste. Was ein Präparat bei Trockenheit, Kälte oder Nährstoffmangel leisten kann, hängt stark von Standort und Klima ab. In mehreren Versuchen mit mikrobiellen Präparaten blieb ein eindeutiger Effekt aus.

Was ist ein Wurzelaktivator?

Wurzelaktivatoren werden als Starthilfe für die Wurzelbildung angeboten, dosiert wird jeweils nach der Packungsangabe. Wo sie neben Flüssigdünger, Granulat und Düngestäbchen stehen und wie Nährstoffe und Pflanzenbedarf zusammenhängen, erklärt der Überblick zu Nährstoffen, Düngerarten und Düngerformen. Den Boden über organische Stoffe zu versorgen, ist dabei keine neue Idee: Stallmist, Jauche und Gründüngung blieben auch nach Einführung mineralischer Handelsdünger zunächst die vorherrschenden Düngungsformen.

Was können Wurzelaktivatoren bei Stress leisten?

Ein Teil der Präparate soll Pflanzen helfen, abiotischen Stress besser zu tolerieren. Solche Pflanzenbiostimulanzien sind von Mitteln abzugrenzen, die Krankheitserreger direkt bekämpfen. Ihre Wirkung hängt stark von Standort und Klima ab, und grundlegende Kulturfehler beheben sie nicht.

Kurz erklärt

Abiotischer Stress hat unbelebte Ursachen wie Trockenheit, Hitze, Frost, Salz oder Staunässe. Biotischer Stress geht von Lebewesen aus, etwa von Krankheitserregern oder Schädlingen.

Trockenheit: zuerst das Wasser

Wurzeln nehmen Nährsalze in Wasser gelöst auf. Trockenheit kann deshalb Mangelsymptome auslösen, obwohl genug Nährstoffe im Boden vorhanden sind. In einem Balkonkastenversuch verringerte Wassermangel das Pflanzenwachstum, obwohl die Nährstoffe ausreichten. Beide Befunde zusammen heißen: Bei Trockenheit gießt du zuerst, bevor du über Zusätze nachdenkst.

Für eine durchdringende Bewässerung im Garten werden je Gießgang 10 bis 20 l/m² empfohlen, abhängig von der Bodenart. Eine Mulchauflage vermindert anschließend die Verdunstung aus dem Boden. Bei Kübeln stecke ich vor dem Gießen den Finger tief in die Erde, denn torffreie Substrate können oben trocken und unten noch nass sein.

Häufiger Fehler

Eine welke Topfpflanze sofort gießen oder mit einem Präparat behandeln. Auch vernässte und geschädigte Wurzeln können Welke verursachen, deshalb prüfst du vorher die Feuchte im Substrat.

Hitze und Frost

Bei Buchs im Kübel können durch Hitze oder Frost geschädigte Wurzeln Wasser und Nährstoffe schlechter aufnehmen. Blattschäden können die Folge sein. Bei Jungpflanzen von Paprika, Aubergine und Gurke können niedrige Temperaturen die Nährstoffaufnahme hemmen und die Blätter vorübergehend verfärben. Den Wurzelraum im Kübel schützt du im Winter mit einer isolierenden Unterlage und einer Umhüllung des Topfes.

Salz im Wurzelraum

Ein durch Überdüngung erhöhter Salzgehalt kann die Wasseraufnahme der Pflanzen beeinträchtigen. Besonders bei Kübelpflanzen kann ein überhöhtes Salzangebot aus Dünger die Wurzeln schädigen und braune Blattränder verursachen. Braune Ränder beweisen allerdings keinen Kaliummangel, denn auch Trockenheit kann ähnliche Symptome verursachen. Bei bestätigter Überdüngung spülst du den Wurzelballen langsam bei freiem Wasserabfluss durch, in schweren Fällen topfst du um.

Nährstoffmangel

Bestimmte Bodenbakterien und Pilze können Phosphor und Stickstoff besser verfügbar machen. Fehlt ein Nährstoff im Boden tatsächlich, ist gezieltes Düngen der passende Schritt. Ob wirklich ein Mangel vorliegt, zeigt eine Bodenuntersuchung. Mangelsymptome können nämlich auch durch Sauerstoffmangel, einen ungünstigen pH-Wert oder unausgewogene Nährstoffverhältnisse entstehen. Bevor ich bei einer kümmernden Pflanze an Zusätze denke, steche ich daneben den Spaten ein und schaue mir Bodengefüge, Feuchte und Wurzelbild an.

Mythos-Check

Mykorrhiza ersetzt den Dünger? Nein. Die Pilze erschließen vorhandene Bodennährstoffe und bringen selbst keine zusätzlichen in den Boden ein. Bei hoher Phosphorversorgung kann die Mykorrhizierung sogar zurückgehen.

Krankheiten und Schädlinge

Einige Bodenmikroorganismen können Pflanzen vor Krankheitserregern schützen, andere verursachen selbst Pflanzenkrankheiten. Pflanzenstärkungsmittel dienen der allgemeinen Gesunderhaltung oder dem Schutz vor nichtparasitären Beeinträchtigungen. Pauschale Mittel zur Schädlingsbekämpfung sind sie nicht. Notwendige Pflanzenschutzmaßnahmen ersetzen auch Biostimulanzien nicht.

Wo werden Wurzelaktivatoren eingesetzt?

Mykorrhiza und andere mikrobielle Präparate wurden vom Gemüse über Stadtbäume bis zu Agroforstflächen geprüft. Je nach Präparat werden mikrobielle Biostimulanzien am Saatgut, an der Pflanze oder im Boden eingesetzt.

Gemüsebeet: Wer nimmt den Pilz an?

Arbuskuläre Mykorrhizapilze brauchen eine lebende Wirtspflanze, um zu wachsen und sich zu vermehren. Nicht jede Gemüseart ist ein solcher Wirt.

Kultur Partner an der Wurzel
Karotte, Zwiebel, Kürbis bilden arbuskuläre Mykorrhiza
Kohlarten, Raps, Rüben, Spinat gelten als Nichtwirte der arbuskulären Mykorrhiza
Erbse, Bohne, Wicke, Klee, Lupine binden mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff

Weil Kohl und Spinat als Nichtwirte gelten und die Pilze eine lebende Wirtspflanze brauchen, findet ein Mykorrhizapräparat im Kohl- oder Spinatbeet keinen Partner. Bei Leguminosen kommen dagegen Rhizobien ins Spiel. Ihre Präparate müssen zur Leguminosenart passen, weil diese Bakterien wirtsspezifisch sind.

Bäume, Sträucher und Stadtgrün

Baumarten unterscheiden sich im Mykorrhizatyp. In einer untersuchten Stadtbaumpflanzung kamen deshalb je nach Baumart Ekto- oder Endomykorrhizapräparate zum Einsatz. Bei der Ektomykorrhiza der Waldbäume umhüllt ein Pilzmantel die Feinwurzeln. Die geprüften Präparate zeigten in diesem Stadtbaumversuch keinen nachweisbaren Einfluss.

Unabhängig von jedem Präparat zählt bei der Pflanzung der Boden. Vor einer Gehölzneupflanzung ist ein etwa 40 bis 60 cm tief gelockerter Boden günstig, größere Gehölze können eine tiefere Vorbereitung brauchen. Bei Transport und Zwischenlagerung dürfen die Wurzelballen nicht austrocknen, und vor dem Einpflanzen werden sie ausreichend gewässert. Ob sich der Einsatz bei Bäumen und Sträuchern lohnt, klärt ein eigener Ratgeber.

Rekultivierung und belastete Böden

Für arbuskuläre Mykorrhizapilze sind positive Studien zur Wiederbegrünung von Böden dokumentiert, die durch Wüstenbildung oder Bergbau beeinträchtigt waren. Ihr Hyphennetz kann Bodenaggregate stabilisieren und so Krümelstruktur und Erosionsschutz unterstützen. Ein Agroforstprojekt berichtet nach Beigabe von Mykorrhiza und Pflanzenkohle über verbesserten Anwuchs und Höhenwachstum. Getrennte Effektgrößen weist die Projektübersicht nicht aus, welcher Zusatz wie viel beigetragen hat, bleibt also offen.

Vermutest du im eigenen Garten eine Schadstoffbelastung des Bodens, ist die untere Bodenschutzbehörde die zuständige Anlaufstelle. Wie sich Wurzelaktivatoren in ein Sanierungskonzept für geschädigte Böden einfügen, beschreibt ein eigener Beitrag.

Topf, Balkon und Stecklinge

Bei Stecklingen kann das Pflanzenhormon Auxin die Bildung von Adventivwurzeln anregen. Wie gut ein Gehölzsteckling Wurzeln bildet, hängt aber auch von seinem physiologischen Alter, von Verletzungen und den Kulturbedingungen nach dem Stecken ab. Welche Wirkstoffe und Methoden sich für Stecklinge und Jungpflanzen eignen, steht im Beitrag dazu. In Hydrokultur und anderen erdelosen Kulturen müssen sämtliche Nährstoffe gezielt dosiert werden. Was Wurzelaktivatoren Pflanzen im Topf auf Balkon und Fensterbank bringen, behandelt ein eigener Ratgeber.

Was sagt die Forschung zu Wurzelaktivatoren?

Hinter dem Namen stehen verschiedene Stoffgruppen mit eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Ich suche auf der Packung zuerst, welche dieser Gruppen ein Produkt nennt.

Was die Inhaltsstoffe können

Stoffgruppe Was sie kann Wo die Grenze liegt
Mykorrhizapilze können die Pflanze mit Phosphat, Nitrat und Wasser versorgen und erhalten dafür Assimilate bringen keine zusätzlichen Nährstoffe in den Boden ein und brauchen lebende Wirtswurzeln
Bodenbakterien und Pilze können Phosphor und Stickstoff besser verfügbar machen oder das Wurzelwachstum anregen Wirkung hängt von Boden, Klima, vorhandener Mikrobenpopulation und Produktqualität ab
Rhizobien binden zusammen mit Leguminosen Luftstickstoff wirtsspezifisch, das Präparat muss zur Leguminosenart passen
Algen- und Pflanzenextrakte können Pflanzenhormone als biostimulierende Inhaltsstoffe enthalten Wirkung hängt stark von Standort und Klima ab
Humin- und Fulvosäuren können durch Chelatbildung zur Nährstoffverfügbarkeit beitragen ersetzen keine bedarfsgerechte Düngung
Auxin kann an Stecklingen die Bildung von Adventivwurzeln anregen Bewurzelung hängt auch von Alter, Verletzungen und Kulturbedingungen ab

Was Versuche gezeigt haben

Versuch Geprüft Ergebnis
LWG, Gemüsebau Effektive Mikroorganismen Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachgewiesen
LWG, Gewächshaus mit 106 Herbststaudenarten und -sorten Effektive Mikroorganismen kein einheitlicher Vorteil bei Wuchs, Bewurzelung oder Pflanzengesundheit, einzelne Sorten mit weniger Mehltau
Vierjähriger biologischer Feldversuch Zugabe Effektiver Mikroorganismen kein zusätzlicher Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität, beobachtete Wirkungen gingen auf organisches Material und Nährstoffe aus Bokashi und Mist zurück
LfL, Winterweizen an vier Standorten über zwei Jahre zwei bakterielle Biostimulanzien keine signifikanten Effekte auf Ertrag, Proteingehalt oder Stickstoffertrag
Bundesweite Ringversuche an Zierpflanzen Pflanzenstärkungs- und Hilfsmittel Qualitätsunterschiede selten, beobachtete Wirkungen nicht sicher reproduzierbar
Zweijähriger Erdbeer-Nachbauversuch auf bodenmüden Standorten geprüfte Behandlungen keine statistisch eindeutige Ertragssteigerung
Stadtbaumversuch Mykorrhizapräparate keine systematischen Unterschiede im Stamm- und Triebzuwachs
Gewächshaus-Großversuch mit Tomaten Mykorrhizapilz Rhizophagus irregularis Ertrag gleich, Früchte mit mehr Zucker, Lycopin und Aminosäuren
Agroforstprojekt Mykorrhiza und Pflanzenkohle verbesserter Anwuchs und Höhenwachstum berichtet, ohne getrennte Effektgrößen

Positive Ergebnisse mit mikrobiellen Biostimulanzien bei Gewächshaustomaten stehen Feldversuchen mit Mais ohne eindeutige Effekte gegenüber. Zusammen mit der starken Abhängigkeit von Standort und Klima heißt das: Ein Ergebnis aus dem Gewächshaus lässt sich nicht ohne Weiteres auf dein Beet übertragen.

Lohnt sich ein Wurzelaktivator finanziell?

Ob sich ein Präparat rechnet, zeigt sich am ehesten im eigenen Garten. Vor einer breiten Anwendung mikrobieller Biostimulanzien empfiehlt sich ein Versuch auf kleiner Fläche, der Wirkung und wirtschaftlichen Nutzen prüft. Im Stadtbaumversuch führte der fehlende Nachweis eines Einflusses dazu, dass bei der Erweiterung der Pflanzung auf die Zugabe verzichtet wurde. Eine Ersparnis beim Dünger ist kein sicherer Posten, denn Biostimulanzien ersetzen keine bedarfsgerechte Düngung.

Marias Erfahrung

Ein neues Präparat probiere ich nur an einem Teil einer Reihe aus und lasse daneben unbehandelte Pflanzen derselben Sorte stehen. Beide Abschnitte gieße und dünge ich gleich und beschrifte die Stecketiketten mit Mittel und Datum.

Was dein Boden schon mitbringt

Bei fachgerechter Kompostierung musst du keine Mikroorganismen zusetzen, weil sie mit den Abfällen in ausreichender Zahl und Vielfalt hineinkommen. Weil mäßige organische Düngung das Vorkommen arbuskulärer Mykorrhizapilze fördern kann und eigener Kompost Ausgaben für Dünger und Blumenerde verringern kann, fördert maßvoll eingesetzter Kompost die Pilze im Boden und spart zugleich Kosten. Als allgemeine Grundversorgung arbeitest du im Frühjahr jährlich 3 l reifen Kompost je m² flach ein, über Abweichungen entscheidet die Bodenanalyse. Rhododendren, Azaleen und Heidelbeeren bekommen wegen ihres Anspruchs an sauren Boden keinen gewöhnlichen Gartenkompost.

Die Herstellung synthetischer Mineraldünger ist energieaufwendig. Hältst du Nährstoffe über Kompost, Grünschnitt und Erntereste im Gartenkreislauf, kann das den Zukauf verringern.

Wie sind Wurzelaktivatoren rechtlich eingeordnet?

Rechtlich zählt nicht der Name auf der Schauseite, sondern die Produktgruppe, unter der ein Mittel verkauft wird.

Produktgruppe Rechtsgebiet
Pflanzenstärkungsmittel Pflanzenschutzrecht
Bodenhilfsstoffe und Pflanzenhilfsmittel Düngerecht
EU-Pflanzenbiostimulanzien EU-Düngemittelrecht

Pflanzenstärkungsmittel brauchen keine Zulassung, müssen vor dem Inverkehrbringen aber dem BVL mitgeteilt werden. Für ihre Listung ist kein Wirksamkeitsnachweis nötig. Anders als bei Pflanzenschutzmitteln wird ihre Unbedenklichkeit auch nicht durch entsprechende Studien überprüft. Aus beidem folgt: Die Bezeichnung Pflanzenstärkungsmittel sagt dir, nach welchen Regeln ein Produkt verkauft wird, aber nicht, ob es wirkt oder unbedenklich ist.

Im Handel brauchen Pflanzenstärkungsmittel eine deutschsprachige Kennzeichnung mit der Bezeichnung als Pflanzenstärkungsmittel, dem Verantwortlichen und einer Gebrauchsanleitung. Die Anleitung findest du auf der Verpackung, dem Behältnis oder einer Beilage.

Eine BVL-Listung bestätigt nicht, dass ein Mittel im ökologischen Anbau zulässig ist. Die deutsche FiBL-Betriebsmittelliste erfasst Produkte, deren Eignung für den ökologischen Landbau geprüft wurde. Auch diese Aufnahme belegt bei mikrobiellen Präparaten aber nicht automatisch eine unabhängig geprüfte Wirksamkeit. Biotaugliche Düngemittel dürfen übrigens nicht mit dem EU-Bio-Logo gekennzeichnet werden.

Die Düngeverordnung regelt vorrangig die Düngung landwirtschaftlich genutzter Flächen und erfasst andere Flächen nur, soweit sie das ausdrücklich bestimmt. In Wasserschutzgebieten können örtliche Schutzverordnungen oder behördliche Entscheidungen aber bestimmte Handlungen verbieten oder einschränken.

Mini-Checkliste

Vor dem Kauf prüfst du auf der Packung, unter welcher Produktgruppe das Mittel verkauft wird. Bei Pflanzenstärkungsmitteln suchst du den Verantwortlichen und die deutschsprachige Gebrauchsanleitung. Ein Öko-Hinweis belegt die geprüfte Eignung für den Ökolandbau, keine Wirksamkeit. Zum Schluss klärst du, ob das Präparat zur Pflanze passt: Mykorrhiza braucht eine Wirtspflanze, Rhizobien brauchen die passende Leguminosenart.

Anwendung und Vorsicht in Kürze

Wie wendest du Wurzelaktivatoren an?

Dosiert wird nach der Gebrauchsanleitung, und Mykorrhizapräparate müssen in die Zone lebender Wurzeln gelangen. Wie du Zeitpunkt, Menge und Ausbringung abstimmst und Wurzelaktivatoren mit Düngern kombinierst, erklärt ein eigener Ratgeber. Zu welchen Anlässen im Jahr ein Einsatz infrage kommt, steht in einem weiteren Beitrag.

Worauf musst du achten?

Gehört ein Präparat zu den Düngemitteln und hat ein Kind vermutlich größere Mengen davon aufgenommen, rufst du ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis an. Betrifft der Verdacht ein Haustier, meldest du dich sofort in der Tierarztpraxis, nimmst die Verpackung mit, gibst keine Hausmittel und löst kein Erbrechen aus. Typische Fehler bei Dosierung und Kombination behandelt der Anwendungsratgeber ebenfalls.

Häufige Fragen

Was sind Wurzelaktivatoren und wie funktionieren sie?
Wurzelaktivatoren werden als Starthilfe für die Wurzelbildung angeboten und nach der Packungsangabe dosiert. Als Inhaltsstoffe kommen etwa Mykorrhizapilze, Bodenbakterien, Algen- und Pflanzenextrakte oder Humin- und Fulvosäuren infrage. Mykorrhizapilze können ihre Wirtspflanze mit Phosphat, Nitrat und Wasser versorgen, bringen aber selbst keine zusätzlichen Nährstoffe in den Boden ein. Ob ein Präparat wirkt, hängt stark von Standort und Klima ab.
Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten für Wurzelaktivatoren in Deutschland?
Entscheidend ist, unter welcher Produktgruppe ein Mittel verkauft wird. Pflanzenstärkungsmittel gehören zum Pflanzenschutzrecht und brauchen keine Zulassung, müssen vor dem Inverkehrbringen aber dem BVL mitgeteilt werden. Einen Wirksamkeitsnachweis setzt ihre Listung nicht voraus. Bodenhilfsstoffe und Pflanzenhilfsmittel fallen unter das Düngerecht, EU-Pflanzenbiostimulanzien unter das EU-Düngemittelrecht.
Was ist der Unterschied zwischen Wurzelaktivatoren und herkömmlichen Düngemitteln?
Dünger liefern Nährstoffe, die Pflanzen über die Wurzeln in mineralisch gelöster Form aufnehmen. Mykorrhizapilze erschließen dagegen vorhandene Bodennährstoffe und bringen selbst keine zusätzlichen ein. Biostimulanzien ersetzen keine bedarfsgerechte Düngung, deren Menge sich nach dem Pflanzenbedarf und einer Bodenuntersuchung richtet.
Was zeigen Versuche zur Wirksamkeit von Wurzelaktivatoren?
In Winterweizenversuchen der LfL an vier Standorten zeigten zwei bakterielle Biostimulanzien keine signifikanten Effekte auf Ertrag, Proteingehalt oder Stickstoffertrag. In bundesweiten Ringversuchen mit Pflanzenstärkungs- und Hilfsmitteln an Zierpflanzen waren Qualitätsunterschiede selten und nicht sicher reproduzierbar. In einem Gewächshaus-Großversuch mit Tomaten blieb der Ertrag mit einem Mykorrhizapilz gleich, die Früchte enthielten aber mehr Zucker, Lycopin und Aminosäuren. Die Wirkung solcher Präparate hängt stark von Standort und Klima ab.
Können Wurzelaktivatoren andere Pflanzenpflegemittel vollständig ersetzen?
Nein. Biostimulanzien ersetzen weder eine bedarfsgerechte Düngung noch notwendige Pflanzenschutzmaßnahmen, und grundlegende Kulturfehler beheben sie nicht. Pflanzenstärkungsmittel dienen der allgemeinen Gesunderhaltung und sind keine pauschalen Mittel zur Schädlingsbekämpfung.
Worin unterscheiden sich Wurzelaktivatoren von Pflanzenstärkungsmitteln?
Wurzelaktivator beschreibt den Zweck, mit dem ein Produkt angeboten wird, nämlich als Starthilfe für die Wurzelbildung. Pflanzenstärkungsmittel ist dagegen eine Produktgruppe im Pflanzenschutzrecht für Mittel zur allgemeinen Gesunderhaltung oder zum Schutz vor nichtparasitären Beeinträchtigungen. Ein so eingeordnetes Produkt muss auf seiner deutschsprachigen Kennzeichnung als Pflanzenstärkungsmittel bezeichnet sein. Andere Präparate können unter das Düngerecht oder das EU-Düngemittelrecht fallen.
Lohnt sich der Einsatz von Wurzelaktivatoren finanziell?
Das zeigt sich am ehesten im eigenen Garten, weil die Wirkung stark von Standort und Klima abhängt. Vor einer breiten Anwendung mikrobieller Präparate empfiehlt sich ein Versuch auf kleiner Fläche, der Wirkung und wirtschaftlichen Nutzen prüft. In einem Stadtbaumversuch zeigten Mykorrhizapräparate keinen nachweisbaren Einfluss, weshalb bei der Erweiterung der Pflanzung auf die Zugabe verzichtet wurde.
Wann kann ein Mykorrhiza-Präparat überhaupt wirken?
Arbuskuläre Mykorrhizapilze brauchen eine lebende Wirtspflanze, deshalb muss das Präparat in die Zone lebender Wurzeln gelangen. Karotten, Zwiebeln und Kürbisse bilden arbuskuläre Mykorrhiza, Kohlarten, Raps, Rüben und Spinat gelten dagegen als Nichtwirte. Bei hoher Phosphorversorgung kann die Mykorrhizierung zurückgehen, sodass eine zusätzliche Beimpfung auf gut versorgten Böden keinen sicheren Wachstumsvorteil bietet.
Zuletzt geprüft:
↑