Entspannungsgarten gestalten: Rückzugsort, Duft, Klang und Yogaplatz
- Prüf deinen Ruheplatz zu der Tageszeit, zu der du ihn nutzt, auf Sonne, Blicke und Geräusche.
- Lavendel und Thymian gehören als Duftkräuter an sonnige, magere Stellen nah am Sitzplatz oder Weg.
- Ziertabak, Nachtkerze, Duftwicke und Wunderblume duften besonders am Abend und gehören an den Feierabendplatz.
- Ein schmaler Gehölzstreifen an der Straße hat keine schallschluckende Wirkung und ist kein Lärmschutz.
- Fruchtstände, die du stehen lässt, und Beerensträucher sind im Herbst und Winter Nahrung für Gartenvögel.
- Für regelmäßiges Yoga planst du eine ebene, befestigte Fläche, weil Landschaftsrasen nur zeitweise als Liegewiese taugt.

Viele Gärten haben einen Sitzplatz, auf dem kaum jemand sitzt. Die Nachbarn schauen herüber, die Straße ist zu hören, und der Blick fällt auf unerledigte Arbeit. Ein Entspannungsgarten stellt deshalb eine Frage an den Anfang: Wo bleibst du gern sitzen? Wenn ich einen Garten auf Ruheplätze hin anschaue, setze ich mich zu verschiedenen Tageszeiten an jeden möglichen Platz und notiere, was ich sehe, höre und rieche.
Gemeint ist ein Garten, der um Rückzugsorte, Duftpflanzen, Farben, Klänge und Plätze für Meditation oder Yoga herum geplant wird. Es geht um Plätze, die so geschützt und angenehm liegen, dass du sie tatsächlich nutzt.
Wofür willst du deinen Garten nutzen?
Bevor du einen Ruheplatz anlegst, klärst du, was der Garten sonst noch leisten soll: Erholung, Spiel, Gemüseanbau oder Geselligkeit. Dazu gehören die Tageszeit, zu der du meist draußen bist, und die Pflegezeit, die du wirklich hast. Wie du von der Bestandsaufnahme über Konzept und Budget deinen Garten Schritt für Schritt planst, zeigt der Ratgeber zur Gartenplanung.
Wo gehört dein Rückzugsort hin?
Ein Rückzugsort braucht drei Dinge: einen Platz, an dem du dich nicht beobachtet fühlst, passendes Licht zu deiner Sitzzeit und Abstand zu Lärm und Betrieb.
Sonne und Schatten zu deiner Sitzzeit prüfen
Schau dir an, wie die Sonne an den Tagen und zu den Uhrzeiten wandert, an denen du sitzen willst. Als Orientierung gilt ein Platz mit bis zu etwa 4 Stunden direkter Sonne als halbschattig. Für einen Lesesessel kann das genau passen. Lavendel und Thymian brauchen als Duftkräuter dagegen sonnige, magere Stellen. Liegt dein Ruheplatz halbschattig, setzt du die Duftkräuter deshalb an den sonnigen Weg dorthin und nicht direkt neben den Sessel.
Blicke von außen abschirmen
Für die Blicke hilft ein Bestandsplan. Er hält neben Wegen, Terrassen, Beeten und Hauszugängen auch die Sichtbeziehungen fest. Ich trage darin mit Pfeilen ein, von welchem Fenster und welchem Gehweg aus man auf den geplanten Platz sieht. Genau an diesen Seiten braucht der Rückzugsort einen Sichtschutz.
Schatten und Sichtschutz aus Pflanzen
Ein Hausbaum, den du passend auswählst, kann den Sitzplatz beschatten und dich vor starker Hitze und UV-Strahlung schützen. Bis ein Baum diese Aufgabe übernimmt, helfen hohe Kulturen für den Sommer.
Stangenbohnen klettern an einer Rankhilfe 2 bis 3 m hoch. Die Rankhilfe baust du gleich beim Anlegen des Sitzplatzes mit ein. Hülsen und Samen der Gartenbohnen isst du nur ausreichend gegart, denn schonendes Dünsten oder Dämpfen reicht dafür nicht verlässlich.
Sonnenblumen sind einjährigEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten. und schirmen eine Sitzecke für eine Saison ab. Je nach Sorte reicht ihre Wuchshöhe von 30 bis 500 cm, für den Sichtschutz wählst du also eine hohe Sorte. Sie brauchen volle Sonne und bei Bedarf eine Stütze.
Sonnenblumen säst du von April bis Mai direkt ins Beet. In der Reihe planst du 20 bis 50 cm Pflanzabstand, zwischen den Reihen ebenfalls 20 bis 50 cm. Hohe Pflanzen stützt du bei Bedarf. Sie blühen von Juni bis Oktober und sind nicht winterhart.
Ruhige und lebhafte Bereiche trennen
Grillplatz, Spielbereich und Ruheplatz liegen besser nicht direkt nebeneinander. Wenn du die Wahl hast, legst du den Ruheplatz auf die Seite, die von Straße, Hauszugang und Spielbereich am weitesten entfernt ist. Spielen Kinder mit, bekommen sie einen eigenen Bereich, den du vom Sitzplatz aus im Blick hast. Wie du einen sicheren Spiel- und Erlebnisbereich für Kinder planst, steht im Ratgeber zum Familiengarten.
Der Weg zum Ruheplatz
Plane den Zugang ohne unnötige Schwellen und Stufen. Wähl einen Belag, der keine Stolper- oder Rutschgefahr bietet, weil du den Weg auch in der Dämmerung und bei Nässe gehst.
- Zur geplanten Sitzzeit Probe gesessen und Sonne, Blicke und Geräusche notiert
- Sichtbeziehungen zu Nachbarn, Straße und Hauszugang im Bestandsplan eingetragen
- Schatten durch Hausbaum oder Sommer-Sichtschutz eingeplant
- Abstand zu Grill- und Spielbereich eingehalten
- Weg ohne unnötige Stufen und mit rutschsicherem Belag geplant
Welche Duftpflanzen gehören an den Sitzplatz?
Duftpflanzen setzt du dorthin, wo du sitzt oder regelmäßig vorbeigehst. Am anderen Ende des Gartens bemerkst du ihren Duft vom Sitzplatz aus kaum.
Duftkräuter für sonnige Plätze
Lavendel und Thymian setzt du als Duftkräuter an sonnige, magere Stellen direkt am Sitzplatz oder am Weg. Pflanz sie so, dass du im Vorbeigehen mit der Hand über die Triebe streichen kannst. Beim Lavendel schneidest du nach der Blüte leicht zurück und entfernst vor allem die verblühten Blütenstängel. Den kräftigen Schnitt verschiebst du ins Frühjahr.
Duft für den Feierabend
Ziertabak, Nachtkerze, Duftwicke und Wunderblume duften besonders am Abend. Ob sie am richtigen Platz stehen, entscheidet deine Nutzungszeit. Sitzt du vor allem nach der Arbeit draußen, gehören diese vier an den Abendplatz und nicht in das Beet am Frühstückstisch.
Bevor ich Duftpflanzen fest an einen Sitzplatz setze, stelle ich sie im Topf an die geplante Stelle. Dann setze ich mich zu meiner üblichen Zeit dazu und entscheide erst danach, ob sie dort ins Beet kommen.
Wie kombinierst du Farben für einen ruhigen Garten?
Für die Farbwirkung gibt es zwei Ansätze: Ton in Ton oder ein Komplementärpaar aus dem Farbkreis.
Ton in Ton
Für eine violettblaue Pflanzung Ton in Ton hat sich unter anderem die Kombination aus Verbena bonariensis ‘Purple Tower’ und Scaevola ‘Purple Haze’ bewährt. Weil keine Kontrastfarbe dazwischensteht, wirkt das Beet vom Sitzplatz aus geschlossen.
Blauer Eisenhut passt farblich zu einer blauvioletten Pflanzung, ist aber stark giftig. Er gehört nicht in einen kinderfreundlichen Garten. Bei nötigen Gartenarbeiten fasst du ihn nur mit Handschuhen an.
Komplementärfarben gezielt einsetzen
Im gestalterischen Farbkreis bilden Violett und Gelb ein Komplementärpaar, ebenso Rot und Grün. Eine Variante ist der geteilte Komplementärkontrast, bei dem du Violett mit Gelborange und Gelbgrün kombinierst. Zum violetten Lavendel liefern Sonnenblumen das Gelb, auch wenn sie selbst nicht duften.
Essbare Farbe neben der Bank
Mit seinen roten Blattstielen bringt der Stielmangold ‘Rhubarb Chard’ Farbe ins Beet, die du auch essen kannst. Da Rot und Grün ein Komplementärpaar bilden, heben sich die roten Stiele zwischen dem grünen Laub deutlich ab. Plane ihn mit 35 bis 40 cm Abstand in der Reihe und zwischen den Reihen. Du erntest nur die äußeren Blätter und Stiele, die Herzblätter bleiben für den weiteren Austrieb stehen. Das Kochwasser von Mangold verwendest du nicht weiter. Ein kleines Beet mit Mangold und Kräutern neben dem Sitzplatz kannst du im Beetplaner aufteilen.
Farbe im Winter
Siehst du den Ruheplatz auch im Winter vom Fenster aus, braucht er Farbträger für die kalte Zeit. Dann können immergrünes oder farbiges Laub, Früchte, Rinde und stehen gelassene Gräser die Farbe tragen. Standfeste, trockene BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. von Fetthenne und Brandkraut geben dem Beet im Winter Struktur.
Wie gestaltest du die Geräuschkulisse?
Bei den Klängen arbeitest du in zwei Richtungen. Erwünschte Geräusche holst du in den Garten, Störgeräusche schätzt du realistisch ein.
Vögel und Insekten in Hörweite
Fruchtstände, die du stehen lässt, und Beerensträucher sind im Herbst und Winter natürliche Nahrung für Gartenvögel. Gesunde Staudenstängel und Samenstände bleiben ohnehin über den Winter stehen. Wenn du im Herbst nicht alles abschneidest, sorgst du also mit demselben Handgriff für Vogelnahrung und Winterstruktur.
Fütterst du zusätzlich, nimm einen geschützten Futterspender, der Kot, Regen und Schnee vom Körnerfutter fernhält. Schalenreste und Kot an der Futterstelle entfernst du täglich.
Für Insekten setzt du ungefüllte Korbblüten und Doldenblüten in die Nähe des Sitzplatzes. Erwachsene SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. und andere Blattlausfeinde finden dort Pollen und Nektar, an die sie gut herankommen. Die Larven der Schwebfliegen fressen Blattläuse, du kannst sie an Blattlauskolonien beobachten.
Gräser und Windspiele
Gräser bewegen sich schon bei leichtem Wind und rascheln dabei. Stehen gelassen tragen sie im Winter zusätzlich die Farbe mit. Windspiele ergänzen das, wenn ihr Klang zu dir passt. Ich hänge ein neues Windspiel zuerst provisorisch auf und höre es mir bei Wind vom Sitzplatz aus an. Denk dabei auch an die Nachbarn, die den Klang mithören. Wie du kleine Dekoelemente platzierst und saisonal wechselst, zeigt der Ratgeber zur Gartendekoration.
Wasser als Klangquelle
Plätscherndes Wasser bringt einen eigenen Klang an den Sitzplatz. Bau, Betrieb und Pflege sind ein eigenes Thema, und ein eigener Ratgeber zeigt dir, welche Wasserspiele in deinen Garten passen.
Straßenlärm: Was Gehölze nicht leisten
Liegt dein Garten an einer Straße, legst du den Ruheplatz auf die abgewandte Seite, wenn du die Wahl hast.
Eine Hecke an der Straße hält den Lärm vom Sitzplatz fern? Eine schallschluckende Wirkung haben die üblichen schmalen Gehölzstreifen an Straßen nicht. Als baulichen Lärmschutz planst du sie deshalb nicht ein. Gegen Blicke helfen sie dir trotzdem.
Wie legst du einen Meditations- oder Yogaplatz an?
Ein Platz zum Meditieren
Für Meditation genügt ein kleiner, ebener Platz abseits des Hauptwegs, den Pflanzen nach außen abschirmen. Liegt er unter dem Hausbaum, sitzt du im Schatten. Ein Kiesbereich, den du mit dem Rechen zu Mustern ziehst, stammt aus dem japanischen Zen-Garten und passt an den Rand eines solchen Platzes. Große Steine dienen dort als Sitz und als Blickpunkt.
Fläche und Untergrund für Yoga
Yoga braucht mehr Fläche als das Sitzen. Leg deine Matte an den geplanten Platz und streck dich in alle Richtungen aus, dann siehst du, wie viel Raum frei bleiben muss.
Extensiven Landschaftsrasen mähst du gewöhnlich ein- bis dreimal im Jahr. Als Spiel- oder Liegewiese taugt er nur zeitweise. Übst du regelmäßig, planst du deshalb besser eine ebene, befestigte Fläche aus Platten. Gib einer kleinen Plattenfläche 1 bis 2 % Gefälle, dann kann sie zu einem Beet an der Seite entwässern. Wähl einen Belag, der auch feucht keine Rutschgefahr bietet. Rund um einen sonnigen Yogaplatz passen Lavendel und Thymian als Duftkräuter.
Leg die Matte vor dem Bauen zu deiner üblichen Übungszeit zur Probe an den Platz. Achte auf Sonne, Wind, Blicke und Geräusche. Verschieben kannst du den Platz jetzt noch ohne Aufwand, später nicht mehr.
Was gehört sonst noch in einen Entspannungsgarten?
Licht für die Abendstunden
Für den Abend reicht am Sitzplatz und entlang des Wegs ein warmes, gedämpftes Licht, das nicht blendet. Welche Leuchtenarten und Solarleuchten sich dafür eignen, behandelt ein eigener Ratgeber zum gemütlichen Licht im Garten.
Naturnahe Ecken
Eine Blumenwiese am Rand des Ruhebereichs mähst du je nach Wüchsigkeit, Nährstoffversorgung und Niederschlägen 1 bis 3 Mal im Jahr. Bei größeren Wiesen mähst du abschnittsweise und zeitversetzt, damit ungemähte Rückzugsbereiche für Insekten bleiben. Wie du einen naturnahen Garten mit heimischen Pflanzen anlegst und schrittweise umstellst, steht im Ratgeber zum naturnahen Garten.
Pflege, die dir Zeit lässt
Damit der Ruheplatz nicht zur Daueraufgabe wird, wählst du Pflanzen nach dem Standort und rechnest deine Pflegezeit von Anfang an ein. Herbstlaub rechst du von Rasen und Wegen und lässt es in dünnen Lagen zwischen den Stauden liegen. Wie du Unkraut vorbeugst und Triebe lenkst, erklärt der Ratgeber zur Gartenplanung im Abschnitt Pflege.
