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Nutzpflanzen winterfest machen: Beerensträucher, Gemüsebeet und Kräuter

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion

Grundlagen: Winterschutz für Pflanzen: Tipps einer Gartenexpertin für Rosen, Stauden und Immergrüne · Alle Ratgeber zu Pflanzen überwintern

Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Sommerhimbeeren nach der Ernte auslichten, die grünen Jungruten tragen die nächste Ernte.
  • Herbsthimbeeren in einjähriger Kultur erst im Februar vor dem Austrieb bodennah schneiden.
  • Junge Brombeerruten bleiben stehen und bekommen in kalten Wintern Schilfmatten oder Tannenreisig.
  • Nach Mitte Juli keinen stickstoffhaltigen Dünger mehr an Obstgehölze geben, damit die Triebe ausreifen.
  • Pastinaken und Schwarzwurzeln können im Beet bleiben, Rote Bete kommt vor dem Frost heraus.
  • Rosmarin im Kübel überwintert am besten hell bei 5 bis 10 °C.

Ob deine Himbeeren im nächsten Jahr tragen, entscheidet sich zum Teil schon daran, welche Ruten du vor dem Winter stehen lässt. Bei Beerensträuchern, stehendem Gemüse und Kräutern schütze ich deshalb zuerst das, was im Folgejahr wieder austreiben oder Ernte bringen soll. Einpacken ist dabei nur ein Teil der Arbeit. Schnitt, Düngung, Standort und ein passendes Winterquartier gehören genauso dazu.

Wann Nutzpflanzen ihren Winterschutz bekommen

Empfindliche Pflanzen, die draußen überwintern, bekommen ihren Schutz rechtzeitig vor den ersten stärkeren Frösten. Gefährlich wird dabei nicht nur die Kälte, sondern auch Nässe, Wintersonne und Trockenheit bei gefrorenem Boden. Wie Frosthärte und Wetter mitbestimmen, wie lange ein Beet belegt bleibt, steht in der Gartenplanung im Abschnitt Klima und Wetter.

Beerensträucher winterfest machen

Bei Beerensträuchern geht es im Herbst weniger ums Einpacken als um die Frage, welche Ruten stehen bleiben. Himbeeren schneide ich je nach Typ zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Brombeeren bekommen in kalten Wintern zusätzlich eine Abdeckung.

Sommerhimbeeren: alte Ruten raus, Jungruten stehen lassen

Nach der Ernte schneide ich bei Sommerhimbeeren die abgetragenen braunen Ruten bodennah ab. Die grünen Jungruten bleiben stehen, denn an ihnen wächst die Ernte des nächsten Jahres. Bevor die Schere ansetzt, prüfe ich bei jeder Rute die Farbe bis hinunter zum Boden.

Herbsthimbeeren: Rückschnitt erst im Februar

Herbsthimbeeren in einjähriger Kultur lasse ich über den Winter stehen. Vollständig bodennah zurückgeschnitten werden sie erst im Februar, noch vor dem Austrieb. An jede Himbeerreihe hänge ich deshalb im Herbst ein Schild mit „Sommer“ oder „Herbst“, damit ich beim Schnitt nicht raten muss.

Häufiger Fehler

Sommerhimbeeren werden so radikal geschnitten wie Herbsthimbeeren im Februar. Dabei fallen auch die grünen Jungruten, und genau an denen hängt die Ernte des nächsten Sommers.

Brombeeren: junge Ruten schützen

Auch bei Brombeeren bleiben die jungen Ruten für die nächste Ernte stehen. In kalten Wintern bekommen sie Schutz durch Schilfmatten oder Tannenreisig. Ich nehme dafür Tannenreisig und lege es auf, bevor die ersten stärkeren Fröste kommen.

Johannis- und Stachelbeeren: Triebe ausreifen lassen

Johannis- und Stachelbeeren im Beet packe ich nicht ein. Bei ihnen kümmere ich mich um das, was bei Gehölzen Winterschäden begünstigt. Dazu gehören ein Standort, dessen Boden, Licht und Feuchtigkeit nicht passen, und Dünger, der zu spät oder zu reichlich kommt. Nach Mitte Juli bekommen meine Beerensträucher deshalb keinen stickstoffhaltigen Dünger mehr, damit ihre Triebe vor dem Winter ausreifen. Neue Sträucher pflanze ich im Oktober oder November, denn das sind geeignete Pflanzmonate für Obstgehölze. Kranke Triebe schneide ich heraus und reinige danach Schere und Handschuhe, bevor ich an gesunden Sträuchern weiterarbeite. Für einen Beerenstrauch im Kübel gelten dieselben Handgriffe wie für winterharte Kräuter im Topf.

Gemüsebeete winterfest machen: stehende Kulturen schützen

Im Herbst gehe ich das Gemüsebeet Reihe für Reihe durch. Für jede Kultur entscheide ich, ob sie stehen bleibt, Vlies bekommt oder geerntet wird. Was über Winter stehen bleibt, trage ich in meinen digitalen Beetplan ein, damit ich im Frühjahr weiß, welche Beete noch belegt sind. Welche Arten und Sorten du gezielt für die kalte Jahreszeit säst und pflanzt, erklärt der Ratgeber zum Anbau von Wintergemüse.

Was stehen bleiben kann und was raus muss

Wie viel Frost eine Kultur verträgt, ist sehr verschieden. Die Temperaturen in der Tabelle sind Orientierungen und keine festen Grenzen, denn Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung verschieben sie.

Kultur Was über Winter gilt
Pastinaken können im Winter im Beet bleiben
Schwarzwurzeln können bis März im Beet überwintern
Topinambur Knollen bleiben im Boden, Ernte nach Bedarf von September bis März
Knollenziest Erntefenster von Anfang Oktober bis Ende Januar
Möhren, Knollensellerie vertragen leichte Fröste
Rote Bete wird vor dem Frost geerntet
Endivien, Chinakohl Richtwert bis etwa −4 °C, abhängig von Standort, Sorte und Zustand
Grünkohl, Rosenkohl häufig bis etwa −10 °C, abhängig von Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung
Tomaten, Kürbisse, Zucchini lassen sich bei herbstlichen Frostnächten mit Vlies meist nicht zuverlässig schützen

Rote Bete und anderes Wurzelgemüse, das vor dem Frost aus dem Beet kommt, lagere ich in Holzkisten mit feuchtem Sand bei 3 bis 5 °C. In die Kisten kommen nur gesunde, unverletzte Stücke.

Artischocken, die du mehrjährig ziehst, brauchen in geeigneten geschützten Lagen Winterschutz. Genauso wichtig ist der Schutz vor Nässe, die sonst in die hohlen Stängel eindringt.

Vlies über stehendem Wintergemüse

Stehender Grünkohl, Winterporree, Zuckerhut und Pak Choi lassen sich an frostigen Standorten mit Vlies schützen. Das Vlies lässt Wasser und Luft durch und bremst bei bodennahen Kulturen den Wärmeverlust, indem es die Abstrahlung gespeicherter Bodenwärme vermindert. Vor Wintersonne schützt es das Gemüse ebenfalls. Ich lege das Vlies locker über die Reihe und sichere die Ränder mit Erde, Steinen oder Brettern. Nach Sturm oder Schnee gehe ich die Reihen ab und prüfe, ob die Ränder noch fest liegen. Bei einem Folientunnel lasse ich die Enden offen, damit Luft ausgetauscht wird.

Achtung

Gefrorene Salatblätter fasst du nicht an und erntest sie auch nicht. Schneide sie erst, wenn sie vollständig aufgetaut sind.

Tipp

Vlies, das im Frühjahr abkommt, säubere und trockne ich und lagere es dann dunkel und mäusesicher. Auch biologisch abbaubares Vlies gehört nicht auf den eigenen Kompost, weil es sich dort nicht schnell genug zersetzt.

Was mit abgeräumten Beeten passiert

Auf abgeräumten Beeten darf Herbstlaub in dünnen Lagen liegen bleiben. Wo ein Beet früh genug frei wird, säe ich bis Mitte oder Ende Oktober noch Winterroggen als Gründüngung. Umgraben zur Frostgare ist nur bei schweren Böden sinnvoll, die erwartbar durchfrieren.

Kräuter auf den Winter vorbereiten

Bei Kräutern unterscheide ich zwei Gruppen. Die einen überwintern als Stauden oder Halbsträucher im Beet, bei anderen wie Rosmarin bleibt der Winter im Freiland ein Risiko.

Mehrjährige Kräuter im Beet

Lavendel und Thymian setze ich an sonnige, magere Plätze. Nach der Lavendelblüte entferne ich nur die verblühten Blütenstängel. Den kräftigen Rückschnitt von Lavendel und Salbei bis kurz vor die verholzte Basis mache ich erst im Frühjahr. Kräuterstauden wie Oregano und Minze lasse ich mit gesunden Stängeln und Samenständen über Winter stehen, weil stehen gelassene Stauden Nützlingen Unterschlupf bieten. Kranke oder in den Weg ragende Stängel schneide ich dagegen heraus. In Töpfen achte ich auf offene Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann und keine Staunässe entsteht.

Rosmarin, Basilikum und andere frostempfindliche Kräuter

Ob Rosmarin draußen überwintert, hängt von Sorte, Region und davon ab, wie durchlässig der Boden ist. Auch wenn alles passt, gelingt es nicht zuverlässig in jedem Winter. Ich ziehe Rosmarin deshalb im Kübel und stelle ihn im Winter hell bei 5 bis 10 °C auf. In einer ungeheizten Garage sind frostempfindliche Kübelpflanzen bei strengem Dauerfrost nicht verlässlich sicher, und ein unbeheiztes Gewächshaus kann durchfrieren. Für einen Rosmarin, der frostfrei stehen soll, sind beide Orte in einem harten Winter also keine sichere Wahl.

Steht ein Rosmarin im Beet, schütze ich ihn mit luftdurchlässiger Jute vor Wintersonne. Weil immergrüne Pflanzen auch im Winter Wasser verdunsten, gieße ich ihn bei Bedarf an frostfreien Tagen ausgiebig. Vorher prüfe ich die Bodenfeuchte, denn Welke kann auch von Staunässe kommen.

Basilikum ziehe ich jedes Jahr neu. Ins Freie kommt es erst ab Mitte Mai, wenn keine Nachtfröste mehr drohen.

Kräuter und Beerensträucher im Topf

Winterharte Kräuter und Beerensträucher im Topf stelle ich dicht zusammen an eine geschützte Hauswand, die absonnig bis schattig liegt. Die Töpfe umwickle ich mit einer Kokosfasermatte und lasse einen Zugang zum Gießen frei. Die Erde decke ich etwa 10 cm hoch mit Laub ab, das Abzugsloch bleibt dabei frei. Keramikgefäße stehen bei mir auf etwa 1 bis 2 cm hohen Klötzchen, damit sich unter dem Topfboden kein Wasser sammelt. Welche Hilfsmittel von Vlies und Kokosmatte bis Folientunnel es sonst gibt und wie du sie anwendest, zeigt ein eigener Ratgeber.

Obstbäume, Kübelpflanzen und Frühjahr: kurz eingeordnet

Bei Obstbäumen beugt ein Weißanstrich Spannungsrissen vor, weil er die sonnenbedingte Erwärmung dunkler Stämme vermindert. Junge Bäume mit glatter Rinde sind an sonnenexponierten Standorten besonders durch Frostrisse gefährdet. Wie du Stamm, Wurzeln und Krone im Winter schützt, erklärt der Ratgeber zum Winterschutz für Bäume.

Olive und Zitrus aus dem Kübel brauchen ein helles, frostfreies Winterquartier. Für viele klassische Kübelpflanzen eignet sich ein heller, frostfreier Platz mit 5 bis 10 °C, die Eignung prüfst du aber für jede Art. Wie du frostempfindliche Kübelpflanzen durch den Winter bringst, bis hin zu Heiztechnik und Frostwächtern, zeigt ein eigener Ratgeber.

Im Frühjahr nimmst du den Winterschutz schrittweise ab, je nach Empfindlichkeit der Pflanze und Wetterprognose, damit sie sich an die Sonne gewöhnt. Vlies nehme ich an einem trüben oder regnerischen Tag ab, um Sonnenbrand an den Pflanzen zu vermeiden. Wann der Schutz drankommt, welche Fehler dabei passieren und wie du ihn im Frühjahr wieder abbaust, erklärt der Ratgeber zum Winterschutz für Gartenpflanzen.

Vor dem Winter stelle ich außerdem die Wasserversorgung im Garten ab und leere Regentonne und Gießkannen. Welche Herbstarbeiten vom Rasen bis zum Werkzeug den ganzen Garten winterfest machen, steht im Ratgeber zum winterfesten Garten.

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