Bewässerung in trockenen Sommermonaten: Gießplan, Tropftechnik, Pflanzenwahl
- Für Gemüsebeete bei sommerlicher Trockenheit gelten etwa 20–25 l/m² alle 3 Tage als Orientierung.
- Wird das Wasser knapp, gehen langlebige Gehölze vor Rasen, weil Rasen Trockenphasen meist besser regeneriert.
- Tropfbewässerung bringt das Wasser gezielt an die Pflanze und braucht einen Filter gegen verstopfte oder verkalkte Tropfer.
- Unterirdische Bewässerungsleitungen liegen etwa 30 cm tief und werden vor Frost entleert.
- Wasser von herbizidhaltigen Bitumendachbahnen gehört nicht in den Garten, und Regenwasser darf nicht ins Trinkwassersystem gelangen.
Wenn es im Hochsommer wochenlang nicht regnet, reicht das Wasser selten für jedes Beet gleichzeitig. Ich lege deshalb früh fest, welche Pflanzen zuerst Wasser bekommen, wie viel sie bekommen und auf welchem Weg es an die Wurzeln gelangt. So landet das Wasser bei den Pflanzen, die es am dringendsten brauchen.
Dieser Ratgeber gilt für Sommer, in denen Trockenphasen kommen und gehen. Liegt dein Garten dauerhaft trocken, findest du Systeme und Gießstrategien dafür im Ratgeber über wassersparende Technik für dauerhaft trockene Gärten.
Der Gießplan für trockene Wochen
Ein Gießplan beantwortet zwei Fragen: wie viel Wasser je Gabe und wie oft. Die Menge richtet sich nach der BodenartDie Bodenart beschreibt, wie grob oder fein die Körner eines Bodens sind, und bestimmt mit, wie gut er Wasser und Nährstoffe hält. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton, Lehm ist eine Mischung aus allen dreien. und nach dem Raum, den die Wurzeln durchziehen. Wie oft du gießt, bestimmst du anhand von Wasserverbrauch und Bodenfeuchte. Der Verbrauch hängt an Pflanzenart und Sorte, an Witterung und SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. sowie an Sonne und Wind am Standort. Südlagen brauchen deshalb mehr Wasser als Nordhänge oder teilweise beschattete Gärten.
Orientierungswerte für die Trockenphase
Die Werte sind Orientierung und ersetzen nicht den Griff in die Erde.
| Wer | Orientierung | Was dazugehört |
|---|---|---|
| Gartenbeete, durchdringend gegossen | 10–20 l/m² je Wassergabe | Orientierungsbereich |
| Gemüsebeete bei sommerlicher Trockenheit | etwa 20–25 l/m² alle 3 Tage | bei Hitze auf mehrere Gießgänge verteilen, damit nichts abschwemmt |
| Frisch gepflanzte Stauden und Gehölze | etwa 2–3 Wassergaben pro Woche | zum Einwachsen bei sommerlicher Trockenheit |
| Junge Obstbäume in der Anwachsphase | etwa 50–100 l je Gießgang | Ziel ist der ursprüngliche WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt. |
| Eingewachsene Hausbäume | zusätzliches Wasser vor allem bei lang anhaltender Trockenheit | keine feste Menge |
Wird das Wasser knapp, versorge ich zuerst die langlebigen Gehölze und erst danach den Rasen. Rasen kann Trockenphasen meist besser regenerieren. Neupflanzungen stehen bei mir ebenfalls weit oben, weil frisch gesetzte Stauden und Gehölze häufiger zusätzliche Gaben brauchen als eingewachsene Pflanzen. Bei Obstbäumen achte ich besonders in den ersten 2–3 Standjahren auf Zusatzwasser, vor allem auf leichten Böden und bei schwachen Unterlagen.
In trockenen Wochen notiere ich auf einem Zettel im Schuppen, wann welches Beet zuletzt Wasser bekommen hat. Vor dem nächsten Gießgang greife ich trotzdem erst in die Erde und prüfe, ob sie noch feucht ist.
Wie viel Wasser dein Boden hält
Wie lange eine Gabe vorhält, hängt an der Bodenart. Sand speichert deutlich weniger Wasser als Lehm, Ton liegt dazwischen. Sandige oder flachgründige Böden musst du häufiger gießen, die Speicherwerte je Bodenart stehen im Überblick zur Gartentechnik im Abschnitt Gießen mit Menge, Rhythmus und dem Boden als Speicher.
Wann du gießt
Ich gieße in Trockenphasen am liebsten morgens, weil benetzte Blätter danach abtrocknen und Pilzkrankheiten so weniger begünstigt werden. Abends geht es auch, solange die Pflanzen vor der Nacht noch abtrocknen können.
Wassertropfen wirken auf Blättern nicht wie ein Brennglas. Gießt du in der Mittagssonne, entstehen bei den meisten Pflanzen keine Verbrennungsflecken. Hängen die Blätter mittags, prüf trotzdem zuerst, ob die Erde wirklich trocken ist.
Menge messen statt schätzen
Beim Gießen mit Schlauch, Brause oder Regner misst du die Menge, die tatsächlich ausgebracht wird. Die Orientierungswerte stehen in Litern je Quadratmeter, und wie viel dein Schlauch liefert, weißt du erst nach einer Messung. Ohne Messung bleibt jede Gabe aus dem Schlauch also eine Schätzung.
Stoppe, wie lange dein Schlauch braucht, um eine 10-Liter-Gießkanne zu füllen. Mit dieser Füllzeit rechnest du aus, wie lange du für die geplante Menge auf einem Beet gießen musst.
Tropfbewässerung: Wasser gezielt an die Pflanze
In trockenen Wochen versorge ich Beete und Kübel über Tropfschläuche. Tropfbewässerung bringt das Wasser gezielt an die Pflanze. Überkopfberegnung ist dagegen windanfällig, kann das Wasser ungenau verteilen und benetzt auch die Blätter. Regner haben ihren Platz deshalb vor allem auf Rasenflächen.
Tropfer können verstopfen oder verkalken, deshalb braucht jede Tropfanlage einen Filter. Dichtungen, Filter und Düsen sind Verschleißteile. Eine Anlage, deren Teile zugänglich und austauschbar sind, lässt sich leichter warten.
Die Bayerische Gartenakademie beschreibt für Haus- und Kleingarten Tropfschläuche, deren Tropfstellen typischerweise 30–40 cm auseinanderliegen. Jede Tropfstelle gibt je nach Ausführung 1–4 l pro Stunde ab. Typisch sind 0,5–2 bar Betriebsdruck, der nötige Wert hängt aber vom System ab. Maßgeblich ist deshalb die Angabe des Herstellers deiner Anlage.
Weil sich die Gießhäufigkeit an der Bodenfeuchte bemisst, passt ein Feuchtefühler gut zur Tropfanlage: Er kann die automatische Bewässerung sperren, solange die Erde noch feucht ist. Für einzelne Kübel gibt es Tonfühler, die die Wasserabgabe ohne Strom oder Batterie nach der Bodenfeuchte steuern. Mit einem Fühler je Gefäß stellst du jedes Gefäß nach seinem eigenen Bedarf ein.
Eine neue automatische Tropfbewässerung lasse ich mehrere Wochen unter Beobachtung laufen und stelle sie nach, bevor sie allein arbeitet.
Bevor deine Tropfanlage in trockenen Wochen unbeaufsichtigt läuft:
- Anlage frühzeitig installiert
- Filter eingebaut und frei
- Betriebsdruck nach Herstellerangabe eingestellt
- Testlauf gemacht, Wassergaben passen
- Schlauchverbindungen sitzen sicher
- mehrere Wochen beobachtet und nachgestellt
Was der Garten bei Hitze und vor der Urlaubsreise sonst noch braucht, beschreibt der Ratgeber zur Gartenpflege bei Sommerhitze. Ob Tropfschlauch, Regner oder Gießkanne zu deiner Gartengröße und deinem Budget passt, klärt der Ratgeber zur Wahl des passenden Bewässerungssystems.
Unterflurbewässerung: Leitungen im Boden
Bei einer unterirdischen Anlage liegen die Leitungen im Boden, sodass du mähen und hacken kannst, ohne über Schläuche zu steigen. Für trockene Wochen gilt hier dasselbe wie beim Tropfschlauch: Gesteuert über einen Bodenfeuchtefühler, kann auch sie bei noch feuchter Erde pausieren.
Für den Einbau werden ausreichend große PE-HD-Leitungen von etwa ¾–1 Zoll empfohlen. Gemeint ist die Rohrdimension, kein Schlauchmaß. Die Leitungen kommen etwa 30 cm tief in den Boden und werden vor dem Frost entleert.
Beim Anschluss einer unterirdischen Anlage an die Trinkwasserinstallation beurteilt ein Fachunternehmen, welche Sicherungseinrichtung das Trinkwasser schützt. Das entscheidest du nicht selbst.
Wie du eine automatische Anlage Schritt für Schritt planst, einbaust und wartest, steht im Ratgeber dazu.
Gießkanne, Brause und smarte Steuerung kurz eingeordnet
Gießstäbe und Brausen eignen sich, wenn du einzelne Pflanzen gezielt wässerst, etwa beim Angießen von Setzlingen. Für smarte Steuerungen gilt in Trockenphasen dieselbe Regel wie beim Gießen per Hand: Sie sollen sich an der Bodenfeuchte ausrichten. Wie viel, wann und womit du grundsätzlich gießt, erklärt der Ratgeber zum richtigen Bewässern im Garten.
Woher das Wasser im Sommer kommt
Ich fülle meine Gießkannen in trockenen Wochen zuerst aus der Regentonne. Wie du Regenwasser sammelst, speicherst und verteilst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Bevor Dachwasser ins Beet kommt, schau aufs Dach. Wasser von herbizidhaltigen Bitumendachbahnen nimmst du nicht zum Gießen. Von Kupfer- und Zinkdächern kann es umweltschädliche Metallverbindungen enthalten, einzelne Rinnen und Fallrohre aus diesen Metallen sind dagegen in der Regel unproblematisch. Eine Regenwasseranlage muss mit einer geeigneten Sicherungseinrichtung verhindern, dass Regenwasser ins Trinkwassersystem gelangt.
Grauwasser aus Bad, Dusche oder Waschmaschine kommt nur ins Beet, wenn es vorher in einer dafür vorgesehenen Grauwasseranlage gereinigt wurde.
In trockenen Sommern können lokale Anordnungen zur Wasserentnahme gelten. Halte dich an sie und an die Hinweise deines Wasserversorgers. Schränkt eine Anordnung die Entnahme ein, gilt die Rangfolge aus deinem Gießplan: Gehölze vor Rasen.
Mulch und Boden: Feuchtigkeit im Beet halten
MulchMulch ist eine Schicht, mit der du offenen Gartenboden bedeckst, meist aus organischem Material wie Rasenschnitt, Stroh oder Laub. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht und hemmt Unkraut. gehört zu den Maßnahmen, mit denen du direkt auf dem Boden Wasser sparst. Organischen Mulch trage ich im Gemüsebeet etwa 2–3 cm dick auf, feinen Rasenschnitt nur dünn. Damit beginne ich erst bei etwa 10 cm Pflanzenhöhe, Saatrillen und Jungpflanzen bleiben frei. Wie du mit Mulch, Bodenpflege und Gestaltung im ganzen Garten Wasser sparst, beschreibt der Ratgeber zum Wassermanagement im Garten, die Grundlagen stehen im Überblick zur Gartentechnik im Abschnitt Wasser sparen.
Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen
Am wenigsten gießt du dort, wo die Pflanzen zum Standort passen. Eine standortgerechte Bepflanzung mit hitze- und trockenheitsverträglichen Arten verringert den Bewässerungsbedarf und den Pflegeaufwand. MehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. mediterrane Kräuter wie Lavendel, Salbei und Thymian überstehen sommerliche Trockenperioden häufig ohne zusätzliches Wasser. Phlox paniculata und Rittersporn gehören dagegen zu den Stauden mit hohem Wasserbedarf.
Ich setze Pflanzen mit ähnlichem Wasserbedarf zusammen, damit ich in trockenen Wochen gezielt die durstigen Gruppen erreiche. Unter Bäumen und Sträuchern rechne ich deren Wasseraufnahme mit ein, wenn ich die Unterpflanzung gieße.
Eine trockenheitsverträgliche Staude gleich nach dem Pflanzen sich selbst überlassen. In der Anwachsphase darf auch sie nicht austrocknen, also gieß sie bei Bedarf, bis sie eingewachsen ist.
Wie du einen Garten von Anfang an so anlegst und bepflanzt, dass er wenig Pflege braucht, beschreibt der Ratgeber zum pflegeleichten Garten.
Wenn Pflanzen trotz Gießen welken
Welke kann auf Wassermangel hindeuten, aber auch auf Wurzelschäden durch anhaltende Überwässerung. Prüf deshalb die Bodenfeuchte, bevor du nachgießt. Welche Fehler beim Bewässern oft passieren und wie du sie vermeidest, zeigt der Ratgeber zu typischen Gießfehlern.
Kübel und Gemüse in der Trockenphase
Große Kübel und HochbeeteEin Hochbeet ist ein erhöhtes, stabil eingefasstes Beet, das mit Erde gefüllt wird, etwa aus Holz, Stein, Beton, Metall oder Kunststoff. Es erlaubt rückenschonendes Gärtnern auf wenig Grundfläche. musst du seltener gießen als eine Sammlung kleiner Töpfe, deren Erde schneller austrocknet. Fruchtgemüse wie Tomaten, Gurken und Zucchini brauchen bis zur Ernte eine gute Wasserversorgung, Zwiebeln stehen in der Abreife lieber trockener. Wie du Beete mit sehr unterschiedlichem Wasserbedarf nebeneinander versorgst, beschreibt der Ratgeber zur Bewässerung bei großer Pflanzenvielfalt.

