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Wurzelaktivator für den Rasen: Was ihn vom Dünger unterscheidet und wie du ihn ausbringst

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Rasendünger liefert Nährstoffe, Biostimulanzien sollen pflanzliche Ernährungsprozesse unabhängig vom eigenen Nährstoffgehalt anregen.
  • Algenprodukte, Amino- und Huminsäuren sowie Mikroorganismen sind Stoffgruppen, die bei Biostimulanzien verwendet werden.
  • Rund 84 % untersuchter kommerzieller Mykorrhizaprodukte führten in kontrollierten Gewächshausversuchen nicht zur gewünschten Wurzelbesiedlung.
  • Bodenverdichtung begünstigt ein flaches Wurzelwerk, darum prüfst du Boden und Nährstoffe vor jedem Präparat.
  • Ausbringen auf feuchten Boden bei sichtbarem Wachstum, Menge nach Packungsangabe; bei Hitze, Trockenheit und Frost wartest du ab.

Du stehst im Gartencenter vor einem Regal voller Wurzelaktivatoren und fragst dich, ob dein dünner Rasen so etwas braucht. Bevor ich zu einer solchen Flasche greife, steche ich mit dem Spaten ein Stück Rasen ab und schaue mir Wurzeln und Boden an. Bodenverdichtung begünstigt nämlich ein flaches Wurzelwerk, und Verdichtung gehst du mechanisch an, nicht mit einem Präparat. Hier liest du, was einen Wurzelaktivator von Rasendünger unterscheidet und was über die Inhaltsstoffe bekannt ist. Danach geht es darum, wann und wie du ihn flüssig oder als Granulat ausbringst.

Wurzelaktivator oder Rasendünger: Wo liegt der Unterschied?

Rasendünger liefert Nährstoffe, die die Gräser direkt verwerten. Stickstoff unterstützt die Masse- und Eiweißbildung, Phosphor den Energiehaushalt und die Wurzelentwicklung. Kalium unterstützt die Regulation des Wasserhaushalts.

Wurzelaktivatoren setzen an einer anderen Stelle an. Schau auf die Zutatenliste: Algenprodukte, Amino- und Huminsäuren sowie Mikroorganismen wie Mykorrhizapilze sind Stoffgruppen, die bei Biostimulanzien verwendet werden. Biostimulanzien sollen pflanzliche Ernährungsprozesse anregen, und zwar unabhängig vom Nährstoffgehalt des Produkts selbst.

Daraus ergibt sich eine klare Grenze. Die Aufgabe eines solchen Präparats ist nicht die Nährstofflieferung, und die Nährstoffversorgung richtest du am Bedarf der Gräser und an der Bodenuntersuchung aus. Fehlt deinem Boden also Phosphor oder Kalium, ersetzt ein Wurzelaktivator diesen Nährstoff nicht.

Rasendünger Wurzelaktivator
Aufgabe liefert Nährstoffe für Wachstum, Wurzelentwicklung und Wasserhaushalt soll Ernährungsprozesse anregen, unabhängig vom eigenen Nährstoffgehalt
Mögliche Inhalte Stickstoff, Phosphor, Kalium, je nach Produkt weitere Nährstoffe Algenprodukte, Amino- und Huminsäuren, Mikroorganismen
Menge richtet sich nach Bodenuntersuchung und Bedarf des Rasens Angabe auf der Packung

Steht auf dem Etikett eines Wurzelaktivators eine NPK-Angabe, bringt er auch Nährstoffe mit. Die rechnest du bei der weiteren Düngung mit an, so wie Nährstoffe aus Kompost. Wie viel Stickstoff dein Rasen im Jahr braucht und warum du ihn in Teilgaben gibst, steht im Abschnitt zum Düngen in meinem Rasen-Ratgeber.

Kurz erklärt

Mykorrhizapilze besiedeln Wurzeln und den Boden darum herum und unterstützen ihre Wirtspflanze bei der Nährstoffaufnahme. Den Wurzelraum, in dem Pflanzen und Bodenorganismen besonders eng zusammenwirken, nennt man Rhizosphäre.

Aussaatkalender Rasen
GartenkalenderAussaat: März, April, Mai, September, OktoberJFMAMJJASONDAussaatAussaat: MärzAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: SeptemberAussaat: OktoberAussaat

Was das Bodenleben selbst leistet und was die Packung dazugibt

Dein Boden lebt auch ohne Zusatz. Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller bauen Pflanzenreste ab und setzen dabei Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form frei. Wie gut das gelingt, hängt von Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffstatus ab.

Bei Organismen aus der Packung lohnt ein nüchterner Blick auf Versuche.

Zahl im Blick

In einer Untersuchung wurden 28 kommerzielle Mykorrhizaprodukte in kontrollierten Gewächshausversuchen geprüft. Rund 84 % davon führten nicht zur gewünschten Besiedlung der Wurzeln.

Ähnlich fiel ein Laborversuch zu effektiven Mikroorganismen aus. Bei 12 °C veränderte ihre Zugabe zu Wickroggenmaterial weder die mikrobielle Biomasse noch die Nährstofflöslichkeit nachweisbar. Das war kein Rasenversuch, und ein einzelner Versuch ist kein Urteil über jedes Produkt.

Das Bodenleben hängt also an Feuchte, Temperatur und pH-Wert, und zugesetzte Mykorrhiza kam im Gewächshaus meist nicht an den Wurzeln an. Wer seinem Boden helfen will, fängt deshalb bei diesen Bedingungen an und nicht beim Zusatz. Organische Nahrung und das Vermeiden von Verdichtung fördern die Bodenfauna. Kompost liefert organisches Material für das Bodenleben und kann die Fähigkeit des Bodens verbessern, Wasser zu leiten und zu speichern.

Tipp

Für bestehenden Rasen kommt als gelegentliche Pflegegabe feiner, gütegesicherter Fertigkompost der Körnung 0/6 infrage. Als Menge gelten etwa 3 bis 5 l/m², im Abstand von 3 bis 5 Jahren. Die Nährstoffe aus dem Kompost ziehst du von deiner weiteren Düngung ab.

Mythos-Check

„Ein Wurzelaktivator macht flache Wurzeln tief.“ Bodenverdichtung vermindert den Grobporenraum sowie die Durchlässigkeit für Wasser und Luft und begünstigt ein flaches Wurzelwerk. Verdichtete Flächen lockerst du mechanisch, etwa durch Aerifizieren, wobei auch das keine tiefgründige Verdichtung beseitigt.

Bevor du kaufst: Was hinter schwachen Wurzeln stecken kann

Ein dünner Rasen mit kurzen Wurzeln kann eine Ursache haben, die du mit Spaten und Bodenprobe findest. Ich steche an mehreren Stellen ein Rasenstück ab und schaue, wie weit die Wurzeln reichen und ob der Boden krümelt oder fest und plattig ist. Was du dabei siehst, sind Hinweise, keine Diagnose.

Was du beobachtest Was dahinterstecken kann Was du zuerst tust
Harter Boden, Wurzeln bleiben dicht unter der Narbe Verdichtung, die ein flaches Wurzelwerk begünstigt Fläche aerifizieren
Rasen bleibt hell und wächst schwach Nährstoffmangel oder ein überhöhter pH-Wert, der Nährstoffe festlegt Bodenuntersuchung machen lassen
Moos breitet sich aus Schatten, Verdichtung, Nährstoffmangel oder zu tiefer Schnitt; Moos allein beweist keinen Kalkbedarf Ursache klären, statt nur das Moos zu bekämpfen
Dünner Rasen unter Bäumen Lichtmangel und Wurzelkonkurrenz um Wasser und Nährstoffe Bodenfeuchte gesondert prüfen, in tiefem Schatten an eine andere Bepflanzung denken
Filzige Schicht über dem Boden Rasenfilz, der spätestens ab 1 cm Schichtdicke entfernt wird vertikutieren
Rasen im Sommer braun Trockenruhe, aus der etablierter Rasen nach ausreichendem Regen wieder austreiben kann abwarten, erst abgestorbene Lücken nachsäen

Klarheit über die Nährstoffe bringt die Bodenuntersuchung. Eine Standardanalyse für Rasen erfasst Bodenart, pH-Wert, Phosphor, Kalium und Magnesium. Ein überhöhter pH-Wert kann Nährstoffe festlegen, sodass trotz vorhandener Vorräte Mangelerscheinungen auftreten können. Wie du Filz, Verdichtung und Moos im Einzelnen angehst, beschreibe ich im Rasen-Ratgeber in den Abschnitten zum Vertikutieren und Aerifizieren sowie zu Moos, Unkraut und Krankheiten.

Wann du einen Wurzelaktivator ausbringst

Den Zeitpunkt bestimmt der Boden, nicht der Kalender. Ich bringe solche Präparate nur aus, wenn der Rasen sichtbar wächst und der Boden feucht ist.

Im Frühjahr erwärmt sich der Boden langsamer als die Luft. Da die Temperatur die Lebensbedingungen der Bodenorganismen mitbestimmt, ist ein warmer Märztag noch kein Startsignal. Ich messe deshalb mit einem Einstechthermometer im Boden nach. Als witterungsabhängige Orientierung für den Beginn der Frühjahrspflege gelten Ende März bis Anfang April und die Forsythienblüte.

Situation Ausbringen? Worauf ich achte
Frühjahr, Gräser wachsen sichtbar möglich Boden feucht, Bodentemperatur gemessen
Neuanlage oder Nachsaat möglich Packungsangabe, Saat danach durchgehend feucht halten
Nach Vertikutieren oder Aerifizieren möglich Fläche nach einer Lockerung möglichst etwa 3 Wochen schonen
Hitze und Trockenheit, Rasen braun abwarten erst nach Regen und sichtbarem Wachstum
Frost, kalter oder staunasser Boden abwarten bis der Boden wärmer und abgetrocknet ist

Bei großer Hitze und Trockenheit düngst du den Rasen nicht zu zusätzlichem Wachstum, und ich lasse auch den Wurzelaktivator im Schrank. Brauner, etablierter Rasen kann in einer Trockenruhe sein und nach ausreichendem Regen wieder austreiben. Bei Kälte verlangsamt sich außerdem die Freisetzung von Nährstoffen aus organischer Substanz.

Bei Neuanlage und Nachsaat

Bei der Neuanlage liegt der Boden offen. Wenn du ein Präparat verwenden willst, arbeitest du es so ins Saatbett ein, wie es die Packung für die Neuanlage vorsieht, und säst danach. Zur Aussaat kann auch ein phosphorbetonter Starterdünger die frühe Nährstoffversorgung und die Wurzelentwicklung unterstützen.

Keimende Rasensaat bekommt alle 1 bis 2 Tage Wasser, weil ein austrocknender Keimling absterben kann. Diesen Rhythmus hältst du die ersten drei Wochen durch, die Mengen stehen im Abschnitt zum Gießen meines Rasen-Ratgebers. Lass dich von den ersten Halmen nicht täuschen: Wiesen- und Lägerrispe keimen unter günstigen Bedingungen erst nach gut drei Wochen. Welche Wochen sich für die Saat eignen, zeigt dir der Aussaatkalender für Rasen zum Ausdrucken.

Nach Vertikutieren oder Aerifizieren

Vertikutieren entfernt vor allem Rasenfilz, Aerifizieren lockert verdichtete Flächen durch Schlitze oder Löcher. Granulat streue ich erst nach dem Vertikutieren, weil die Körner dann leichter den Boden erreichen. Nach einer wirksamen Lockerung schonst du die Fläche möglichst etwa 3 Wochen bei minimaler Pflege, damit die Wurzeln die neuen Poren erschließen können. In ausgeprägten Trockenphasen wird nicht vertikutiert.

Flüssig oder Granulat: So bringst du ihn aus

Für die Wahl der Form gibt es keine feste Regel. Entscheidend ist, was im Präparat steckt und ob es in feuchten Boden an die Wurzeln gelangt, denn Mykorrhizapilze besiedeln Wurzeln und den umliegenden Boden. Die Menge nimmst du von der Packung, und ich rechne sie vorher auf meine Fläche um.

Flüssige Wurzelaktivatoren

Ich mische das Konzentrat genau nach Gebrauchsanweisung mit Wasser. Damit keine Stelle doppelt oder gar nichts bekommt, teile ich die Fläche in gleich große Teilstücke und setze für jedes eine eigene Kanne an. Gegossen wird früh am Morgen, weil dann weniger verdunstet. Auf frischer Saat nehme ich eine feine Brause, damit die Oberfläche nicht verschlämmt.

Granulat

Granulat streue ich mit dem Streuwagen. Vorher prüfe ich mit einer Abdrehprobe, ob die eingestellte Menge stimmt, und achte darauf, dass der Streuer zur Korngröße passt. Die Menge teile ich auf und streue einmal längs und einmal quer, so wie beim Rasendünger. Danach gieße ich das Granulat ein, damit es von den Halmen in den Boden gelangt.

Achtung

Enthält das Granulat synthetischen Dünger, halte Hund und Katze von der Fläche fern, bis du eingegossen hast. Von Haustieren gefressener synthetischer Gartendünger kann Vergiftungen verursachen.

Häufiger Fehler

Das Präparat auf trockenen, harten Boden geben und auf Regen hoffen. Die Bodenfeuchte bestimmt die Lebensbedingungen der Bodenorganismen mit. Ich wässere deshalb vorher durchdringend, bis das Wasser 10 bis 15 cm tief im Wurzelbereich angekommen ist, und prüfe das mit dem Spaten.

Marias Erfahrung

Ich notiere bei jeder Ausbringung Datum, Bodentemperatur, Bodenfeuchte und Produkt in meinem Gartenheft. So kann ich im nächsten Jahr nachlesen, unter welchen Bedingungen ich gearbeitet habe.

Mini-Checkliste

Vor dem Ausbringen gehe ich diese Punkte durch:

  • Spatenprobe gemacht, Verdichtung und Filz angegangen
  • Bodenuntersuchung liegt vor, die NPK-Angabe des Präparats ist bei der Düngung angerechnet
  • Boden feucht, Bodentemperatur gemessen, keine Hitzephase
  • Menge laut Packung auf die eigene Fläche umgerechnet
  • Streuwagen abgedreht oder Kannen für gleich große Teilstücke angesetzt
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Häufige Fragen

Was sind Wurzelaktivatoren und wie unterscheiden sie sich von herkömmlichen Rasendüngern?
Rasendünger liefert Nährstoffe: Stickstoff für Masse- und Eiweißbildung, Phosphor für Energiehaushalt und Wurzelentwicklung, Kalium für den Wasserhaushalt. Enthält ein Wurzelaktivator Algenprodukte, Amino- oder Huminsäuren oder Mikroorganismen, arbeitet er mit Stoffgruppen der Biostimulanzien. Biostimulanzien sollen pflanzliche Ernährungsprozesse anregen, unabhängig vom eigenen Nährstoffgehalt. Einen Nährstoff, der im Boden fehlt, ersetzen sie deshalb nicht; welcher fehlt, zeigt dir eine Bodenuntersuchung.
Worin unterscheiden sich flüssige und granulare Wurzelaktivatoren in der Anwendung?
Flüssige Präparate mischst du nach Gebrauchsanweisung mit Wasser und verteilst sie mit der Gießkanne portionsweise auf gleich große Teilflächen. Granulat streust du mit einem Streuwagen, den du vorher mit einer Abdrehprobe prüfst, einmal längs und einmal quer. Anschließend gießt du es ein, damit es von den Halmen in den Boden gelangt. In beiden Fällen gehört das Präparat auf feuchten Boden, und die Menge richtet sich nach der Packungsangabe.
Wie wendet man Wurzelaktivatoren bei der Rasenneuanlage richtig an?
Bei der Neuanlage arbeitest du ein Präparat so ins offene Saatbett ein, wie es die Packung für die Neuanlage vorsieht, und säst danach. Zur Aussaat kann außerdem ein phosphorbetonter Starterdünger die frühe Nährstoffversorgung und die Wurzelentwicklung unterstützen. Keimende Rasensaat bekommt alle 1 bis 2 Tage Wasser, weil ein austrocknender Keimling absterben kann. Diesen Rhythmus hältst du die ersten drei Wochen durch.
Welche Kombinationen mit Vertikutieren und Aerifizieren sind bei Wurzelaktivatoren sinnvoll?
Vertikutieren entfernt vor allem Rasenfilz, Aerifizieren lockert verdichtete Flächen durch Schlitze oder Löcher, und diese Arbeit nimmt dir kein Präparat ab. Verwendest du einen Wurzelaktivator als Granulat, streust du ihn nach dem Vertikutieren, weil die Körner dann leichter den Boden erreichen. Nach einer wirksamen Bodenlockerung schonst du die Fläche möglichst etwa 3 Wochen bei minimaler Pflege, damit die Wurzeln die neuen Poren erschließen können. In ausgeprägten Trockenphasen wird nicht vertikutiert.
Ist es ein Mythos, dass Wurzelaktivatoren Wundermittel für jeden Rasen sind?
Ja, eine sichere Wirkung auf jedem Rasen gibt es nicht. In einer Untersuchung kommerzieller Mykorrhizaprodukte führten rund 84 % in kontrollierten Gewächshausversuchen nicht zur gewünschten Wurzelbesiedlung. Ursachen wie Verdichtung, Nährstoffmangel oder Lichtmangel bleiben außerdem bestehen, deshalb prüfst du zuerst den Boden mit Spaten und Bodenuntersuchung.
Zu welchen Jahreszeiten ist die Anwendung von Wurzelaktivatoren am wirksamsten?
Den Zeitpunkt bestimmt der Boden, denn Feuchte und Temperatur prägen die Lebensbedingungen der Bodenorganismen. Im Frühjahr gelten Ende März bis Anfang April und die Forsythienblüte als witterungsabhängiger Beginn der Frühjahrspflege, doch der Boden erwärmt sich langsamer als die Luft. Bei der Neuanlage und nach einer Bodenlockerung liegt der Boden offen und das Präparat gelangt leichter hinein. Bei großer Hitze, Trockenheit oder Frost wartest du, bis der Boden wieder feucht und warm genug ist und der Rasen sichtbar wächst.
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