Kakteen und Insekten: Wer die Blüten bestäubt und wer schadet
- Ein Blütenbesucher wird erst zum Bestäuber, wenn er Pollen auf eine Narbe überträgt.
- Feigenkakteen werden meist von Bienen bestäubt, deren Pollensuche am Griffel entlang den Pollentransfer begünstigt.
- Die weißen, duftenden Blüten der Drachenfrucht öffnen sich meist für eine Nacht und locken Motten oder Fledermäuse an.
- Nicht jedes Insekt ist Partner: Cactoblastis cactorum ist als Schädling von Opuntien dokumentiert.
- Winterharte Kakteen stehen im Freiland sonnig und warm; gut drainierte Beete und ein Regendach können im Winter nötig sein.

Wenn an einer Kakteenblüte ein Insekt landet, stelle ich mir zuerst eine Frage: Trägt es Pollen weiter, oder holt es sich nur etwas ab? Davon hängt ab, ob aus dem Besuch eine BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. wird. Wenn du das unterscheiden kannst, siehst du im Beet oder am Fenster, wie Kakteen und Insekten zusammenarbeiten. Du erkennst dann auch schneller, welcher Gast der Pflanze schadet.
Ist das Verhältnis von Kakteen und Insekten eine Symbiose?
Im Alltag meint Symbiose ein Geben und Nehmen, von dem beide Seiten etwas haben. Bei Kakteen und Insekten läuft dieser Tausch über die Blüte. Die Pflanze lockt Besucher an, die Besucher holen sich dort etwas, und manche tragen dabei Pollen weiter. Nur diese Besucher erledigen für den Kaktus die Bestäubung.
Ein Blütenbesucher ist noch kein Bestäuber. Bestäuber wird er erst, wenn er Pollen auf eine Narbe überträgt. Ein Insekt, das in der Blüte nur frisst und keinen Pollen an die Narbe bringt, bleibt ein Gast.
Wie fließend diese Grenze sein kann, zeigt ein Beispiel außerhalb der Kakteen. In Berliner Gewächshäusern wurden Spatzen und Meisen beobachtet, die Strelitzien als Nektarquelle nutzen und dabei gelegentlich bestäuben. Derselbe Besucher kann also mal Gast und mal Bestäuber sein.
Eine reine Partnerschaft ist das Verhältnis von Kakteen und Insekten trotzdem nicht. Manche Insekten nutzen die Pflanze, ohne etwas zurückzugeben: Cactoblastis cactorum ist als Schädling von Opuntien dokumentiert.
Wie locken Kakteen ihre Bestäuber an?
Am Tag: Bienen am Feigenkaktus
Feigenkakteen werden meist von Bienen bestäubt. Die Bienen suchen in der Blüte nach Pollen und bewegen sich dabei am Griffel entlang. Genau diese Pollensuche begünstigt den Pollentransfer. Am Opuntienbeet achte ich deshalb darauf, ob eine Biene am Griffel entlangläuft oder nur am Blütenrand sitzt.
In der Nacht: weiße Blüten und Duft
Die Drachenfrucht Hylocereus undatus blüht nachts. Ihre weißen, duftenden Blüten öffnen sich meist für eine Nacht und locken Motten oder Fledermäuse zur Bestäubung an. Bestäuber müssen also nicht immer Insekten sein. Ähnlich kurz blüht Selenicereus grandiflorus, die Königin der Nacht: Ihre einzelne Blüte öffnet sich nur für eine Nacht und verblüht am Morgen.
Sehe ich an meiner Königin der Nacht eine dicke Knospe, lege ich abends eine Taschenlampe ans Fenster. Ich schaue nach Einbruch der Dunkelheit nach der Blüte und am nächsten Morgen noch einmal.
Welche Tiere an Kakteen welche Rolle spielen
Aus den Beispielen ergibt sich ein gemischtes Bild aus Bestäubern und Schädlingen.
| Wer | An welchem Kaktus | Rolle |
|---|---|---|
| Bienen | Feigenkakteen | meist die Bestäuber; ihre Pollensuche am Griffel entlang begünstigt den Pollentransfer |
| Motten | Drachenfrucht (Hylocereus undatus) | werden nachts von den weißen, duftenden Blüten zur Bestäubung angelockt |
| Fledermäuse, keine Insekten | Drachenfrucht (Hylocereus undatus) | kommen neben Motten als nächtliche Bestäuber infrage |
| Cactoblastis cactorum | Opuntien | als Schädling dokumentiert |
| Woll- und Schmierläuse | Kakteen | Schädlinge, unter anderem an weißer Wachswolle am WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt. zu erkennen |
Welche Insekten Kakteen schaden
Zum Schutz der Pflanze gehört, die schädlichen Gäste zu kennen. Für Opuntien ist Cactoblastis cactorum als Schädling dokumentiert.
An Kakteen können außerdem Woll- und Schmierläuse auftreten, die du unter anderem an weißer Wachswolle am Wurzelhals erkennst. Beim Umtopfen sehe ich mir deshalb bei jedem Kaktus den Wurzelhals an. Woran du Schädlinge an Zimmerpflanzen erkennst und wie du vorbeugst, steht im Abschnitt über Krankheiten und Schädlinge im Ratgeber zur Zimmerpflanzenpflege.
Was passiert, wenn Blüte und Bestäuber sich verpassen?
Beim Klimawandel stellt sich die Frage, ob Kakteen und ihre Bestäuber zeitlich auseinandergeraten können. Bei den Nachtblühern zeigt sich, warum der Zeitpunkt so viel ausmacht. Die einzelne Blüte von Selenicereus grandiflorus ist nur eine Nacht offen, und Bestäuber ist nur, wer Pollen auf die Narbe bringt. Kommt in dieser Nacht kein passender Besucher, verblüht die Blüte am Morgen, ohne von einem Tier bestäubt worden zu sein.
Verschieben sich Blühbeginn und Flugzeit der Besucher gegeneinander, trifft das genau dieses Zeitfenster. Ob und wie stark das in den Herkunftsgebieten geschieht, lässt sich aus einzelnen Beobachtungen im Garten nicht ablesen. Ich notiere bei meinen Nachtblühern nur, wann eine Blüte aufgeht, und ziehe daraus keine Schlüsse über das Klima.
Kakteen und Insekten im eigenen Garten
Welche Kakteen draußen bleiben können
In Berlin stehen winterharte Vertreter von Cylindropuntia, Echinocereus, Escobaria, Grusonia und Opuntia im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle.. Gemeint sind ausdrücklich die winterharten Vertreter, achte beim Kauf also auf diese Angabe. Für ein Beet mit Bienen an den Blüten liegen winterharte Opuntien nahe. Sie gehören zu diesen Freilandgattungen, und Feigenkakteen, wie Opuntien auch heißen, werden meist von Bienen bestäubt. Ob die Bienen in deinem Garten die Blüten annehmen, zeigt dir erst der Blick in die Blüte.
Frostbeständige Opuntien lassen sich im Freiland mit kältebeständigen südafrikanischen Mittagsblumengewächsen kombinieren.
So bereitest du das Kakteenbeet vor
Ein sonniger, warmer Platz ist der Richtwert für ein Beet mit winterharten Kakteen. Legst du ein mineralisches Kiesbeet an, lockerst du auch den Untergrund tief. Dann kann Wasser abziehen, und die Wurzeln können eindringen. Im Winter können ein gut drainiertes Beet und ein Regendach nötig sein, weil hohe Feuchtigkeit Fäulnis begünstigt. Die Aufteilung der Fläche kannst du vorab mit dem Beetplaner für dein Gartenbeet skizzieren.
Bevor die Kakteen ins Beet kommen, gehe ich diese Punkte durch.
- Der Platz ist sonnig und warm.
- Unter dem Kies ist auch der Untergrund tief gelockert.
- Das Beet ist gut drainiert.
- Ein Regendach ist eingeplant, falls der Winter nass wird.
- Die Pflanzen sind als winterhart ausgewiesen.
Vor dem Winter sehen manche Kakteen im Beet eingefallen aus. Einige winterharte Kakteen verlieren dann Wasser und schrumpfen dadurch deutlich. Gießt du in dieser Phase nach, bringst du Feuchtigkeit ins Beet, und hohe Feuchtigkeit begünstigt im Winter Fäulnis.
Schrumpft ein Kaktus vor dem Winter, lasse ich die Gießkanne stehen. Ich prüfe dann, ob das Regendach dicht sitzt und das Wasser im Beet abläuft.
Setz dich bei der nächsten Kakteenblüte daneben und schau, welcher Besucher bis zu Griffel und Narbe kommt. Nur wer dort Pollen überträgt, bestäubt die Blüte.
Kakteenblüten auf der Fensterbank
Auch im Zimmer kannst du verfolgen, wie ein Kaktus zur Blüte kommt.
Blühreife kannst du bei der Königin der Nacht erwarten, wenn ihre Triebe etwa daumendick und mindestens 1 m lang sind.
Ob ein Kaktus blüht, hängt auch an seiner Winterruhe. Kakteen aus Wüsten- und Halbwüstenlebensräumen bekommen eine trockene Winterruhe bei etwa 8 bis 12 °C, die die Blüte fördern soll; eine Regel für alle Kakteen ist das nicht. Für die Königin der Nacht werden 14 bis 18 °C empfohlen, und den Ablauf beschreibt der Zimmerpflanzen-Ratgeber im Abschnitt Ruhezeit und Überwinterung.
Bedrohung, Artenschutz und Verwandte: kurz angerissen
In der Wüste nutzen nicht nur Insekten die Kakteen. Der Gilaspecht baut Nisthöhlen in Saguaro-Kakteen, und nach seinem Auszug nutzt auch der Elfenkauz diese Höhlen. Lebensraumverlust, eingeschleppte Arten, Schutzgebiete und die Forschung an Kakteen sind eigene Themen. Sie stehen im Ratgeber dazu, wie sich Kakteen an die Wüste angepasst haben und was sie bedroht.
Den internationalen Handel mit geschützten Arten, darunter verschiedene Kakteenarten, regelt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen.
Nicht jede Pflanze, die wie ein Kaktus aussieht, ist einer. Afrikanische sukkulente Wolfsmilchgewächse ähneln amerikanischen Kakteen, weil sie sich unabhängig an Trockenheit angepasst haben. Die Unterschiede erklärt der Vergleich, worin sich Kakteen und andere Sukkulenten unterscheiden.

