Kakteen in der Wüste: Anpassungen, Rolle im Ökosystem und Schutz
- Typische Kakteen speichern Wasser im fleischigen Stamm, und ihre kompakte Form mit relativ kleiner Oberfläche vermindert die Verdunstung.
- Kakteendornen entstehen aus Blattanlagen, die typischen Areolen aus stark verkürzten Seitentrieben.
- Beim CAM-Stoffwechsel nehmen Kakteen Kohlendioxid nachts auf und nutzen es tagsüber bei geschlossenen Spaltöffnungen.
- Im Saguaro baut der Gilaspecht Nisthöhlen, die nach dem Verlassen auch der Elfenkauz nutzt.
- Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen regelt den internationalen Handel mit geschützten Arten, darunter verschiedene Kakteenarten.

Wenn ein Kaktus auf meiner Fensterbank schrumpft oder weich wird, frage ich zuerst, woher er stammt. Die Anpassungen an die Wüste erklären, was ein Kaktus aushält und wo seine Grenzen liegen. Sie erklären auch, warum wilde Bestände Schutz brauchen und warum du beim Kauf auf die Herkunft achten solltest.
Kakteen bilden die Pflanzenfamilie Cactaceae und sind hauptsächlich in Amerika beheimatet. Viele Arten besiedeln Wüsten und Halbwüsten, doch nicht jeder Kaktus ist ein Wüstenkaktus.
Wie überleben Kakteen in der Wüste?
Kakteen überstehen Trockenheit mit mehreren Anpassungen, die zusammenwirken. Sie speichern Wasser im Pflanzenkörper, bieten der trockenen Luft wenig Oberfläche und verlegen die Aufnahme von Kohlendioxid in die Nacht. Die Übersicht fasst die Bausteine zusammen.
| Anpassung | Was sie bewirkt |
|---|---|
| Fleischiger Stamm | speichert Wasser im Pflanzenkörper |
| Kompakte Gestalt | die relativ kleine Oberfläche vermindert die Verdunstung |
| Dornen | entstehen aus Blattanlagen und sind umgebildete Blätter |
| CAM-Stoffwechsel | Kohlendioxid wird nachts aufgenommen, die Spaltöffnungen bleiben tagsüber geschlossen |
| Flache Wurzeln, etwa bei Feigenkakteen | nehmen Wasser dicht unter der Oberfläche auf |
Der Stamm als Wasserspeicher
Sukkulenz bezeichnet die Fähigkeit einer Pflanze, Wasser zu speichern. Sie kommt in verschiedenen Pflanzenfamilien vor, und die Kakteen sind eine davon. Typische Kakteen legen ihren Vorrat im fleischigen Stamm an. Andere SukkulentenSukkulenten sind Pflanzen, die Wasser in verdickten Blättern, Trieben oder Wurzeln speichern und so längere Trockenzeiten überdauern. Der Begriff beschreibt eine Anpassung im Körperbau, keine einzelne Pflanzenfamilie. nutzen je nach Art Blätter, Wurzeln oder ebenfalls den Stamm: Aloe-Arten speichern in den Blättern, der Elefantenfuß Beaucarnea recurvata im Stamm.
Auch die Form spart Wasser. Eine kompakte Gestalt mit relativ kleiner Oberfläche vermindert bei sukkulenten Pflanzen die Verdunstung. Speicher und Form arbeiten also zusammen: Was der Stamm aufgenommen hat, geht über die kleine Oberfläche langsamer wieder verloren.
Wie weit die Familie reicht, zeigen die Pereskien. Sie tragen voll entwickelte Laubblätter und haben noch keinen ausgeprägten wasserspeichernden Stamm.
Winterharte Kakteen schrumpfen vor dem Winter
Nicht jede Anpassung betrifft die Hitze. Einige winterharte Kakteen verlieren vor dem Winter Wasser und schrumpfen dadurch deutlich. In Berlin werden winterharte Vertreter der Gattungen Cylindropuntia, Echinocereus, Escobaria, Grusonia und Opuntia im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. kultiviert. Weil hohe Feuchtigkeit Fäulnis begünstigt, können für sie gut drainierte Beete und ein Regendach im Winter nötig sein.
Sieht ein solcher Kaktus vor dem Winter eingeschrumpft aus, kann das zu seiner Anpassung gehören. Mit Gießen gegenzusteuern, würde ihm dann genau die Nässe bringen, die Fäulnis begünstigt.
Dornen sind umgebildete Blätter
Kakteendornen entstehen aus Blattanlagen und sind damit umgebildete Blätter. Wo andere Pflanzen flache Blattflächen tragen, sitzen beim Kaktus Dornen, sodass weniger Oberfläche Wasser verdunsten kann. Zugleich erschweren die Dornen Fressfeinden den Zugriff auf den saftigen Pflanzenkörper. Bei einigen Arten können die Dornen sogar Wasser sammeln, dazu mehr im Abschnitt zur Forschung.
Areolen: das Erkennungszeichen der Kakteen
Areolen sind die kleinen, oft filzigen Stellen am Kakteenkörper, aus denen Dornen, Blüten und neue Triebe wachsen. Sie gehen aus stark verkürzten Seitentrieben hervor und sind für Kakteen charakteristisch.
Wenn mir jemand eine stachelige Pflanze als Kaktus zeigt, suche ich zuerst die Areolen. Dazu sehe ich mir die Ansatzstellen der Dornen aus der Nähe an, ohne die Pflanze anzufassen.
Der Blick auf die Areolen hilft gegen Verwechslungen. Afrikanische sukkulente Wolfsmilchgewächse sehen amerikanischen Kakteen oft ähnlich, doch diese Ähnlichkeit beruht auf unabhängig entstandenen Anpassungen an Trockenheit. Weil ähnliche Formen also unabhängig voneinander entstanden sind, sagt die Gestalt wenig über die Verwandtschaft, die charakteristischen Areolen dagegen viel.
Kaktusähnliche Euphorbien können außerdem einen stark haut- und schleimhautreizenden Milchsaft enthalten. Ich fasse solche Pflanzen deshalb beim Umtopfen nur mit Handschuhen an. Weitere Merkmale findest du im Ratgeber dazu, was Kakteen von anderen Sukkulenten unterscheidet.
CAM-Stoffwechsel: Kohlendioxid in der Nacht
Für die PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. brauchen Pflanzen Kohlendioxid, das sie über ihre Spaltöffnungen aufnehmen. Über dieselben Öffnungen geht aber auch Wasser verloren. Kakteen trennen beides zeitlich: Beim CAM-Stoffwechsel nehmen sie Kohlendioxid nachts auf. Tagsüber nutzen sie es für die Photosynthese, während die Spaltöffnungen geschlossen bleiben.
CAM steht für Crassulacean Acid Metabolism, den Säurestoffwechsel der Dickblattgewächse. Gemeint ist ein Weg der Photosynthese, bei dem die Aufnahme von Kohlendioxid in der Nacht und seine Nutzung am Tag zeitlich getrennt sind.
Wurzeln: flach und weit verzweigt
Feigenkakteen besitzen ein flaches Wurzelsystem. Ein solches weit verzweigtes Netz dicht unter der Oberfläche kann Regenwasser schnell aufnehmen. Andere Kakteenarten bilden eine kräftige PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche., die tiefer in den Boden reicht.
Unter der Erde haben viele Kakteenarten zudem Partner, denn sie leben mit Bodenpilzen zusammen. Solche Mykorrhizapilze können ihre Pflanzenpartner mit PhosphatPhosphat ist die Form, in der der Pflanzennährstoff Phosphor im Garten meist angegeben wird: als Phosphatgehalt im Befund der Bodenuntersuchung und als Phosphatanteil auf Düngerpackungen, dort mit dem Kürzel P2O5., Nitrat und Wasser versorgen und erhalten im Gegenzug Kohlenhydrate.
Welche Rolle spielen Kakteen im Wüstenökosystem?
In ihren Lebensräumen bieten Kakteen anderen Arten Nistplätze, Nahrung und Schatten.
Nisthöhlen im Saguaro
Der Saguaro wächst in der Sonora-Wüste und dient dort Vögeln als Brutplatz. Der Gilaspecht baut seine Nisthöhlen in die Stämme dieser Kakteen. Hat der Specht eine Höhle verlassen, nutzt sie auch der Elfenkauz. Für den Elfenkauz hängt der Brutplatz damit an zwei Arten zugleich: am Kaktus und am Specht, der die Höhle anlegt.
Nahrung, Schatten und Samentransport
Viele Tiere nutzen Kakteen als Nahrungsquelle. Tiere, die die saftigen Früchte fressen, scheiden die unverdauten Samen oft weit entfernt wieder aus. So gelangen Kakteen an neue Standorte. Im Schatten der Pflanzen und zwischen den Dornen finden kleine Säugetiere und Reptilien Schutz vor Hitze und Fressfeinden.
Blüten für Bestäuber
Feigenkakteen werden meist von Bienen bestäubt. Die weißen, duftenden Blüten der Drachenfrucht Hylocereus undatus öffnen sich dagegen meist für eine Nacht und locken Motten oder Fledermäuse an. Mehr über Anlockung und BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. liest du im Ratgeber darüber, wie Kakteen und Insekten in der Wüste zusammenarbeiten.
Was bedroht Kakteen in ihren Lebensräumen?
Mit Trockenheit kommen Kakteen zurecht, gegen Eingriffe des Menschen helfen ihnen ihre Anpassungen wenig.
Lebensraumverlust und Zerschneidung
Landwirtschaft, wachsende Siedlungen und Verkehrswege zerstören die Lebensräume vieler Kakteenarten. Etliche Arten kommen nur in eng begrenzten Gebieten vor. Für sie kann schon der Verlust einer kleinen Fläche schwer wiegen, weil es kaum Ausweichorte gibt. Werden Lebensräume zerschnitten, erschwert das zudem den genetischen Austausch zwischen den Beständen.
Sammeln in der Natur und illegaler Handel
Seltene und auffällige Arten sind bei Sammlern begehrt. Werden sie in der Natur ausgegraben, leiden vor allem langsam wachsende Arten, die sich nur schwer erholen. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, kurz CITES, regelt den internationalen Handel mit geschützten Arten, darunter verschiedenen Kakteenarten. Trotzdem werden wild gesammelte Pflanzen weiterhin illegal gehandelt.
Eingeschleppte Arten und Schädlinge
Eingeschleppte Pflanzen und Tiere können Kakteen Wasser und Nährstoffe streitig machen oder sie direkt schädigen. In manchen Regionen fressen verwilderte Ziegen junge Kakteen und behindern so die natürliche Verjüngung. An Opuntien ist zudem Cactoblastis cactorum als Schädling dokumentiert.
Veränderte Niederschläge
Auch Wetterextreme können Kakteenbestände schwächen, etwa längere Dürren oder ungewöhnlich starke Regenfälle. Zudem könnten sich Schädlinge und Krankheiten in neue Gebiete ausbreiten, wenn sich das Klima verändert.
Wie werden Kakteen geschützt?
Schutzgebiete und Renaturierung
Viele Länder haben Nationalparks und Naturschutzgebiete eingerichtet, die auch Kakteenlebensräume sichern. In Mexiko beherbergt das Biosphärenreservat Tehuacán-Cuicatlán eine große Vielfalt an Kakteenarten. Solche Gebiete erhalten nicht nur die Kakteen selbst, sondern auch die Lebensgemeinschaften, von denen sie abhängen. Wo Flächen bereits geschädigt sind, setzen Renaturierungen an: Invasive Arten werden entfernt, einheimische Pflanzen wieder angesiedelt und Böden verbessert.
Botanische Gärten und Samenbanken
Außerhalb der Natur bewahren botanische Gärten Kakteensammlungen für Forschung und Bildung. Sie dienen zugleich als lebende Genbanken, auch für bedrohte Arten. Samenbanken lagern Kakteensamen unter kontrollierten Bedingungen. Die Millennium Seed Bank der Royal Botanic Gardens in Kew sammelt zum Beispiel auch Samen von Kakteenarten. Im Notfall könnten solche Samen helfen, geschwächte Bestände zu stärken oder Arten wieder anzusiedeln.
Gesetze und ihre Umsetzung
Neben CITES schützen nationale Gesetze viele Kakteenarten, indem sie das Sammeln und den Handel einschränken oder verbieten. In der Praxis hapert es oft an Umsetzung und Kontrolle. Ob Schutz auf Dauer trägt, hängt auch davon ab, ob die Menschen vor Ort in die Projekte eingebunden sind.
Was du beim Kakteenkauf tun kannst
Wildentnahmen schaden den natürlichen Beständen, deshalb lohnt beim Kauf der Blick auf die Herkunft. Ich frage nach, ob ein Kaktus aus Nachzucht stammt, und lasse Pflanzen mit unklarer Herkunft stehen.
So kaufst du Kakteen mit Blick auf den Artenschutz.
- Frag beim Händler nach, ob die Pflanze aus Nachzucht stammt.
- Lass Pflanzen aus Wildentnahme stehen, auch auf Reisen.
- Wenn du mehr tun willst, unterstütze Naturschutzorganisationen, die Wüstenlebensräume erhalten.
Was die Forschung an Kakteen untersucht
Für die Forschung zur Trockenheit sind Kakteen ein naheliegendes Studienobjekt, weil sie mehrere Anpassungen in einer Pflanze vereinen.
Ein Beispiel sind die Dornen. Bei einigen Kakteen können besondere Oberflächenstrukturen der Dornen Wassertropfen sammeln und nach oben transportieren. Forschende untersuchen solche Strukturen genauer.
Ein zweites Feld ist der CAM-Stoffwechsel. Wer genau versteht, wie Kakteen Kohlendioxid bei geschlossenen Spaltöffnungen nutzen, gewinnt möglicherweise Ansätze für wassersparende Nutzpflanzen. Das ist eine Perspektive, kein fertiges Ergebnis.
Außerdem suchen Forschende nach den Genen, die hinter der Trockenheitsverträglichkeit von Kakteen stehen. Sie fragen auch, wie Kakteen das Leben im Boden beeinflussen und welche Rolle sie für spezialisierte Bestäuber spielen. Die Antworten helfen, Wüstenökosysteme besser zu verstehen, und könnten Ideen für die Landwirtschaft in trockenen Gebieten liefern.
Was die Wüstenherkunft für deinen Zimmerkaktus bedeutet
Für sonnenliebende Zimmerkakteen gilt ein heller Fensterplatz als Richtwert, tropische Blattkakteen schützt du dagegen vor praller Sonne. Bei Lichtmangel und gleichzeitig zu viel Wasser können Kakteen ungewöhnlich lang wachsen und vergeilen. Während des Wachstums gießt du trockenheitsangepasste Kakteen durchdringend und erst wieder, wenn die oberen 2 bis 3 cm SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. trocken sind.
Für Kakteen aus Wüsten und Halbwüsten wird eine trockene Winterruhe bei etwa 8 bis 12 °C beschrieben, die die Blüte fördern soll. Als Regel für alle Kakteen taugt das nicht, denn Weihnachts- und Osterkakteen dürfen ganzjährig nicht vollständig austrocknen. Wie du beides abstimmst, steht in den Grundlagen zu Gießen sowie Ruhezeit und Überwinterung von Zimmerpflanzen.
Einen Überblick, welche Kakteenarten sich fürs Zimmer eignen und wie du sie pflegst, bekommst du im eigenen Ratgeber dazu.

