Wildtulpen vermehren: Brutzwiebeln, Aussaat und Verwildern
- Brutzwiebeln wachsen bis zum Einziehen des Laubs weiter, grab deshalb erst aus, wenn die Blätter vertrocknet sind.
- Abgetrennte Brutzwiebeln luftig und kühl lagern und von Ende September bis Mitte November pflanzen.
- Für die Selbstaussaat einige Fruchtstände bis zur Samenreife stehen lassen.
- Tulipa tarda und Tulipa turkestanica können an sommertrockenen, ungestörten Plätzen verwildern.
- Bei der Weinbergstulpe dauert es vom Samen bis zur ersten Blüte ungefähr fünf Jahre.
Geeignete Wildtulpen können sich über Jahre durch Brutzwiebeln und Samen vermehren, wenn ihr Platz im Sommer trocken und ungestört bleibt. Willst du nachhelfen, hast du vier Wege: Brutzwiebeln abnehmen, dichte Horste teilen, Samen in Schalen säen oder die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. am Standort fördern. Bei allen zählt der Zeitpunkt, denn die jungen Zwiebeln wachsen nach der Blüte weiter, bis das Laub eingezogen ist. Ich stecke deshalb schon im Frühjahr einen Stab neben jeden Horst, den ich im Sommer aufnehmen will.
Vier Wege, Wildtulpen zu vermehren
Die Wege unterscheiden sich in Zeitpunkt, Aufwand und Geduld. Brutzwiebeln und Horstteilung arbeiten mit vorhandenen Zwiebeln, Aussaat und Selbstaussaat mit Samen.
| Weg | Zeitpunkt | Handgriff | Erbanlagen der Nachkommen |
|---|---|---|---|
| Brutzwiebeln abnehmen | Sommerruhe, nach dem Einziehen des Laubs | ausgraben, Brutzwiebeln lösen, lagern, im Herbst setzen | wie bei der Mutterpflanze |
| Horst teilen | Sommerruhe, nach dem Einziehen des Laubs | ganzen Horst aufnehmen und in kleinere Gruppen aufteilen | wie bei der Mutterpflanze |
| Aussaat in Schalen | Herbst oder Winter, so in der Erhaltungskultur der Weinbergstulpe | Samen mit Erde bedecken, vor starkem Regen schützen | Mischung beider Eltern |
| Selbstaussaat und Verwildern | einige Fruchtstände bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen lassen | Platz sommertrocken und ungestört halten | bei Samen Mischung beider Eltern, bei Brutzwiebeln wie die Mutterpflanze |
Brutzwiebeln und Horstteilung sind vegetative Vermehrung. Die Tochterzwiebeln besitzen dieselben Erbanlagen wie die Mutterpflanze. SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. vereinen dagegen mütterliche und väterliche Erbteile, deshalb sind unveränderte Sortenmerkmale bei der Aussaat nicht garantiert.
Was Wildtulpen ausmacht und was sie brauchen
Wildtulpen sind die botanischen Tulpenarten, aus denen durch Kreuzung und Auslese die Gartentulpen hervorgingen. Viele bleiben mit etwa 10 bis 30 cm niedrig und eignen sich für den Beetvordergrund und zum Verwildern. Den artübergreifenden Überblick über Speicherorgan und Kalender je Zwiebelart findest du im Ratgeber zu Blumenzwiebeln und Knollen.
Viele Wildtulpen bevorzugen sonnige Plätze mit durchlässigem, im Sommer trockenem Boden. Wie du sie pflanzt, pflegst und im Beet kombinierst, steht im Ratgeber zum Pflanzen und Pflegen von Wildtulpen. Was der Standort speziell für die Vermehrung leisten muss, findest du weiter unten bei der Selbstausbreitung.
Welche Wildtulpe sich auf welchem Weg vermehrt
Tulipa tarda und Tulipa turkestanica können an sommertrockenen, ungestörten Plätzen durch Brutzwiebeln verwildern. Bleiben ihre Fruchtstände stehen, kommen Samen hinzu. Auch Tulipa saxatilis kann sich zusätzlich zu den Brutzwiebeln über Samen verbreiten. Die Weinbergstulpe ziehst du in Schalen aus Samen, brauchst dafür aber viel Geduld.
| Art oder Form | Weg im Garten | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Tulipa tarda | Brutzwiebeln und Samen, kann an sommertrockenen, ungestörten Plätzen verwildern | Pflanztiefe und Abstand je etwa 8 cm |
| Tulipa turkestanica | Brutzwiebeln und Samen, verwildert unter denselben Bedingungen | einige Fruchtstände stehen lassen |
| Tulipa saxatilis | Brutzwiebeln, zusätzlich Samen | einige Fruchtstände stehen lassen |
| Weinbergstulpe (Tulipa sylvestris) | Aussaat in Schalen oder Töpfen | vom Samen bis zur Blüte ungefähr fünf Jahre |
| ‘Fusilier’ (Tulipa praestans) und ‘Pulchella’ (Tulipa humilis) | Brutzwiebeln | Selektionen, Samen geben ihre Merkmale nicht sicher weiter |
| Kaufmanniana-Tulpen | Brutzwiebeln | Sorten aus Kreuzungen oder Selektionen, gelten nicht als verwilderungsfähig |
‘Fusilier’ von Tulipa praestans und ‘Pulchella’ von Tulipa humilis sind Selektionen, und aus Samen sind Sortenmerkmale nicht garantiert. Sollen Blütenfarbe und Blütenform gleich bleiben, vermehrst du solche Formen deshalb über Brutzwiebeln. Dasselbe gilt für Kaufmanniana-Tulpen, die außerdem nicht als verwilderungsfähig gelten. Nach diesem Prinzip arbeitest du auch bei Gartensorten, wie du Viridiflora-Tulpen vermehrst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Die Weinbergstulpe Tulipa sylvestris ist in Deutschland besonders geschützt. Samen und Zwiebeln nimmst du nur aus dem eigenen Garten oder aus dem Handel, nie von wild wachsenden Pflanzen.
Brutzwiebeln abnehmen: wann und wie
Der richtige Zeitpunkt
Tulpen bilden nach der Blüte Brutzwiebeln, die bis zum Einziehen des Laubs weiterwachsen. Grab die Zwiebeln deshalb erst aus, wenn die Blätter vertrocknet sind. Wer früher gräbt, nimmt den Brutzwiebeln Wachstumszeit, und eine kleinere Zwiebel ist ein Hinweis auf eine schwächere Blüte.
Zwiebeln ausgraben oder Laub abschneiden, solange die Blätter noch grün sind. Bei Zwiebelblumen dauert das Einziehen nach der Blüte im Mittel 6 bis 8 Wochen, erst danach sind die Brutzwiebeln fertig gewachsen.
Ausgraben und sortieren
Ich setze die Grabegabel mit Abstand zum Stab an und hebe den ganzen Horst mit der Erde heraus. Dann schüttle ich die Erde ab und löse die Brutzwiebeln mit den Fingern von der Mutterzwiebel.
Danach sortierst du. Für die Weiterkultur taugen nur feste, gesunde Zwiebeln ohne weiche Stellen, Krankheitszeichen oder Fraßspuren. Prüf die Zwiebelschuppen auf braune Flecken mit etwa 1 mm großen schwarzen Dauerkörpern. Ein solcher Fund kann auf TulpenfeuerTulpenfeuer ist eine Pilzkrankheit der Tulpen, ausgelöst durch den Grauschimmelerreger Botrytis tulipae. Befallene Tulpen treiben mit verkrüppelten, graubraun gefleckten Blättern aus; der Pilz überdauert in kranken Zwiebeln im Boden. hindeuten, ist für sich allein aber keine sichere Diagnose. Zwiebeln aus einem befallenen Bestand bewahrst du nicht zur Wiederpflanzung auf, und die Tulpen wechseln auf ein anderes Beet.
Sortier die gesunden Brutzwiebeln anschließend nach Größe. Tochterzwiebeln blühen gegebenenfalls erst im zweiten Jahr, deshalb setze ich die kleinsten später in eine eigene, beschriftete Reihe.
Brutzwiebeln bis zum Herbst lagern
Bis zur Pflanzung bewahrst du die Zwiebeln trocken, luftig und kühl auf. Kontrolliere sie dabei auf Schimmel und Fäulnis und sortiere weiche Stücke aus. Luftdichte Beutel sind ungeeignet, weil darin Schwitzwasser entsteht, das Fäulnis begünstigt. Lagere die Zwiebeln getrennt von Äpfeln, denn deren ReifegasReifegas ist die gängige Bezeichnung für Ethylen, ein Gas, das manches Obst selbst bildet, besonders Äpfel. Es lässt Obst und Gemüse in der Nähe schneller reifen, welken oder austreiben. Ethylen kann einen vorzeitigen Austrieb fördern.
Ich lege die Brutzwiebeln in flache, offene Kisten, die großen und die kleinen getrennt. Auf einen Zettel schreibe ich Art und Fundstelle, damit ich im Herbst weiß, welche Zwiebeln wohin gehören.
Brutzwiebeln pflanzen
Wildtulpen pflanzt du wie andere Tulpen im Herbst, von Ende September bis Mitte November. Brutzwiebeln sind unterschiedlich groß, deshalb richtest du Tiefe und Abstand nach dem Maß der einzelnen Zwiebel.
| Pflanzgut | Pflanztiefe | Abstand zwischen den Zwiebeln einer Gruppe |
|---|---|---|
| Brutzwiebeln, allgemeine Faustregel | zwei Zwiebelhöhen | zwei bis drei Zwiebelbreiten |
| Tulipa tarda | etwa 8 cm | etwa 8 cm |
Auf leichten Sandböden setzt du etwas tiefer, auf schweren Lehmböden etwas flacher. In schweren Böden kommt eine 3 bis 5 cm starke Drainageschicht aus Sand oder Kies unter die Zwiebeln. Die Spitze zeigt nach oben. Dann füllst du Erde auf, drückst sie leicht an und gießt gründlich an, auch wenn der Boden schon feucht ist. Staunässe soll dabei nicht entstehen. Kompost, Mist und andere Dünger gehören nicht direkt ins Pflanzloch.
Im Beet setzt du mehrere Zwiebeln derselben Art an eine Stelle, denn Gruppen wirken stärker als weit verstreute Einzelzwiebeln. An Verwilderungsstellen streust du die Zwiebeln aus und pflanzt sie dort, wo sie liegen bleiben, damit das Bild natürlich wirkt. Im Rasen hebst du ein Rasenstück an, setzt die Gruppe darunter und legst es wieder auf. Die neuen Gruppen kannst du vorab im Beetplaner einzeichnen. Die Termine im Jahreslauf behältst du mit dem Aussaatkalender für Blumenzwiebeln zum Ausdrucken im Blick.
Liegen noch Brutzwiebeln vom Sommer im Lager, prüf sie vor dem Setzen ein letztes Mal. Nur feste Zwiebeln ohne weiche, fleckige oder angefressene Stellen kommen bis Mitte November in die Erde.
Tulipa tarda, Tulipa turkestanica, ‘Fusilier’ und ‘Pulchella’ eignen sich auch für Pflanzgefäße. Wie Wildtulpen in Topf und Balkonkasten gedeihen, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Dichte Horste teilen
Ein dichter Horst entsteht, wenn Brutzwiebeln über Jahre an Ort und Stelle bleiben. Du teilst ihn zur selben Zeit, zu der du Brutzwiebeln abnimmst: in der sommerlichen Ruhe, wenn das Laub eingezogen ist. Heb den Horst als Ganzes heraus und trenne die Zwiebeln behutsam voneinander. Geschwächte oder kranke Zwiebeln verwendest du nicht als Ausgangsmaterial für neue Pflanzungen. Die gesunden lagerst du bis zum Herbst und setzt sie dann in mehreren kleineren Gruppen neu.
Hast du an kranken Pflanzen gearbeitet, reinige das Werkzeug gründlich, bevor du den nächsten Horst anfasst.
Wildtulpen müssen nach der Blüte jedes Jahr aus der Erde? Nein. An sommertrockenen Standorten können die Zwiebeln im Boden bleiben. Ausgraben lohnt sich in feuchten Lagen nach dem Eintrocknen des Blütenstängels oder dann, wenn du Pflanzgut für neue Stellen brauchst.
Wildtulpen aus Samen ziehen
Für Saatgut lässt du einige Fruchtstände bis zur Samenreife an der Pflanze. Am Beispiel der Weinbergstulpe lässt sich der Weg gut verfolgen. In ihrer Erhaltungskultur wird am besten im Herbst oder Winter in Schalen oder Töpfen gesät. Als SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. eignet sich nährstoffarme, humose und durchlässige Aussaaterde. Die Samen bedeckst du mit Erde und schützt die Schalen vor starkem Regen.
Im ersten Jahr entwickeln sich lediglich ein Blatt und eine kleine Zwiebel. Bis zur ersten Blüte muss diese Zwiebel ausreichend kräftig werden. Die so gewonnenen Zwiebeln lagerst du vor dem Auspflanzen trocken und lässt sie zunächst etwas ruhen. Ich beschrifte jede Schale mit Art, Mutterhorst und Aussaatjahr.
Ungefähr fünf Jahre dauert bei der Weinbergstulpe die Entwicklung vom Samen bis zur ersten Blüte.
Weil Sämlinge die Erbanlagen beider Eltern vereinen, kann jeder Sämling etwas anders ausfallen als die Mutterpflanze. Für reine Arten ist die Aussaat deshalb der passendere Weg als für benannte Selektionen.
Selbstausbreitung fördern
Den Platz trocken und ungestört halten
Die Selbstausbreitung nimmt dir das Graben ab. Viele Wildtulpen brauchen dafür sonnige, sandig-humose Standorte mit sommerlicher Trockenheit, in der ihre Zwiebeln ausreifen. Regelmäßiges Gießen benachbarter Pflanzen im Sommer kann ruhende Tulpenzwiebeln faulen lassen. Setz deshalb keine stark wasserbedürftigen Sommerblumen direkt über die Zwiebeln.
Fruchtstände stehen lassen oder köpfen
Verblühte Tulpenköpfe abzuschneiden lenkt die Energie in die Brutzwiebeln statt in Samen. Für die Selbstaussaat sollen aber einige Fruchtstände bis zur Samenreife stehen bleiben. Du entscheidest also an jedem Horst, welchen Weg du förderst: Köpfe ab für die Zwiebeln, einige Stände stehen lassen für Sämlinge. An meinen Verwilderungsstellen schneide ich einen Teil der verblühten Köpfe ab und lasse die übrigen ausreifen.
Stängel, die du für die Vase schneidest, bilden an der Pflanze keine Samen mehr. Welche Wildtulpen sich als Schnittblumen eignen, liest du in einem eigenen Ratgeber.
Mähen und Jäten
In Wiesen und Rasen mähst du erst, wenn das Tulpenlaub eingezogen ist. In Beeten mit Stauden und Zwiebelblumen ziehst du Unkraut oder stichst es aus, denn Hacken stört die Entwicklung des Bestands. Ich lasse die Hacke an diesen Stellen deshalb ganz weg.
Wenn die Vermehrung stockt
Wird ein Horst über die Jahre nicht dichter oder bleibt die Blüte aus, prüfst du zuerst Licht, Nässe und deinen Umgang mit Laub und Fruchtständen.
| Was du beobachtest | Mögliche Ursache | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| Blätter, aber keine Blüte | zu starke Beschattung, etwa bei der Weinbergstulpe | an einen helleren Platz umsetzen, sobald das Laub eingezogen ist |
| Junge Zwiebeln ohne Blüte | Tochterzwiebeln blühen gegebenenfalls erst im zweiten Jahr | weiterwachsen lassen |
| Schwache Blüte im Folgejahr | grünes Laub zu früh entfernt oder abgemäht | Laub bis zum Vertrocknen stehen lassen |
| Zwiebeln faulen, der Horst wird lückig | Nässe in der Sommerruhe oder Staunässe im Winter | im Sommer nicht über den Zwiebeln gießen, schwere Böden mit einer Drainageschicht verbessern |
| Keine Sämlinge | alle Fruchtstände entfernt oder Boden gehackt | einige Fruchtstände stehen lassen, Unkraut ziehen statt hacken |
Schwaches Wachstum kann auch durch Lichtmangel, Bodenvernässung oder WurzelfäulenBei Wurzelfäule faulen die Wurzeln einer Pflanze und sterben ab, meist weil die Erde ständig nass ist und Sauerstoff fehlt. Oft sind Schadpilze beteiligt, und die Pflanze welkt trotz feuchter Erde. entstehen und beweist allein keinen NährstoffmangelNährstoffmangel heißt, dass eine Pflanze von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig bekommt oder aufnehmen kann. Sie bleibt dann im Wachstum zurück und zeigt Verfärbungen, etwa hellgrünes oder vergilbendes Laub.. Prüf deshalb Licht und Nässe, bevor du ans Düngen denkst. Bei der Weinbergstulpe hat zu viel Schatten eine doppelte Folge: Die Pflanze kann nur Blätter statt Blüten bilden, und ohne Blüte reifen auch keine Samen für die Selbstaussaat.
Angefressene Zwiebeln können auf Wühlmäuse hindeuten. Ein lückenlos geschlossener Drahtkorb mit etwa 15 mm Maschenweite kann Zwiebeln vor Wühlmausfraß schützen. Weitere Krankheiten und Schädlinge behandelt der Ratgeber zum Pflanzen und Pflegen von Wildtulpen.

