Buntnessel: Temperaturen für Keimung, Sommer und Winterquartier
- Buntnesselsamen keimen bei 22 bis 28 °C und werden als Lichtkeimer nicht mit Erde bedeckt.
- Bei dieser Wärme laufen die Samen nach 14 bis 28 Tagen auf.
- In der Profi-Kultur einiger Sorten gelten tagsüber 18 bis 24 °C, nachts darf es kühler sein.
- Die Buntnessel ist nicht winterhart: hell und frostfrei überwintern, im Winter sparsam gießen.
- Die Blattfärbung gelingt besonders gut im Halbschatten, volle Sonne kann Welken auslösen.
- Bei welken Blättern zuerst die Erdfeuchte prüfen, denn auch Hitze und Staunässe lassen Pflanzen welken.

Die Buntnessel ist nicht winterhart, und ihre Samen brauchen zum Keimen 22 bis 28 °C. Wer zu kühl sät, wartet sehr lange auf Keimlinge, und wer Kübel im Herbst zu lange draußen lässt, riskiert die ganze Pflanze. Ich lege deshalb in jeder Phase ein Thermometer dorthin, wo die Pflanze tatsächlich steht. Hier findest du die Temperaturen für Keimung, Sommer und Winterquartier und die Zeichen, an denen du Hitze- und Kältestress erkennst.
Was ist eine Buntnessel?
Die Buntnessel, botanisch Plectranthus scutellarioides, ist eine Blattschmuckpflanze mit vielfältig gefärbtem Laub. Sie ist eine krautige, mehrjährige Pflanze, im Freiland wird sie aber auch als frostempfindliche Einjährige kultiviert. Die Wuchshöhe reicht von 15 bis 91 cm, und sie wächst im Beet, in Ampeln und Gefäßen oder als Zimmerpflanze. Was Lebensdauer und Herkunft bei Sommerblumen bedeuten, steht im Kurzporträt der Sommerblumen.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Halbschatten wird bevorzugt; volle Sonne kann Welken verursachen, tiefer Schatten lange dünne Triebe. Als Zimmerpflanze hell stellen.
- Bodenart
Geeignet ist nährstoffreicher, lockerer Boden.
- Substrat
Feucht halten und für gute Drainage sorgen.
- Anbauort
Die Pflanze eignet sich für Beete, Rabatten, Blumenampeln oder Gefäße im Freiland sowie als Zimmerpflanze.
Pflege
- Pflege
Triebspitzen bei Bedarf entspitzen, um buschigen Wuchs zu fördern. Besonders im Zimmer auf Blattläuse, Weiße Fliege und Spinnmilben achten.
- Düngung
Etwa einen Monat nach dem Auspflanzen leicht mit Langzeitdünger düngen und im Hochsommer noch einmal nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich als Blattschmuckpflanze mit vielfältig gefärbtem Laub.
Die Temperaturen der Buntnessel im Überblick
Die Tabelle zeigt, welcher Wert für welche Phase gilt und wo seine Grenzen liegen.
| Phase | Wert | Wofür er gilt |
|---|---|---|
| Keimung | 22 bis 28 °C | Aussaat im Haus, Samen unbedeckt |
| Keimdauer | 14 bis 28 Tage | bei dieser KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. |
| Kühlere Aussaat | 20 °C, Keimung innerhalb von 3 Monaten | wenn du weniger Wärme bieten kannst |
| Wachstum tagsüber | 18 bis 24 °C | professionelle Weiterkultur der Sorten Chocolate Covered Cherry, Chocolate Mint, Chocolate Splash und Dark Chocolate |
| Wachstum nachts | 14 bis 18 °C | dieselben vier Sorten |
| Winterquartier | hell und frostfrei | keine feste Gradzahl, die Pflanze ist nicht winterhart |
Keimung: So bringst du die Saatschale auf Temperatur
Gesät wird im März und April. Wann andere Sommerblumen an der Reihe sind, siehst du im Aussaatkalender für Sommerblumen.
Buntnesseln sind Lichtkeimer, deshalb streue ich die Samen auf die Erde und decke sie nicht ab. Das Tausendkorngewicht liegt bei nur 0,2812 g, so fein ist das Saatgut. Damit es sich gleichmäßiger verteilt, mische ich es mit etwas Sand und säe breitwürfig in eine Schale. Dafür nimmst du frische, als Aussaaterde gekennzeichnete Erde und ein sauberes Gefäß mit Wasserabzug.
Die Keimtemperatur liegt bei 22 bis 28 °C. In diesem Bereich laufen die Samen nach 14 bis 28 Tagen auf. Auch eine Aussaat bei 20 °C ist möglich. Dann kann die Keimung aber bis zu 3 Monate dauern. Wer die Schale nicht wärmer bekommt, braucht also deutlich mehr Geduld.
Wärme messen statt schätzen
Ich lege das Thermometer direkt auf die Erde in der Schale, nicht daneben auf die Fensterbank. Reicht die Raumwärme nicht aus, stelle ich die Schale auf eine Heizmatte und lese morgens nach. Deckst du die Schale mit einer durchsichtigen Haube ab, darf sie nicht luftdicht schließen. Eine Folie lüftest du täglich und nimmst sie nach der Keimung ab. Bis dahin und unmittelbar danach darf die Saat nicht austrocknen.
Hebe die Haube beim täglichen Lüften an und fühle dabei am Schalenrand, ob die Erde noch feucht ist. So erledigst du zwei Kontrollen mit einem Handgriff, ohne die unbedeckten Samen zu berühren.
Nach dem Auflaufen: weniger Wärme, mehr Licht
Sobald die Keimlinge stehen, schalte ich die Heizmatte ab und stelle die Schale heller. Nach der Keimung wird die Temperatur gesenkt, weil viel Wärme bei Lichtmangel lange, weiche Triebe begünstigt. Zu wenig Licht lässt Jungpflanzen außerdem lang, instabil und hellgrün werden.
Die Keimtemperatur reicht bis 28 °C. In der Weiterkultur der vier Chocolate-Sorten endet der empfohlene Tagesbereich dagegen bei 24 °C. Bleibt die Schale nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. auf der warmen Matte, steht der Sämling womöglich wärmer, als es die Weiterkultur vorsieht. Fehlt dann noch Licht, begünstigt das genau die weichen, langen Triebe.
Haben die Sämlinge ihre ersten echten Blätter, pikierst du sie vorsichtig einzeln in eigene Töpfe. Vor dem Auspflanzen gewöhnst du sie bei mildem Wetter schrittweise ans Freiland, zuerst geschützt im Schatten. Sinken die Nachttemperaturen, holst du sie wieder herein. Kästen und Kübel, die du vor Mitte Mai bepflanzt, brauchen bei drohendem Spätfrost Schutz. Wie es danach weitergeht, liest du im Ratgeber dazu, wie du Buntnesseln in Beet und Kübel pflanzt.
Im Sommer: tagsüber warm, nachts etwas kühler
Für Buntnesseln im Wachstum gibt es Temperaturwerte aus der professionellen Kultur. Sie gelten für die Sorten Chocolate Covered Cherry, Chocolate Mint, Chocolate Splash und Dark Chocolate.
In der professionellen Weiterkultur dieser vier Sorten werden tagsüber 18 bis 24 °C und nachts 14 bis 18 °C empfohlen. Die Nacht darf also kühler sein als der Tag. Frost verträgt die Buntnessel dagegen nicht, sie ist nicht winterhart.
Im Garten kannst du diese Werte nicht einstellen, du wählst nur den Platz. Ich setze Buntnesseln deshalb in den Halbschatten und pflanze einen Teil in Kübel, die ich umstellen kann. Wird eine Nacht kühl oder die Mittagssonne zu stark, rückst du den Kübel an einen geschützteren Platz.
Zwischen meinen Kübeln hängt im Sommer ein Min-Max-Thermometer. Morgens lese ich ab, wie kalt die Nacht wirklich war, und setze den Speicher zurück.
Der Platz in Kürze
Bevorzugt wird Halbschatten, je nach Sorte reicht der passende Platz aber von sonnig bis halbschattig. Im Zimmer stellst du die Buntnessel hell. Im Standort-Ratgeber liest du, welcher Platz drinnen und draußen kräftige Blattfarben bringt.
Was Licht und Temperatur mit der Blattfarbe machen
Sicher beobachten lässt sich etwas anderes: Die Blattfärbung gelingt besonders gut im Halbschatten. Zu viel Licht kann dagegen schaden, denn bei den vier Chocolate-Sorten kann zu hohe Lichtintensität Blattverbrennungen verursachen. Volle Sonne kann außerdem Welken auslösen, tiefer Schatten lange, dünne Triebe.
Ich stelle eine neue Sorte im ersten Sommer zuerst in den Halbschatten und schaue mir die neuen Blätter an, bevor ich sie sonniger setze.
Blüten und Triebspitzen
Geht es dir um den Blattschmuck, brichst du die Blüten heraus, denn das fördert die Größe der oberen Blätter. Die Blüten erscheinen von Juni bis Juli und sind für Bestäuber attraktiv, wer Insekten etwas bieten will, lässt einzelne stehen. EntspitzenEntspitzen heißt, die weiche Triebspitze einer Pflanze mit den Fingern abzuzwicken oder mit der Schere zu kürzen. Die Pflanze treibt darunter meist mehrfach aus, verzweigt sich und wächst buschiger., AusputzenAusputzen heißt, verblühte Blüten regelmäßig von der Pflanze zu entfernen. So steckt sie keine Kraft in die Fruchtbildung. und den übrigen Jahreslauf erklärt der Ratgeber dazu, wie du Buntnesseln ziehst, vermehrst und pflegst.
Temperaturstress erkennen und gegensteuern
Stress zeigt sich bei der Buntnessel an Blättern und Trieben. Die Zeichen sind Hinweise und keine Diagnose, denn verschiedene Ursachen können gleich aussehen.
Hitze: schlappe Blätter in der Sonne
Volle Sonne kann bei der Buntnessel Welken verursachen. Welke Blätter an Topfpflanzen können aber genauso von Wassermangel kommen oder von Wurzeln, die durch Dauernässe geschädigt sind. Bevor ich gieße, stecke ich deshalb den Finger tief in die Erde oder hebe den Topf an. Bei torffreier Erde kann die Oberfläche trocken sein, während es weiter unten noch nass ist. Ist die Erde unten feucht, gießt du nicht nach, sondern prüfst, ob zu viel Sonne oder Staunässe dahinterstecken könnten.
Braucht die Pflanze Wasser, gießt du möglichst morgens direkt in den Wurzelbereich. Bei großer Hitze und Trockenheit gibst du Flüssigdünger nur niedrig konzentriert auf zuvor angefeuchtete Erde und nie über das Laub. Für Topf, Beet und Wohnung erklärt ein eigener Ratgeber, wie oft und wann du Buntnesseln gießt.
Die schlappe Buntnessel bekommt Wasser und gleich noch Dünger dazu. Eine geschädigte Pflanze düngst du erst, wenn sie sich erholt hat, und Düngerlösung kommt nur auf feuchte Erde.
Kälte: kühle Nächte und Frost
Frost verträgt die Buntnessel nicht. In frei stehenden Gefäßen friert der WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt. außerdem schneller durch als im Gartenboden. Weil die Pflanze nicht winterhart ist und ein Kübelballen schneller durchfriert, hole ich Buntnesseln im Kübel im Herbst zuerst herein. Wie du Buntnesseln auf dem Balkon in Kästen und Mischpflanzungen setzt, zeigt ein eigener Ratgeber.
Drinnen können Blattvergilbung und Blattfall auf Temperaturschwankungen hindeuten. Dieselben Zeichen entstehen aber auch durch Lichtmangel, WasserstressWasserstress bedeutet, dass eine Pflanze zu wenig Wasser bekommt. Bei Gehölzen zeigt er sich oft erst einige Monate später durch Blatt- oder Nadelfall, schwaches Wachstum und höhere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. oder Nährstoffmangel. Ich prüfe deshalb zuerst Erde und Licht und messe danach die Temperatur direkt am Platz.
Warm, aber zu dunkel: lange, dünne Triebe
Tiefer Schatten kann bei der Buntnessel lange, dünne Triebe verursachen. Bei Jungpflanzen begünstigt viel Wärme bei wenig Licht ebenfalls lange, weiche Triebe. Solche Triebe entspitze ich und stelle die Pflanze heller, denn Entspitzen fördert bei der Buntnessel buschigen Wuchs. Bei unklaren Blattflecken und kümmerndem Wuchs kann eine Pflanzenprobe beim Pflanzenschutzdienst die Diagnose klären.
So gehst du bei einer gestressten Buntnessel vor.
- Erde in der Tiefe fühlen oder den Topf anheben.
- Licht prüfen: volle Sonne oder tiefer Schatten?
- Temperatur dort messen, wo die Pflanze steht.
- Blattunterseiten ansehen: Gelbliche Sprenkel und Gespinste können auf SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. hinweisen.
- Erst nach der Erholung wieder düngen.
Buntnesseln überwintern: hell, frostfrei, zurückhaltend
„Buntnesseln sind einjährig und lassen sich nicht überwintern.“ Botanisch ist die Buntnessel eine krautige, mehrjährige Pflanze. Im Freiland übersteht sie den Frost nicht, weil sie nicht winterhart ist, im Haus kann sie den Winter überstehen.
Weil die Buntnessel nicht winterhart ist, holst du sie vor dem ersten Frost ins Haus. Vor dem Einräumen kontrollierst du jede Pflanze auf Schädlinge und stellst befallene Exemplare getrennt auf. Besonders im Zimmer achtest du bei Buntnesseln auf Blattläuse, Weiße Fliege und Spinnmilben. Blattläuse sitzen häufig an Blattunterseiten und Triebspitzen.
Welche Temperatur das Winterquartier braucht
Das Winterquartier muss hell und frostfrei sein. Frostfrei ist dabei nur die äußerste Untergrenze. In der professionellen Weiterkultur liegen schon die Nachtwerte im Wachstum bei 14 bis 18 °C. Eine feste Mindesttemperatur für den Winter leite ich daraus nicht ab, weil diese Werte für wachsende Pflanzen gelten. Meine Buntnesseln überwintern an einem hellen Fenster im Wohnraum. Werden die Triebe dort lang und dünn, kann das auf zu wenig Licht hindeuten, und ich entspitze sie.
Gießen und Düngen im Winter
Im Winter gießt du sparsam. Vor jedem Gießen prüfst du mit dem Finger, wie feucht die Erde ist, und Wasser im Untersetzer gießt du ab. Bei dem geringeren Licht im Winter brauchen Zimmerpflanzen weniger Nährstoffe, deshalb düngst du in größeren Abständen.
Im Frühjahr wieder hinaus
Im Frühjahr stellst du überwinterte Pflanzen zunächst tagsüber an einen halbschattigen, windgeschützten und warmen Platz draußen. Fehlt dir ein heller, frostfreier Platz für den Winter, säst du im März oder April neu aus. Wie Überwintern im Topf und Vermehren über StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. bei Sommerblumen allgemein laufen, steht im Sommerblumen-Ratgeber im Abschnitt „Topf, Überwintern und Stecklinge“.





