Sonnenblumenöl selber machen: Schritt für Schritt von der Ernte bis zur Flasche
- Konventionelle Sonnenblumensamen enthalten als Orientierungsbereich 40 bis 50 % Öl, ein Teil davon bleibt im Presskuchen.
- Erntereif sind Körnersonnenblumen, wenn die Laubblätter abgestorben sind und sich die Korbrückseiten gelb verfärbt haben.
- Im Erwerbsanbau werden die Körner auf 9 % Wassergehalt getrocknet; Ware mit mehr als 13 % Feuchte ist nicht lagerfähig.
- Kaltpressung heißt: Das Öl wird rein mechanisch gepresst, ohne dass Wärme zugeführt wird.
- Kaltgepresstes Öl lagerst du dunkel, kühl und gut verschlossen und verbrauchst es nach dem Öffnen am besten innerhalb von zwei Monaten.

Sonnenblumenöl selber machen klappt auch mit Sonnenblumen aus dem eigenen Garten. Über die Qualität entscheidest du aber nicht erst an der Presse, sondern schon bei Ernte und Trocknung. Erntest du in einem feuchten Jahr zu spät, kann der Anteil an freien Fettsäuren steigen. Und zu feucht eingelagerte Kerne halten nicht bis zum Pressen.
Ich ernte meine Ölsonnenblumen deshalb nach Merkmalen am Korb und nicht nach dem Kalender. Hier bekommst du den ganzen Weg: reife Körbe erkennen, Kerne trocknen, kalt pressen, das Öl klären und so abfüllen, dass jede geöffnete Flasche in der empfohlenen Zeit leer wird.
Sonnenblumenöl selber machen: der Ablauf im Überblick
Vom Blütenkopf bis zur Ölflasche sind es sechs Arbeitsschritte. Die meiste Zeit kostet dabei nicht das Pressen, sondern das Warten auf die Reife am Stängel.
- Ernten, sobald Laub und Korbrückseite die Reife zeigen.
- Nachtrocknen der Köpfe an einem trockenen, luftigen Platz.
- Auslösen und reinigen: Kerne aus dem Korb lösen, Pflanzenreste aussortieren, Kerne nachtrocknen.
- Kalt pressen, also rein mechanisch und ohne Wärmezufuhr.
- Klären: Öl absetzen lassen, klar abgießen und filtern.
- Abfüllen in saubere, dunkle Flaschen und kühl lagern.
Die wichtigsten Werte für diesen Weg findest du hier gesammelt. Einige gelten für den Erwerbsanbau; im Garten nimmst du sie als Richtung.
| Was | Wert | Gilt für |
|---|---|---|
| Ölgehalt der Kerne | 40 bis 50 % (Orientierungsbereich) | konventionelle Sonnenblumensamen |
| Reifezeit | etwa 130 bis 150 Vegetationstage | Körnersonnenblumen |
| Erntetermin | etwa Ende August bis Ende September | Anbau in Bayern |
| Kornfeuchte nach dem Trocknen | 9 % Wassergehalt | Erwerbsanbau |
| Lagergrenze | mehr als 13 % Feuchte nicht lagerfähig | Erwerbsanbau |
| Haltbarkeit, Flasche geschlossen | meist etwa 9 bis 12 Monate | kaltgepresste Speiseöle |
| Haltbarkeit, Flasche geöffnet | am besten innerhalb von 2 Monaten verzehren | kaltgepresste Speiseöle |
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist mäßig nährstoffreicher, humusreicher, feuchter, gut durchlässiger, neutraler bis alkalischer Boden. Ein vollsonniger Standort ist geeignet; beste Blüte bei langem, heißem Sommer, gegebenenfalls stützen.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist mäßig fruchtbar, humusreich, feucht und gut durchlässig.
- Anbauort
Je nach Sorte ist die Kultur im Hochbeet, im Topf oder im Kübel möglich.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Direktsaat oder frühe Gewächshausanzucht mit zwei bis drei Samen pro Topf; auf den kräftigsten Sämling vereinzeln.
Pflege
- Pflege
Ein regelmäßiger Rückschnitt ist nicht erforderlich.
- Düngung
Die angebotene kompakte Topf-Sonnenblume Sunsation während der Blüte regelmäßig düngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist einjährig.
- Verwendung
Je nach Sorte: Die Pflanze eignet sich zur Gründüngung. Die Pflanze eignet sich als Schnittblume. Die Pflanze eignet sich für Beet und Balkon.
Welche Sonnenblumen eignen sich für Öl?
Für Öl brauchst du Sonnenblumen, die im Beet bis zur Kornreife kommen. Konventionelle Sonnenblumensamen enthalten als Orientierungsbereich 40 bis 50 % Öl. Nimm diesen Bereich deshalb als grobe Richtung und nicht als Versprechen für deine Sorte.
Klassisch oder High-Oleic: der Öltyp zählt
Bei der Sortenwahl legst du vor allem den Öltyp fest. Sonnenblumenöl, das nicht aus spezieller Züchtung stammt, enthält weniger Ölsäure als Raps- und Olivenöl. Es eignet sich deshalb weniger zum Erhitzen. High-Oleic-Sorten sind dagegen auf einen hohen Ölsäuregehalt gezüchtet.
| Öltyp | Ölsäure | Linolsäure |
|---|---|---|
| Klassisches Sonnenblumenöl | 14 bis 39 % | 48 bis 74 % |
| High-Oleic-Sorten (möglich) | 75 bis 91 % | 2 bis 17 % |
High-Oleic bezeichnet Sonnenblumen aus spezieller Züchtung, deren Öl viel Ölsäure und wenig Linolsäure enthält. Bei klassischen Sorten ist das Verhältnis umgekehrt.
Ob eine Sorte zu diesen Züchtungen gehört, klärst du beim Saatgutkauf. Fehlt die Angabe, gehst du von klassischem Öl aus. Auch aus einer High-Oleic-Sorte bleibt dein Öl allerdings kaltgepresst, und kaltgepresstes Sonnenblumenöl eignet sich am besten für die kalte Küche.
Kerne für die nächste Aussaat
Planst du, aus eigenen Kernen wieder auszusäen, schau auf die Sortenbezeichnung. Bei Nachkommen aus selbst geernteten Samen von F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. können sich die Eigenschaften in der F2-Generation aufspalten. Ich lege deshalb nur Kerne von Sorten zurück, die nicht als F1 verkauft wurden. Diese Saatkerne trocknest du auf Papier nach, beschriftest sie und lagerst sie kühl, dunkel und trocken.
Anbau in Kürze
Ölsonnenblumen säst du von April bis Mai an einen vollsonnigen Platz. Beim Düngen hältst du dich zurück, denn überhöhte Stickstoffgaben fördern im Feldanbau vegetatives Wachstum, erhöhen die Anfälligkeit für Korbfäule und verzögern die Reife. Wie du Sonnenblumen vom Sämling bis zur Blüte pflegst, steht im eigenen Ratgeber, die Grundlagen zu Standort und Boden für Sommerblumen findest du im Überblick.
Wann sind die Kerne reif für die Ölpresse?
Den Erntezeitpunkt liest du am Korb ab. Erntereif sind Körnersonnenblumen, wenn die Laubblätter abgestorben sind und sich die Korbrückseiten gelb verfärbt haben. Dann ist die Schale der Kerne fest, und die ersten Kerne beginnen auszufallen.
Bis dahin brauchst du Geduld. Körnersonnenblumen reifen nach etwa 130 bis 150 Vegetationstagen. Im bayerischen Anbau liegt der Erntetermin etwa zwischen Ende August und Ende September. Ich trage mir den Saattermin im Aussaatkalender für Sommerblumen ein und schaue ab dem Spätsommer regelmäßig auf die Rückseiten der Körbe.
In feuchten Jahren wartest du nicht zu lange. Eine späte Ernte kann dann zu einem höheren Anteil an freien Fettsäuren führen. Ernte in solchen Jahren, sobald die Reifemerkmale sichtbar sind.
Vögel von den Körben fernhalten
Vögel lieben Sonnenblumensamen. Ich binde deshalb ein dünnes Gewebetuch um die gesamte Blume und lasse es dort, bis sich die Kerne von allein lösen.
Köpfe abschneiden
Blumensamen erntest du bei trockenem, sonnigem Wetter, sobald sie ausgereift sind. Ich nehme dafür eine Rosenschere und schneide den Korb mit einem Stück Stiel ab. Den Stiel nutze ich später zum Aufhängen.
Wie trocken müssen die Kerne vor dem Pressen sein?
Nach der Ernte entscheidet die Trocknung, ob sich deine Kerne bis zum Pressen lagern lassen. Im Erwerbsanbau werden Sonnenblumenkörner nach der Ernte auf 9 % Wassergehalt getrocknet.
Im Erwerbsanbau wird Erntegut mit mehr als 10 % Feuchte belüftet und auf 7,5 bis 9 % getrocknet. Ware mit mehr als 13 % Feuchte kann nicht gelagert werden.
Im Garten misst du die Kornfeuchte meist nicht nach. Die Werte zeigen dir trotzdem die Richtung: Eingelagert werden nur Kerne, die durch und durch trocken sind.
So trockne und reinige ich die Kerne
Ich hänge die abgeschnittenen Köpfe an einem trockenen, luftigen Platz auf. Sitzen die Kerne locker, reibe ich sie mit der flachen Hand über einer Wanne aus dem Korb. Danach lese ich Blütenreste, Spreu und Bruchstücke heraus. Die sauberen Kerne breite ich flach auf Papier aus und lasse sie noch einmal nachtrocknen, bevor sie in ein Vorratsgefäß kommen.
Kerne gleich nach dem Auslösen wegräumen. Feuchte Kerne sind nicht lagerfähig, also trocknest du sie lieber einmal mehr nach.
Sonnenblumenkerne können bei Kleinkindern in die Atemwege gelangen und eine lebensbedrohliche Erstickungsgefahr verursachen. Beim Auslösen und Trocknen liegen viele Kerne offen herum, arbeite deshalb dort, wo kleine Kinder nicht hinkommen.
Wie du Sonnenblumen gemeinsam mit Kindern anbaust und beobachtest, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Kaltpressung: so presst du die Kerne
Bei der Kaltpressung wird das Öl rein mechanisch aus den Ölsaaten gepresst, ohne dass dabei Wärme zugeführt wird.
Für zu Hause brauchst du eine Ölpresse, die die Kerne mechanisch auspresst. Achte beim Kauf darauf, dass du sie ohne Heizung betreiben kannst. Wird der Presskopf beheizt, führst du Wärme zu, und das Öl ist nach dieser Definition nicht mehr kaltgepresst. Alle Teile, die Kerne und Öl berühren, sollten sich zerlegen und gründlich reinigen lassen.
trockene, gereinigte Kerne · sauberes Glas für das Öl · zweites Gefäß für den Presskuchen · hohes Glas zum Absetzen · feines Sieb · Filtertuch oder Kaffeefilter · saubere, dunkle Flaschen · Etiketten für das Pressdatum
Schritt für Schritt an der Presse
An der Presse arbeitest du am besten ohne Zeitdruck und mit allem in Reichweite. So gehe ich vor:
- Stell die Presse auf eine stabile, ebene Fläche und befestige sie so, wie es ihre Anleitung vorsieht.
- Stell das saubere Glas unter den Ölauslauf und das zweite Gefäß unter den Austritt für den Presskuchen.
- Füll die Kerne gleichmäßig nach, damit die Presse durchgehend Material bekommt.
- Beobachte Ölstrahl und Presskuchen. Kommt kein Öl mehr oder staut sich etwas, hältst du an und schaust nach.
- Zerleg die Presse nach dem letzten Durchgang, reinige alle Teile gründlich und räum sie erst trocken weg.
Wie viel Öl im Glas landet, hängt von Presse und Kernen ab. Rechne nicht mit dem vollen Ölgehalt, denn ein Teil des Öls bleibt im Presskuchen zurück.
Ich presse nie die ganze Ernte auf einmal. Die übrigen Kerne bleiben trocken gelagert, und ich presse nach, wenn die letzte Flasche fast leer ist.
Klären und filtern: vom trüben zum klaren Öl
Frisch gepresstes Öl ist trüb, weil feine Pressreste darin schweben. Ich kläre es in zwei Stufen: Erst darf es sich absetzen, danach filtere ich.
Absetzen lassen
Füll das frische Öl in ein hohes, sauberes Glas und stell es an einen kühlen, dunklen Platz. Lass es stehen, bis sich am Boden eine deutliche Schicht gebildet hat und das Öl darüber klar wirkt. Zur Kontrolle hältst du das Glas gegen das Licht. Dann gießt du das klare Öl langsam ab, ohne den Bodensatz aufzuwirbeln.
Filtern
Das abgegossene Öl lässt du zuerst durch ein feines Sieb laufen und danach durch ein Filtertuch. Ich arbeite mich dabei von grob zu fein vor. Trichter, Sieb und Flaschen müssen sauber und trocken sein, bevor das Öl hineinkommt. Bleibt das Öl nach dem Filtern noch trüb, lässt du es erneut stehen und filterst noch einmal.
Abfüllen und lagern: wie lange hält das Öl?
Kaltgepresstes Speiseöl lagerst du dunkel, kühl und gut verschlossen. Ich fülle mein Öl in saubere, dunkle Flaschen und schreibe auf jede das Pressdatum.
| Öl | Flasche geschlossen | Nach dem Öffnen |
|---|---|---|
| Kaltgepresstes Speiseöl | meist etwa 9 bis 12 Monate | am besten innerhalb von 2 Monaten verzehren |
| Raffiniertes Speiseöl | bis zu 2 Jahre genießbar | etwa 6 bis 8 Monate |
Dein selbst gepresstes Öl ist kaltgepresst, für dich gilt also die obere Zeile. Weil du eine geöffnete Flasche am besten innerhalb von zwei Monaten verbrauchst, füllst du lieber in mehrere kleine Flaschen ab als in eine große. So öffnest du immer nur so viel, wie du in dieser Zeit verwendest.
Woran erkennst du verdorbenes Öl?
Vor jedem Gebrauch prüfe ich das Öl mit Nase und Zunge. Riecht oder schmeckt es ranzig, entsorgst du es.
„Ranziges Öl macht sofort krank.“ Eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung geht von ranzigem Speiseöl nicht aus. Entsorgen solltest du es trotzdem, weil der Geschmack leidet.
Wofür eignet sich selbst gepresstes Sonnenblumenöl in der Küche?
Kaltgepresstes Sonnenblumenöl eignet sich am besten für die kalte Küche. Ich nehme es für Salatdressings, zum Beträufeln von Rohkost und für kalte Dips.
Zum Braten nimmst du besser ein raffiniertes Sonnenblumenöl. Es ist hitzestabiler und wird am besten zum Braten, Dünsten und Backen eingesetzt. Zum Frittieren gelten High-Oleic-Öle als ideal.
Willst du dein Öl mit frischen Kräutern aromatisieren, stellst du solche Kräuteröle nicht auf Vorrat her. Kräuteröle und in Öl eingelegtes Gemüse gehören in den Kühlschrank und werden spätestens am Tag nach der Herstellung verzehrt.
Einen Teil der Ernte kannst du auch als Kerne nutzen. Wie du Sonnenblumenkerne in der Küche verwendest, zeigt ein eigener Ratgeber. Ölansätze mit Blüten sind ein Thema für sich: Wie du Ringelblumenöl herstellst und lagerst, erfährst du im Ratgeber zur Ringelblume.
Lohnt sich eigenes Sonnenblumenöl?
Ob sich der Aufwand lohnt, entscheidet vor allem dein Verbrauch. Für eigenes Öl wartest du eine lange Reifezeit ab, schützt die Körbe vor Vögeln, trocknest, presst und klärst. Dafür bestimmst du Sorte, Erntezeitpunkt und Pressmenge selbst und weißt, woher jede Flasche stammt. Geöffnetes kaltgepresstes Öl hält nicht lange und gehört in die kalte Küche. Eigenes Öl passt deshalb vor allem in einen Haushalt, der regelmäßig Salate und kalte Gerichte damit anmacht. Wie viel Beetfläche du den Ölsonnenblumen gibst, planst du am einfachsten mit dem Beetplaner für deinen Garten.





