Witwenblumen trocknen: Knautia ernten, aufhängen, pressen und dekorieren
- Witwenblumen gehören zur Gattung Knautia, Skabiosen zur botanisch getrennten Gattung Scabiosa.
- Geschnitten wird an trockenen Tagen morgens oder abends, nicht in der Mittagshitze.
- Für Sträuße hängst du lockere Bündel kopfüber an einen luftigen, trockenen Platz.
- Zum Pressen legst du die Blüten zwischen saugfähiges Papier und lässt sie beschwert an einem warmen, trockenen Ort trocknen.
- Strandflieder behält beim Trocknen die Farbe seiner Kelchblätter und trägt so die Farbe im Trockenstrauß.

Wenn ich Witwenblumen trockne, entscheidet sich viel schon beim Schneiden. Geerntet wird bei mir nur an trockenen Tagen, morgens oder abends, und die Bündel hängen danach dort, wo die Luft trocken ist und sich bewegt. Ein Kopf, der feucht ins Bündel kommt, kann muffig werden, bevor er durchgetrocknet ist. Du bekommst aber meine Handgriffe für Farbe und Form und eine einfache Probe, mit der du das Ergebnis selbst beurteilst.
Witwenblume oder Skabiose: was du da eigentlich trocknest
Witwenblumen gehören zur Gattung Knautia. Skabiosen stehen in der Gattung Scabiosa, und beide Gattungen sind botanisch getrennt. Die Sorte ‘Butterfly Blue’ etwa gehört zur Tauben-Skabiose Scabiosa columbaria und ist keine Knautia macedonica. Achte deshalb beim Kauf von Saatgut oder Pflanzen auf den botanischen Namen.
Bei der Wiesen-Witwenblume Knautia arvensis ist die Blütenkrone vierzipflig, Skabiosen besitzen fünf Kronzipfel. Eine volkstümliche Deutung verbindet den Namen Witwenblume mit genau diesem Unterschied. Eine französische Sage lässt dagegen Skabiosen aus den Tränen einer Witwe entstehen, und das ist eine Sage, kein historisches Ereignis.
Für die Trockenernte schneide ich vor allem Knautia macedonica und gelegentlich die Wiesen-Witwenblume. Die Formen unterscheiden sich in Farbe, Höhe und Blütezeit:
| Witwenblume | Blüte | Höhe | Blütezeit |
|---|---|---|---|
| Knautia macedonica ‘Red Knight’ | rubinrot | etwa 60–80 cm | Juli bis September |
| Knautia macedonica aus dem Saatgutsortiment | rot bis dunkelrot | etwa 80 cm | Juli bis August |
| Knautia macedonica ‘Mars Midget’ | – | etwa 40 cm | Juni bis Oktober |
| Wiesen-Witwenblume Knautia arvensis | blauviolett | 30–80 cm | – |
Knautia macedonica eignet sich als Schnittblume, deshalb stammen die meisten Köpfe in meinen Trockensträußen von ihr. Die hohen Pflanzen von ‘Red Knight’ liefern Stiele, die lang genug für Bündel sind. Aus der kompakten ‘Mars Midget’ hole ich kleine Köpfe für die Presse und für Gestecke. Ohne Beet geht es auch, denn ‘Midget Mauves’ erreicht mit Blüten etwa 40 cm und eignet sich als blühende Topfpflanze.
Die Wiesen-Witwenblume schneide ich nur im eigenen Garten, und dort bleibt immer ein Teil der Köpfe stehen. Die Art wächst auf frischen bis mäßig trockenen Wiesen und HalbtrockenrasenEin Halbtrockenrasen ist eine spezielle Form des Magerrasens auf ungedüngten Standorten. Er bleibt nur durch Mahd oder Beweidung offen, sonst würde dort Wald wachsen, und ist Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten.. An Witwenblumen sammelt die Knautien-Sandbiene den Pollen für ihre Nachkommen. Stieglitze fressen außerdem die noch grünen Samen der Wiesen-Witwenblume.
Wann ich Witwenblumen zum Trocknen schneide
Geschnitten wird an trockenen Tagen, morgens oder abends und nicht in der Mittagshitze. Tau und Regentropfen sollen vorher abgetrocknet sein, denn ich will kein Wasser in die Bündel tragen. Am liebsten nehme ich frische, voll geöffnete Köpfe ohne welke Ränder. Köpfe, die schon nachlassen, bleiben an der Pflanze.
Alles zu Messer, Anschnitt und Vasenwasser findest du im Ratgeber dazu, wie du Witwenblumen für die Vase schneidest und frisch hältst. Fürs Trocknen zählen vor allem zwei Dinge: ein trockener Kopf und eine Blüte, die noch frisch ist.
Das Schneiden über den Sommer muss die Blüte nicht schwächen. Bei vielen Stauden kann Samenbildung weitere Blüten vermindern, und bei ‘Red Knight’ kann ein leichter RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. nach der ersten Blüte einen zweiten Flor fördern. Wer regelmäßig Köpfe zum Trocknen holt, nimmt der Pflanze also Blüten, bevor sie Samen ansetzen, und kann damit die weitere Blüte eher unterstützen als bremsen.
Den leichten Rückschnitt nach der ersten Blüte und den Herbstschnitt von ‘Red Knight’ plane ich fest im Jahreslauf ein. Was wann ansteht, zeigt dir der Überblick, welche Pflegearbeiten bei Witwenblumen im Jahreslauf anfallen.
So bereite ich die Stiele vor
Zuerst schüttle ich jeden Stiel vorsichtig, damit Insekten aus den Köpfen abfliegen oder herausfallen. Danach streife ich die Blätter ab, denn im Trockenstrauß brauche ich nur Stiel und Kopf. Welke oder fleckige Köpfe sortiere ich aus. Zum Schluss lege ich die Stiele nach Länge zusammen, damit jedes Bündel gleichmäßig wird.
Geschnitten an einem trockenen Tag. Tau und Regen abgetrocknet. Insekten ausgeschüttelt. Blätter abgestreift. Welke und fleckige Köpfe aussortiert.
Lufttrocknen: kopfüber an einem luftigen Platz
Für Sträuße hänge ich Witwenblumen kopfüber auf. Gebunden werden kleine, lockere Bündel mit einem Gummiring, der nachgibt und trotzdem hält, wenn die Stiele beim Trocknen schmaler werden. Im Bündel setze ich die Köpfe leicht versetzt, damit sie sich nicht gegenseitig platt drücken. Die Bündel kommen an eine Schnur oder einen Kleiderbügel, an einen luftigen, schattigen und trockenen Platz. Zwischen den Bündeln bleibt so viel Raum, dass sie sich nicht berühren.
Ob ein Bündel fertig ist, prüfe ich mit den Fingern. Die Köpfe rascheln beim Antippen, und der Stiel knapp unter dem Kopf bricht, statt sich zu biegen. Gibt er noch nach, hängt das Bündel weiter.
Die Bündel hängen dicht an dicht in einem Raum, in dem gekocht, geduscht oder Wäsche getrocknet wird. In feuchter Luft können die Köpfe muffig werden, bevor sie durchgetrocknet sind. Such dir lieber einen trockenen Platz, an dem die Luft zirkuliert.
Pressen: flache Blüten für Karten und Lesezeichen
Gepresste Blüten lassen sich für selbst gestaltete Karten und Lesezeichen verwenden. Dafür lege ich die Köpfe zwischen saugfähiges Papier, beschwere den Stapel und lasse ihn an einem warmen, trockenen Ort liegen. Für die Presse nehme ich kleine Köpfe, zum Beispiel von ‘Mars Midget’, mit der Blütenseite nach unten. Größere Köpfe halbiere ich vorher längs mit einer scharfen Schere, damit die Hälften flach aufliegen.
Zwischendurch hebe ich das obere Blatt an und fühle, ob das Papier feucht ist. Ist es feucht, lege ich frisches ein. Fertig sind die Blüten, wenn sie sich papierartig anfühlen und beim Anheben nicht mehr weich durchhängen. Beim gemeinsamen Gärtnern können Kinder säen, gießen und ernten, und das Aufkleben der gepressten Blüten auf Karten ist ein schöner Abschluss.
Silicagel: wenn der Kopf rund bleiben soll
Für einzelne Köpfe, die ihre runde Form behalten sollen, nehme ich ein Trockenmittel wie Silicagel. In eine Dose mit Deckel streue ich eine Schicht Granulat und setze die Köpfe mit kurzem Stiel aufrecht hinein. Dann lasse ich weiteres Granulat vorsichtig von der Seite zwischen die Blüten rieseln, bis alles bedeckt ist, und schließe den Deckel. Zum Prüfen lege ich einen Kopf frei. Raschelt er und fühlt sich papierartig an, hole ich alle heraus und schüttle das Granulat behutsam ab. Ist er noch weich, kommt er zurück ins Granulat.
Welche Methode passt zu deinem Vorhaben?
Welche Methode du wählst, hängt davon ab, was du daraus machen willst. Das Aufhängen braucht nur Platz, Schnur und Gummiringe und liefert lange Stiele für Sträuße. Pressen macht die Blüten flach, das passt zu Karten, Lesezeichen und Bildern, aber nicht zum Strauß. Silicagel kostet Material, und ich nutze es nur für einzelne Köpfe, nicht für ganze Bündel. Wenn du nur eine Methode ausprobierst, nimm das Aufhängen. Die Mikrowelle nutze ich zum Blumentrocknen nicht.
Wie bleibt die Farbe so gut wie möglich erhalten?
Ich achte aber an drei Stellen darauf, dass sie bestmöglich ins Trockene kommt. Beim Schnitt nehme ich nur frische, voll geöffnete Köpfe, denn ein Kopf, der schon verblasst, wird beim Trocknen nicht wieder kräftiger. Während des Trocknens hängen die Bündel im Schatten und nicht am sonnigen Fenster. Fertige Sträuße stelle ich nicht ins pralle Licht.
Ist mir die Farbe im Strauß wichtig, verlasse ich mich nicht allein auf die Witwenblumen. Beim Geflügelten Strandflieder umgeben farbige Kelchblätter die kleinen weißen Blüten, und diese Kelche behalten beim Trocknen ihre Farbe. Deshalb setze ich Strandflieder als Farbträger neben die Witwenblumen. Für Trockensträuße schneide ich ihn bei voller Blüte und hänge ihn ebenso kopfüber an einen luftigen Ort.
Ob dir eine Sorte getrocknet gefällt, zeigt ein Probebündel. Ich fotografiere es frisch und lege das Foto später neben das fertige Bündel. So entscheide ich für die nächste Ernte, welche Sorte und welche Methode ich weiter nutze.
An jedes Bündel hänge ich einen kleinen Zettel mit Sorte und Erntetag. Binde ich später einen Strauß, weiß ich so, welcher Kopf woher stammt und wie ich ihn getrocknet habe.
Getrocknete Witwenblumen aufbewahren und pflegen
Bis ich sie verarbeite, liegen die trockenen Bündel in einem Karton zwischen Seidenpapier an einem trockenen Ort. Bad und Küche meide ich, weil dort oft feuchte Luft steht. Staub entferne ich mit einem weichen Pinsel, Wasser kommt nicht an die Köpfe. Bröseln die Köpfe oder gefällt mir die Farbe nicht mehr, kommen sie auf den Kompost.
Was ich aus getrockneten Witwenblumen mache
Für einen Trockenstrauß bilden die Witwenblumen das Grundgerüst. Dazu kommen Strandflieder für die Farbe und getrocknete Köpfe der Wilden Karde für Struktur, denn die Karde eignet sich als Schnitt- und Trockenblume. Auch die Rasselblume ‘Amor Blue’ passt, weil sie sich frisch und getrocknet als Schnittblume verwenden lässt. Bei der Lampionblume ‘Gigantea’ trockne ich entblätterte Triebe oder einzelne Fruchtstände, sobald die Lampions ausgefärbt sind. Der orangefarbene Lampion ist übrigens der vergrößerte Kelch, die eigentliche Blütenkrone ist weißlich.
Beim Binden lege ich die Stiele nacheinander leicht schräg an, sodass die Köpfe in unterschiedlicher Höhe sitzen. Gebunden wird knapp unter den Blüten mit Bast oder Bindfaden, danach schneide ich die Stielenden gerade ab. Das Rubinrot von ‘Red Knight’ kombiniere ich gern mit dem Orange der Lampions. Die blauvioletten Köpfe der Wiesen-Witwenblume setze ich eher neben Strandflieder.
Für einen kleinen Kranz binde ich kurze Stücke mit Draht auf einen Strohkranz und setze die runden Köpfe aus dem Silicagel zuletzt obenauf. Die gepressten Blüten klebe ich auf Karten und Lesezeichen oder lege sie hinter Glas in einen Bilderrahmen.
Witwenblumen gezielt für die Trockenernte ziehen
Damit das Schaubeet seine Blüten behält, schneide ich für Trockensträuße aus einer eigenen Beetecke. ‘Red Knight’ wird von März bis Mai vorgezogen und ab dem Sommer ausgepflanzt. Für die VorkulturVorkultur heißt meist, dass du Gemüse im Haus oder geschützt aus Samen vorziehst und es später als abgehärtete Jungpflanze ins Freiland setzt. In Anbauplänen meint das Wort auch eine schnelle Kultur, die vor der Hauptkultur auf dem Beet steht. hältst du eine KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. von 18 bis 22 °C. Deine Aussaattermine behältst du im druckbaren Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser im Blick.
Die Sorte braucht einen sonnigen Platz und ist trockenheitstolerant. Knautia macedonica wächst auf gut durchlässigen Böden mit trockenen bis frischen Verhältnissen. Wie du Witwenblumen mit Partnern ins Beet einbindest, zeigt dir der Ratgeber dazu, wie du Witwenblumen im Staudenbeet nach Farbe und Höhe kombinierst. Die Schnittecke kannst du vorher im Beetplaner einteilen.
Lässt du ausgewählte Köpfe bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen, kannst du auch Saatgut gewinnen. Geerntet wird bei trockenem Wetter, danach trocknest du die Samen auf Papier nach und lagerst sie kühl, dunkel und trocken. Wie lange Staudensamen keimfähig bleiben und wie du sie prüfst, steht im Stauden-Überblick unter Schnittblumen und Saatgut.




