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Leinkraut im Naturgarten: Futter für Hummeln und Raupen, Aussaat in der Kälte

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Gewöhnliches Leinkraut (Linaria vulgaris) ist in Deutschland heimisch und mehrjährig.
  • Es blüht je nach Standort und Kultur etwa von Mai oder Juni bis Oktober.
  • Kräftige Hummeln und andere große Wildbienen öffnen und bestäuben die geschlossenen Blüten.
  • Die Raupen von Möndcheneule, Goldbrauner Hauhecheleule und Rotem Scheckenfalter fressen an der Pflanze.
  • Gesät wird im Freiland vom Spätherbst bis zum Vorfrühling; für die Keimung sind Temperaturen unter 5 °C günstig.
  • Es breitet sich über Ausläufer aus, empfohlen wird ein Pflanzabstand von 60 cm.
  • Der Platz sollte sonnig sein, der Boden locker, steinig-sandig und mäßig nährstoffreich.
Ein Blütenstand des Echten Leinkrauts mit gelben Blüten, bedeckt mit Tautropfen, vor einem unscharfen grünen Hintergrund.
Foto: Norbert Nagel, Mörfelden-Walldorf, Germany · CC BY-SA 3.0 · Ausschnitt · Quelle ↗

Willst du im Naturgarten Hummeln und Falterraupen zugleich versorgen, lohnt sich Gewöhnliches Leinkraut für eine sonnige, steinige Ecke. Seine geschlossenen Blüten öffnen kräftige Hummeln und andere große Wildbienen. An der Pflanze fressen außerdem die Raupen von drei Falterarten. Geduld brauchst du bei der Aussaat, denn Leinkraut keimt ungleichmäßig und mag es dabei kalt. Ich säe es deshalb im Spätherbst in Schalen, die den Winter über draußen stehen.

Was ist Gewöhnliches Leinkraut?

Das Gewöhnliche Leinkraut heißt botanisch Linaria vulgaris und ist in Deutschland heimisch. Es ist mehrjährig und breitet sich durch Ausläufer aus. Seine Blüten bleiben geschlossen, bis eine kräftige Hummel oder eine andere große Wildbiene sie öffnet. Je nach Standort und Kultur blüht es etwa von Mai oder Juni bis Oktober.

Kurz erklärt

Leinkraut ist kein Lein. Der Großblütige Lein (Linum grandiflorum) wird einjährig gezogen, das Gewöhnliche Leinkraut (Linaria vulgaris) ist eine mehrjährige heimische Pflanze. Beim Saatgutkauf hilft dir der botanische Name, beide sicher auseinanderzuhalten.

Merkmal Gewöhnliches Leinkraut
Botanischer Name Linaria vulgaris
Herkunft in Deutschland heimisch
Lebensdauer mehrjährig, breitet sich durch Ausläufer aus
Blütezeit etwa Mai oder Juni bis Oktober, je nach Standort und Kultur
Licht sonnig
Boden locker, steinig-sandig, trocken bis frisch, mäßig nährstoffreich
Aussaat im Freiland Spätherbst bis Vorfrühling
Keimung ungleichmäßig, Temperaturen unter 5 °C günstig
Pflanzabstand 60 cm bei kultiviertem Leinkraut
Gießen bei Trockenheit mäßig
Blütenbesucher kräftige Hummeln und andere große Wildbienen
Raupen an der Pflanze Möndcheneule, Goldbraune Hauhecheleule, Roter Scheckenfalter

Welche Tiere nutzen Leinkraut?

Hummeln und große Wildbienen an der Blüte

Die Blüten des Leinkrauts sind geschlossen. Geöffnet und bestäubt werden sie von kräftigen Hummeln und anderen großen Wildbienen. Im Sommer setze ich mich gern eine Weile daneben und schaue zu, welche Hummeln die Blüten aufdrücken.

Eine heimische Blumenwiese hat ihren Hauptblühzeitraum häufig im Frühsommer, etwa im Mai und Juni. Leinkraut blüht je nach Standort etwa bis in den Oktober. Neben einer Wiese verlängert es damit das Blütenangebot für Hummeln über den Höhepunkt der Wiesenblüte hinaus.

Häufiger Fehler

Leinkraut als Futter für alle Bestäuber einplanen. Seine Blüten sind geschlossen, geöffnet und bestäubt werden sie von kräftigen Hummeln und anderen großen Wildbienen. Für andere Blütenbesucher brauchst du weitere Pflanzen daneben.

Raupen fressen an der Pflanze

Leinkraut ist auch Raupenfutter. Die Raupen der Möndcheneule, der Goldbraunen Hauhecheleule und des Roten Scheckenfalters nutzen es als Nahrung. Ein insektenfreundlicher Garten braucht neben Blüten auch Nahrungspflanzen für die Entwicklungsstadien der Tiere. Leinkraut deckt also beides ab: Blütennahrung für große Bienen und Futter für Raupen.

Fraßspuren am Leinkraut lasse ich deshalb in Ruhe und sammle keine Raupen ab. Die Kette reicht weiter: Insekten, die von heimischen Wildpflanzen leben, dienen unter anderem Vögeln, Igeln, Amphibien und Reptilien als Nahrung.

Unterschlupf im Winter, Nistplatz in der Nähe

Stehen gelassene, verholzte Staudenstängel und Blütenreste können kleinen Insekten als Winterversteck dienen. Bei Staudenpflanzungen können die Stängel über Winter stehen bleiben und erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden. So halte ich es auch beim Leinkraut und nehme vorher nur kranke Pflanzenteile heraus. Einzelne alte Stängel bleiben bei mir länger stehen, denn in abgestorbenen Staudenstängeln, die länger als ein Jahr stehen bleiben, können manche Wildbienen nisten.

Niststrukturen brauchen ein vielfältiges Blütenangebot in unmittelbarer Nähe. Leinkraut eignet sich für sonnige Plätze mit steinig-sandigem Boden. Ein sonniger Streifen neben einem Lesesteinhaufen bringt deshalb Nahrung und Nistplatz zusammen. Um den Steinhaufen lasse ich einen unbearbeiteten Pufferstreifen von etwa 50 cm und setze das Leinkraut dahinter.

Wo wächst Leinkraut am besten?

Gib dem Leinkraut einen sonnigen Platz. Der Boden sollte locker und steinig-sandig sein, dazu trocken bis frisch und mäßig nährstoffreich. Damit passt es an sonnige Beetränder, auf steinige Flächen und an den Saum einer Wiese auf leichtem Boden. Ich wähle dafür Stellen, an denen sich die Ausläufer ausbreiten dürfen.

Mythos-Check

„Leinkraut wächst nur auf magerstem Boden.“ Mäßig nährstoffreicher Boden eignet sich ebenfalls, solange er locker ist und trocken bis frisch bleibt. Achte vor allem auf Sonne und einen steinig-sandigen Untergrund.

Steht das Leinkraut in einer artenreichen, mageren Blumenwiese, wird dort nicht gedüngt, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Wie du Standort und Boden für Wildblumen grundsätzlich beurteilst, erklären die Wildblumen-Grundlagen zu Standort, Boden und Düngen.

Wie säe ich Leinkraut aus?

Im Freiland säst du Gewöhnliches Leinkraut vom Spätherbst bis zum Vorfrühling. Für die Keimung sind Temperaturen unter 5 °C günstig. Beides zeigt in dieselbe Richtung: Wer erst im warmen Frühjahr sät, lässt die kalte Phase aus, die die Keimung begünstigt.

Ich ziehe Leinkraut in Saatschalen mit steriler Aussaaterde vor. Die Schalen stehen draußen an der Nordseite des Hauses, wo keine direkte Sonne hinkommt. Darüber kommt ein Stück Maschendraht, damit Vögel die Saat nicht herauspicken. Die Erde befeuchte ich schonend mit dem Zerstäuber und halte sie gleichmäßig feucht, ohne dass sie austrocknet oder vernässt.

Leinkraut keimt ungleichmäßig. Nach den ersten Sämlingen räume ich die Schale deshalb nicht ab, sondern pflege sie weiter. Pikiert wird, sobald sich die Keimblätter und die ersten Folgeblätter entfaltet haben. Ins Beet kommen die Pflanzen erst als kräftige Jungpflanzen.

Mini-Checkliste

Saatschale mit steriler Aussaaterde füllen, zwischen Spätherbst und Vorfrühling säen, draußen ohne direkte Sonne aufstellen, Maschendraht gegen Vogelfraß auflegen, gleichmäßig feucht halten ohne Nässe, nach Keimblättern und ersten Folgeblättern pikieren.

Marias Erfahrung

Ich beschrifte jede Schale mit Art und Aussaatdatum. Weil Leinkraut ungleichmäßig keimt, sehe ich so auch später noch, welche Schale weiter Pflege braucht.

Willst du Leinkraut direkt in eine bestehende Wiese säen, brauchen die Samen offene Erde. Wie du Lücken öffnest und die junge Ansaat begleitest, behandelt der Wildblumen-Ratgeber in den Abschnitten zur Aussaat und zu den ersten Wochen.

Beim Saatgut lohnt ein genauer Blick, denn die Bezeichnung Wildblumen allein garantiert keine heimischen Arten. Achte auf den botanischen Namen Linaria vulgaris und frag nach der Herkunft: Für gebietseigenes Saatgut ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt. Kennzeichnungen wie VWW-Regiosaaten und RegioZert helfen bei der Auswahl, mehr dazu steht im Abschnitt Mischungen und Saatgut des Wildblumen-Ratgebers.

Wie pflanze ich Leinkraut aus?

Für kultiviertes Gewöhnliches Leinkraut wird ein Pflanzabstand von 60 cm empfohlen. Ich setze es nicht in Reihen, sondern als lockere Gruppe und halte diesen Abstand zwischen den Pflanzen ein. Die Pflanze breitet sich durch Ausläufer aus, und der empfohlene Abstand ist großzügig. Plane die Fläche deshalb nach der späteren Ausdehnung, nicht nach der Größe der Jungpflanze. Vorab kannst du deine Beetfläche im Beetplaner aufteilen.

Welche Pflanzen passen zum Leinkraut?

Für trockene, sonnige Standorte kommen heimische Arten wie Wiesen-Witwenblume, Taubenkropf-Leimkraut und Wilde Möhre infrage. Ist der Boden eher frisch als trocken, passt die Wiesenmargerite dazu. Sie bietet Nahrung für Masken-, Furchen- und Schmalbienen sowie für Käfer und Schwebfliegen. Leinkraut versorgt vor allem kräftige Hummeln und große Wildbienen, die Margerite erweitert den Kreis der Besucher also um weitere Gruppen.

Leinkraut beginnt erst im Mai oder Juni zu blühen. Für das Frühjahr plane ich deshalb andere Arten daneben ein, damit das Blütenangebot früher im Jahr startet.

Passt dazu

Für trockene Standorte eignet sich auch das Patagonische Eisenkraut. Welche Verbenen sich für Beet, Wiese und Kübel eignen, liest du im Verbenen-Ratgeber.

Wie pflege ich Leinkraut übers Jahr?

Gegossen wird Leinkraut bei Trockenheit, und dann mäßig. Vorher stecke ich den Spaten in den Boden und schaue, ob die Erde darunter noch feucht ist. Gieß möglichst morgens und gib das Wasser direkt an den Wurzelbereich.

Über die Ausläufer breitet sich Leinkraut nach und nach aus. Im Naturgarten ist das oft gewollt, am Rand eines gepflegten Beets eher nicht. Wo die Ausläufer nicht hin sollen, steche ich sie mit dem Spaten ab und ziehe sie heraus. Bei meiner Runde im Frühjahr schaue ich die Ränder wieder durch.

Auf größeren Blumenwiesen erhält eine zeitlich versetzte Mahd von Teilflächen Rückzugsräume für Insekten. Weil Raupen am Leinkraut fressen, lasse ich beim Mähen immer einen Teil der Bestände stehen. Zeitpunkt, Häufigkeit und Schnitthöhe behandelt der Wildblumen-Ratgeber im Abschnitt Mähen und Pflege.

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Häufige Fragen

Was ist Leinkraut und was macht es für den Naturgarten wertvoll?
Im Naturgarten ist meist das Gewöhnliche Leinkraut gemeint, botanisch Linaria vulgaris, eine in Deutschland heimische und mehrjährige Pflanze. Es breitet sich durch Ausläufer aus und blüht je nach Standort und Kultur etwa von Mai oder Juni bis Oktober. Seine geschlossenen Blüten werden von kräftigen Hummeln und anderen großen Wildbienen geöffnet und bestäubt. Außerdem fressen die Raupen mehrerer Falterarten an der Pflanze.
Welche Bedeutung hat Leinkraut für die Insektenvielfalt im Garten?
Leinkraut versorgt zwei Gruppen: Kräftige Hummeln und andere große Wildbienen öffnen und bestäuben die geschlossenen Blüten. Die Raupen der Möndcheneule, der Goldbraunen Hauhecheleule und des Roten Scheckenfalters nutzen die Pflanze als Nahrung. Damit liefert es Blütennahrung und Futter für Entwicklungsstadien, und beides braucht ein insektenfreundlicher Garten neben Nistplätzen und Überwinterungsräumen.
Wie funktioniert die Aussaat von Leinkraut und was sollte dabei beachtet werden?
Im Freiland säst du Gewöhnliches Leinkraut vom Spätherbst bis zum Vorfrühling. Für die Keimung sind Temperaturen unter 5 °C günstig, und die Samen keimen ungleichmäßig. Saatgefäße hältst du gleichmäßig feucht und stellst sie ohne direkte Sonne auf. Die Jungpflanzen setzt du später mit einem Pflanzabstand von 60 cm.
Welche Blütezeit hat Leinkraut und wie lange dient es als Nahrungsquelle für Insekten?
Gewöhnliches Leinkraut blüht je nach Standort und Kultur etwa von Mai oder Juni bis Oktober. In dieser Zeit finden kräftige Hummeln und andere große Wildbienen an den Blüten Nahrung. Zusätzlich dient die Pflanze den Raupen der Möndcheneule, der Goldbraunen Hauhecheleule und des Roten Scheckenfalters als Futter.
Wie beeinflusst die Ausbreitung von Leinkraut die Gartenplanung?
Gewöhnliches Leinkraut ist mehrjährig und breitet sich durch Ausläufer aus. Gib ihm deshalb einen Platz, an dem es sich ausdehnen darf, zum Beispiel einen sonnigen Beetrand mit lockerem, steinig-sandigem Boden. Für kultiviertes Leinkraut wird ein Pflanzabstand von 60 cm empfohlen. Ausläufer an Stellen, an denen die Pflanze nicht wachsen soll, stichst du mit dem Spaten ab.
Braucht Leinkraut unbedingt mageren Boden?
Nein, mäßig nährstoffreicher Boden eignet sich ebenfalls. Gewöhnliches Leinkraut passt an sonnige Plätze mit lockerem, steinig-sandigem Boden, der trocken bis frisch sein darf. Steht es in einer artenreichen, mageren Blumenwiese, wird dort trotzdem nicht gedüngt, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden.
Wie integriert man Leinkraut in eine bestehende Wildblumenwiese?
Die Samen brauchen offene Erde. Die Berliner Ansaatanleitung empfiehlt zum Anreichern einer bestehenden Wiese, etwa 50 % der Vegetationsdecke zu öffnen, damit Samen auf offenen Boden gelangen. Leinkraut säst du dort vom Spätherbst bis zum Vorfrühling ein, am besten in einem sonnigen Teil mit lockerem, steinig-sandigem Boden.
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