Samenbomben selber machen: Rezept, Samenwahl und Pflege der Fläche
- Samenbomben sind getrocknete Kugeln aus Blumenerde, Tonerde und Saatgut.
- Schulrezept: Blumenerde, Tonerde und Samen im Verhältnis 5:5:1, Wasser schrittweise zugeben, bis die Masse formbar ist.
- Kugeln walnussgroß formen, mehrere Tage auf Zeitungspapier trocknen und kühl, trocken und nicht in Plastiktüten lagern.
- Ohne Tonerde fehlt das Bindemittel, dann säst du die Samen direkt auf die Bodenoberfläche und drückst sie an.
- Die Aufschrift Wildblumen garantiert keine heimischen Arten, deshalb Artenliste und Herkunft prüfen.
- Nur mit Erlaubnis auslegen, danach in Trockenphasen gießen, Beikraut im Blick behalten und die Entwicklung notieren.

Eine Samenbombe ist schnell geknetet. Ob an der Stelle später etwas blüht, entscheidet sich aber auch bei der Samenwahl, beim Trocknen und in den Wochen nach dem Auslegen. Ich forme meine Kugeln nach einem einfachen Schulrezept und lege sie nur dort aus, wo ich die Stelle danach wieder besuchen kann.
Samenbomben, oft auch Seedbombs genannt, sind getrocknete Kugeln aus Erde, Tonerde und Saatgut. Du legst sie auf eine Fläche, und sobald sie lange genug feucht bleiben, können die Samen darin keimen.
Was du für Samenbomben brauchst
Ich arbeite mit einem Schulrezept aus drei Zutaten und Wasser. Die Mengen sind als Teile angegeben, damit du sie an jede Gruppengröße anpassen kannst.
| Zutat | Anteil im Schulrezept |
|---|---|
| Blumenerde | 5 Teile |
| Tonerde | 5 Teile |
| Samen | 1 Teil |
| Wasser | schrittweise, bis die Masse formbar ist |
Ein Teil ist bei mir ein Becher, so bleibt das Verhältnis stimmig, egal wie viele Kugeln entstehen. Dazu brauchst du eine Schüssel zum Mischen, Zeitungspapier zum Trocknen und eine Schachtel für die fertigen Kugeln.
Samenbomben selber machen: Schritt für Schritt
- Trocken mischen. Gib Blumenerde, Tonerde und Samen in die Schüssel und vermenge alles gründlich. So verteilen sich die Samen in der ganzen Masse, bevor sie feucht wird.
- Wasser schrittweise zugeben. Gieß das Wasser nach und nach dazu und knete nach jeder Zugabe durch. Die Masse passt, sobald sie sich zur Kugel formen lässt, ohne zu zerbröseln.
- Kugeln formen. Roll die Masse zwischen den Handflächen zu Kugeln, ungefähr so groß wie eine Walnuss.
- Trocknen lassen. Leg die Kugeln nebeneinander auf Zeitungspapier und lass sie mehrere Tage trocknen. Ich drehe sie zwischendurch um, damit auch die Unterseite an die Luft kommt.
- Lagern oder auslegen. Fertig getrocknete Kugeln kannst du mehrere Wochen kühl und trocken aufbewahren. Eine Plastiktüte ist dafür nicht der richtige Ort.
Die Kugeln kommen noch halbfeucht in eine Plastiktüte. Lass sie erst vollständig trocknen und bewahre sie dann in einer Schachtel auf, kühl und trocken.
Samenbomben ohne Ton: geht das?
Im Schulrezept steht die Tonerde zu gleichen Teilen neben der Blumenerde. Sie macht die feuchte Masse formbar und hält die Kugel nach dem Trocknen zusammen. Lässt du die Tonerde weg, fehlt das Bindemittel. Ich arbeite deshalb immer mit Tonerde.
Hast du keine Tonerde zur Hand, ist die DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. der einfachere Weg. Feines Wildblumensaatgut verteilst du dann auf der Bodenoberfläche, je zur Hälfte längs und quer. Anschließend drückst du es ohne Einarbeiten an, zum Beispiel mit einem Brett. Wie das SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. vorbereitet wird, steht im Ratgeber darüber, wie du Wildblumen aussäst und durch die ersten Wochen bringst.
Die passende Samenmischung für Samenbomben
Bei der Samenwahl schaue ich auf drei Dinge: woher die Mischung stammt, wie lange die Arten leben und welchen Standort sie vorfinden.
Artenliste und Herkunft prüfen
Soll die Fläche dauerhaft heimisch blühen, wähle eine Mischung mit einsehbarer Artenliste und ausdrücklichen Angaben zu heimischen Arten und mehrjähriger Nutzung. Für die Herkunft gibt es eine regionale Gliederung: Für gebietseigenes Saatgut krautiger Arten ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt. Frag beim Kauf, aus welchem Ursprungsgebiet die Mischung stammt, und gleich sie mit deiner Region ab. Als Herkunftsnachweis dienen die Zertifikate VWW Regiosaaten und Regiozert.
Für Insekten zählen ungefüllte Blüten und ein Blütenangebot, das sich vom Frühjahr bis in den Spätherbst staffelt. Wie eng manche Arten gebunden sind, zeigen einzelne Scherenbienenarten: Sie sammeln ihren Pollen ausschließlich an Glockenblumen.
„Wildblumen“ auf der Tüte heißt heimisch? Nein. Die Bezeichnung allein garantiert keine heimischen Arten. Erst die Artenliste und die Angaben heimisch und mehrjährig zeigen, was du kaufst.
Einjährige, Zweijährige und Mehrjährige kombinieren
Einjährige wie der Klatsch-Mohn blühen nach einer Frühjahrsaussaat im selben Jahr. Bei einjährigen Sommerblumenansaaten ab Mitte April beginnt die Blüte nach etwa 6 bis 8 Wochen. Für gezielt angelegte einjährige Sommerblumenflächen ist jedes Jahr eine neue Einsaat vorgesehen.
Zweijahresblumen wie die Gewöhnliche Nachtkerze bilden zunächst nur eine Blattrosette. Sie blühen im zweiten Jahr nach der Aussaat und sterben nach der Samenbildung meist ab. Mehrjährige Arten wie Margerite und Gänseblümchen bleiben dagegen über mehrere Jahre stehen.
Eine Kugel nur mit Einjährigen planst du also jedes Jahr neu ein, eine nur mit Zweijährigen bleibt im ersten Sommer ohne Blüte. Ich mische deshalb Arten aus allen drei Gruppen.
Standort und Wuchshöhe mitdenken
Stark beschattete Flächen im Garten eignen sich nicht für die übliche mehrjährige Blumenwiese. Dort passen schattenverträgliche Stauden oder Saummischungen, unter dichten Gehölzen spezielle Gehölzsaum-Mischungen. Auf lehmigem Boden kommen zum Beispiel Wiesenmargerite, Wiesenflockenblume, Rote Lichtnelke und Wiesenglockenblume infrage. Für nährstoffreichen Boden gibt es entsprechend angepasste Blumenwiesenmischungen.
Im Straßenraum zählt die Höhe. Die Veitshöchheimer Sommerblumenmischungen für den innerstädtischen Straßenraum bleiben unter 1 m Wuchshöhe, damit sie Sichtachsen weniger beeinträchtigen. Die Gewöhnliche Nachtkerze erreicht eine Wuchshöhe von 200 cm und gehört deshalb nicht an eine Stelle, an der der Blick frei bleiben muss.
Einige Wildblumen im Überblick
| Art | Lebensdauer | Aussaatzeit | SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. | Keimdauer | Wuchshöhe | Licht |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Klatsch-Mohn | einjährig | April bis Juni | 0–1 cm, LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte. | 5–14 Tage | 40–80 cm | sonnig |
| Margerite | mehrjährig | März bis Juli | 0–0,5 cm, Lichtkeimer | 10–21 Tage | 60–80 cm | sonnig, halbschattig |
| Gänseblümchen | mehrjährig | März bis Juli | 0–0,5 cm, Lichtkeimer | 7–21 Tage | 5–20 cm | sonnig, halbschattig |
| Gewöhnliche Nachtkerze | zweijährig | März bis April | 0,5 cm | 14–21 Tage | 200 cm | sonnig |
Die Kornrade gilt als giftig für Menschen, Vögel und Nutztiere und soll nicht als Futter- oder Nahrungspflanze eingesetzt werden. Prüf die Artenliste, bevor Kinder die Mischung kneten oder du Kugeln dort auslegst, wo Tiere fressen.
Wann und wie du die Kugeln auslegst
Einen festen Termin für alle Samenbomben gibt es nicht. Maßgeblich ist die Aussaatzeit der Arten in deiner Kugel, die Tabelle oben nennt sie für einige Wildblumen. Ich lege meine Kugeln aus, wenn eine feuchte Wetterphase angesagt ist, denn Samen brauchen zum Quellen und Keimen durchgehende Feuchtigkeit.
Vor dem Auslegen entferne ich konkurrenzstarke Pflanzen wie Quecke und Giersch mitsamt ihren Wurzeln. Verdichteten Boden, etwa nach Bauarbeiten, lockere ich vorher auf.
Die Kugel drücke ich nur leicht an und grabe sie nicht ein. Margerite, Gänseblümchen und Klatsch-Mohn sind Lichtkeimer, die nur oberflächlich oder sehr dünn bedeckt gesät werden. In der Kugel liegt ein Teil ihrer Samen ohnehin schon unter Erde und Ton. Wer sie zusätzlich eingräbt, deckt sie noch tiefer zu.
Legst du Kugeln im eigenen Garten aus, trag die Stelle im Beetplaner für deine Gartenbeete ein. Dann weißt du im nächsten Jahr noch, wo welche Mischung liegt.
Vor dem Losgehen gehe ich diese Punkte durch:
- Die Erlaubnis für die Fläche ist geklärt.
- Die Artenliste der Mischung ist geprüft.
- Die Kugeln sind vollständig getrocknet.
- Eine feuchte Wetterphase ist angesagt.
- Ort, Datum und Arten sind notiert.
Wo du Samenbomben auslegen darfst
Auch eine verwilderte Brache hat einen Eigentümer. Er darf andere grundsätzlich von Einwirkungen auf sein Grundstück ausschließen, soweit Gesetze oder Rechte Dritter nichts anderes bestimmen. Ich frage deshalb vorher, bei privaten Flächen den Eigentümer, bei öffentlichen die Stadtverwaltung.
Ein Beispiel für einen festen Rahmen: Die Stadt Köln bietet abgestimmte Patenschaften für Baumbeete und öffentliche Grünflächen an. Frag in deiner Stadt nach einem ähnlichen Angebot und stell dein Vorhaben mit der Artenliste vor.
Rechtlich zählt auch, wo eine Fläche liegt. Gebäuden zugeordnete Gärten gehören grundsätzlich nicht zur freien Natur im Sinne von § 40 BNatSchG. Freie Natur kann aber auch innerhalb einer Ortschaft liegen. Eine Brache mitten in der Stadt ist also nicht automatisch wie ein Garten zu behandeln, maßgeblich bleibt die Zuordnung im Einzelfall. Kläre deshalb mit der Stadt auch, welches Saatgut dort ausgebracht werden darf.
Was Guerilla Gardening ausmacht und welche rechtlichen Folgen ungefragtes Säen haben kann, erklärt der Beitrag über Guerilla Gardening mit Samenbomben und seine rechtlichen Folgen.
Die begrünte Fläche begleiten
Die ersten Wochen
Wann sich Keimlinge zeigen, hängt an der Art, die Keimdauer steht in der Tabelle oben. Ich schaue zum ersten Mal nach, wenn die kürzeste Keimdauer meiner Mischung verstrichen ist.
Die Feuchtigkeit muss anhalten: Bei Wildblumenwiesenansaaten brauchen die Samen mindestens drei Wochen durchgehend Feuchtigkeit zum Quellen und Keimen. Bis sich ein geschlossener Bestand gebildet hat, gehört die Wasserversorgung zur Pflege, gieß also in Trockenphasen. Überwächst BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. die jungen Pflanzen, ist ein SchröpfschnittEin Schröpfschnitt ist ein früher Schnitt im ersten Jahr nach dem Aussäen einer Blumenwiese. Er kürzt schnell wachsende Beikräuter zurück, damit die langsameren eingesäten Wildkräuter nicht überwuchert werden und genug Licht bekommen. vorgesehen, der den konkurrierenden Aufwuchs kappt und die erwünschten Jungpflanzen schont. Wie beides bei Wildblumen genau geht, steht im Wildblumen-Ratgeber.
Beobachten und festhalten
Ich fotografiere jede Stelle aus demselben Blickwinkel. So erkennst du später, welche Arten am Standort aufgegangen sind und welche fehlen. Rechne dabei mit Wandel: Das Bild einer Blumenwiese verändert sich im Jahresverlauf und von Jahr zu Jahr.
Wer auch Insekten zählen will, kann sich am Tagfalter-Monitoring orientieren. Dort werden feste Zählstrecken von April bis September begangen. Mindestens zehnmal sollen es sein, besser wöchentlich.
Jede Schachtel mit Kugeln beschrifte ich mit Datum und Arten. Beim Auslegen übertrage ich das in mein Gartenheft und ergänze den Ort. Wenn ich nachsehe, weiß ich so, was an der Stelle keimen sollte.
Herbst und zweites Jahr
Bei geeigneten Blühmischungen können die Stängel über Winter stehen bleiben, zurückgeschnitten wird dann erst im Frühjahr. Zeigt eine ZweijährigeZweijährige sind Pflanzen, die im Jahr der Aussaat nur wachsen, oft zu einer Blattrosette, und erst im nächsten Jahr blühen. Dazu gehören etwa Stiefmütterchen, Goldlack, Bartnelken und Fingerhut. wie die Nachtkerze im ersten Jahr nur eine Blattrosette, ist das ihr normaler Entwicklungsweg. Bei der Nachtkerze sind SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. und Ausbreitung einzuplanen, gerade auf einer Patenschaftsfläche. Beim Gänseblümchen entfernst du verblühte Blüten, wenn du Selbstaussaat vermeiden willst.
Samen für die nächste Runde kannst du von der eigenen Fläche sammeln. Geerntet wird bei trockenem Wetter, sobald die Samen ausgereift sind und sich leicht aus ihren Hüllen lösen. Danach trocknest du sie vollständig nach und lagerst sie in beschrifteten Tüten trocken, kühl und dunkel.
Samenbomben als Projekt für Schule und Nachbarschaft
Das Rezept in dieser Anleitung ist ein Schulrezept. Mischen, Kneten und Formen gehen mit den Händen, sodass Kinder jeden Schritt selbst machen können. Nach dem Kneten bleiben zwei Aufgaben: die Kugeln beim Trocknen wenden und später nach den ersten Keimlingen schauen. Prüf vor dem Kneten die Artenliste auf giftige Arten wie die Kornrade.
Für die Zeit nach dem Auslegen eignet sich ein Keimtagebuch. Jede Gruppe trägt ihre Arten und deren Keimdauer als Erwartung ein und notiert, wann sich tatsächlich etwas zeigt. Wer weiter gehen will, zählt Insekten nach dem Muster des Tagfalter-Monitorings auf festen Zählstrecken.
Gesprächsstoff liefert die Fläche selbst. In artenreichen Wiesen bieten sowohl Gräser als auch Kräuter Tieren Nahrung und Deckung. Totholz, Laub- und Steinhaufen sowie Trockenmauern ergänzen das Blütenangebot um Brutplätze für verschiedene Insekten.
Neben die Blühfläche passt eine Nisthilfe für hohlraumnistende Wildbienen. Geeignet sind splitterfreie Bohrungen von 2 bis 9 mm Durchmesser und 8 bis 10 cm Tiefe im Längsholz von Hartholz.




