Gemüse · Keimsprossen & Microgreens · Anbau

Kresse-Anbau im Jahresrhythmus: von April bis September draußen, im Winter im Haus

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Im Beet säst du Gartenkresse von April bis September.
  • Im Haus lässt sich Gartenkresse ganzjährig an einem hellen Standort ziehen.
  • Im Sommer wirkt etwas Schatten vorzeitigem Schossen entgegen.
  • Kresse keimt in 2 bis 5 Tagen und braucht in der kurzen Kultur keinen Dünger.
  • Für laufende Ernten säst du in kurzen Abständen neu und setzt Schalen zeitversetzt an.
Nahaufnahme von keimenden Gartenkressesamen auf einem feuchten Untergrund
Foto: Schwoaze · Pixabay Content License · Quelle ↗

Kresse wächst nicht nur im Winter auf der Fensterbank, denn im Beet säst du Gartenkresse von April bis September. Drinnen lässt sie sich das ganze Jahr ziehen, solange der Platz hell ist. Ich arbeite deshalb mit zwei Orten: einer Reihe im Beet und einer Schale auf Küchenkrepp in der Küche. Je nach Jahreszeit verschiebe ich nur den Schwerpunkt zwischen beiden.

Kresse im Jahreslauf auf einen Blick

Wo Gartenkresse in welcher Jahreszeit wächst und worauf es dann ankommt:

Jahreszeit Wo Kresse wächst Darauf kommt es an
Frühling Gewächshaus, Frühbeet, ab April das Beet Keimtemperatur prüfen, Boden feucht halten
Sommer Beet mit etwas Schatten, Topf Schatten gegen vorzeitiges Schossen, neue Saat statt alter Reihen
Herbst Beet bis zur letzten Saat im September, dann Schalen im Haus Umzug vorbereiten, Schalen gründlich reinigen
Winter Schale auf feuchtem Küchenkrepp oder Watte im Haus heller Platz ohne direkte Sonne, Feuchte bei Heizungsluft prüfen
Mythos-Check

„Kresse ist etwas für die Fensterbank im Winter.“ Das stimmt nur zur Hälfte. Im Haus wächst Gartenkresse ganzjährig an einem hellen Standort, im Beet säst du sie von April bis September.

Gartenkresse kurz erklärt

Alle Angaben hier gelten für Gartenkresse, botanisch Lepidium sativum: ein einjähriger Kreuzblütler, der in 2 bis 5 Tagen keimt. In der Schale streust du sie auf angefeuchtetes Küchenkrepp, sodass noch gut die Hälfte der Unterlage durchscheint. Für Kresse aus der Schale nimmst du nur Samen, die ausdrücklich für Keimlinge vorgesehen sind. Jeden Handgriff zeigt die Anleitung, wie du Kresse als Anfänger säst und erntest. Unser Ratgeber zu Keimsprossen und Microgreens erklärt, was Sprossen, Grünsprossen und Microgreens unterscheidet.

Frühling: unter Glas beginnen, ab April ins Beet

Die erste Kresse des Jahres säe ich unter Glas, im Gewächshaus oder im Frühbeet. Vorher lege ich dort ein Thermometer aus und prüfe, ob die Keimtemperatur erreicht ist. Ab April beginnt die Aussaatzeit im Beet, und auch Töpfe eignen sich für Gartenkresse.

Für das Beet wählst du einen sonnigen bis halbschattigen Platz und hältst den Boden feucht. Kresse gilt als Lichtkeimer, deshalb drücke ich die Samen nur an. Gesät wird dicht, weil du junge Blätter erntest und keine ausgewachsenen Pflanzen ziehst.

Gartenkresse Wert
Aussaatzeit April bis September
Erntezeit Mai bis September
Keimdauer 2 bis 5 Tage
Keimtemperatur, unterer Wert 8 bis 20 °C
Keimtemperatur, oberer Wert 20 bis 22 °C
Saattiefe 0 bis 0,5 cm, Lichtkeimer
Abstand in der Reihe 0 bis 2 cm
Reihenabstand 0 bis 2 cm
Kulturform dichte Saat, geerntet wird das junge Blatt
Kulturdauer 4 bis 30 Tage
Licht sonnig bis halbschattig

Sommer: Halbschatten und frische Saat

Im Sommer bekommt Kresse einen Platz mit etwas Schatten, um vorzeitigem Schossen entgegenzuwirken. Gartenkresse blüht im Juni und Juli, geerntet wird bei ihr aber das junge Blatt. Deshalb lohnt sich im Sommer die nächste Saat mehr als das Warten auf eine ältere Reihe, die schon auf die Blüte zugeht.

Tipp

Für eine fortlaufende Ernte säst du zeitversetzt nach.

Sprossen brauchen im Sommer mehr Wasser als im Winter. Bei der Schale in der Küche schaue ich deshalb im Sommer genauer hin, ob das Krepp noch feucht ist. Wenn du Kresse im Beet zwischen andere Kulturen säen willst, zeigt dir unser Werkzeug zur Mischkultur, welche Nachbarn zu Kresse passen.

Marias Erfahrung

Im Hochsommer säe ich Kresse an die Ostseite meines Beets, wo am Nachmittag Schatten fällt. Beim Schneiden achte ich auf erste Blütenknospen.

Herbst: letzte Saat im Beet, dann nach drinnen

Die Aussaatzeit im Beet endet im September. Geerntet wird draußen bis September, und winterhart ist Gartenkresse nicht. Im Haus wächst Kresse dagegen ganzjährig an einem hellen Platz: Setzt du die erste Schale an, solange das Beet noch liefert, überbrückst du den Wechsel ohne Pause.

Für eine letzte Saat im Beet nutze ich Stücke, die nach einer Ernte frei werden. Welche Flächen im Herbst frei werden, siehst du leichter, wenn du deine Beete im Beetplaner anlegst.

Mini-Checkliste

Schalen und Anzuchtgitter mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen und mit klarem Wasser nachspülen. Küchenkrepp oder Watte bereitlegen. Einen hellen Platz ohne direkte Sonne aussuchen. Vor und nach dem Umgang mit Samen die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen und sorgfältig abtrocknen.

Für Küchengeräte im Privathaushalt reichen in der Regel einfache Haushaltsreiniger. Ein spezielles Desinfektionsmittel ist nur auf Empfehlung von Arzt oder Gesundheitsamt nötig.

Winter: Kresse im Haus ziehen

Im Winter ziehe ich Kresse nur drinnen, in flachen Schalen auf feuchtem Küchenkrepp oder Watte. Ins Keimglas kommt sie nicht, denn schleimbildende Samen wie Kresse, Senf und Rucola eignen sich für eine feuchte Unterlage besser als für das Sprossenglas. Für die Keimlingsanzucht von Gartenkresse nennen Hersteller je nach Produkt 15 bis 22 °C.

Der Platz am Fenster

Am Fenster steht die Schale möglichst hell, aber ohne direkte Sonne. Trockene, warme Heizungsluft unter der Fensterbank kann die Wasserverluste erhöhen, deshalb prüfe ich dort die Unterlage mit dem Finger. Welcher Platz in deiner Wohnung passt, vertieft das Kapitel „Standort“ im Ratgeber zu Keimsprossen und Microgreens.

Wenn die Stängel lang und blass werden

Kresse braucht Licht, um grüne Blätter zu bilden. Beschattung kann verstärktes Streckungswachstum bis zur Vergeilung auslösen, lange und blasse Stängel können also auf zu wenig Licht hindeuten. Ich drehe die Schale, sobald sich die Stängel deutlich zum Fenster neigen, weil sie sich beim Wachstum zur Lichtseite ausrichten können.

Wie deutlich Licht wirkt, zeigt ein einfacher Vergleich. Du setzt zwei Ansätze auf feuchter Watte an, stellst einen hell und einen dunkel und vergleichst nach 1 Woche Aussehen und Länge der Pflänzchen. Daraus wird leicht ein Versuch für Kinder: Kresse-Experimente zu Licht, Boden und Wachstum stellt ein eigener Ratgeber vor, und ein weiterer zeigt, wie du Kinder beim Kresse-Säen in eigenen Gefäßen begleitest.

Pflanzenlampe im dunklen Winter

Reicht das Tageslicht nicht, kann eine Pflanzenlampe das Licht ergänzen. Lichtmenge, Lichtspektrum und Beleuchtungsdauer wirken dabei zusammen, und verschiedene Arten reagieren auf dasselbe Spektrum unterschiedlich. Ich stelle die Lampe deshalb nach dem Blick auf Farbe und Wuchs der Keimlinge ein und nicht nach einer festen Vorgabe. Bei Lampen begegnet dir die Angabe PPFD: Sie beschreibt die photosynthetische Photonenflussdichte auf einer definierten Fläche in µmol/(m²·s).

Die Stromkosten einer Lampe mit gleichbleibender Leistung rechnest du so: Watt mal Betriebsstunden, geteilt durch 1000, mal deinem Strompreis je Kilowattstunde. Wie sich Kosten und Nachhaltigkeit des Eigenanbaus insgesamt einordnen, steht im Kapitel „Eigenanbau, Kosten, Nachhaltigkeit und Ausblick“ im Ratgeber zu Keimsprossen und Microgreens.

Schalen im Wechsel ansetzen

Für regelmäßige Ernten säst du in kurzen Abständen neu, denn zeitversetzt angesetzte Schalen werden nacheinander erntereif. Ich setze die nächste Schale an, sobald in der vorigen die Keimlinge stehen, und trage die Termine in den Aussaatkalender für Keimsprossen und Microgreens zum Ausdrucken ein. Bei Kresse-Sets mit Anzuchtgitter füllst du die untere Schale so, dass das Wasser das Gitter berührt.

Gießen, ernten, essen: das Wichtigste in Kürze

Kresse auf Küchenkrepp befeuchtest du 2-mal täglich und gießt das Wasser anschließend sofort ab. Pro Durchgang nimmst du etwa 0,5 Tassen Wasser. Dünger braucht Gartenkresse in der kurzen Kultur weder im Beet noch in der Schale. Wie du feucht hältst, ohne dass Wasser steht, beschreibt das Kapitel „Spülen, Gießen, Düngen“ im Ratgeber zu Keimsprossen und Microgreens.

Als Grünsprosse schneidest du Kresse nach etwa 7 bis 10 Tagen mit einer sauberen Schere über der Wurzel ab. Ich schneide nur, was ich gleich verwende, weil es für abgeschnittene Sprossen keine pauschal sichere Lagerdauer gibt. Gekaufte Kresse im Karton mit Nährboden hält sich im Kühlschrank etwa 3 bis 4 Tage. Den passenden Moment und die Lagerung vertiefen die Kapitel „Ernten“ und „Lagern“ im selben Ratgeber, die einzelnen Handgriffe die Anfänger-Anleitung zum Säen und Ernten von Kresse.

Frisch geschnittene Kresse verwendest du möglichst sofort und arbeitest dabei mit sauberen Händen und Gefäßen. Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen und Menschen mit geschwächter Immunabwehr verzichten auf frische rohe Sprossen und Keimlinge. Kresse ist ein Lebensmittel und kein Heilmittel, und für sekundäre Pflanzenstoffe wie Sulforaphan ist kein konkreter Bedarf bekannt. Nährwerte und den Sicherheitsrahmen für die Küche findest du im Kapitel „Küche und Nährwerte“.

Wenn Kresse schimmelt oder schwächelt

Zeigt eine Anzucht Schimmel, ist sie nicht mehr zum Verzehr geeignet, und du verwirfst sie. Feuchte und Wärme der Anzucht begünstigen auch Mikroorganismen, deshalb halte ich die Unterlage feucht, aber nicht nass. Was je nach Anbauort sowie bei Schädlingen und Krankheiten zu tun ist, ordnet der Ratgeber ein, wie du Probleme beim Kresse-Anbau löst. Typische Fehler von der Aussaat bis zur Ernte sammelt ein weiterer Beitrag, und das Kapitel „Anbauprobleme“ im Ratgeber zu Keimsprossen und Microgreens erklärt, worauf du bei Schimmel, Wachstum und Nässe achtest.

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Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis Kressesamen keimen und erntereif sind?
Kressesamen keimen in 2 bis 5 Tagen. Als Grünsprosse auf feuchtem Küchenkrepp schneidest du Kresse nach etwa 7 bis 10 Tagen über der Wurzel ab. Hersteller nennen je nach Produkt und Anzuchtsystem 3 bis 10 Tage bis zur Keimlingsernte.
Kann man Kresse das ganze Jahr über anbauen?
Ja. Im Haus lässt sich Gartenkresse ganzjährig an einem hellen Standort ziehen, zum Beispiel in einer Schale auf feuchtem Küchenkrepp oder Watte. Im Beet säst du sie von April bis September, im Sommer gern an einen Platz mit etwas Schatten. Winterhart ist Gartenkresse nicht, deshalb zieht die Kultur im Herbst nach drinnen um.
Ist es möglich, Kresse ohne Erde auf Küchenpapier anzubauen?
Ja, feuchtes Küchenpapier oder Watte reicht als Unterlage, weil bei der kurzen Anzucht die Nährstoffe im Samen genügen. Du streust die Samen so, dass noch gut die Hälfte der Unterlage durchscheint, und hältst sie fortlaufend feucht, aber nicht nass. Einweichen musst du Kresse vorher nicht.
Welche Methode eignet sich am besten für die kontinuierliche Kresse-Ernte?
Für laufende Ernten säst du in kurzen Abständen neu, denn zeitversetzt angesetzte Schalen werden nacheinander erntereif. Im Haus funktioniert das ganzjährig an einem hellen Platz. Im Beet säst du Gartenkresse von April bis September.
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