Microgreens gießen: Wann du sprühst und wann du von unten wässerst
- Nach der Aussaat darf das Substrat nicht austrocknen, nass stehen soll es aber auch nicht.
- Frisch gesäte Samen gießt du vorsichtig an, damit sie nicht fortgespült werden.
- Haben die Keimlinge Wurzeln gebildet, kannst du vom Besprühen auf Wässern von unten umstellen.
- Bei Pad-Systemen gießt du das durchgelaufene Wasser aus der Auffangschale ab.
- Weißer Flaum können junge Faserwurzeln sein; ist die Anzucht verschimmelt, kommt sie vollständig weg.

Eine frisch gesäte Microgreens-Schale braucht Wasser, aber nicht zu viel davon. Trocknet die Unterlage aus, kann die Keimung stocken. Steht Wasser in der Schale und fehlt frische Luft, kann das Schimmel begünstigen. Ich gieße deshalb nach der Phase, nicht nach der Uhr. Zuerst sprühe ich, nach der Bewurzelung wässere ich von unten. Zwischendurch hebe ich die Schale an und schaue auf die Oberfläche.
Microgreens oder Sprossen: was du gießt und was du spülst
Microgreens sind junge Gemüse- und Kräuterpflanzen auf Erde oder Vlies, von denen du nur Stängel und Blätter über dem SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. erntest. Keimsprossen erntest du samt Saatkorn und Wurzel; sie wachsen ohne Erde und werden gespült statt gegossen. Was die Formen sonst unterscheidet, erklärt das Grundlagenkapitel, was Keimsprossen, Grünsprossen und Microgreens unterscheidet.
Wie oft brauchen Microgreens Wasser?
Einen festen Gießtakt für alle Microgreens gibt es nicht. Nach der Aussaat darf das Substrat nicht austrocknen, und nass stehen soll es auch nicht. Wie oft du dafür gießt, hängt vom System ab. Fertige Anzuchtsets bringen eigene Anleitungen mit, und jede gilt nur für ihr System:
| Anzucht | Anleitung |
|---|---|
| Keimpad in einer Microgreen-Box | täglich gleichmäßig wässern, durchgelaufenes Wasser aus der Auffangschale abgießen |
| Grow-Kit | Saatgut bei Bedarf besprühen, verdunstetes Wasser nachfüllen |
| Kresse-Set mit Anzuchtgitter | untere Schale so befüllen, dass das Wasser das Gitter berührt |
| Grünkohl-Microgreens, Angabe eines Saatgutherstellers | zweimal täglich gießen |
| Weizengras im Sprossengarten | zwei- bis dreimal täglich wässern, das entwickelte Grün später besprühen |
| Kresse als Grünsprosse auf Küchenkrepp | 2-mal täglich mit etwa 0,5 Tassen Wasser befeuchten, das Wasser sofort abgießen |
Pad und Küchenkrepp haben eines gemeinsam: Nach dem Wässern wird das überschüssige Wasser abgegossen. Ich halte es in der Erdschale genauso und lasse kein Wasser im Untersetzer stehen. Für Microgreens auf Erde übernehme ich keinen dieser Rhythmen unverändert, sondern richte mich nach der Schale selbst.
„Microgreens müssen jeden Tag gegossen werden.“ Pauschal stimmt das nicht. Tägliches Wässern steht in Anleitungen für Pad-Systeme, für die Erdschale zählt der Zustand des Substrats. Es darf nicht austrocknen und soll nicht nass stehen.
Gießplan nach Wachstumsphasen
Mein Plan folgt dem, was in der Schale passiert, und nicht den Wochentagen. Die Tabelle zeigt die Phasen auf einen Blick.
| Phase | Woran du sie erkennst | Technik | Worauf du achtest |
|---|---|---|---|
| Aussaat | Samen liegen auf angefeuchteter Erde oder Vlies | vorsichtig mit feinem Nebel angießen | Samen nicht fortspülen |
| Keimphase | Samen quellen, erste Keimwurzeln erscheinen | unter der Abdeckung nachsprühen | Unterlage feucht, nicht nass, nie austrocknen lassen |
| Nach der Bewurzelung | Keimlinge stehen und halten im Substrat | von unten wässern | Deckel ab, sobald Pflänzchen ihn berühren, hell und luftig stellen |
| Bis zur Ernte | weitere grüne Blättchen nach den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. | weiter von unten wässern | Blätter trocken halten, Restwasser abgießen |
Aussaat: vorsichtig angießen
Ich feuchte Erde oder Vlies vor der Aussaat an, säe flächig und drücke die Samen leicht an. So bekommen sie Kontakt zur feuchten Unterlage. Danach gieße ich mit feinem Sprühnebel an, damit die Samen nicht fortgespült werden. Roter Senf wird in der Erdkultur mit Erde bedeckt und feucht gehalten; dann befeuchte ich die Deckschicht gleichmäßig mit. Wie du Saatgut, Substrat und Aussaatdichte wählst, zeigt die Anleitung, wie du Microgreens von der Saat bis zur erntereifen Schale anbaust.
Keimphase: feucht, aber nicht nass
Zum Keimen braucht ein Samen Wasser, Wärme und Sauerstoff zugleich. Ich halte die Unterlage deshalb feucht, aber nicht nass. In dieser Phase decke ich die Schale ab, hebe die Abdeckung zum Nachsehen an und sprühe nach, sobald die Oberfläche heller wird. Bei Microgreen-Boxen mit Deckel nennen die Anleitungen einen klaren Zeitpunkt: Der Deckel kommt ab, sobald die ersten Pflänzchen ihn berühren.
Keimt eine Schale schlecht, kann fehlende Feuchtigkeit dahinterstecken. Auch überaltertes Saatgut, direkte Sonne oder ein zu kühler Raum können die Keimung behindern.
Kresse keimt in 2 bis 5 Tagen. Roter Senf der Art Brassica juncea keimt als Microgreen bei 18 bis 20 °C innerhalb von 4 bis 7 Tagen. In dieser Zeit hältst du die Schale abgedeckt und sprühst nach.
Nach der Bewurzelung: von unten wässern
Sobald die Keimlinge im Substrat verwurzelt sind, stelle ich vom Sprühen auf Wässern von unten um. Eine Anleitung für ein LED-Anzuchtset beschreibt genau diesen Wechsel. Das Wasser erreicht so die Wurzeln, ohne über Blätter und Stängel zu laufen. Nach dem Keimen stellst du Microgreens außerdem hell und luftig auf.
Bis zur Ernte: Blätter trocken halten
Erntereif sind Microgreens, wenn nach den Keimblättern mindestens zwei weitere grüne Blättchen erschienen sind. Bis dahin bleibe ich beim Wässern von unten, damit Blätter und Stängel zum Schnitt trocken sind. Geschnitten wird mit einer sauberen Schere fingerbreit über dem Boden.
Wie lange dein Gießplan läuft
Wie lange du gießt, hängt an der Art. Diese Zeiten bis zur Ernte nennen Erwerbsanbau und Hersteller:
| Art | Zeit bis zur Ernte | Angabe aus |
|---|---|---|
| Daikon-Rettich | etwa 7 Tage KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl. bei 20 °C | Erwerbsanbau |
| Rotkohl | etwa 8 Tage Kulturzeit bei 20 °C | Erwerbsanbau |
| Radies auf Keimpads | etwa 6 bis 8 Tage | Herstellerangabe |
| Kohlrabi, Brokkoli Calabrese | 8 bis 15 Tage einschließlich Keimung | Erwerbsanbau |
| Roter Senf, Brassica juncea | 16 bis 25 Tage, mit höchstens zwei echten Laubblättern | Herstellerempfehlung |
| Roter Amaranth | 18 bis 26 Tage einschließlich Keimung | Erwerbsanbau |
| Schnittlauch | 21 bis 28 Tage | Herstellerangabe |
| größere Microgreens auf Erde oder Vlies | etwa 2 bis 3 Wochen bis zur ersten Ernte | allgemeine Angabe |
In der Wohnung weichen die Zeiten ab, weil Raumtemperatur und Licht mitspielen. Ich richte mich deshalb nach den Blättern und nicht nach dem Kalender. Welche Sortengruppen es gibt und wie du Geschmack und Ertrag beeinflusst, vertieft der Ratgeber über Microgreens, ihre Sortengruppen und ihren Geschmack.
Welche Gießtechnik wann passt
Sprühen von oben
Die Sprühflasche mit feinem Nebel nehme ich für das Angießen und die Keimphase. Der feine Nebel befeuchtet die Samen, ohne sie fortzuspülen. Ich sprühe die ganze Fläche gleichmäßig ein, damit keine Ecke trocken bleibt. Sind die Keimlinge verwurzelt, wechsle ich bei Erdschalen zum Wässern von unten.
Wässern von unten
Dafür brauchst du eine Anzuchtschale mit Löchern im Boden und eine flache Wanne ohne Löcher. Gieß Wasser in die Wanne und stell die Schale hinein. Das Substrat saugt sich von unten voll, während Blätter und Stängel trocken bleiben. Heb die Schale heraus, sobald die Oberfläche dunkel und feucht aussieht, und lass sie abtropfen. Restwasser in der Wanne gießt du weg.
Pad- und Gitter-Systeme
Bei Sets mit Keimpad wässerst du das Pad gleichmäßig und gießt das durchgelaufene Wasser aus der Auffangschale ab. Bei Gitter-Systemen befüllst du die untere Schale so, dass das Wasser das Gitter berührt, und gießt verdunstetes Wasser nach. Wiederverwendbare Sets reinige ich nach jeder Kultur gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel und spüle mit klarem Wasser nach. Beim Kauf achte ich auf das Glas-Gabel-Symbol, das Materialien für den Kontakt mit Lebensmitteln kennzeichnet.
Automatische Bewässerung
Eine gemeinsame automatische Bewässerung kann zu nassen und zu trockenen Töpfen führen, wenn Kulturen in unterschiedlichen Stadien daran hängen. Wie weit die Kulturzeiten der Arten auseinanderliegen, zeigt die Tabelle oben. Wer zeitversetzt sät oder Daikon neben Amaranth an ein System hängt, versorgt also Schalen mit sehr verschiedenem Bedarf über dieselbe Leitung. Bei LED-Anbausystemen werden Wuchshöhe und Bewässerungsbedarf der Kultur mitbedacht, weil geringe Bauhöhe und eine starre Lampenposition den Platz begrenzen können. Wie du auf kleinem Raum mit Regal, Fensterbank und Balkon planst, zeigt der Ratgeber, wie du Microgreens in der Stadtwohnung anbaust.
Alle Schalen auf der Fensterbank bekommen zur selben Zeit dieselbe Gabe. Eine frisch gesäte Schale unter der Abdeckung braucht aber Sprühnebel, eine verwurzelte kurz vor dem Schnitt Wasser von unten. Mischst du Arten in einer Schale, nimm solche mit passenden Pflegeabläufen und Keimzeiten.
Was den Wasserbedarf verschiebt
Wie viel Wasser eine Kultur braucht, hängt von Art und Sorte ab, vom Substrat, vom Wetter sowie von Sonne und Wind. Für Sprossen gilt, dass sie im Sommer mehr Wasser brauchen als im Winter. Bei meinen Microgreens-Schalen sehe ich im Sommer deshalb öfter nach.
Microgreens brauchen Licht, um grüne Blätter zu bilden, doch Dauerlicht kann das Anzuchtsubstrat rasch austrocknen. Auch trockene, warme Heizungsluft unter der Fensterbank kann die Wasserverluste erhöhen. Welcher Platz und welche Lampe zu deiner Schale passen, beschreibt das Standort-Kapitel im Ratgeber zu Keimsprossen und Microgreens.
Ich hebe jede Schale nach dem Wässern einmal an und merke mir das Gewicht. Vor dem nächsten Gießen hebe ich sie wieder an und schaue zusätzlich auf die Farbe der Oberfläche. Erst wenn beides auf trocken deutet, gieße ich nach.
Zu nass oder zu trocken: woran du es erkennst
Die folgenden Zeichen sind Hinweise, keine sicheren Diagnosen. Zu wenig Wasser kann dahinterstecken, wenn
- die Oberfläche hell und krümelig wird und die Schale sich leicht anfühlt,
- Samen ungleichmäßig oder gar nicht keimen,
- Keimlinge schlaff hängen.
Zu viel Wasser kann dahinterstecken, wenn
- Wasser in der Schale oder im Untersetzer steht,
- Stängel weich werden und am Substrat umknicken,
- das Substrat muffig riecht.
Weißer Flaum ist ein eigener Fall. Junge Faserwurzeln können weiß und pelzig-flaumig aussehen und werden leicht mit Schimmel verwechselt. Ich schaue deshalb genau hin, bevor ich entscheide.
Eine verschimmelte Anzucht ist nicht mehr nutzbar. Entsorge sie vollständig, denn Kochen macht verschimmelte Lebensmittel nicht wieder sicher. Bleibt bei mir ein Zweifel, kommt die Schale weg.
Bei Keimsprossen begünstigen wenig Platz und Luft, hohe Feuchte, Wärme und unsaubere Geräte die Schimmelbildung. Für meine Microgreens leite ich daraus feste Handgriffe ab: saubere Schalen, kein stehendes Wasser und ein luftiger Platz nach dem Keimen. Weitere Fehler von Klima bis Düngung sammelt der Ratgeber, welche Fehler beim Microgreens-Anbau du vermeidest und wie du sie behebst.
Brauchen Microgreens Dünger im Gießwasser?
Während der Keimung ernährt sich der Keimling zunächst vom Nährstoffvorrat im Samen. Gartenkresse braucht bei der kurzen Kultur zur jungen Ernte keine zusätzliche Düngung. Für Weizengras in Anzuchtschalen wird Substrat ohne zugesetzten Dünger empfohlen. Ich gieße meine Microgreens mit klarem, frischem Trinkwasser und mische nichts hinein. Anders arbeitet die hydroponische Salat- und Kräuterkultur: Dort werden Nährstoffkonzentration und pH-WertDer pH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch etwas ist, etwa Gartenboden, Blumenerde, Gießwasser oder Kompost. Die Skala reicht von 0 bis 14; der Wert 7 gilt als neutral, niedrigere Werte sind sauer, höhere alkalisch. regelmäßig gemessen.
Ein Gießprotokoll für die nächste Schale
Für vergleichbare Ernten werden bei eigenen Anzuchten Saatdichte, Erntestadium, Licht, Standort und Saison notiert. Ich ergänze in derselben Zeile jede Wassergabe mit Technik und dem, was ich an der Oberfläche gesehen habe. Beim nächsten Ansatz derselben Art lese ich zuerst diese Notizen.
Art und Datum der Aussaat, Saatdichte, Standort und Licht, Saison, jede Wassergabe mit Technik und Beobachtung, Erntestadium beim Schnitt.
Setzt du Schalen zeitversetzt an, folgen die Ernten aufeinander. Planen kannst du das mit dem druckbaren Aussaatkalender für Keimsprossen und Microgreens.




