Kohlrabi-Krankheiten: erkennen, vorbeugen, Befall begrenzen
- Welkt Kohlrabi trotz feuchter Erde, grab eine Pflanze aus: Wurzelwucherungen können auf Kohlhernie hinweisen.
- Kohlherniekranke Pflanzen samt Wurzeln in den Restmüll statt auf den Kompost geben und Geräte gründlich reinigen.
- Gelbliche Flecken oben und heller Pilzrasen unten können auf Falschen Mehltau hinweisen: früh am Tag bodennah gießen.
- Nach Kohlhernie gilt für Kreuzblütler auf der Fläche eine Anbaupause von mindestens 7 Jahren.
- Geplatzte oder holzige Knollen müssen keine Krankheit sein: Schwankende Bodenfeuchte, Hitze oder hohes Pflanzenalter können dahinterstecken.

Wenn ein Kohlrabi schlappmacht, obwohl die Erde feucht ist, oder die Blätter gelbe Flecken bekommen, willst du wissen, was dahintersteckt. Ich schaue in solchen Fällen zuerst, ob das Problem an der Wurzel oder am Blatt sitzt. Davon hängt ab, welche Krankheit infrage kommt und was du noch tun kannst.
Bei mehreren Kohlkrankheiten heißt Behandeln vor allem Begrenzen. An KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. erkrankte Pflanzen lassen sich nicht direkt heilen, und gegen die bakterielle Adernschwärze gibt es keine direkte Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln. Umso wichtiger sind ein genauer Blick, saubere Hygiene und eine ausreichende Anbaupause.
Welche Krankheiten Kohlrabi befallen können
Am einfachsten sortierst du die Krankheiten danach, wo du sie zuerst bemerkst:
- An der Wurzel: Kohlhernie, außerdem Welkekrankheiten wie Verticillium oder FusariumFusarium ist eine Gattung im Boden lebender Pilze, zu der gefürchtete Erreger von Pflanzenkrankheiten gehören. Typisch ist die Fusarium-Welke: Die Pflanze welkt, ältere Blätter können einseitig vergilben, später bricht sie zusammen und fault..
- Am Blatt: Falscher Mehltau, Alternaria, die bakterielle Adernschwärze, auch Schwarzfäule genannt, dazu Weißer Rost und Viren wie das Turnip mosaic virus.
- An Sämlingen: die Umfallkrankheit in der Anzucht.
Alle Schadbilder in diesem Artikel sind Hinweise und keine sichere Diagnose. Wie du die einzelnen Erreger an allen Kohlarten erkennst und behandelst, steht ausführlich im Ratgeber zu den Krankheiten aller Kohlarten.
Kohlrabi welkt: erst die Wurzel ansehen
Welkt ein Kohlrabi, obwohl die Erde feucht ist, kann die Ursache an der Wurzel liegen. Ich grabe dann eine Pflanze vorsichtig aus, schüttle die Erde ab und sehe mir die Wurzeln genau an. Eine verdickte Stelle schneide ich mit einem sauberen Messer quer auf, denn das Innere hilft bei der Unterscheidung.
| Was du an der Wurzel findest | Kann hinweisen auf |
|---|---|
| Knötchenartige bis fingerförmige Wucherungen, innen weißfleischig und nicht hohl | Kohlhernie |
| Verdickungen mit Hohlräumen, darin Larven | Gallen des Kohlgallenrüsslers, ein Schädling |
| Weißliche Maden bis etwa 1 cm Länge im Wurzelbereich | KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge., ein Schädling |
| Faulende Wurzeln bei ständig nassem Boden | Wurzelfäule durch ständige Überwässerung |
| Welke trotz feuchtem Boden, Wurzeln ohne Wucherungen, Maden oder Fäule | Welkekrankheiten wie Verticillium oder Fusarium; unterscheiden lassen sie sich nur per Laboruntersuchung |
Gallen und Maden gehen auf Schädlinge zurück, dazu mehr im Abschnitt über Netze und Nützlinge. Der Erreger der Kohlhernie bildet DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren., die bis zu 20 Jahre im Boden überdauern können. Besonders begünstigt werden Infektionen bei 20 bis 25 °C in feuchtem bis staunassem Boden.
Welke Kohlrabi einfach kräftiger gießen. Ständige Überwässerung kann Wurzeln faulen lassen, und feuchter bis staunasser Boden begünstigt Kohlhernie-Infektionen. Sieh dir deshalb zuerst die Wurzel an und entscheide danach über das Gießen.
Flecken, Beläge, Pusteln: Blattkrankheiten einordnen
Bei Blattkrankheiten lohnt der Blick auf beide Seiten des Blatts. Beim Falschen Mehltau zeigt die Oberseite gelbliche Flecken, der helle PilzrasenPilzrasen nennt man den sichtbaren Belag, den ein Pilz auf befallenen Blättern oder Stängeln bildet, etwa den grauen Pilzrasen beim Grauschimmel. Der Begriff beschreibt ein Merkmal des Schadbilds, nicht die Krankheit selbst. sitzt dagegen unten.
| Was du siehst | Kann hinweisen auf | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Gelbliche Flecken auf der Oberseite, heller Pilzrasen auf der Unterseite | Falscher Mehltau | 8 bis 12 °C begünstigen die Keimung, bei 15 bis 17 °C kann der Erreger besonders schnell ins Blatt eindringen; längere BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. fördert ihn |
| Graubraune, rundliche Blattflecken | Alternaria | begünstigt durch 15 bis 25 °C und hohe Luftfeuchtigkeit |
| V-förmige gelbe bis braune Bereiche am Blattrand, dunkel verfärbte Blattadern | Bakterielle Adernschwärze | keine direkte Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln möglich |
| Weiße bis cremefarbene Pusteln von etwa 0,5 bis 3 mm auf gelblichgrün verfärbten Blattpartien | Weißer Rost | entwickelt sich besonders gut bei 10 bis 15 °C |
| Grün-gelbliche, später dunkel umrandete Flecken, verformte Blätter | Turnip mosaic virus | nicht direkt mit Pflanzenschutzmitteln bekämpfbar |
| Mehlig weiße Flecken oder weißer mehliger Belag | Echter Mehltau | nicht dasselbe wie Falscher Mehltau; an Grünkohl im Hausgarten normalerweise ohne Bekämpfung |
Die Temperaturen zeigen, wann ein Erreger begünstigt wird, einen Befall beweisen sie nicht.
Bei meinen Rundgängen durchs Kohlrabibeet drehe ich an mehreren Pflanzen einzelne Blätter um. Fleckige Blätter fotografiere ich von beiden Seiten, damit ich sie später in Ruhe mit der Tabelle vergleichen kann.
Befall entdeckt: So begrenzt du den Schaden
Bei Kohlhernie
Zeigen die Wurzeln die typischen Wucherungen, kommt die Pflanze samt Wurzeln aus dem Beet. Sie gehört in den Restmüll und nicht auf den Kompost. Spaten, Grabegabel und Hacke reinige ich danach gründlich, damit keine anhaftende Erde in andere Beete gelangt. Erde aus Töpfen mit wurzelkranken Kohlrabi verwende ich nicht wieder.
Auf der betroffenen Fläche gilt für Kreuzblütler danach eine Anbaupause von mindestens 7 Jahren. Auch nach einer mehrjährigen Pause kann die Kohlhernie zurückkehren, weil ihre Dauersporen lange im Boden überleben. Damit ich die Pause über die Jahre einhalte, markiere ich die Fläche im Beetplaner. Hirtentäschel, Hederich und Ackersenf jäte ich dort ebenfalls, denn auch sie können von Kohlhernie befallen werden.
Bevor du kalkst, lass den Boden untersuchen. Zur Vorbeugung gegen Kohlhernie wird nach einer Bodenprüfung ein pH-Wert von 7 bis 7,5 empfohlen. Ob eine Kalkung nötig ist, hängt vom gemessenen Wert, von der Bodenart und vom Humusgehalt ab.
Bei Blattkrankheiten
Bei Alternaria entfernst du befallene Blätter, um die Ausbreitung zu begrenzen. Beim Falschen Mehltau sorgst du dafür, dass die Blätter nicht lange nass bleiben, und gießt früh am Tag. Gegen die Adernschwärze und das Turnip mosaic virus gibt es keine direkte Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln. Dort bleiben dir Hygiene und Vorbeugung.
Ein Pflanzenschutzmittel kommt, wenn überhaupt, erst als letztes Mittel infrage. Prüfe vorher anhand der Gebrauchsanleitung und der BVL-Datenbank, ob es für Kohlrabi und für den Haus- und Kleingarten zugelassen ist. Halte dich genau an die Gebrauchsanleitung, trag Schutzkleidung, beachte die Wartezeit bis zur Ernte und entsorge Reste sachgerecht. Solche Mittel können auch Nützlinge treffen.
Vorbeugen: Beet, Wasser und Anzucht
Vorbeugen fängt beim Beet an: Kohlrabi mag sonnige, nicht zu heiße Plätze und durchlässigen Boden ohne Staunässe. Wegen der Kohlhernie wird für Kohlrabi eine Fruchtfolge-Pause von drei bis vier Jahren empfohlen, und Radieschen, Rettich oder Gelbsenf zählen als Kreuzblütler mit. Wie du Standort und Anbaupausen für alle Kohlarten planst, steht im Kohl-Ratgeber unter Standort und Boden sowie Fruchtfolge und Mischkultur.
Bei Blattkrankheiten kommt es darauf an, wie lange das Laub nass bleibt. Längere Blattnässe begünstigt den Falschen Mehltau, und morgens bodennah gegossene Pflanzen können tagsüber abtrocknen; deshalb gieße ich früh und direkt auf den Boden. Im eigenen Ratgeber steht, wie du Kohlrabi gleichmäßig mit Wasser und Nährstoffen versorgst.
Ziehst du Kohlrabi selbst vor, nimm neues, sauberes Anzuchtsubstrat und gereinigte Gefäße und vermeide Staunässe. Damit beugst du der Umfallkrankheit vor, auf die wässrig-weiche, an einer Stelle stark verengte Sämlingsstängel hinweisen können. Gute Lüftung, möglichst wenig Tau und rasch abtrocknende Blätter helfen, bei Jungpflanzen dem Falschen Mehltau vorzubeugen.
Netze, Nützlinge und Jauchen
KulturschutznetzeEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. und Nützlinge richten sich vor allem gegen Schädlinge. Bei Kohlrabi können Netze die Eiablage von Kohlfliegen und Schadschmetterlingen verhindern. Wie du Netze auflegst und Nützlinge förderst, liest du im Ratgeber, wie du Schädlinge an Kohlrabi erkennst und ohne Chemie bremst.
BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. wird nachgesagt, sie mache Kohlrabi widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Vergoren dient sie im Garten als stickstoffhaltiger Dünger, ein Heilmittel für erkrankte Pflanzen ist sie nicht.
Geplatzt oder holzig: nicht immer eine Krankheit
Geplatzte oder holzige Knollen müssen nicht auf einen Erreger zurückgehen. Stark schwankende Bodenfeuchte kann Kohlrabi platzen lassen, große Hitze und hohes Pflanzenalter können die Verholzung fördern. Im Hausgarten kann Kohlrabi etwa 6 bis 8 Wochen nach der Pflanzung erntereif sein. Lässt du ihn danach lange stehen, steigt mit dem Pflanzenalter auch das Risiko holziger Knollen. Den passenden Erntezeitpunkt beschreibt der Ratgeber, wie du Kohlrabi anbaust und zur richtigen Zeit erntest.





