Chili veredeln: Kopfveredelung, Anwachsen und Nachpflege
- Beim Veredeln verwachsen Unterlage und Edelreis zu einer Pflanze, die Unterlage stellt den Wurzelteil.
- Kreuzung, Selektion und F1-Hybriden gehören zur Züchtung und sind keine Veredelungsverfahren.
- Bei der Kopfveredelung müssen beide Stängel an der Schnittstelle gleich dick sein, ein Silikonclip hält die Schnittflächen zusammen.
- Bei hoher Luftfeuchtigkeit und zunächst ohne direkte Sonne verheilt die Verbindung ungefähr innerhalb einer Woche.
- Die erste Blüte auszubrechen ist bei kleinfrüchtigen Chilis nicht nötig.
- Die Schärfe hängt von der genetischen Anlage und von Umweltbedingungen wie Temperatur und Wasserversorgung ab.

Eine Chili zu veredeln heißt: Du schneidest zwei junge Pflanzen durch und setzt sie zu einer zusammen. Der Schnitt ist schnell gemacht. Danach entscheidet ungefähr eine Woche in feuchter Luft, ob die Verbindung hält. Ich veredle Chilis als Kopfveredelung an Sämlingen und beschrifte jedes Paar, bevor ich das Messer ansetze.
Was Veredeln bei Chili bringt
Beim Veredeln verwachsen zwei Pflanzen zu einer. Die Unterlage stellt den Wurzelteil, das Edelreis bringt die Sorte mit, deren Früchte du ernten willst. Du kombinierst also eine fremde Wurzel mit deiner Wunschsorte, eine neue Sorte entsteht dabei nicht.
Wie viel das bringen kann, zeigt ein Vergleich aus dem kalten Folienhaus.
Im kalten Folienhaus brachte die Sorte Ferrari F1 auf der Unterlage Antinema F1 17 % mehr marktfähigen Klasse-1-Ertrag als unveredelte Ferrari F1. Auf der Unterlage Scarface F1 lag das Plus bei 20 %. Verglichen wurde jeweils mit derselben Sorte ohne Veredelung.
Der Versuch lief mit einer einzigen Edelsorte, Chilis aber gehören zu mehreren Capsicum-Arten. Ob deine Sorte auf derselben Unterlage ähnlich zulegt, zeigt dir deshalb erst der eigene Vergleich. Einen garantierten Mehrertrag bringt Veredeln nicht.
Kreuzung, Selektion und F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. gehören zur Züchtung und sind keine Veredelungsverfahren. Für deinen Nachbau ist daraus vor allem eins wichtig: Aus Samen von F1-Sorten können uneinheitliche Nachkommen wachsen, samenfeste Sorten eignen sich besser. Wie du dabei vorgehst, steht in der Anleitung, wie du Chilisamen selbst gewinnst.
Unterlage und Edelsorte auswählen
Die Edelsorte wählst du nach den Früchten, die du ernten willst: Schärfe, Form und Verwendung. Im Folienhaus-Versuch dienten Antinema F1 und Scarface F1 als Unterlagen. Über Wuchskraft oder ResistenzenResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. dieser Unterlagen sagt der Ertragsvergleich nichts, solche Eigenschaften prüfst du in den Sortenangaben.
Zu welcher Art deine Edelsorte gehört, steht auf der Saatgut-Tüte. Habanero Orange zum Beispiel ist eine Capsicum chinense. Ich notiere bei jeder Kombination mit, zu welcher Art Edelsorte und Unterlage gehören.
Für den Schnitt zählt vor allem die Stängeldicke: An der Schnittstelle müssen Unterlage und Edelsorte gleich dick sein. Ich säe deshalb von beiden Partnern mehr Pflanzen aus, als ich veredeln will, und suche mir gleich dicke Paare heraus.
Wegen der langen Anzuchtphase säst du Paprika und Chili im Februar im Haus aus. Die Termine für Unterlage und Edelsorte planst du am einfachsten mit dem Aussaatkalender für Paprika und Chili zum Ausdrucken.
Kopfveredelung Schritt für Schritt
Bei der Kopfveredelung setzt du die Edelsorte auf die bewurzelte Unterlage. Beide Schnitte richten sich nach den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen., du arbeitest also an jungen Pflanzen.
- Paare prüfen: Halte Unterlage und Edelsorte nebeneinander und vergleiche die Stängel an der späteren Schnittstelle. Nur gleich dicke Paare veredelst du.
- Messer vorbereiten: Du schneidest mit einem sauberen, scharfen Messer, damit die Schnittflächen glatt aufeinanderpassen.
- Unterlage kappen: Schneide die Unterlage unterhalb der Keimblätter ab. Der bewurzelte Stumpf bleibt im Topf stehen.
- Edelsorte abnehmen: Die Edelsorte schneidest du oberhalb der Keimblätter. Verwendet wird nur ihr Kopf.
- Fixieren: Setze die Schnittflächen passend aufeinander und halte sie mit einem Silikonclip zusammen.
- Abdecken: Die fertige Veredelung kommt ohne Umweg an einen Platz mit hoher Luftfeuchtigkeit und ohne direkte Sonne.
Neben der Kopfveredelung gibt es Verfahren wie Kopulation, Anplatten und Keilpfropfen, jedes mit eigener Schnittführung. Das Prinzip bleibt gleich: Unterlage und Edelreis müssen zu einer Pflanze verwachsen.
Gleich dicke Paare ausgesucht. Messer sauber und scharf. Silikonclips griffbereit. Haube und hellen Platz ohne direkte Sonne vorbereitet. Etiketten mit Unterlage, Edelsorte und Datum beschriftet.
So wächst die Verbindung an
Bei hoher Luftfeuchtigkeit und zunächst ohne direkte Sonne verheilt die Kopfveredelung ungefähr innerhalb einer Woche. Ich stelle die frisch veredelten Töpfe dafür unter eine durchsichtige Haube an einen hellen Platz, auf den keine direkte Sonne fällt.
Dieselben Bedingungen begünstigen allerdings Grauschimmel, denn an Paprika fördern ihn unter anderem hohe Luftfeuchte und wenig Licht. Beim Kontrollieren hebe ich deshalb die Haube an, suche nach grauem Schimmel und arbeite nur mit sauberem Werkzeug.
Den Clip nehme ich erst ab, wenn ich an der Verbindungsstelle keinen Spalt mehr sehe. Hält die Verbindung, kommt die Pflanze zurück ins volle Licht. Fehlt jungen Paprikapflanzen Licht oder bleibt es so warm wie beim Keimen, wachsen sie lang und weich.
Die frisch veredelte Pflanze sofort zurück auf die sonnige Fensterbank stellen. Die Verbindung heilt zunächst ohne direkte Sonne, ins volle Licht kommt die Pflanze erst, wenn sie hält.
Nachpflege der veredelten Chili
Ist die Verbindung angewachsen, geht die veredelte Chili den Weg jeder Paprika-Jungpflanze. Ein paar Handgriffe kommen dazu.
Abhärten, auspflanzen, stützen
Zum AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. darf die Pflanze tagsüber geschützt ins Freie, wenn die Luft mindestens 15 °C warm ist. Direkte Sonne bekommt sie dabei zunächst nicht. Ins Freiland pflanzt du gewöhnlich nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr. Mitte Mai, entscheidend bleibt aber die tatsächliche Witterung. Im unbeheizten Gewächshaus ist Anfang bis Mitte Mai Pflanzzeit, im beheizbaren etwa Mitte April.
Ich setze die veredelte Pflanze genau so tief, wie sie im Anzuchtgefäß stand. Paprika lässt sich mit Stab oder Schnüren gegen Umkippen und Abbrechen stützen. Ich binde meine veredelten Chilis locker an einen Stab und sehe mir dabei die Veredelungsstelle an.
Bei Capsicum annuum stehen die Pflanzen in der Reihe 30 bis 50 cm auseinander. Zwischen den Reihen lässt du ebenfalls 30 bis 50 cm, und jede Pflanze bekommt ihre eigene Stütze.
Schnitt und Formierung
Die Triebspitze musst du nicht kappen, damit die Pflanze buschig wird. Paprika verzweigt sich ohne Schnitt, weil jeder Trieb mit einer Blüte abschließt und darunter neue Triebe entstehen.
Bei großfrüchtiger Gemüsepaprika kann das Entfernen der ersten Blüte, der Königsblüte, das Blatt- und Triebwachstum sowie den weiteren FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. fördern. Sie sitzt in der ersten Gabelung zwischen Haupt- und Seitentrieb und lässt sich mit den Fingern seitlich herausbrechen. Für kleinfrüchtige Peperoni und Chilis ist dieser Handgriff nicht nötig.
„Die ersten Blüten auszubrechen macht jede Chili kräftiger.“ Vorgesehen ist das nur bei großfrüchtiger Gemüsepaprika. Bei kleinfrüchtigen Chilis darf die erste Blüte stehen bleiben.
Unbegrenzt wachsende Gewächshauspaprika wird nach einem festen System erzogen. Stehen 2 Pflanzen je m², führst du sie dreitriebig. Bei 3 Pflanzen je m² erziehst du sie zweitriebig.
Nach Schnittarbeiten an kranken Pflanzen reinige ich Werkzeug und Handschuhe, bevor ich gesunde Pflanzen anfasse.
Früchte ausdünnen: grün ernten statt wegwerfen
Bei großfrüchtiger Paprika kann eine Teilernte im grünen Stadium die Pflanze entlasten und den weiteren Ertrag fördern. Grüne Gemüsepaprika schmeckt allerdings herber, ausgereifte rote, gelbe oder orangefarbene Früchte schmecken süßer. Wer früh einen Teil grün erntet, nimmt also herbere Früchte in Kauf, um die Pflanze für die folgenden zu entlasten.
Für kleinfrüchtige Chilis gibt es keine feste Regel, wie viele Früchte du wegnimmst. Manche Sorten lassen sich grün gut verwenden. Bei der Chili Mardin F1 etwa sind grüne wie rote Früchte nutzbar. Die milde Jalapeño-Sorte Santiago wird traditionell grün als Bratpfefferoni verwendet. Zum Ernten nimmst du Messer oder Schere.
Schärfe steuern
Die Schärfe einer Chili hängt von ihrer genetischen Anlage und von Umweltbedingungen wie Temperatur und Wasserversorgung ab. Auch Reifegrad, Sonne und Wärme spielen mit, und selbst Früchte derselben Pflanze können unterschiedlich scharf ausfallen. Bei der Planung beginnt die Schärfe deshalb mit der Wahl der Edelsorte.
Sonne und Wärme bekommt die Pflanze über ihren Standort. Bei Pimientos de Padrón sind die kleinen grünen Früchte häufig mild, mit zunehmender Reife werden sie schärfer. Allein an der Fruchtfarbe kannst du die Schärfe einer Chili aber nicht zuverlässig ablesen.
Die Wasserversorgung wirkt auf die Schärfe, doch Wassermangel kann bei Paprika Blütenabwurf, Fruchtrisse und BlütenendfäuleBlütenendfäule ist eine physiologische Störung vor allem an Tomaten und Paprika: Durch Calciummangel in der Frucht bildet sich an der Blütenansatzstelle ein dunkler, wässriger Fleck, der später eintrocknet und verhärtet. Sie ist kein Pilz- oder Schädlingsbefall. verursachen. Wer über knappes Gießen mehr Schärfe erzwingen will, riskiert also Blüten und Früchte.
Nach der Ernte steuerst du die Schärfe in der Küche. Besonders viel Capsaicin steckt im Plazentagewebe, an dem die Samen sitzen. Entfernst du die inneren Scheidewände und die Samen, wird das Gericht milder.
Schneide scharfe Chilis nur mit Küchenhandschuhen, denn die Scharfstoffe können Augen und Schleimhäute reizen. Hohe Capsaicin-Aufnahmen können Magen-Darm- und Kreislaufbeschwerden auslösen, und aus der Scoville-Zahl lässt sich keine sichere Menge ableiten. Kinder reagieren besonders empfindlich, Schärfeproben und Mutproben sind nichts für sie.
Ergebnisse dokumentieren und auswerten
Ob eine Kombination aus Unterlage und Edelsorte etwas bringt, siehst du nur im Vergleich. Ich ziehe deshalb neben den veredelten Pflanzen eine unveredelte derselben Sorte und stelle beide nebeneinander. Genau so vergleicht auch der Folienhaus-Versuch veredelte mit unveredelten Ferrari F1.
| Was ich notiere | Wozu es dient |
|---|---|
| Unterlage, Edelsorte, Art, Veredelungsdatum | Kombinationen sicher auseinanderhalten |
| Angewachsen oder nicht | Ausfälle je Kombination erkennen |
| Ausfälle und Ersatzpflanzen | Unterschiede später richtig zuordnen |
| Pflanztermin und Standort | Prüfen, ob beide Pflanzen gleich standen |
| Früchte, die du verwenden würdest | Ertrag veredelt gegen unveredelt vergleichen |
| Schärfe-Eindruck über mehrere Früchte | Schwankungen zwischen Früchten erkennen |
In einem Gewächshausversuch mit Blockpaprika fielen die Erträge mit Blumen- und Kräuteruntersaaten geringer aus. Weil es Ausfälle und Ersatzpflanzungen gab, ließ sich die Ursache aber nicht eindeutig zuordnen. Für deine Notizen heißt das: Jeder Ausfall und jede Nachpflanzung gehört aufs Blatt, sonst bleibt am Ende offen, ob die Unterlage den Unterschied gemacht hat.
Ich schreibe Unterlage, Edelsorte und Datum aufs Etikett, bevor ich schneide. Unter der Haube sehen alle frisch veredelten Sämlinge gleich aus, und ein vertauschtes Etikett lässt sich später nicht mehr klären.
Am Saisonende lege ich die Notizen aller Kombinationen nebeneinander. Liegt eine vorn, veredle ich sie im nächsten Jahr noch einmal, bevor ich mich auf sie verlasse.
Was die veredelte Chili sonst braucht
Für die übrige Pflege reicht hier ein kurzer Überblick. Ausführlich stehen die Grundlagen in den Abschnitten zu Gießen, Düngen, Krankheiten und Ernte im Paprika-und-Chili-Ratgeber.
Standort und Boden. Paprika gedeiht an einem warmen, sonnigen und windgeschützten Platz, ob im Beet, Hochbeet, Kübel oder Gewächshaus. Lehm- und Sandböden sind geeignet, der pH-Wert darf neutral bis sauer sein. Im Kübel nimmst du fruchtbares, torffreies Substrat in einem Gefäß mit mindestens 10 l Volumen.
Gießen. Gleichmäßige Bodenfeuchte begrenzt vorbeugend die Blütenendfäule, eine Störung der Calciumversorgung der Frucht. Gieße morgens direkt in den Wurzelbereich, ohne das Laub zu benetzen. Wie oft, richtest du nach Boden und Witterung, denn eine allgemeine feste Gießhäufigkeit gibt es nicht.
Düngen. Vorgedüngte Erde im Gefäß kann je nach Packungsangabe nach etwa 6 Wochen eine Nachdüngung brauchen. Ab Blühbeginn wird für Gemüsepaprika in Gefäßen eine kaliumbetonte Flüssigdüngung empfohlen, die Menge nimmst du von der Packung. BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. ersetzt keine dauerhafte Grundversorgung und birgt bei zu hoher Salzkonzentration Verbrennungsgefahr.
Schädlinge und Krankheiten. Schau regelmäßig auf die Blattunterseiten, denn dort sitzen zum Beispiel Weiße Fliegen mit ihren Larven. Blattläuse lassen sich im Garten häufig mit einem kräftigen Wasserstrahl abspritzen, Raupen sammelst du bei sichtbarem Befall ab. Gegen Grauschimmel helfen vorbeugend saubere Arbeitsgeräte und ausreichender Pflanzabstand.
Fruchtform und Größe. Paprika befruchtet sich selbst, im Gewächshaus oder auf einem sehr windstillen Balkon mit wenig Insektenflug kannst du die Pflanzen leicht schütteln. Temperaturen unter 14 °C können geringere Erträge und Fruchtverformungen verursachen. Ohne Befruchtung kann Paprika kleinere, samenlose Früchte bilden.
Ernte und Lagern. Paprika und Chili der Art Capsicum annuum reifen nach der Ernte nicht nach wie Tomaten, ernte also in der Reife, die du verwenden willst. Frische Paprika lagerst du kühl bei etwa 10 bis 12 °C. Getrocknete Chilis bewahrst du luftdicht, dunkel, kühl und trocken auf.





