Paprika veredeln: Schnitt, Clip und Nachsorge am Sämling
- Beim Veredeln verwachsen Unterlage und Edelsorte zu einer Pflanze; die Unterlage stellt den Wurzelteil.
- Bei der Kopfveredelung schneidest du die Unterlage unterhalb und die Edelsorte oberhalb der Keimblätter.
- Beide Stängel sollen an der Schnittstelle gleich dick sein; ein Silikonclip fixiert die Schnittflächen.
- Bei hoher Luftfeuchtigkeit und zunächst ohne direkte Sonne heilt die Stelle ungefähr innerhalb einer Woche.
- Im kalten Folienhaus brachte veredelte Ferrari F1 auf beiden geprüften Unterlagen mehr marktfähigen Klasse-1-Ertrag als unveredelt.
- Wofür eine Unterlage widerstandsfähig ist, steht in ihrer Sortenbeschreibung; pauschal schützt Veredeln nicht.

Beim Veredeln setzt du die Paprikasorte, die du ernten willst, auf die Wurzel einer anderen Pflanze. Das kann den Ertrag heben. Dafür brauchst du eine zweite Aussaat, einen sauberen Schnitt und ungefähr eine Woche Pflege unter einer durchsichtigen Haube, bis die Schnittstelle verheilt ist. Misslingt die Verbindung, ist der SämlingSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. der Edelsorte verloren. Ich veredle deshalb immer ein paar Pflanzen mehr, als ich brauche, und arbeite direkt am Sämling mit Messer und Silikonclip.
Was bedeutet Veredeln bei Paprika?
Beim Veredeln verwachsen zwei Pflanzen zu einer, und die Unterlage stellt dabei den Wurzelteil. Bei der Kopfveredelung, mit der ich Paprika veredle, setzt du die Edelsorte oben auf die bewurzelte Unterlage. Die Früchte trägt also die Sorte, die du ausgewählt hast, während die Wurzel von einer anderen Pflanze stammt.
Die Unterlage ist die bewurzelte Pflanze, die unten im Topf bleibt. Edelreis oder Edelsorte heißt der Teil, der oben aufgesetzt wird und später trägt. Die Stelle, an der beide zusammenwachsen, ist die Veredelungsstelle.
„Veredeln ist eine Art Kreuzung.“ Das stimmt nicht. Beim Veredeln entsteht keine neue Sorte, sondern eine Pflanze aus zwei Teilen, die an der Schnittstelle verwachsen. Kreuzung und Auslese laufen über Samen und deren Nachkommen.
Willst du eine Sorte über eigenes Saatgut erhalten, eignen sich samenfeste Sorten, denn die Nachkommen von F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. können uneinheitlich ausfallen. Wie du Paprikasamen selbst gewinnst, zeige ich in einer eigenen Anleitung.
Welche Paprika eignet sich als Unterlage und welche als Edelsorte?
Als Edelsorte nimmst du die Paprika, deren Früchte du ernten willst, etwa eine Blockpaprika oder eine Spitzpaprika. Bei der Unterlage kommt es auf die Wurzel an, denn von ihr bleibt nur der Wurzelteil in der veredelten Pflanze. Welche Eigenschaften eine Unterlage mitbringt, steht in ihrer Sortenbeschreibung. Dort prüfe ich, wofür sie ausgewiesen ist, bevor ich sie aussäe.
In einem Ertragsversuch im kalten Folienhaus dienten Antinema F1 und Scarface F1 als Unterlagen für die Paprika Ferrari F1. Wie die beiden abschnitten, steht weiter unten beim Ertrag.
Auch eine Chili kannst du als Edelsorte aufsetzen. Die Besonderheiten scharfer Sorten und das Umsetzen von Chilis auf eine stärkere Unterlage bespreche ich in einem eigenen Ratgeber zur Chili-Veredelung.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Veredeln?
Die Kopfveredelung findet am Sämling statt, denn geschnitten wird an den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen.. Der passende Moment ist da, wenn die Stängel von Unterlage und Edelsorte an der Schnittstelle gleich dick sind. Ich verlasse mich dabei nicht auf ein Datum. Stattdessen stelle ich die beschrifteten Töpfe nebeneinander und vergleiche die Stängel.
Die Edelsorte säst du wie jede Paprika wegen der langen Anzuchtphase im Februar im Haus aus; für die Unterlage gelten die Angaben auf ihrer Saatgut-Tüte. KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. und Weiterkultur der Sämlinge findest du im Abschnitt Aussaat und Anzucht von Paprika und Chili. Die Termine behältst du mit dem Aussaatkalender für Paprika und Chili zum Ausdrucken im Blick.
Was brauchst du zum Veredeln?
sauberes, scharfes Messer · Silikonclips für die Kopfveredelung · Veredelungsband für Anplatten und Keilpfropfen · durchsichtige Haube für hohe Luftfeuchtigkeit · Etiketten und Stift · Unterlagen und Edelsorten mit gleich dicken Stängeln
Das Messer muss sauber und scharf sein, damit die Schnittflächen glatt werden und aufeinanderpassen. Der Silikonclip fixiert die beiden Flächen, bis sie verwachsen sind. Saubere Arbeitsgeräte helfen außerdem, GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. vorzubeugen.
Beim Veredeln geht dieselbe Klinge durch viele Stängel. Das Tomatenmosaik-Virus wird an Paprika besonders leicht mechanisch übertragen, also auch über Werkzeug. Ich reinige das Messer deshalb zwischen den Pflanzen und veredle nur Sämlinge, die gesund aussehen. Nach dem Kontakt mit einer kranken Pflanze ist das Reinigen ohnehin Pflicht, bevor die Klinge an eine gesunde kommt.
Wie funktioniert die Kopfveredelung Schritt für Schritt?
Die Kopfveredelung ist eine Kopulation am Sämling: Zwei gleich dicke Schnittflächen werden aufeinandergesetzt und mit einem Clip gehalten. Ich arbeite im Haus an einem hellen Tisch ohne direkte Sonne und lege alles bereit, bevor ich die erste Pflanze schneide.
- Paare bilden. Stell Unterlage und Edelsorte nebeneinander und such Paare, deren Stängel an der Schnittstelle gleich dick sind. Gleich dicke Stängel sorgen dafür, dass die Schnittflächen ringsum aufeinanderpassen.
- Unterlage schneiden. Schneide die Unterlage mit dem sauberen, scharfen Messer unterhalb der Keimblätter durch. Wurzel und Stängelrest bleiben im Topf.
- Clip aufstecken. Ich stecke den Silikonclip gleich auf den Stumpf der Unterlage. Dann muss ich die Edelsorte nur noch hineinschieben.
- Edelsorte schneiden. Schneide die Edelsorte oberhalb der Keimblätter ab. Ich führe beide Schnitte im gleichen Winkel, damit die Flächen deckungsgleich aufeinanderliegen.
- Aufsetzen. Schieb die Edelsorte von oben in den Clip, bis die Schnittflächen ohne Spalt aufeinanderliegen.
- Beschriften und abdecken. Steck ein Etikett mit beiden Sortennamen in den Topf und stell die Pflanze unter die Haube.
Arbeite zügig, damit die Schnittflächen nicht antrocknen, und fass sie nicht an. Ich schneide immer nur ein Paar und setze es sofort zusammen, statt mehrere Stängel auf Vorrat zu köpfen.
Ungleich dicke Stängel trotzdem zu verbinden. Dann passen die Schnittflächen nicht aufeinander, und der Clip hält nur einen Teil der Fläche zusammen. Für ungleiche Stängel nimmst du das Anplatten.
Wie funktionieren Anplatten und Keilpfropfen?
Anplatten
Beim Anplatten schneidest du an der Unterlage seitlich eine flache Fläche frei. Das Edelreis schneidest du unten passend flach an und legst es so an, dass sich beide Schnittflächen decken. Veredelungsband hält die Stelle zusammen. Ich nehme das Anplatten, wenn Unterlage und Edelreis unterschiedlich dick sind.
Keilpfropfen
Beim Keilpfropfen köpfst du die Unterlage waagerecht und schneidest mittig einen senkrechten Spalt in den Stumpf. Das Edelreis schneidest du unten von zwei Seiten keilförmig zu und schiebst es in den Spalt. Die Schnittflächen beider Teile sollen dabei möglichst genau aufeinandertreffen. Ein Veredelungsband schließt den Spalt um den Keil, bis beide verwachsen sind.
Die drei Techniken im Vergleich
| Technik | Schnitt an der Unterlage | Schnitt am Edelreis | Worauf es ankommt | Halt |
|---|---|---|---|---|
| Kopfveredelung (Kopulation am Sämling) | unterhalb der Keimblätter durchtrennt | oberhalb der Keimblätter durchtrennt | gleich dicke Stängel an der Schnittstelle | Silikonclip |
| Anplatten | seitlich flache Fläche freigelegt | unten flach angeschnitten | Schnittflächen decken sich seitlich | Veredelungsband |
| Keilpfropfen | geköpft und mittig gespalten | unten beidseitig keilförmig | Keil sitzt mit beiden Flächen im Spalt | Veredelungsband |
Bei meinen Paprika-Sämlingen ist die Kopfveredelung die Regel. Das Anplatten nehme ich nur, wenn sich kein gleich dickes Paar findet.
Wie pflegst du Paprika nach dem Veredeln?
Die Kopfveredelung heilt bei hoher Luftfeuchtigkeit und zunächst ohne direkte Sonne ungefähr innerhalb einer Woche. Ich stelle die frisch veredelten Pflanzen dafür unter eine durchsichtige Haube an einen hellen Platz, an den keine direkte Sonne kommt.
Genau diese Bedingungen begünstigen bei Paprika auch Grauschimmel, denn er wird durch hohe Luftfeuchte und wenig Licht gefördert. Ich hebe die Haube deshalb zum Lüften an und schaue dabei an Schnittstelle und Blättern nach grauem Belag.
Gieß in dieser Zeit mäßig. Zu nasses Substrat hemmt das Wurzelwachstum und begünstigt Welkepilze. Vor dem Gießen fühle ich mit dem Finger, ob die Erde noch feucht ist.
Welkt das Edelreis, kann das darauf hindeuten, dass die Verbindung nicht anwächst. Mehr Wasser ist dann nicht automatisch richtig. Welke kann auch von Hitze oder von Wurzeln kommen, die durch Dauernässe geschädigt sind.
Wachsen aus der Unterlage unterhalb der Veredelungsstelle Triebe, breche ich sie aus, sobald ich sie entdecke. Diese Triebe gehören nicht zu der Sorte, die du ernten willst. Wächst die Edelsorte sichtbar weiter, nehme ich die Haube schrittweise ab und gewöhne die Pflanzen an mehr Licht.
Wie geht es nach dem Anwachsen weiter?
Danach ziehst du die veredelte Paprika weiter wie jede Jungpflanze: abhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten., nach dem Ende der Frostgefahr auspflanzen und jeder Pflanze eine eigene Stütze geben. Die Einzelheiten stehen im Paprika-Ratgeber unter Abhärten und Auspflanzen.
Setz die Pflanze genauso tief, wie sie im Anzuchttopf stand. Die Veredelungsstelle bleibt dann über der Erde, und Triebe aus der Unterlage siehst du weiterhin. Auch im Beet schaue ich an dieser Stelle nach und breche solche Triebe aus.
Lohnt sich das Veredeln von Paprika?
Was ein Ertragsversuch zeigt
Wie viel Veredeln bringen kann, wurde in einem Versuch im kalten Folienhaus gemessen.
Ferrari F1 auf der Unterlage Antinema F1 brachte im kalten Folienhaus 17 % mehr marktfähigen Klasse-1-Ertrag als unveredelte Ferrari F1. Auf der Unterlage Scarface F1 waren es 20 %.
Das Ergebnis gilt für genau diese Kombinationen unter Folie. Es zeigt, dass Veredeln den Ertrag heben kann, aber nicht, wie viel es in deinem Beet oder Kübel bringt. Weil der Versuch im kalten Folienhaus lief, veredle ich vor allem Pflanzen fürs Folienhaus. Für die Kübel auf dem Balkon ziehe ich meist unveredelte Paprika.
Hilft Veredeln gegen Krankheiten?
Die Unterlage stellt den Wurzelteil der Pflanze. Welche Widerstandsfähigkeit sie mitbringt, hängt von der jeweiligen Unterlage ab und steht in ihrer Sortenbeschreibung. Pauschal schützt Veredeln nicht vor Krankheiten.
Bei Welke aus dem Boden lohnt ein genauer Blick. Verticillium-Welke lässt sich an den Symptomen kaum von Fusarium-Welke unterscheiden. Verticillium kann zudem bis zu 10 bis 15 Jahre im Boden überdauern, sodass eine kurze AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. den Boden nicht verlässlich saniert. Auf so einer Fläche bringt dich also weder der Blick aufs Blatt noch eine kurze Pause weiter. Ob eine Unterlage dort etwas ändert, hängt davon ab, wofür sie ausgewiesen ist.
Die allgemeine Gartenregel von mindestens 3 Jahren Anbaupause gilt für veredelte Paprika genauso; Tomate, Kartoffel und Aubergine sind dabei kein Familienwechsel. Für den Wechsel hilft es, die Beete im Beetplaner über mehrere Jahre zu verteilen.
Was spricht gegen das Veredeln?
Veredeln heißt zwei Aussaaten, Clips, eine Haube und Sorgfalt bei jedem Schnitt. Jede misslungene Verbindung kostet einen Sämling der Edelsorte. Auch eine Kombination aus Unterlage und Edelsorte kann schlecht zusammenpassen.
Auf jedes Etikett schreibe ich die Edelsorte, die Unterlage und das Datum des Schnitts. So weiß ich im Sommer noch, welche Pflanze auf welcher Wurzel steht, und kann die Kombinationen nebeneinander beobachten.
Veredelte und unveredelte Paprika im Vergleich
| Punkt | Unveredelte Paprika | Veredelte Paprika |
|---|---|---|
| Wurzel | eigene Wurzel der Sorte | Wurzel der Unterlage |
| Arbeit | eine Aussaat | zwei Aussaaten, Schnitt, Clip und ungefähr eine Woche Heilung unter der Haube |
| Ertrag im Versuch mit Ferrari F1 im kalten Folienhaus | Vergleichsbasis | 17 % mehr marktfähiger Klasse-1-Ertrag auf Antinema F1, 20 % auf Scarface F1 |
| Widerstandsfähigkeit | nur aus der Sorte selbst, etwa Bendigo F1 mit ResistenzResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. gegen das Tabakmosaikvirus | was die Edelsorte mitbringt, dazu das, wofür die Unterlage ausgewiesen ist |
| Risiko beim Start | kein Schnitt nötig | die Verbindung kann misslingen |
Praxistipps für die Paprikaveredelung
- Erst üben: Probier die Schnitte an überzähligen Sämlingen, bevor du an deine Lieblingssorte gehst.
- Mehr aussäen: Säe von Unterlage und Edelsorte mehr aus, als du veredeln willst, damit genug gleich dicke Paare zusammenkommen.
- Eine Kombination nach der anderen: Veredle erst alle Paare einer Kombination und beschrifte jeden Topf sofort.
- Klinge sauber halten: Reinige das Messer zwischen den Pflanzen, nicht erst am Ende der Arbeit.





