Paprikasamen selbst gewinnen: sortenecht ernten, trocknen, lagern
- Nimm samenfeste Sorten: Samen von F1-Hybriden können keimen, ihre Nachkommen fallen aber uneinheitlich aus.
- Die Samenfrucht bleibt am Strauch, bis sie in der sortentypischen Farbe voll ausgereift ist, denn Gemüsepaprika reift nicht nach.
- Streife die Samen mit Messer oder Löffel ab und trag bei scharfen Chilis Küchenhandschuhe.
- Trockne die Samen auf einer trockenen Unterlage an einem warmen Ort, bis sie durch und durch trocken sind.
- Lagere sie kühl und trocken, beschriftet mit Sorte und Erntejahr.
- Prüf ältere Samen vor der Aussaat mit einer Probeaussaat aus genau abgezählten Körnern.
Wer Paprikasamen einfach aus irgendeiner Frucht nimmt, merkt das oft erst im nächsten Sommer. Stammt die Frucht von einer F1-HybrideF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor., fallen die Pflanzen daraus uneinheitlich aus. Und wer die Samen warm oder feucht lagert, gefährdet ihre KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut.. Ich lege deshalb schon beim FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. fest, welche Frucht an welcher Pflanze für Samen hängen bleibt. So gehst du vor, von der Sortenwahl bis zur Probeaussaat vor dem Frühjahr.
Welche Paprikasorten eignen sich für eigene Samen?
Für den Nachbau eignen sich samenfeste Sorten. Bei F1-Hybriden können die Samen zwar keimen, ihre Nachkommen fallen aber uneinheitlich aus. Das gilt für Gemüsepaprika genauso wie für Chili. Eine Blockpaprika wie Bendigo F1 taugt deshalb nicht für sortenechte Samen, die samenfeste Blockpaprika Jubilandska dagegen schon.
Samenfest heißt, dass sich eine Sorte für den Nachbau aus eigenen Samen eignet. F1 bezeichnet eine Hybride. Ihre Samen können keimen, doch die Pflanzen daraus fallen uneinheitlich aus.
Ich hebe die Saatguttüte jeder Sorte auf. So kann ich im Sommer nachsehen, ob die Sorte samenfest ist, bevor ich eine Frucht für Samen reserviere. Bei Snackpaprika fällt die Ausbeute klein aus: Sorten wie Tribelli haben nur wenige Kerne, die am Stielansatz sitzen.
Samen aus gekauften Paprika keimen nicht? Sie können keimen, auch wenn die Frucht von einer F1-Hybride stammt. Nur weißt du ohne Sortenangabe nicht, ob das der Fall ist, und dann bleibt offen, wie die Nachkommen ausfallen. Grün verkaufte Gemüsepaprika ist außerdem unreif, für Samen brauchst du voll ausgereifte Früchte.
Wie bleiben die Samen sortenecht?
Paprika bildet Zwitterblüten und befruchtet sich selbst. Insekten können die Blüten bestäuben, zwingend nötig sind sie dafür nicht. Eine Fremdbefruchtung ist trotzdem möglich. Werden Chilis von anderen Paprikasorten bestäubt, ist die Fruchtqualität der Pflanzen aus ihren Samen ungewiss. Für ihre Früchte ist eine Paprika also nicht auf Insekten angewiesen, doch ein Insektenbesuch kann Pollen einer anderen Sorte mitbringen.
Meine Samenpflanze steht deshalb nicht direkt neben anderen Paprika- oder Chilisorten. Ganz ausschließen lässt sich eine Kreuzung im offenen Garten damit nicht. Im Gewächshaus oder auf einem sehr windstillen Balkon mit wenig Insektenflug schüttle ich die Pflanzen während der Blüte als Bestäubungshilfe leicht. Hummeln können bei Paprika den Samenansatz erhöhen, gekaufte Hummelvölker sind im Hobbygarten aber nicht erforderlich.
Damit ich im nächsten Jahr noch weiß, welche Sorte wo stand, halte ich das fest, wenn ich meine Beete im Beetplaner einteile.
Woran erkennst du die richtige Samenfrucht?
Samen gewinnst du nur aus voll ausgereiften Früchten. Bei Gemüsepaprika zeigt die Farbe den Reifegrad: Grün ist unreif, sortentypisch ausgefärbt ist reif. Zum Essen kannst du Gemüsepaprika grün ernten, für Samen reicht das nicht. Weil Gemüsepaprika nicht nachreift, muss die Samenfrucht am Strauch ausfärben.
Welche Farbe am Ende steht, hängt von der Sorte ab:
| Sorte | Typ | Farbe bis zur Reife |
|---|---|---|
| Yolo Wonder | Blockpaprika | von Grün nach Rot |
| Violetta | Blockpaprika | von Tiefviolett über Grün nach Rot |
| Corno rosso | Spitzpaprika | von Dunkelgrün nach Leuchtendrot |
| Albaregia | Freilandpaprika | von Hellgelb nach Orangerot |
| Jalapeño Ruben | Chili | reift rot ab |
| Habanero Orange | Chili, Capsicum chinense | reift orange ab |
Die Farbe verrät dir nur die Reife. Ob eine Sorte samenfest ist, prüfst du getrennt davon.
Bei großfrüchtiger Paprika kann es die Pflanze entlasten, einen Teil der Früchte grün zu ernten. Die Samenfrucht bleibt dabei hängen. Ich reserviere eine früh angesetzte Frucht, damit sie vor dem ersten Frost ausfärben kann, denn Paprika ist nicht winterhart.
Für Samen nehme ich nur Früchte von Pflanzen ohne Flecken an Blättern und Früchten. Solche Flecken können auf Xanthomonas hindeuten. Gegen diese Bakterienflecken an Capsicum annuum ist keine direkte Bekämpfung möglich, gesundes Saatgut steht deshalb im Vordergrund. Achte auch auf die Größe: Paprika kann ohne Befruchtung kleinere Früchte ohne Samen bilden. Ich wähle deshalb eine Frucht in sortentypischer Form und Größe.
Sobald die gewählte Frucht angesetzt hat, binde ich einen Wollfaden um ihren Stiel. So erkenne ich sie bei jeder Ernte und lasse sie hängen, während ich die übrigen Früchte abschneide.
So wählst du die Samenfrucht aus.
- Die Sorte ist samenfest, im Namen steht kein F1.
- Blätter und Früchte der Pflanze zeigen keine Flecken.
- Die Frucht hat sortentypische Form und Größe.
- Sie ist am Strauch rundum in ihrer Endfarbe ausgefärbt.
- Sorte und Pflanze sind notiert.
Wie entnimmst und säuberst du die Samen?
Ist die Samenfrucht rundum ausgefärbt, holst du sie ins Haus. Die Arbeit selbst braucht nur wenige Handgriffe:
- Schneide die Frucht mit Messer oder Schere von der Pflanze.
- Wasch dir die Hände und leg sauberes Werkzeug bereit. Hast du zuvor an kranken Pflanzen gearbeitet, reinigst du Messer, Löffel und Handschuhe vorher.
- Schneide die Frucht auf. Die Samen sitzen innen am Kerngehäuse.
- Streife die Samen mit dem Messer oder einem Löffel ab und fang sie auf einem Teller auf.
- Zupf Reste von Fruchtfleisch und hellen Innenwänden ab.
- Bearbeite jede Sorte einzeln und beschrifte ihren Teller sofort.
Meist kommen die Samen ohne Wasser direkt auf die trockene Unterlage. Kleben Fruchtfleischreste fest, spüle ich sie in einem Sieb ab und tupfe die Samen danach mit Küchenpapier trocken. Gären lasse ich Paprikasamen nicht. Ob sie keimen, prüfe ich lieber mit einer Probeaussaat als mit einem Schwimmtest im Wasserglas.
Das Fruchtfleisch einer gesunden Frucht verarbeite ich danach in der Küche. Verschimmelte Früchte isst du nicht mehr.
Bei scharfen Chilis sitzen die Samen am Plazentagewebe, in dem besonders viel Capsaicin steckt. Beim Abstreifen hast du die Scharfstoffe also direkt an den Fingern. Trag deshalb Küchenhandschuhe, denn die Scharfstoffe können Augen und Schleimhäute reizen. Fass dir mit den Handschuhen nicht ins Gesicht.
Wie trocknest du Paprikasamen?
Paprikasamen trocknen auf einer trockenen Unterlage an einem warmen Ort, bis sie durch und durch trocken sind. Ich nehme dafür einen flachen Teller mit Küchenpapier und verteile die Körner in einer einzigen Lage. Kleben einige aneinander, löse ich sie mit dem Finger voneinander. Jede Sorte bekommt einen eigenen, beschrifteten Teller, und alle stehen an einem warmen Platz ohne pralle Sonne. Ofen und Dörrgerät lasse ich dabei aus.
Wann die Samen fertig sind, entscheide ich nicht nach dem Kalender, sondern mit dem Fingernagel. Gibt ein Korn beim Drücken noch nach, bleibt der Teller stehen.
Die Samen wandern ins Glas oder in die Tüte, solange sie innen noch feucht sind. Für die Keimfähigkeit gelagerter Samen sind trockene Bedingungen entscheidend. Erst wenn kein Korn mehr unter dem Fingernagel nachgibt, packe ich sie ein.
Wie lagerst du Paprikasamen richtig?
Fertig getrocknete Samen lagerst du kühl und trocken, denn diese Bedingungen sind für ihre Keimfähigkeit entscheidend. Das gilt genauso für geöffnete Saatguttüten aus dem Handel. Ich fülle jede Sorte in ein eigenes Papiertütchen und stelle die Tütchen in eine Dose in einem kühlen Raum.
Auf jedes Tütchen schreibe ich:
- die Sorte
- das Erntejahr
- die Pflanze oder das Beet, von dem die Frucht stammt
- welche anderen Paprika- oder Chilisorten in der Nähe blühten
Mit dem Erntejahr auf der Tüte siehst du im Frühjahr sofort, welche Samen älter sind. Gerade bei älterem Saatgut zeigt eine Probeaussaat, wie viel davon noch keimt. Zusätzlich führe ich ein Gartentagebuch, in dem ich festhalte, wie sich die Pflanzen aus eigenen Samen entwickeln.
Ziehst du Peperoni, findest du eine eigene Anleitung, wie du Samen von Peperoni gewinnst und lagerst.
Wie prüfst du, ob deine Samen noch keimen?
Ob deine Samen keimen, zeigt dir eine Probeaussaat mit genau abgezählten Körnern. Ich säe die Probe in torffreie Aussaaterde mit geringem Nährstoffgehalt und halte sie gleichmäßig feucht, ohne StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt.. Später zählst du die normal entwickelten Keimlinge. Missgebildete Keimlinge notierst du gesondert, sie fließen nicht in den Keimanteil ein.
Keimanteil in Prozent = normal entwickelte Keimlinge ÷ ausgelegte Samen × 100.
Mehrere getrennte Proben ergeben ein zuverlässigeres Bild als eine einzelne. Ich lege deshalb für jede Tüte mehr als eine Probe an.
Stell die Probe so warm wie eine echte Aussaat. Die untere KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. von Capsicum annuum liegt bei 20 bis 25 °C. Steht die Probe kühler, sagt ein schwaches Ergebnis mehr über den Platz als über deine Samen. Die Keimdauer von Capsicum annuum liegt bei 7 bis 14 Tagen. Ich zähle erst aus, wenn in der Schale nichts mehr nachkommt.
Diese Werte gelten für Capsicum annuum. Für Chilis anderer Arten wie Capsicum chinense richtest du dich nach der Angabe auf der Saatguttüte, aus der deine Mutterpflanze stammt.
Keimt nur wenig, säst du dichter aus oder nimmst neues Saatgut. Die Keimlinge aus der Probe gehören übrigens nicht in den Salat: Paprika eignet sich nicht für Sprossen oder Microgreens.
Wie geht es im Frühjahr weiter?
Wegen der langen Anzuchtphase säst du Paprika und Chili im Februar im Haus aus. Wie es von der Aussaat bis zum Auspflanzen weitergeht, liest du unter wie du Paprika und Chili aussäst und vorziehst. Den Termin behältst du mit dem Aussaatkalender für Paprika und Chili zum Ausdrucken im Blick.





