Fleischtomaten: Krankheiten und Schädlinge erkennen und im Griff
- Große, wasserreiche Früchte platzen bei schwankender Wasserversorgung und neigen zu Blütenendfäule und Grünkragen – gleichmäßig gießen, mulchen, etwas Blattschatten über den Früchten lassen.
- Kraut- und Braunfäule, Blattfleckenkrankheit und Tomatenmosaikvirus sind die häufigsten Krankheiten; die lange Reifezeit der Fleischtomaten verlängert das Risikofenster.
- Tomaten-Schädlinge erkennst du am Schadbild: Honigtau und aufschwirrende Insekten (Weiße Fliege), Kolonien an Triebspitzen (Blattläuse), helle Sprenkel und Gespinste (Spinnmilben), Fraßlöcher (Schnecken, Raupen).
- Ein fester Kontrollgang mit Blick auf Blattunterseiten, Stängelbasis und Fruchtansatz gehört zur Pflege dazu.
- Befallene Teile in den Hausmüll, Werkzeug reinigen, vier Jahre Anbaupause für Nachtschattengewächse.

Fleischtomaten: groß, schwer – und an anderen Stellen empfindlich
Fleischtomaten sind der Stolz vieler Gärtner: handtellergroße Früchte, dickes, saftiges Fruchtfleisch, viel Aroma. Doch was die großen Früchte so begehrt macht, macht sie auch empfindlich. Sie speichern viel Wasser und reagieren deshalb heftig auf Schwankungen in der Versorgung; sie hängen lange am Strauch, bis sie ausgereift sind, und sind damit bis in den Spätsommer den Krankheiten ausgesetzt; und sie hängen schwer, sodass Fruchtstände abknicken oder auf dem Boden aufliegen, wo Schnecken und Fäulnis warten.
Ich behandle Fleischtomaten deshalb wie alle anderen Tomaten – dieselben Krankheiten, dieselben Schädlinge – und achte zusätzlich auf drei Störungen, die mit der Fruchtgröße zusammenhängen und die man kennen sollte, bevor man sie für Pilzbefall hält.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Warme Anzucht; nach Ende der Frostgefahr ins unbeheizte Gewächshaus oder Freiland. Substrat gleichmäßig feucht halten; Stabtomaten benötigen eine Stütze.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale Böden sind geeignet.
- Substrat
Der Boden sollte gleichmäßig feucht und gut durchlässig sein.
- Anbauort
Je nach Sorte ist die Kultur im Freiland, im Gewächshaus, im Hochbeet, im Kübel oder im Topf möglich.
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Sorte Hofmanns Rentita etwa 0,5–1 cm tief säen.
Pflege
- Pflege
Regelmäßig gießen und das Substrat gleichmäßig feucht halten. Eintriebig erzogene Stabtomaten benötigen eine Stütze.
- Düngung
Zunächst ausgewogenen Flüssigdünger verwenden; nach Ansatz der ersten Früchte zu kaliumbetontem Flüssigdünger wechseln.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze wächst als spreizklimmender Halbstrauch.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung, Hängeampel, Wintergarten und Gewächshaus.
Die Krankheiten der Fleischtomaten in Kürze
Die drei häufigsten Krankheiten sind bei Fleischtomaten dieselben wie bei allen Tomaten, und die Grundlagen zum Vorbeugen stehen im Tomaten-Hub. Deshalb hier nur das, was du zum Erkennen brauchst.
Kraut- und BraunfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. (Phytophthora infestans) beginnt mit grau-braunen, unscharf begrenzten Flecken auf den unteren Blättern, bei feuchtem Wetter mit weißlichem Belag auf der Unterseite, dann dunklen Stängelstellen und harten, braunen, eingesunkenen Fruchtflecken. Sie kommt oft von Kartoffeln herüber und läuft nach Regenperioden rasant. Befallene Teile kommen sofort in den Hausmüll.
Blattfleckenkrankheit (Septoria lycopersici) zeigt kleine, runde, graubraune Flecken mit dunklem Rand und winzigen schwarzen Punkten in der Mitte; sie beginnt unten und arbeitet sich nach oben. Der Pilz überwintert an Pflanzenresten – gründliches Aufräumen im Herbst ist die halbe Vorsorge.
Tomatenmosaikvirus (ToMV) macht die Blätter hell-dunkel gescheckt, blasig oder farnartig schmal, die Pflanze bleibt gestaucht, die Früchte klein und fleckig. Es wird über Hände, Werkzeug und Tabak übertragen und ist nicht zu bekämpfen: Pflanze raus, Werkzeug reinigen, nächstes Jahr eine Sorte mit ToMV-Kürzel.
Wie du Braunfäule von anderen Blattflecken sicher unterscheidest, welche Welke- und Bakterienkrankheiten es sonst noch gibt und was im Befallsfall zu tun ist, liest du ausführlich im Ratgeber zum Erkennen und Behandeln von Tomatenkrankheiten. Wie sich die Krankheiten bei kompakten Buschtomaten zeigen und bekämpfen lassen, steht im Ratgeber zu Krankheiten und Schädlingen bei Buschtomaten.
Was große Früchte besonders trifft: Platzen, Blütenendfäule, Grünkragen
Diese drei Störungen können jede Tomate treffen, auch Kirsch- und Buschtomaten; bei großen, wasserreichen Früchten fallen sie besonders ins Gewicht. Alle drei sind keine Krankheiten, nicht ansteckend und nicht mit Spritzmitteln zu beheben – sie entstehen aus Wasser, Wärme und Nährstofftransport.
Platzen: die Haut kommt nicht hinterher
Nach einer Trockenphase folgt ein Regenguss oder ein kräftiger Schwall aus der Kanne, die Frucht saugt sich voll, das Fruchtfleisch wächst schneller als die Haut – und sie reißt, ringförmig um den Stielansatz oder strahlenförmig von ihm weg. Große, wasserreiche Fleischtomaten sind davon häufig betroffen, und jeder Riss ist eine Eintrittspforte für Fäulnis. Gleichmäßiges Gießen, Mulch und ein Regendach sind die Vorsorge; reife Früchte nimmst du vor angekündigtem Starkregen ab.
Nach dem Urlaub oder einer Hitzewoche das Beet „nachholen” und die Tomaten regelrecht ertränken. Genau dieser Schwall lässt die fast reifen Fleischtomaten aufplatzen. Besser die Wassergabe über einige Gießgänge verteilen und die dicksten Früchte vorher ernten – sie reifen auf der Fensterbank nach.
Blütenendfäule: die braune Fruchtspitze
An der Unterseite der Frucht, dem Blütenende, entsteht eine wässrige, dann eingesunkene, braun-schwarze, ledrige Stelle. Ursache ist Kalziummangel in der Frucht: Kalzium reist mit dem Wasserstrom und bleibt bei Gießpausen, Hitze oder stark stickstoffbetonter Düngung in den Blättern hängen. Große, schnell wachsende Früchte brauchen viel davon – deshalb kann es Fleischtomaten häufiger treffen. Gleichmäßiges Gießen, Mulch, maßvolles Düngen und ein pH-Wert 6,0 bis 6,8 im Boden – darunter wird Kalzium knapp – sind die Antwort; betroffene Früchte nimmst du ab.
Grünkragen: die Schulter bleibt hart
Rund um den Stiel bleibt die Frucht grün oder gelb und hart, während der Rest ausreift. Grünkragen tritt vor allem bei großfrüchtigen Sorten auf, wenn die Früchte in praller Sonne und großer Hitze hängen. Ich lasse deshalb über jedem Fruchtstand das Blatt darüber stehen, statt die Pflanze radikal zu entblättern, halte die Wasserversorgung ruhig und dünge kaliumbetont. Manche Sorten sind von Haus aus weniger anfällig.
Tomaten-Schädlinge erkennen: das Schadbild verrät den Täter
Schädlinge sind bei Fleischtomaten dieselben wie bei allen Tomaten; die Tiefe zu jedem einzelnen und zu den Nützlingen trägt der Tomaten-Hub. Was du im Beet brauchst, ist die schnelle Zuordnung – und die geht über das Schadbild.
| Schadbild | Wahrscheinlicher Schädling | Erste Maßnahme |
|---|---|---|
| Klebrige, glänzende Blätter, schwarzer Belag, beim Berühren schwirren winzige weiße Insekten auf | Weiße Fliege (Blattunterseite) | Gelbtafeln aufhängen, im Gewächshaus SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. einsetzen, stark befallene Blätter abnehmen |
| Dichte grüne oder schwarze Kolonien an Triebspitzen und jungen Blättern, gekräuselte Blätter, HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. | Blattläuse | Abspritzen oder abstreifen, Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen fördern |
| Feine helle Sprenkel auf der Blattoberseite, fahles Laub, zarte Gespinste, bei trocken-heißem Wetter | Spinnmilben (Blattunterseite) | Luftfeuchte erhöhen, befallene Blätter entfernen, RaubmilbenRaubmilben sind winzige Milben, die andere Milben wie Spinnmilben und je nach Art auch Thripslarven fressen. Als Nützlinge werden sie im Gewächshaus und im Garten gezielt gegen Spinnmilben eingesetzt. einsetzen |
| Große, unregelmäßige Fraßlöcher, Schleimspuren, angefressene bodennahe Früchte | Schnecken | Absammeln, Fruchtstände hochbinden, Mulch am Stammfuß etwas zurückziehen |
| Sauberer Lochfraß, Kotkrümel, angebohrte Früchte | Raupen | Absammeln, Pflanze gründlich absuchen |
Bei Fleischtomaten kommt eine Besonderheit dazu: Die schweren Fruchtstände ziehen die Rispen nach unten, und Früchte mit Bodenkontakt sind für Schnecken und Fäulnis leicht zu haben. Hochbinden und Stützen sind deshalb auch Schädlingsschutz. Die Grundlagen zu den einzelnen Schädlingen und zu den Nützlingen, die sie in Schach halten, findest du im Tomaten-Hub im Abschnitt zu den häufigsten Schädlingen.
Monitoring: der Kontrollgang, der die Ernte rettet
Ein wichtiger Teil der Pflege kostet nichts und dauert kaum länger als das Gießen selbst. Bei Fleischtomaten lohnt sich der Kontrollgang doppelt, weil die Reifezeit lang ist und weil die Fruchtstörungen früh sichtbar sind – lange bevor eine Frucht verloren ist. Ich verbinde den Rundgang mit dem Gießen: die Kanne in der Hand, der Blick auf den Blattunterseiten.
Der Kontrollgang bei Fleischtomaten – Blattunterseiten auf Belag, Sprenkel und Insekten prüfen · Stängelbasis auf dunkle Flecken · Triebspitzen auf Blattläuse · Fruchtansätze auf braune Spitzen und Risse · Fruchtstände auf Bodenkontakt und Knickstellen · Erde unter dem Mulch auf Feuchte · Auffälliges mit Datum notieren · befallene Teile sofort in den Hausmüll.
Wer Auffälligkeiten mit Datum und einem Foto festhält, erkennt mit der Zeit die eigenen Problemphasen: In welcher Woche die Weiße Fliege kommt, wann die Braunfäule zuschlägt, welche Sorte platzt. Das ist die Grundlage, um in der nächsten Saison früher zu handeln – mit Gelbtafeln, bevor die Fliege da ist, und mit dem Regendach, bevor der Regen kommt.
Pflege, die Fleischtomaten gesund hält
Die Grundlagen zu Standort, Boden, Gießen, Düngen und AusgeizenAusgeizen ist das Entfernen der Geiztriebe, also der Seitentriebe, die bei Tomaten in den Blattachseln wachsen. Ohne Ausgeizen bildet die Pflanze sehr viel Blattmasse und trägt später Früchte. stehen im Tomaten-Hub; hier nur die Punkte, die für große Früchte den Unterschied machen.
Standort und Abstand. Sonnig, luftig und im Freiland überdacht. Als Stabtomate gezogen brauchen Fleischtomaten 50 bis 70 cm in der Reihe und 80 bis 100 cm zwischen den Reihen, damit das Laub nach Regen und Tau schnell abtrocknet.
Gießen und Mulchen. Morgens, an die Wurzel, gleichmäßig – das ist bei Fleischtomaten die Grundlage der Vorsorge gegen Platzen und Blütenendfäule. Ich gieße im Hochsommer lieber morgens und mäßig als selten und viel. Eine Mulchschicht aus Stroh oder Rasenschnitt hält die Bodenfeuchte stabil und fängt Spritzwasser ab, das Pilzsporen vom Boden ans Laub tragen würde.
Düngen. Kompost bei der Pflanzung, danach regelmäßige Gaben etwa alle zwei bis drei Wochen, bis die letzten Früchte ausgereift sind – kaliumbetont, nicht stickstofflastig. Zu viel Stickstoff macht das Laub weich und anfällig und lässt die Fruchtspitzen leer ausgehen.
Ausgeizen und Stützen. GeiztriebeAls Geiztriebe bezeichnet man bei Tomaten die Seitentriebe. Bei Stabtomaten, deren Haupttrieb immer weiter wächst, brichst du sie beim Ausgeizen regelmäßig aus. entfernst du, sobald sie etwa fünf Zentimeter lang sind; das hält die Pflanze luftig. Die schweren Fruchtstände brauchen einen stabilen Stab oder eine Schnur und bei Bedarf eine Stütze für die Rispe selbst. Wie du Fleischtomaten von der Pflanzung bis zur Ernte führst, beschreibt die Anleitung für den Anbau saftiger Fleischtomaten.
Fruchtfolge und Nachbarn. Für Nachtschattengewächse gilt eine Anbaupause von vier Jahren am selben Platz – die verbreitete Altregel von drei Jahren ist zu kurz. Laut Verträglichkeitsmatrix sind Lauch und Zwiebeln, Sellerie, Kohlarten, Möhren, Salat, Bohnen, Radieschen und Chicorée gute Nachbarn, Paprika, Kartoffel, Aubergine, Andenbeere und Pepino schlechte. Basilikum ist ein guter Standortpartner mit denselben warmen, nährstoffreichen Ansprüchen; eine zuverlässige Schädlingsabwehr oder eine Aromaförderung der Tomate ist nicht belegt. Tagetes unterdrücken bodenbürtige NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt. und locken Nützlinge an, Ringelblumen locken Nützlinge und Bestäuber an und eignen sich als Beeteinfassung.
Hygiene. Befallene Teile in den Hausmüll, nie auf den Kompost. Schere und Messer nach dem Schnitt an kranken Pflanzen reinigen, im Herbst Pflanzenreste, Stäbe und Gewächshaus gründlich säubern.
Pflanzenschutz mit Augenmaß
Die Reihenfolge ist immer dieselbe: erst KulturführungKulturführung bezeichnet alle Pflegearbeiten, mit denen du angebaute Pflanzen während ihres Wachstums begleitest. Dazu gehören vor allem Bewässerung, eine an den Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung, Unkrautregulierung und vorbeugender Pflanzenschutz. und Hygiene, dann Nützlinge und mechanische Maßnahmen. Chemischer Pflanzenschutz ist das letzte Mittel, wenn ein echter Ernteverlust droht – und dann nur mit Mitteln, die für den Haus- und Kleingarten und für Tomaten zugelassen sind, genau nach Gebrauchsanweisung, mit Schutzkleidung, bei trockenem, windstillem Wetter, unter Einhaltung der Wartezeit bis zur Ernte und mit fachgerechter Entsorgung der Reste. Er kann Nützlinge treffen und Rückstände hinterlassen, und er behebt keine der Fruchtstörungen. Ich beginne jede Saison mit Regendach und Mulch und halte mich an diese Reihenfolge; welche Optionen es im Einzelnen gibt, steht im Tomaten-Hub unter Pflanzenschutz mit Augenmaß.
Fazit: große Früchte, ruhige Hand
Fleischtomaten haben keine anderen Krankheiten und Schädlinge als der Rest der Tomatenfamilie, aber drei Störungen fallen bei großen Früchten besonders ins Gewicht: Platzen, braune Spitzen und ungleiche Reife unter der Sonne. Bei allen dreien senkt dieselbe ruhige Hand das Risiko – gleichmäßig gießen, mulchen, etwas Blattschatten lassen, kaliumbetont düngen. Dazu der Kontrollgang beim Gießen, der Schädlinge und Braunfäule früh zeigt, und die Hygiene im Herbst. Dann bleibt am Ende das, wofür man Fleischtomaten anbaut: die Frucht, die den ganzen Teller füllt.





