Kamillensamen aussäen: Schritt für Schritt vom Lichtkeimer zur ersten Blüte
- Kamille ist Lichtkeimer: Samen nur andrücken, nicht mit Erde bedecken – Saattiefe 0 cm.
- Voranzucht März bis April, Freilandsaat März bis Juni; Keimung bei 10–20 °C in 7–15 Tagen.
- Standort sonnig bis halbschattig, feinkrümeliger, durchlässiger Boden ohne Staunässe.
- Ausdünnen oder auspflanzen auf 15 cm in der Reihe bei 30 cm Reihenabstand (Reihenkultur ohne Stütze).
- Kamille ist als mittelzehrend eingestuft; Kompost zum Start genügt, keine Stickstoffgaben.
- Blüte ab Mai bis September, Ernte der Blütenköpfe Juni bis September.

Kamillensamen sind so fein, dass sie im Beet verschwinden, sobald du sie wie andere Saat mit Erde bedeckst – und genau dann keimen sie nicht, weil ihnen das Licht fehlt. Ich säe Kamille deshalb anders als Petersilie oder Schnittlauch: aufstreuen, andrücken, feucht halten, abwarten. Wie das Schritt für Schritt geht, welche Temperaturen und Fristen gelten und was du nach der Keimung tust, steht hier.
Was du über Kamille vor der Aussaat wissen musst
Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist ein Tee- und Küchenkraut mit langer Tradition als Heilpflanze. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat. Was Kräuter und Gesundheit grundsätzlich verbindet, liest du im Kräuter-Hub im Abschnitt Kräuter und Gesundheit.
Kamille gehört zu den Korbblütlern, bei denen Kreuzreaktionen bekannt sind. Wer auf Chrysanthemen, Arnika oder Schafgarbe allergisch reagiert, kann auch auf Kamille reagieren – dann Handschuhe beim Aussäen und Ernten oder ganz verzichten.
Für die Aussaat zählen drei Eigenschaften: Kamille ist Lichtkeimer, sie wird 15 bis 50 cm hoch und ist als nicht winterhart eingestuft. Der Standort ist sonnig bis halbschattig, der Boden feinkrümelig und durchlässig – Staunässe verträgt sie nicht. Welche Kräuter-Welt welchen Boden will, erklärt der Hub in „Die zwei Kräuter-Welten“ im Kräuter-Grundlagenartikel; hier reicht: Kamille steht lieber trocken als nass.
Wann säe ich Kamille aus?
Für die VoranzuchtVoranzucht heißt, Pflanzen aus Samen in Schalen oder Töpfen unter geschützten Bedingungen heranzuziehen, etwa am Fenster, im Gewächshaus oder im Frühbeet. Die Jungpflanzen setzt du später ins Beet. in Schalen gilt März bis April. Direkt ins Freiland säst du von März bis Juni. Beides passt zur KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht.: Kamille keimt bei 10 bis 20 °C, und sie braucht dafür 7 bis 15 Tage. Ein kaltes Frühjahr verlängert das Ganze eher, als dass es die Saat verdirbt.
Saattiefe 0 cm, Keimtemperatur 10–20 °C, Keimdauer 7–15 Tage. Diese drei Werte entscheiden über den Start – alles Weitere ist Handwerk.
Alle Fenster auf einen Blick findest du im druckbaren Aussaatkalender für Kamille.
Direktsaat ins Beet: Schritt für Schritt
Die DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. ist der einfachste Weg, wenn du eine Fläche im Beet oder einen Streifen am Rand hast.
- Fläche vorbereiten. BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. samt Wurzeln entfernen, den Boden flach lockern und mit dem Rechen feinkrümelig harken. Grobe Klumpen zerdrücken, die Oberfläche ebnen. Bei schwerem Lehm arbeitest du Sand ein oder säst auf einem leicht erhöhten Beet.
- Kompost einarbeiten. Kamille ist als mittelzehrend eingestuft; Kompost zum Start genügt. Als Faustzahl reichen 3 bis 5 l je Quadratmeter und Jahr. Stickstoffdünger lässt du weg.
- Samen strecken. Ich mische die Samen in einer Schale mit trockenem Sand, bis ich die Portion sehen kann. So verteile ich sie gleichmäßig und säe nicht zu dicht.
- Reihen markieren. Ich spanne eine Schnur und säe entlang der Schnur mit 30 cm Reihenabstand. Breitwürfig geht auch, aber in Reihen erkenne ich beim ersten Jäten sofort, was Kamille ist und was Beikraut.
- Aufstreuen und andrücken. Die Sand-Samen-Mischung dünn auf die Oberfläche streuen und mit einem Brett oder dem Rechenrücken andrücken. Nicht bedecken – Saattiefe 0 cm.
- Fein angießen. Nur mit feiner Brause oder Sprühflasche wässern, damit die offen liegenden Samen nicht zusammengeschwemmt werden.
- Feucht halten. Bis zur Keimung bleibt die Oberfläche gleichmäßig feucht. Ein lichtdurchlässiges Vlies hilft bei Wind und Sonne, es lässt Licht durch und hält die Feuchte.
Zu dicht gesät und dann doch bedeckt. Beides kostet Pflanzen – die bedeckten keimen schlecht, die dicht stehenden bleiben mickrig und faulen bei Nässe leichter. Sand zum Strecken und ein Brett zum Andrücken lösen beides.
Voranzucht in Schalen: Schritt für Schritt
Wer kleine Mengen will oder das Beet im März noch nicht frei hat, zieht in Schalen vor.
- Substrat einfüllen. Aussaaterde in eine flache Schale mit Abzugslöchern geben, andrücken, glatt streichen und von unten oder mit der Sprühflasche anfeuchten.
- Aussäen. Samen mit Sand mischen, dünn auf die feuchte Oberfläche streuen, mit einem Brettchen andrücken. Nicht mit Erde übersieben.
- Hell und temperiert stellen. Ein heller Platz ohne pralle Mittagssonne, im Bereich von 10 bis 20 °C. Eine Glasscheibe oder Folie hält die Feuchte.
- Lüften und kontrollieren. Sobald sich innen Tropfen sammeln, nehme ich die Abdeckung kurz ab und wische sie trocken. Ich prüfe die Oberfläche mit dem Finger: Sie soll feucht sein, nicht glänzen.
- Keimung abwarten. Nach 7 bis 15 Tagen zeigen sich die Keimlinge. Dann kommt die Abdeckung ganz weg.
- PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat.. Sobald das erste echte Blattpaar über den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. steht, pikiere ich die Sämlinge büschelweise in Töpfe. Ich fasse sie dabei nur an den Blättern, nie am Stängel.
- AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. und auspflanzen. Vor dem Auspflanzen stehen die Töpfe einige Tage geschützt draußen. Gepflanzt wird auf 15 cm in der Reihe bei 30 cm Reihenabstand, als Reihenkultur ohne Stütze.
Wenn du nur einen Balkon oder eine Terrasse hast, führt derselbe Ablauf in den Kübel. Was sich dort bei Substrat, Gefäß und Wasser ändert, steht in Kamille im Kübel auf Balkon und Terrasse.
Was tue ich nach der Keimung?
Ausdünnen. Im Beet stehen die Sämlinge nach der Keimung fast immer zu dicht. Sobald sie sich gut greifen lassen, dünnst du auf 15 cm in der Reihe aus. Ich schneide die überzähligen Pflänzchen mit der Schere ab, statt sie zu ziehen – so bleiben die Wurzeln der Nachbarn ungestört.
Gießen mit Maß. Nach der Keimung gilt für Kamille dasselbe wie für die meisten Kräuter: gießen, bevor die Pflanzen schlappen, an den Fuß statt über das Blatt, und keine Staunässe. Die Grundlagen dazu stehen im Kräuter-Hub im Abschnitt Gießen, Düngen und Pflegen mit Maß.
Beikraut. In den ersten Wochen hacke ich flach zwischen den Reihen. Später schließen die Pflanzen die Reihen und decken den Boden selbst.
Samen sichtbar auf der Oberfläche? Angedrückt statt bedeckt? Feine Brause statt Strahl? Oberfläche feucht, nicht nass? Reihen markiert? Dann hast du die typischen Startfehler ausgeschlossen.
Nachbarn, Anbaupause und Beetplan
Kamille steht nicht mit allem gut. Als unverträgliche Nachbarn gelten unter anderem Ringelblume, Estragon, Studentenblumen, Würz-Tagetes und Löwenzahn. Für den Platzwechsel im Beet ist eine Anbaupause von 5 Jahren hinterlegt. Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts – prüfe deine Kombination im Mischkultur-Werkzeug und plane den Platz im Beetplaner. Die Grundlagen dazu trägt der Hub im Abschnitt Mischkultur und Beetplanung.
Blüte und erste Ernte: Was kommt nach der Aussaat?
Die Blütenbildung beginnt ab Mai und setzt sich bis in den September fort; die Blütenköpfe erntest du von Juni bis September. Ein Köpfchen ist zwischen dem dritten und fünften Tag nach dem Aufblühen dran, an einem trockenen Vormittag. Getrocknet wird luftig und schattig oder schonend bei bis etwa 45 °C.
Damit endet der Aussaat-Teil. Wie du Pflege und Ernte über die Saison verteilst, steht in Kamille im Jahreskreis: Pflege und Ernte richtig planen; den Weg der Blüten in den Vorrat zeigt Kamille richtig trocknen und lagern. Wenn Keimlinge kümmern, vergilben oder wegfaulen, findest du die Einordnung in typischen Problemen beim Kamillenanbau.
Ich lasse am Beetende jedes Jahr einige BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. ausreifen und schüttele sie über der Fläche aus. Kamille ist als nicht winterhart eingestuft, aber die Samen können im Boden liegen bleiben; ob und wo im Folgejahr Sämlinge aufgehen, kontrolliere ich beim ersten Jäten im Frühjahr.
Alles zur Art auf einer Seite gibt es im Kamille-Überblick, den Anbau mit Verwendung in Kamille im Garten: Anbau und Pflege und den Weg zur Tasse in Kamillentee selbst gemacht – dort gilt: mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen, mindestens fünf Minuten ziehen lassen und den Tee nicht über mehrere Stunden stehen lassen.




