Kamille im Garten: Aussaat, Pflege und Ernte der Echten Kamille
- Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist ein Lichtkeimer: Samen nur andrücken, nicht mit Erde bedecken.
- Freilandsaat März bis Juni, Voranzucht März bis April; Keimung bei 10–20 °C in 7–15 Tagen.
- Standort sonnig bis halbschattig; Abstand 15 cm in der Reihe bei 30 cm Reihenabstand, gesät in Reihen und später vereinzelt.
- Kamille ist als mittelzehrend eingestuft – Kompost zum Start reicht, Dünger nach Plan braucht sie nicht.
- Blüte etwa Mai bis September, Ernte der Blütenköpfe Juni bis September am 3. bis 5. Tag nach dem Aufblühen.
- Schlechte Nachbarn sind verwandte Korbblütler wie Ringelblume, Estragon, Tagetes und Löwenzahn; Anbaupause 5 Jahre.

Die feinen Kamillensamen verschwinden beim ersten Regen in der Erde, wenn du sie wie Bohnen behandelst – und dann kommt nichts. Genau daran scheitert der Kamillenanbau am häufigsten, nicht an Standort oder Pflege. Ich säe Echte Kamille deshalb jedes Frühjahr oben auf die Erde, drücke sie nur an und beobachte dann zwei Wochen lang, ob die Fläche feucht bleibt. Was du sonst noch brauchst, damit von März bis in den September Blütenköpfe zum Pflücken dastehen, liest du hier.
Um welche Kamille es geht
Gemeint ist die Echte Kamille, botanisch Matricaria chamomilla, ein KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen. mit weißen Zungen- und gelben RöhrenblütenRöhrenblüten sind die röhrenförmigen Einzelblüten im Blütenstand der Korbblütler. Sie bilden ihn allein, etwa bei Disteln, oder zusammen mit den Zungenblüten am Rand, etwa bei Astern.. Sie ist nicht winterhart; ich säe sie deshalb Jahr für Jahr neu. Die Pflanzen werden etwa 30 bis 50 cm hoch und blühen ab Mai bis in den September, die Blütenbildung kann sich bis zum Frost fortsetzen.
Kamille hat eine lange Tradition als Teekraut und Heilpflanze, und genau deshalb steht sie in so vielen Gärten. Für dich als Gärtnerin oder Gärtner ist sie zuerst ein Lebensmittel: Die Grundsätze zu Kräutern und Gesundheit im Überblick zum Kräuteranbau gelten auch hier. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.
Was die Echte von der Römischen Kamille trennt – botanisch, im Anbau und in der Küche – liest du im Vergleich der Kamillenarten. Hier bleibt es bei der Echten.
Kamille gehört zu den Korbblütlern, bei denen Kreuzreaktionen bekannt sind. Wer etwa auf Chrysanthemen, Arnika oder Schafgarbe allergisch reagiert, kann auch auf Kamille reagieren.
Standort und Boden
Für Kamille ist ein sonniger bis halbschattiger Platz hinterlegt; im vollen Licht steht sie bei mir kompakter und blüht dichter als im Schatten. Der Boden soll locker und durchlässig sein, weil die Keimlinge in dauerhaft nasser Erde schnell verloren gehen. Wo Kamille in die beiden Kräuter-Welten einzuordnen ist und welche Bodenansprüche daraus folgen, erklärt der Abschnitt zu den zwei Kräuter-Welten im Kräuter-Überblick.
Vor der Saat lockere ich das Beet fein, entferne jedes Wurzelunkraut und ziehe die Oberfläche glatt. Ein feinkrümeliges SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. ist für Kamille wichtiger als für fast jedes andere Kraut, weil die Samen oben liegen bleiben.
Aussaat: der Lichtkeimer braucht die Oberfläche
Kamille wird als Lichtkeimer beschrieben: Die Samen der Echten Kamille nur andrücken und nicht mit Erde bedecken. Die Saattiefe liegt bei 0 cm. Direkt ins Freiland säst du von März bis Juni; eine VoranzuchtVoranzucht heißt, Pflanzen aus Samen in Schalen oder Töpfen unter geschützten Bedingungen heranzuziehen, etwa am Fenster, im Gewächshaus oder im Frühbeet. Die Jungpflanzen setzt du später ins Beet. ist von März bis April möglich, wenn du früher Jungpflanzen haben willst.
Kamille keimt bei 10–20 °C in etwa 7–15 Tagen. Saattiefe 0 cm. Abstand 15 cm in der Reihe bei 30 cm Reihenabstand – gesät in Reihen und nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. vereinzelt.
So gehe ich vor: Ich ziehe flache Rillen im Reihenabstand von 30 cm, feuchte die Erde an, streue die Samen dünn aus und drücke sie mit einem Brett an. Gegossen wird mit feiner Brause, damit nichts wegschwimmt. Sobald die Keimlinge greifbar sind, vereinzele ich auf 15 cm in der Reihe. Bei der Voranzucht setze ich die Jungpflanzen im selben Raster aus.
Ich mische die winzigen Samen vor dem Säen mit trockenem Sand. So sehe ich auf der dunklen Erde, wo schon gesät ist, und die Körner verteilen sich nicht in Klumpen.
Kamillensamen wie Petersilie einharken oder mit Erde abdecken. Unter Erde keimen die Lichtkeimer schlecht oder gar nicht. Andrücken genügt.
Die Details zu Saatbett, VereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. und den ersten Wochen stehen Schritt für Schritt in der Anleitung zur Aussaat von Kamillensamen. Die allgemeinen Regeln für Vorkultur, Direktsaat und feine Samen trägt der Kräuter-Überblick im Abschnitt zur Aussaat. Zum Ausdrucken gibt es den Aussaatkalender für Kamille.
Pflege: gießen, versorgen, jäten
Gegossen wird nach Welten: morgens, an den Fuß der Pflanze statt über das Blatt, und erst, wenn die Erde spürbar abgetrocknet ist. Bis zum Auflaufen halte ich die Saatfläche dagegen gleichmäßig feucht, weil die aufliegenden Samen sonst vertrocknen. Die Gieß-Grundlagen für Kräuter stehen im Kräuter-Überblick im Abschnitt zu Gießen, Düngen und Pflegen mit Maß.
Kamille ist als mittelzehrend eingestuft – mehr als die große Mehrheit der Kräuter, aber kein StarkzehrerStarkzehrer sind Gemüsearten mit hohem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff, etwa Kohl, Kürbis, Tomaten und Zucchini. In der Fruchtfolge kommen sie zuerst auf ein frisch versorgtes Beet, zum Beispiel nach einer Kompostgabe.. Als Faustzahl reichen 3 bis 5 l Kompost je Quadratmeter und Jahr, eingearbeitet zum Start. Laufende Düngergaben braucht sie nicht.
Jäten ist bei Kamille die wichtigste Pflegearbeit der ersten Wochen. Die Keimlinge sind zart und werden von Unkraut leicht überwachsen. Ich zupfe flach von Hand und hacke nicht, damit die Wurzeln der Kamille nicht mitgehen. Später schließen die Pflanzen die Reihen selbst.
Die Ernte ist zugleich die Pflege: Wer laufend Blütenköpfe pflückt, hält die Pflanze im Blühen. Wie du Saat, Pflege und Ernte über die Saison verteilst, zeigt der Jahresplan für Kamille.
Krankheiten und Schädlinge
Kamille bleibt in meinem Garten meist unauffällig. Blattläuse können sich an Triebspitzen zeigen; ich spüle sie mit einem kräftigen Wasserstrahl ab und kontrolliere beim nächsten Gießen, ob sie zurückkommen. Blühende Nachbarschaft kann Marienkäfer und Florfliegen anlocken, die den Befall bremsen können. Dauerhaft nasse Blätter und dichter Stand können Pilzbefall begünstigen – Abstand halten und an den Fuß gießen senkt das Risiko. Was bei Problemen im Kamillenbeet sonst zu tun ist, liest du im Beitrag zu Herausforderungen im Kamillenanbau.
Nachbarn und Fruchtfolge
Für Kamille sind in der Mischkultur-Matrix keine Partner ausgewiesen, aber eine klare Liste unverträglicher Nachbarn: Estragon, Ringelblume, Endivie, Zichorie, Radicchio, Chicoree, Artischocken, Topinambur, Feldsonnenblumen, Schwarzwurzeln, Inkawurzel/Yacon, Parakresse, Süßkraut/Stevia, Studentenblumen, Würztagetes, Löwenzahn und Haferwurzel – viele davon verwandte Korbblütler. Nach Kamille gilt eine Anbaupause von 5 Jahren auf derselben Fläche. Was Kamille anderen Kulturen als BegleitpflanzeEine Begleitpflanze ergänzt im Beet eine auffälligere Leitpflanze; sie ist niedriger und wächst in kleineren Gruppen daneben. Im Gemüsebeet nennt man so auch einen Mischkulturpartner, der neben der Hauptkultur wächst. bringen kann, behandelt der Beitrag zu Kamille als Begleitpflanze; die Grundlagen zu Mischkultur und Anbaupausen stehen im Kräuter-Überblick im Abschnitt Mischkultur und Beetplanung.
Nachbarn prüfst du im Mischkultur-Werkzeug, die Flächen- und Fruchtfolgeplanung übernimmt der Beetplaner.
Kamille im Topf
Kamille wächst auch im Gefäß, wenn das Substrat durchlässig ist und Wasser abziehen kann. Ich fülle Töpfe mit einem Abzugsloch, säe genauso oben auf und stelle sie hell. Was Kübelkultur auf Balkon und Terrasse sonst verlangt, steht im Beitrag zu Kamille im Kübel; den Topf-Absatz zu Kräuterbeet, Spirale, Hochbeet und Topf trägt der Kräuter-Überblick.
Ernten, trocknen, verwenden
Geerntet werden die Blütenköpfe von Juni bis September, am besten am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist, und zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen. Ich streife die Köpfe mit gespreizten Fingern ab und lasse die Stängel stehen. Zeitpunkt, Technik und schonende Verarbeitung im Detail liest du im Beitrag zur Ernte und schonenden Verarbeitung der Kamille.
Getrocknet wird an einer luftigen, schattigen Stelle, im Ofen schonend bei bis etwa 45 °C. Die trockenen Blüten lagerst du luftdicht, lichtgeschützt und trocken und verbrauchst sie am besten innerhalb von 12 Monaten; verschlossene Gefäße kontrolliere ich zwischendurch auf Schimmel. Die Grundlagen zu Trocknen und Lagern stehen im Kräuter-Überblick im Abschnitt Ernten und Konservieren.
Für Tee gilt: mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen, mindestens fünf Minuten ziehen lassen und den fertigen Tee nicht über mehrere Stunden stehen lassen. Alles von der Blüte bis zur Tasse steht im Beitrag zum selbst gemachten Kamillentee. Weitere Kamille-Themen sammelt die Übersichtsseite zur Kamille.
Beet feinkrümelig vorbereiten, Reihen im Abstand von 30 cm ziehen, Samen mit Sand mischen, aufstreuen, andrücken, mit Brause wässern – und bis zum Auflaufen jeden Morgen prüfen, ob die Oberfläche noch feucht ist.




