Aussaatkalender für Kräutersamen: Welches Kraut du in welchem Monat säst
- Der Monat ist der Rahmen, die Keimtemperatur entscheidet: Kerbel keimt bei 8–20 °C, Basilikum braucht 15–22 °C.
- Bärlauch säst du im Winterhalbjahr (Januar–Februar, Oktober–Dezember) 1–2 cm tief und wartest 30–60 Tage auf die Keimung.
- März bis Mai ist Vorkulturzeit für Thymian, Majoran, Zitronenmelisse, Salbei und Bohnenkraut.
- Basilikum, Majoran, Thymian und Salbei gehen erst im Mai–Juni ins Freiland.
- Dill säst du bis August alle 3 Wochen nach, Kerbel alle 2 bis 3 Wochen – so reißt die Ernte nicht ab.

Basilikum im März ins kalte Beet gestreut, Bärlauch im Mai gesät und dann wochenlang auf nackte Erde geschaut: Viele Enttäuschungen im Kräuterbeet sind Terminfehler, keine Pflegefehler. Ich führe für meine Saatkiste deshalb einen Kalender, der nicht mit dem Monat beginnt, sondern mit der Frage, wie warm es für dieses eine Kraut sein muss. Genau so ist dieser Artikel aufgebaut: erst die Regel, dann die Monate, am Ende alles in einer Tabelle zum Nachschlagen.
Der Monat ist der Rahmen, die Keimtemperatur entscheidet
Jedes Kraut hat eine Temperaturspanne, in der es keimt, und ein Zeitfenster, das ihm die Saison lässt. Kerbel keimt bei 8–20 °C und kann früh ins Freiland, Basilikum braucht 15–22 °C und startet im Beet erst im Mai–Juni. Zwischen diesen beiden liegen fast alle anderen Küchenkräuter.
Ob du direkt säst oder drinnen vorziehst, hängt an derselben Spanne: Was warm keimt, bekommt in Töpfen einen Vorsprung, was kühl keimt, darf gleich ins Beet. Wie du beide Wege sauber durchziehst – vom Substrat bis zum AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. der Jungpflanzen –, erklärt dir ausführlich der Ratgeber zur Anzucht von Kräutern von der Aussaat bis zur Ernte. Dort steht auch, wann eine Kältebehandlung (Stratifikation) nötig ist und wie sie abläuft. Salbei keimt bei 18–22 °C, Thymian bei 15–25 °C; beide ziehst du warm an.
Ein zweiter Punkt, der den Kalender prägt: Viele Kräutersamen sind fein und werden als Lichtkeimer beschrieben. Kamille drückst du nur an und bedeckst sie nicht, Thymian und Basilikum säst du oberflächennah und bedeckst sie höchstens dünn. Bärlauch dagegen kommt 1–2 cm tief in die Erde. Diese Handgriffe stehen bei jedem Monat mit dabei.
Januar bis Februar: Bärlauch und die ersten Wärmekeimer drinnen
Im Winterhalbjahr passiert im Kräuterbeet nur eines, aber das ist wichtig: Bärlauch. Sein AussaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. liegt bei Januar–Februar und Oktober–Dezember, als Vorkultur auch bis in den März. Du säst 1–2 cm tief und bedeckst die Samen mit lockerer Erde. Ich säe ihn im Garten unter Sträucher und stecke einen Stab daneben, weil ich sonst im Frühjahr die Stelle umgrabe, bevor sich etwas zeigt.
Bärlauch braucht zum Keimen etwa 30–60 Tage. Wer nach zwei Wochen nachschaut und nichts sieht, hat nichts falsch gemacht – das Kraut hält sich an seinen eigenen Takt. Geerntet wird als etablierte Pflanze im April–Mai, die Blüte fällt in den Mai.
Auf der Fensterbank beginnt Ende Februar die Vorkultur von Zitronengras: Es keimt bei 20–25 °C in 14–21 Tagen, das Fenster fürs Vorziehen reicht von Ende Februar bis April. Auch Oregano lässt sich ab Februar bis Mai vorziehen; seine Samen kommen 0–0,5 cm tief und werden nur dünn bedeckt, weil eine dickere Abdeckung die Keimung beeinträchtigt.
März bis April: Hauptzeit für Vorkultur und erste Direktsaaten
Jetzt füllen sich die Anzuchtschalen. In der Vorkultur laufen ab März Thymian, Majoran und Zitronenmelisse (jeweils März–Mai), Salbei und Bohnenkraut (März–April), Koriander (März–April), Kamille (März–April), Estragon und Liebstöckel (jeweils März–Juni). Die Keimtemperaturen unterscheiden sich deutlich: Kamille keimt schon bei 10–20 °C, Majoran und Bohnenkraut bei 15–20 °C, Salbei bei 18–22 °C, Zitronenmelisse bei 18–25 °C, Liebstöckel bei 18–22 °C. Wie du diese Töpfe drinnen hell und warm hältst, zeigt dir der Ratgeber zum Vorziehen von Kräutern auf der Fensterbank.
Draußen darf im März das ins Beet, was kühl keimt. Schnittlauch hat sein Freilandfenster März–Juli und keimt bei 10–20 °C in 7–25 Tagen, 0,5–2 cm tief. Kamille kommt März–Juni direkt ins Beet, nur angedrückt. Zitronenmelisse kann von März bis August direkt gesät werden, 0–0,5 cm tief. Borretsch keimt bei 8–20 °C Bodentemperatur in 14–21 Tagen und wird 2 cm tief gesät, Freilandaussaat März–Juli. Löffelkraut säst du im März/April 0,5 bis 1 cm tief. Kümmel, zweijährig und frostunempfindlich, startet März–Juni. Anis wird im Erwerbsanbau gesät, sobald der Boden 6 bis 8 °C erreicht hat, nur 1 bis 1,5 cm tief.
Im April kommen Koriander (Freilandfenster April–Juni, 1–2 cm tief, Keimung bei 10–22 °C in 12–21 Tagen), Bohnenkraut (April–August) und Schnittknoblauch (April–August, 0,5 bis 1 cm tief, Keimung bei 15–20 °C in 14–28 Tagen) dazu. Petersilie hat ihr Freilandfenster April–Juli, wird 0,5–1 cm tief gesät und mit Erde bedeckt; sie keimt bei 14–20 °C in 14–30 Tagen.
Petersilie so früh wie möglich ins kalte Beet. Ihre Blütenbildung wird durch Temperaturen zwischen 0 und 10 °C ausgelöst, blühende Pflanzen sind nicht mehr nutzbar, und das Risiko ist beim sehr frühen Anbau am größten. Warte, bis der Boden ihre Keimspanne von 14–20 °C hält – das Freilandfenster April–Juli lässt dir dafür Zeit.
Dill startet März–September und lässt sich in diesem Fenster laufend säen. Ich säe ihn in kurzen Reihen und lege die nächste erst an, wenn die vorige aufgelaufen ist, damit im Beet kein Loch entsteht.
Mai bis Juni: die Wärmekeimer gehen ins Freiland
Jetzt ist die Zeit für alles, was Frost nicht verträgt. Basilikum säst du im Mai–Juni direkt ins Beet, 0–0,5 cm tief, oberflächennah und höchstens leicht bedeckt; es keimt bei 15–22 °C in 7–25 Tagen. Thai-Basilikum kommt nicht vor Mitte Mai nach draußen, und Zimtbasilikum verträgt als ausgewachsene Pflanze keine Temperaturen unter 10 °C – ein Hinweis darauf, wie empfindlich diese Gruppe bleibt. Basilikum ist zudem starkzehrend und dankt eine nährstoffreichere Erde als die meisten anderen Kräuter.
Mit Basilikum teilen sich Majoran, Thymian und Salbei das Freilandfenster Mai–Juni. Majoran wird oberflächennah gesät, angedrückt und höchstens dünn bedeckt, Keimung bei 15–20 °C in 7–35 Tagen. Thymian bleibt mit 0–0,5 cm ebenfalls oben und keimt bei 15–25 °C in 10–21 Tagen. Salbei bedeckst du dagegen mit etwa 0,5 cm Erde, Keimung bei 18–22 °C in 7–21 Tagen. Vorgezogene Pflanzen dieser Arten setzt du im selben Zeitraum aus: Pflanzzeit für Basilikum, Majoran und Bohnenkraut ist Mai–Juni, für Salbei April–Juni, für Thymian März–Mai.
Kerbel öffnet sein Freilandfenster Mai–Juli, gesät wird oberflächlich und angedrückt, 0–0,5 cm tief, Keimung bei 8–20 °C in 7–20 Tagen. Estragon kommt Mai–Juli direkt ins Beet und keimt bei 16–22 °C in 7–21 Tagen. Pimpinelle säst du Mai–August 0,5 bis 1 cm tief, sie keimt bei 15–20 °C in 14–21 Tagen. Oregano hat im Juni sein Direktsaatfenster, Keimung bei 16–20 °C in 7–14 Tagen. Mutterkraut säst du ab Mitte Mai direkt, nur dünn bedeckt.
Was ich dir nennen kann, sind Temperaturspannen: Petersilie keimt bei 14–20 °C, Schnittlauch bei 10–20 °C. Wer nach dem Mond säen mag, kann das tun – die Bodentemperatur misst du trotzdem.
Juli bis September: Nachsaaten und die Herbstsaaten
Ab Juli werden die Fenster enger, aber sie schließen sich nicht. Dill säst du bis August alle 3 Wochen nach, dann erntest du bis in den Herbst; im Herbst stehen gelassene Dolden sorgen für SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat.. Kerbel säst du für die laufende Ernte alle 2 bis 3 Wochen nach, sein Freilandfenster endet im Juli. Petersilie kannst du bis Juli direkt säen und bis August pflanzen. Zitronenmelisse, Bohnenkraut, Schnittknoblauch und Pimpinelle lassen sich bis August direkt säen, Schnittlauch kannst du bis September noch pflanzen.
Zwei Kräuter sind im Spätsommer sogar erst richtig dran. Löffelkraut säst du im August/September 0,5 bis 1 cm tief; diese Herbstsaat liefert die Ernte im folgenden Winter und Frühjahr, denn Löffelkraut ist immergrün und frosthart. Winterkresse startet von Juni bis September und wird von Oktober bis Mai außerhalb der Blütezeit beerntet, bei früher Aussaat sogar schon ab dem Spätsommer.
Estragon lässt sich im September pflanzen, und im Beetplan endet der Sommer mit einer letzten Dill-Reihe, bevor ab Oktober wieder Bärlauch an der Reihe ist.
Oktober bis Dezember: Bärlauch säen und die nächste Saison sortieren
Das Aussaatfenster für Bärlauch öffnet sich im Oktober erneut und reicht bis Februar: 1–2 cm tief, mit lockerer Erde bedeckt, 30–60 Tage Geduld. Kresse startet auch von September bis November noch, dann meist drinnen. Für alles andere ist das Beet zu.
Diese Monate gehören der Planung. Ich sortiere im Dezember meine Saattütchen nach dem Monat, in dem sie an der Reihe sind, und lege sie in eine Kiste mit zwölf Fächern – so greife ich im März nicht versehentlich nach dem Basilikum. Bei der Planung selbst zählen die Nachbarschaften: Die mediterranen Aromatiker Thymian, Salbei, Rosmarin und Lavendel stehen untereinander als schwierige Nachbarn, unter den DoldenblütlernDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling. gilt dasselbe für Dill, Kerbel, Koriander und Petersilie. Wer das jetzt aufs Papier bringt, spart sich im Frühjahr das Umsetzen.
Der Kalender auf einen Blick
Die Tabelle fasst die Monatsfenster zusammen. Ein Strich kennzeichnet eine fehlende Angabe. Die Spannen bleiben Spannen – wo dein Boden innerhalb des Fensters liegt, entscheidet das Thermometer.
| Kraut | Vorkultur | FreilandsaatFreilandsaat ist die Aussaat direkt an Ort und Stelle im Gartenbeet unter freiem Himmel. Die Samen keimen dort, wo die Pflanzen anschließend weiterwachsen sollen. | Keimtemperatur | Keimdauer | Saattiefe |
|---|---|---|---|---|---|
| Bärlauch | Jan–März, Okt–Dez | Jan–Feb, Okt–Dez | — | 30–60 Tage | 1–2 cm, bedeckt |
| Zitronengras | Ende Feb–April | — | 20–25 °C | 14–21 Tage | — |
| Oregano | Feb–Mai | Juni | 16–20 °C | 7–14 Tage | 0–0,5 cm, dünn bedeckt |
| Kamille | März–April | März–Juni | 10–20 °C | 7–15 Tage | 0 cm, nur andrücken |
| Schnittlauch | — | März–Juli | 10–20 °C | 7–25 Tage | 0,5–2 cm |
| Zitronenmelisse | März–Mai | März–August | 18–25 °C | 7–30 Tage | 0–0,5 cm |
| Borretsch | — | März–Juli | 8–20 °C | 14–21 Tage | 2 cm |
| Dill | — | März–September, NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. alle 3 Wochen bis August | — | — | — |
| Liebstöckel | März–Juni | — | 18–22 °C | 14–21 Tage | 0–0,5 cm |
| Bohnenkraut | März–April | April–August | 15–20 °C | 7–24 Tage | 0–0,5 cm |
| Koriander | März–April | April–Juni | 10–22 °C | 12–21 Tage | 1–2 cm |
| Schnittknoblauch | — | April–August | 15–20 °C | 14–28 Tage | 0,5–1 cm |
| Petersilie | — | April–Juli | 14–20 °C | 14–30 Tage | 0,5–1 cm, bedeckt |
| Basilikum | — | Mai–Juni | 15–22 °C | 7–25 Tage | 0–0,5 cm, höchstens leicht bedeckt |
| Majoran | März–Mai | Mai–Juni | 15–20 °C | 7–35 Tage | 0–0,5 cm |
| Thymian | März–Mai | Mai–Juni | 15–25 °C | 10–21 Tage | 0–0,5 cm |
| Salbei | März–April | Mai–Juni | 18–22 °C | 7–21 Tage | etwa 0,5 cm, bedeckt |
| Estragon | März–Juni | Mai–Juli | 16–22 °C | 7–21 Tage | — |
| Kerbel | — | Mai–Juli, Nachsaat alle 2–3 Wochen | 8–20 °C | 7–20 Tage | 0–0,5 cm |
| Pimpinelle | — | Mai–August | 15–20 °C | 14–21 Tage | 0,5–1 cm |
| Löffelkraut | — | März/April, Aug/Sept | — | — | 0,5–1 cm |
Wer diese Übersicht lieber neben der Saatkiste hängen hat, druckt sich den Aussaatkalender für Kräuter zum Ausdrucken aus und trägt seine eigenen Auflaufdaten daneben ein.
Nach der Aussaat: Pflege, Schutz und Ernte im Überblick
Sobald die ersten KeimblätterKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. stehen, wechselt die Aufgabe vom Kalender zur Pflege: gleichmäßig feucht halten ohne Staunässe, hell stellen, Jungpflanzen vor dem Auspflanzen an die Außenbedingungen gewöhnen. Auch saugende Insekten wie SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. oder Thripse und Pilzprobleme in feuchten Anzuchtschalen gehören zu dieser Phase. Beides behandelt der Anzucht-Artikel ausführlich, hier bleibt es beim Hinweis.
Die Ernte beginnt je nach Kraut schon wenige Wochen nach dem Auflaufen. Geerntet wird am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist, und das intensivste Aroma haben die meisten Kräuter kurz vor der Blüte. Wie du Schnitt, Trocknen und Einfrieren richtig angehst, liest du im Abschnitt zum Ernten und Konservieren von Kräutern im Grundlagenartikel. Damit schließt sich der Kreis: Was du im richtigen Monat gesät hast, kommt zur richtigen Zeit auf den Tisch.




