Zitronenmelisse-Tee aufbrühen: frisch, getrocknet und als Eistee
- Blätter am Vormittag ernten, wenn der Tau abgetrocknet ist; das intensivste Aroma haben sie kurz vor der Blüte.
- Frische oder getrocknete Blätter mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen und mindestens fünf Minuten ziehen lassen.
- Aufgegossenen Tee nicht über mehrere Stunden stehen lassen; für Eistee heiß brühen, abkühlen und kalt stellen.
- Trocknen schonend bei 40 bis 60 °C oder luftig im Schatten; fertig, wenn die Blätter rascheln; innerhalb von 12 Monaten verbrauchen.
- Stevia-Blätter nicht mitbrühen – unverarbeitete Blätter sind in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen.

Zitronenmelisse-Tee gelingt am einfachsten mit Blättern, die du gerade erst geschnitten hast – und er misslingt am häufigsten, wenn der Aufguss nur lauwarm ist oder stundenlang in der Kanne steht. Ich schneide für den Nachmittagstee die Triebspitzen am Vormittag, sobald der Tau abgetrocknet ist, und lege sie gleich in die Kanne. Wie du frische und getrocknete Blätter aufbrühst, was als Eistee funktioniert und welche Zutaten zur Melisse passen, steht hier. Die Anbaugrundlagen bleiben bewusst kurz.
Welche Blätter in die Tasse kommen
Für den Tee brauchst du junge, unbeschädigte Blätter und Triebspitzen. Geerntet wird am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist und die ätherischen Öle noch im Blatt stecken. Das Erntefenster reicht je nach Kultur etwa von Mai bis Oktober; das intensivste Aroma haben die Blätter kurz vor der Blüte, und Zitronenmelisse blüht etwa Juni bis August. Sobald Knospen sichtbar werden, verlagert die Pflanze ihre Kraft in Blüte und Samen.
Für eine Kanne reichen abgeknipste Triebspitzen. Ganze Triebe schneidest du wie bei anderen krautigen Kräutern bis auf wenige Zentimeter über der Erde zurück, sie treiben dann neu durch. Wie du die Ernte über den Sommer verteilst und die Blätter frisch hältst, steht in den praxisnahen Tipps, wie du Zitronenmelisse erntest und lagerst.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist ein sonniger bis halbschattiger Platz mit feuchtem Boden; vor übermäßiger Winternässe schützen.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Der Boden sollte feucht und gut durchlässig sein; die Pflanze vor übermäßiger Winternässe schützen.
- Anbauort
Die Kultur ist im Freiland oder Beet, im Gewächshaus und im Topf möglich.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Die Pflanze lässt sich durch Aussaat oder durch Teilung im Frühjahr beziehungsweise Herbst vermehren.
- Saattiefe
Die Samen der angebotenen Sorten brauchen Licht zum Keimen, deshalb nicht mit Erde bedecken.
Pflege
- Pflege
Die Pflanze ist pflegeleicht.
- Düngung
Im Frühjahr und nach der Ernte sparsam düngen, um neue Blätter zu fördern. Überdüngung kann das Aroma verschlechtern.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Pflanze wächst buschig.
- Verwendung
Die Pflanze wird als Würzkraut, für Tee und als Heilpflanze verwendet.
Frische Blätter aufbrühen
Spüle die Blätter kurz kalt ab und schüttle sie trocken. Ich zerreibe sie kurz zwischen den Fingern und rieche daran, bevor sie in die Kanne kommen. Dann gießt du sprudelnd kochendes Wasser darüber – nicht bloß heißes Wasser aus dem Hahn oder aus der abgekühlten Kanne. Der Tee zieht mindestens fünf Minuten; länger darf er, wenn du es kräftiger magst. Danach seihst du die Blätter ab und trinkst den Tee zeitnah.
Wie viele Blätter du nimmst, richtet sich nach deinem Geschmack – eine belegte Dosierung gibt es für Melisse nicht. Taste dich mit einer kleinen Kanne heran und notiere, was dir gefallen hat.
Auf frischem Kraut können in seltenen Fällen Keime sitzen. Sprudelnd kochendes Wasser und mindestens fünf Minuten Ziehzeit töten sie sicher ab – wichtig vor allem, wenn Säuglinge, kleine Kinder oder Kranke mittrinken. Hitzeresistente Sporen können das Aufbrühen allerdings überstehen; deshalb bleibt fertiger Kräutertee nicht über mehrere Stunden in der Kanne stehen.
Getrocknete Melisse: der Vorrat für den Winter
Zitronenmelisse lässt sich eingelegt, getrocknet oder eingefroren aufbewahren; für die Teetasse ist Trocknen der übliche Weg. Binde kleine Bündel, hänge sie kopfüber an einem luftigen Platz ohne direkte Sonne auf und lasse sie in Ruhe. Im Backofen gelten etwa 40 bis 50 °C bei einen Spalt breit geöffneter Tür; schonend für Gewürzkräuter sind allgemein 40 bis 60 °C. Fertig ist die Ware, wenn die Blätter beim Anfassen rascheln.
Lagere die getrockneten Blätter luftdicht, lichtgeschützt und trocken und verbrauche sie innerhalb von 12 Monaten, weil sie danach Geschmack und Aroma verlieren. Getrocknete Blätter gießt du genauso auf wie frische: sprudelnd kochendes Wasser, mindestens fünf Minuten ziehen, abseihen. Eingefrorene Blätter halten sich bis zu einem Jahr. Die ausführliche Anleitung zu Ernte, Lagerung und Konservierung trägt der oben verlinkte Ernte-Artikel.
Ich trockne die Melisse in kleinen Bündeln an einem schattigen Platz und prüfe beim Umfüllen, ob die Blätter rascheln. Die verschlossenen Gläser kontrolliere ich beim Öffnen auf Schimmel und beschrifte sie mit dem Erntemonat.
Kalt genießen: Eistee und Melissen-Eiswürfel
Für Eistee brühst du den Tee wie gewohnt heiß auf, lässt ihn abkühlen und stellst ihn dann in den Kühlschrank, statt ihn warm in der Kanne stehen zu lassen. Ich brühe für Eistee etwas kräftiger auf und stelle die Kanne nach dem Abkühlen kalt. Serviert wird mit einer Zitronenscheibe und einem frischen Blatt im Glas.
Aus abgekühltem Tee kannst du auch Eiswürfel gießen und sie in Wasser oder Saft geben. Ein kalter Ansatz aus rohen Blättern, der stundenlang im Wasser zieht, ersetzt das Aufbrühen dagegen nicht: Er bekommt den Keimschutz des kochenden Wassers nicht und steht genau so lange, wie ein Kräuteraufguss nicht stehen sollte. Weitere Ideen für Getränke und Gerichte mit Melisse findest du in den Vorschlägen, wie du Zitronenmelisse aus dem eigenen Garten im Alltag genießt.
Was zur Melisse in die Kanne passt
Melisse verträgt Gesellschaft. Pfefferminze passt gut, weil auch sie frisch oder getrocknet als Teekraut taugt; für den Vorrat wird Minze bei Knospenansatz bis spätestens Blühbeginn geschnitten. Bei Kamille kommen die Blütenköpfe in die Kanne, die im Sommer zwischen dem 3. und 5. Tag nach dem Aufblühen geerntet werden.
Aus der Obstschale passen dünne Apfelscheiben, Himbeeren oder Erdbeeren und ungespritzte Schale von Zitrone oder Orange; ein Stück frischer Ingwer gibt Schärfe. Wer es süßer mag, rührt nach dem Ziehen Honig ein. Alle Zutaten kommen mit in den Aufguss oder ins abgekühlte Glas – an der Zubereitung mit kochendem Wasser und mindestens fünf Minuten Ziehzeit ändert sich nichts.
Stevia-Blätter aus dem eigenen Beet zum Süßen mitbrühen. In der EU sind nur Steviolglycoside als Süßungsmittel unter der Bezeichnung E 960 zugelassen, nicht die unverarbeiteten Stevia-Blätter als Lebensmittel. Süße den Tee also mit Honig oder trinke ihn pur.
Genießen, ohne etwas zu versprechen
Zitronenmelisse ist als Teekraut lange bekannt und wird gern abends getrunken, weil sie mild schmeckt. Als Küchenkraut bleibt sie ein Lebensmittel, keine Medizin. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat. Was über die Tradition der Pflanze bekannt ist, liest du im Artikel über Zitronenmelisse als traditionelle Heilpflanze.
Melisse für den Tee im eigenen Garten – die Kurzfassung
Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist ein mehrjähriger LippenblütlerLippenblütler sind eine Pflanzenfamilie, deren verwachsene Blütenblätter eine Ober- und eine Unterlippe bilden. Typisch sind ein vierkantiger Stängel und paarweise gegenüberstehende Blätter, die beim Zerreiben oft auffallend riechen; dazu gehören Küchenkräuter wie Salbei, Thymian und Majoran., wird etwa 20 bis 90 cm hoch und überwintert als etablierte Pflanze im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle.. Sie steht sonnig bis halbschattig, ist als SchwachzehrerSchwachzehrer sind Gemüse und Kräuter mit geringem Stickstoffbedarf, etwa Feldsalat, Radieschen, Rucola, Bohnen und Erbsen. Sie sind die genügsamste der drei Gruppen, nach denen man Kulturen für die Fruchtfolge einteilt. eingestuft und kommt mit wenig Dünger aus. Gesät wird etwa März bis August, als LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte. 0 bis 0,5 cm tief und höchstens dünn bedeckt. Alles zu den beiden Standort-Welten, den Lebensläufen der Kräuter sowie zu Aussaat und maßvoller Pflege findest du in den Grundlagen zum Kräuteranbau von der Aussaat bis zum Überwintern.





