Obst · Obst & Obstgehölze · Anbau

Fruchtwechsel im Obstgarten: Kernobst nach Steinobst pflanzen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 11 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Wächst Apfel wiederholt am selben Platz, können biologische Ungleichgewichte im Boden zu komplexen Nachbauproblemen führen.
  • Ersetzt du einen Obstbaum, ist ein anderer Pflanzplatz die vorrangige Möglichkeit, Problemen am alten Standort auszuweichen.
  • Bleibt nur der alte Platz, entfernst du alte Wurzeln möglichst vollständig und tauschst den Boden im Pflanzloch aus.
  • Kernobst nach Steinobst zu pflanzen wechselt die Obstgruppe, eine Garantie gegen Nachbauprobleme ist das nicht.
  • Himbeeren kommen erst nach einer Anbaupause von etwa 7 Jahren wieder an denselben Standort.

Der alte Apfelbaum ist gerodet, das Loch steht noch offen, und der neue Apfelbaum wartet schon im Container. Den Neuen einfach an dieselbe Stelle zu setzen liegt nahe und ist riskant. Wächst Apfel wiederholt am selben Platz, können biologische Ungleichgewichte im Boden zu komplexen Nachbauproblemen führen. Ich schlage deshalb vor jeder Neupflanzung in meiner Gartenskizze nach, welche Obstart an dem Platz gestanden hat.

Fruchtwechsel im Obstgarten heißt nicht, Bäume reihum zu versetzen. Du planst vielmehr vor der Rodung, was nach einem Baum oder Strauch kommt und wohin der Nachfolger gesetzt wird. Dazu gehört die Frage, ob du Kernobst nach Steinobst pflanzen kannst.

Kurz erklärt

Fruchtwechsel oder Fruchtfolge bedeutet, dass auf einer Fläche nacheinander verschiedene Kulturen stehen. Obstbäume und Beerensträucher sind Dauerkulturen und bleiben lange am Platz. Gewechselt wird bei ihnen deshalb erst, wenn eine Pflanzung erneuert wird.

Warum ist Fruchtwechsel im Obstgarten wichtig?

Für den bewussten Platzwechsel sprechen drei Dinge: der Boden, die Krankheiten und der Nährstoffbedarf. Eine reichere Ernte verspricht dir keines davon. Der Wechsel senkt aber das Risiko, dass ein junger Baum in einen Boden mit Nachbauproblemen kommt.

Bodenmüdigkeit: Was passiert am alten Platz?

Von Bodenmüdigkeit sprechen Gärtner, wenn eine Obstart dort schlecht wächst, wo vorher dieselbe Art stand. In der Obstbauberatung heißt das Nachbauproblem. Für Äpfel ist beschrieben, dass beim wiederholten Anbau biologische Ungleichgewichte im Boden dahinterstehen können. Solche Probleme gelten als komplex, eine einzelne Maßnahme stellt sie deshalb nicht sicher ab.

Die vorrangige Möglichkeit ist ein anderer Pflanzplatz: Der Nachfolger kommt nicht dorthin, wo der Vorgänger stand. Erst wenn der alte Standort unvermeidbar ist, empfehlen sich Wurzelräumung und Bodenaustausch.

Krankheiten: Was leistet ein neuer Platz, was nicht?

Ein Platzwechsel richtet sich gegen Probleme, die im Boden sitzen. Dazu gehört sauberes Roden: Pflanzenreste mit Wurzel- oder Stängelfäule und mit Welkeerkrankungen kommen nicht auf den Gartenkompost. In einem kleinen Kompost tötet die Rottewärme Krankheitserreger meist nicht zuverlässig ab.

Mythos-Check

Nach dem Fruchtwechsel ist der Apfelschorf weg? Darauf kannst du dich nicht verlassen. Feuchte Witterung mit mehrstündiger Blattnässe begünstigt Apfelschorf, und die Vorbeugung setzt an Krone und Laub an: Luftige Kronen und das Entfernen des befallenen Vorjahreslaubs beugen vor. Der neue Pflanzplatz nimmt dir beides nicht ab.

Nährstoffe: Warum passt die alte Düngeroutine nicht mehr?

Mit der Ernte verlassen Nährstoffe den Garten, und jede Obstart hat ihren eigenen Bedarf. Nach einem Wechsel passt die Düngeroutine des Vorgängers deshalb nicht automatisch zum Nachfolger. Rechne besonders beim Stickstoff neu, denn ein Überschuss fördert bei Obstgehölzen die Triebe zulasten der Blüten- und Fruchtbildung.

Nach welchen Prinzipien funktioniert der Fruchtwechsel bei Obst?

Vier Grundsätze gelten für jede Fruchtfolge mit Dauerkulturen.

Kernobst nach Steinobst pflanzen: die Grundregel der Fruchtfolge

Die Reihenfolge der Entscheidungen steht fest: erst der Platz, dann die Obstart. Hast du eine Ausweichfläche, bekommt der neue Baum einen anderen Pflanzplatz. Gibt es nur den alten Platz, wechselst du wenigstens die Obstgruppe.

Zum Kernobst zählen Äpfel und Birnen, zum Steinobst Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen und Mirabellen. Kernobst nach Steinobst zu pflanzen ist der klassische Tausch: Apfel oder Birne kommen dorthin, wo vorher Kirsche oder Pflaume stand. Umgekehrt folgt Steinobst auf Kernobst. Der Gruppenwechsel kann das Nachbaurisiko senken, eine Garantie ist er nicht.

Wurzelsysteme: Unterlage und alte Wurzeln zählen

Bei veredelten Obstbäumen legt die Unterlage wesentlich fest, wie groß der Baum später wird. Apfelbäume auf den schwachen Unterlagen M27, M9 und M26 sind nicht ausreichend standfest und brauchen zeitlebens eine Stütze. Wie fest ein Baum im Boden steht, liest du also an der Unterlage ab und nicht allein an der Obstart. Frag beim Kauf deshalb nach der Unterlage und notiere sie.

Für den Fruchtwechsel zählen außerdem die Wurzeln des Vorgängers. Soll am selben Platz wieder ein Obstbaum stehen, entfernst du die alten Wurzeln möglichst vollständig. Ich steche den Wurzelbereich nach dem Roden mit der Grabegabel durch und lese jedes Wurzelstück heraus, das ich finde.

Nährstoffbedürfnisse: Wie viel Stickstoff braucht welche Obstart?

Wie viel Stickstoff eine Obstart im Jahr braucht, steht in Bedarfstabellen. Die Werte gelten vor Anrechnung dessen, was der Boden selbst liefert. Du liest daraus also den Bedarf ab und noch nicht die Düngermenge.

Obstart Stickstoffbedarf je m² und Jahr
Apfel, Birne 3 g N
Johannisbeere 6 g N
Pflaume, Zwetschge, Mirabelle 7 g N
Sauerkirsche 8 g N

Johannisbeeren stehen in dieser Tabelle über Apfel und Birne. Beerenobst ist also kein genügsamer Nachfolger, bei dem sich der Boden erholt. Wechselst du von Kernobst auf Pflaume oder Sauerkirsche, steigt der Bedarf ebenfalls.

Wie du die Gaben so bemisst, dass möglichst wenig ausgewaschen wird, erklärt der Ratgeber dazu, wie du deinen Obstgarten umweltschonend düngst.

Zeitliche Planung: Wann wird gewechselt?

Im Gemüsebeet planst du die Fruchtfolge von Saison zu Saison. Im Obstgarten bestimmt der Baum den Zeitpunkt, denn gewechselt wird, wenn er ersetzt werden muss. Du brauchst also keinen Kalender mit Tauschjahren, sondern einen fertigen Plan für den Tag der Rodung.

Feste Pausen sind für zwei Kulturen genannt, die oft im Obstgarten stehen.

Zahl im Blick

Himbeeren kommen erst nach einer Anbaupause von etwa 7 Jahren wieder an denselben Standort. Für Rhabarber gilt eine Fruchtwechselpause von 5 Jahren.

Rhabarber ist selbst eine mehrjährige Dauerkultur. Gib ihm deshalb von Anfang an einen Platz, den du langfristig nutzen kannst.

Den Pflanztermin planst du rückwärts. Für Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Zwetschge und Mirabelle eignet sich die Herbstpflanzung ab Mitte Oktober, bis dahin muss die Fläche geräumt sein. Junge Aprikosen und Pfirsiche pflanzt du vorzugsweise im Frühjahr.

Wie planst du den Fruchtwechsel?

Bestandsaufnahme: Was steht wo, und in welchem Zustand?

Bevor du über Nachfolger entscheidest, nimmst du den Garten auf. Ich gehe dafür mit Klemmbrett und Skizze durch den Garten und notiere zu jedem Platz dieselben Punkte:

  • Obstart, Sorte und Unterlage
  • Alter und Zustand: Was trägt noch, was baut ab?
  • Auffälligkeiten an Blättern, Trieben und Früchten
  • Boden des jeweiligen Bereichs
  • Licht, Wind und nasse Stellen

Für die Bodenprobe behandelst du jeden Bereich einzeln: Flächen mit anderer Nutzung oder anderem Boden beprobst du getrennt und beschriftest jede Probe eindeutig. Das Labor bestimmt in der üblichen Grunduntersuchung Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Nachbauprobleme können dagegen auf biologischen Ungleichgewichten beruhen, ein unauffälliger Laborbefund gibt den alten Apfelplatz also nicht für den nächsten Apfel frei.

Für Licht und Wind hilft eine Regel aus der Permakultur-Planung: Beobachte die Fläche möglichst durch alle Jahreszeiten, auch den Sonnenverlauf im Sommer und im Winter.

Marias Erfahrung

Ich führe für meinen Obstgarten eine Skizze mit allen Bäumen und Sträuchern. Zu jedem Platz stehen dort Obstart, Unterlage und Pflanzjahr, und nach einer Rodung trage ich das Datum nach. So kann ich später nachschlagen, wo Kernobst und wo Steinobst stand.

Rotationsplan erstellen: Flächen statt Jahreszahlen

Teile den Garten in Bereiche ein und erneuere sie nacheinander. Für jeden Bereich hältst du fest, was dort steht und welche Obstgruppe als Nächstes folgt. Ich vergleiche zuerst mehrere räumliche Varianten auf dem Papier und lege erst danach Arten und Sorten fest.

Bisher auf der Fläche Nachfolger Worauf du achtest
Apfel oder Birne Steinobst wie Kirsche, Pflaume, Zwetschge Befruchtersorte für die übrigen Apfel- und Birnbäume prüfen
Kirsche, Pflaume, Zwetschge Kernobst wie Apfel oder Birne passende Befruchtersorte in der Nachbarschaft einplanen
Himbeeren andere Kultur Himbeeren erst nach einer Anbaupause von etwa 7 Jahren wieder an diesen Standort
Rhabarber andere Kultur Fruchtwechselpause von 5 Jahren
Obstbaum, kein anderer Platz möglich neuer Baum am alten Standort alte Wurzeln möglichst vollständig entfernen, Boden im Pflanzloch austauschen

Bereiche und Pflanzplätze kannst du dafür im Beetplaner als Gartenskizze anlegen.

Welche Obstarten und Sorten passen in die Rotation?

Die Obstgruppe steht fest, jetzt geht es um Art, Sorte und Unterlage. Vier Fragen kläre ich, bevor ich bestelle.

Passt die Größe? Über die Größe bestimmt wesentlich die Unterlage. Wähle sie nach dem Platz, den der Bereich tatsächlich bietet.

Ist die Befruchtung gesichert? Apfel- und Birnbäume brauchen in der Regel eine passende andere Befruchtersorte, die auch in der Nachbarschaft stehen kann. Rodest du einen Apfelbaum und setzt Steinobst an seine Stelle, kann den übrigen Apfelbäumen genau dieser Partner fehlen. Prüfe das vor der Rodung.

Wie robust ist die Sorte? Schorfresistente Apfelsorten gibt es, Santana und Topaz sind Beispiele dafür. Die Resistenz gilt dem Schorf und bedeutet keine allgemeine Widerstandsfähigkeit gegen alle Krankheiten. Mehr zur robusten Sortenwahl steht im Ratgeber über die Prinzipien eines Bio-Obstgartens.

Passt der Standort zur Art? Quitten mögen es warm und windgeschützt, auf mittelschwerem, ausreichend feuchtem Boden ohne Staunässe. Heidelbeeren brauchen sauren Boden und sind deshalb kein einfacher Ersatz auf einer Baumfläche.

Boden für den Wechsel vorbereiten

Vor der Neupflanzung stehen Bodenuntersuchung, Lockerung, organisches Material und der pH-Wert an. Schritt für Schritt erklärt das die Anleitung dazu, wie du den Boden vor der Obstpflanzung vorbereitest. Die Grundlagen zu Humus und pH-Wert findest du im Abschnitt Standort und Boden im Ratgeber zu Obst und Obstgehölzen.

Welche Methoden gibt es für den Fruchtwechsel?

Kern- und Steinobst tauschen

Der Tausch der Obstgruppen ist die Methode für Bäume. Praktisch heißt das: Der neue Kirschbaum kommt auf die bisherige Apfelfläche, der neue Apfelbaum auf eine frühere Steinobstfläche. Eine Fläche, auf der noch kein Obstbaum stand, erfüllt die Forderung nach einem anderen Pflanzplatz am einfachsten.

Beerensträucher einplanen

Beerensträucher wechseln die Pflanzengruppe und brauchen weniger Platz als ein Baum. Ich setze sie auf geräumte Baumflächen und trage Art und Pflanzjahr sofort in die Skizze ein. Für eine einzelne Lücke bietet sich Aronia an, weil sie selbstfruchtbar ist und schon eine einzelne Pflanze Früchte bilden kann. Sanddorn passt dort schlechter, denn er ist zweihäusig und braucht für den Fruchtansatz männliche und weibliche Pflanzen.

Vergiss dabei nicht, dass Beeren ihre eigene Fruchtfolge haben. Die Anbaupause für Himbeeren gilt auch dann, wenn die Sträucher nur als Zwischenlösung gedacht waren.

Zwischenkultur und Gründüngung in der Lücke

Zwischen Rodung und Neupflanzung kann die Fläche eine Zwischenkultur tragen. Leguminosen wie Klee oder Lupinen leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien und können den Boden so zusätzlich mit Stickstoff anreichern. Diese Bakterien gehen die Verbindung nur mit jeweils passenden Leguminosenarten ein. Sobald der neue Baum steht, bleibt seine Baumscheibe frei von Bewuchs.

Auch ein Gemüsebeet kann die Lücke nutzen. Welche Kulturen dort zusammenpassen, prüfst du im Mischkultur-Check für gute und schlechte Nachbarn.

Mischkultur: nebeneinander statt nacheinander

Mischkultur ordnet verschiedene Arten gleichzeitig auf einer Fläche an, der Fruchtwechsel ordnet sie nacheinander. Ein Waldgarten zeigt das Prinzip, denn er kann hohe und niedrige Obstbäume mit Beerensträuchern, Kletterpflanzen und Bodendeckern kombinieren. Als Planungsregel für einen lichten Waldgarten mit Unterpflanzung gilt: Zwei Bäume stehen mindestens so weit auseinander, wie beide ausgewachsen zusammen hoch sind. Die kleineren Bäume kommen auf die Südseite.

Mischkultur unterstützt den Garten, sie garantiert nichts. Wie stark sie hilft, hängt vom Standort und von den Bedingungen ab.

Typische Schwierigkeiten beim Fruchtwechsel

Der alte Platz ist der einzige

Alte Bäume bleiben, wo sie sind, und nicht jeder Garten hat eine Ausweichfläche. Muss der Nachfolger an den alten Standort, empfehlen sich zwei Arbeiten zusammen: alte Wurzeln möglichst vollständig entfernen und den Boden austauschen. Das Pflanzloch bekommt dafür etwa den doppelten Durchmesser des neuen Wurzelwerks.

Frische Holzhäcksel gehören nicht in den Aushub und nicht auf die Baumscheibe des jungen Baums. Die Zersetzung kann den Pflanzen verfügbaren Stickstoff entziehen. Der gehäckselte Vorgänger bleibt also aus dem Pflanzloch heraus.

Häufiger Fehler

Das Loch ist offen, also kommt der neue Apfelbaum hinein. Damit steht Apfel wieder auf Apfel, und alte Wurzelreste bleiben im Boden. Wähle zuerst einen anderen Pflanzplatz und greife erst zum Bodenaustausch, wenn es keinen gibt.

Kleiner Garten ohne Ausweichfläche

Im kleinen Garten hängt an der Baumform, ob ein zweiter Pflanzplatz überhaupt möglich ist. Für Buschbäume, Spindelbüsche und kleine Spaliere eignen sich die schwachen Apfelunterlagen M27, M9 und M26.

Zahl im Blick

Für Apfelspindeln auf M9 oder gegebenenfalls M26 im Hausgarten empfiehlt die Fachstelle für Obst und Beeren am INFORAMA 2 m Abstand in der Reihe und 3,5 m Reihenabstand. Für Apfelhochstämme auf Sämlingsunterlagen im Hausgarten sind es 10 m in der Reihe und 10 m Reihenabstand.

Auf der Fläche eines früheren Hochstamms findest du für eine Spindel also leichter einen Platz, der nicht im alten Pflanzloch liegt.

Fehlt auch dafür der Raum, bleibt der Kübel, denn dort wächst der Baum in frischem Substrat statt im alten Gartenboden. Das Gefäß sollte mindestens 20 l fassen. Günstigere Bedingungen für eine längerfristige Kultur bieten 50–70 l. Achte außerdem auf ein offenes Wasserabzugsloch im Boden des Kübels.

Trockene Sommer und späte Fröste

Jeder Wechsel bringt junge Gehölze in den Garten, und die brauchen bei Trockenheit besondere Aufmerksamkeit bei der Wasserversorgung. Prüfe vor dem nächsten Gießen mit einer Spatenprobe, wie weit der Boden durchfeuchtet ist. Welke Blätter können auf Wassermangel hindeuten, sie treten aber auch bei geschädigten Wurzeln in nassem Boden auf. Bei drohendem Spätfrost kannst du kleine Obstbaumformen und Wandspaliere mit Vlies abdecken.

Jahre ohne volle Ernte

Ein Wechsel kostet Pflanzen und Ernte, denn der gerodete Baum trägt nicht mehr und der junge noch nicht voll. Erneuere deshalb in Etappen und Bereich für Bereich. Ich pflanze den Nachfolger auf der Ausweichfläche, solange der alte Baum noch steht, und rode erst danach.

Was zeigen Versuche und dokumentierte Beispiele?

Drei dokumentierte Beispiele helfen, die Methoden einzuordnen.

Untersaat unter jungen Apfelbäumen

In einem Versuch der LWG standen junge Apfelbäume auf leichten lehmigen Sandböden mit verschiedenen Untersaaten. Die geprüften Untersaaten erwiesen sich als ungeeignet, weil die Wasserkonkurrenz zu hoch war. Dazu passt, dass bei jungen Streuobstbäumen eine mindestens 5 Jahre bewuchsfrei gehaltene Baumscheibe das Anwachsen unterstützt. Gründüngung gehört also in die Lücke vor der Pflanzung und nicht unter den frisch gesetzten Baum.

Blühstreifen neben den Bäumen

Im europäischen EcoOrchard-Freilandversuch standen Apfelbäume neben Blühstreifen. Die Fruchtschäden durch die Mehlige Apfelblattlaus fielen dort um 15 % geringer aus als in den Kontrollparzellen. Mehrjährige Blühstreifen bieten natürlichen Gegenspielern von Schädlingen Schutz und Nahrung. Das ist eine messbare Unterstützung, aber kein Schutz, auf den du dich allein verlassen kannst.

Obstanlage als Teil der ganzen Fläche

Für die Parzelle Mülacker ist eine Planung dokumentiert, die eine Obstanlage mit einem Wasserspeicherteich, Windschutzhecken und weiteren Anbauflächen verbindet. Für den Fruchtwechsel lässt sich daraus etwas ableiten: Wer Obst nicht auf jeden Quadratmeter setzt, kann bei der Erneuerung auf einen anderen Pflanzplatz ausweichen.

Nach dem Wechsel: Pflege läuft weiter

Der Wechsel ersetzt die laufende Pflege nicht, denn Düngen, Gießen und Vorbeugen gehen auf der neuen Fläche weiter. Baumscheibe, Mulch und Fruchtbehang behandelt der Ratgeber zu Obst und Obstgehölzen im Abschnitt zur Pflege im Jahreslauf. Welche Arbeit in welcher Jahreszeit ansteht, zeigt dir der Überblick über die Pflegearbeiten im Obstgarten von Frühling bis Winter.

Beliebt im Shopaus dem samen.de Shop
Produkt-
bild
Obst
Zum Shop
Produkt-
bild
Erdbeere
Zum Shop
Produkt-
bild
Physalis
Zum Shop
Produkt-
bild
Zwergbanane
Zum Shop

Häufige Fragen

Was ist Fruchtwechsel im Obstgarten und warum ist er wichtig?
Fruchtwechsel bedeutet, dass auf einer Fläche nacheinander verschiedene Kulturen stehen. Bei Obstbäumen und Beerensträuchern greift er, wenn eine Pflanzung erneuert wird: Der Nachfolger bekommt möglichst einen anderen Pflanzplatz. Wichtig ist das, weil beim wiederholten Anbau von Äpfeln biologische Ungleichgewichte im Boden zu Nachbauproblemen führen können.
Was bedeutet Bodenmüdigkeit und wie hilft Fruchtwechsel dagegen?
Bodenmüdigkeit beschreibt, dass eine Obstart dort schlecht wächst, wo vorher dieselbe Art stand. Für Äpfel sind solche Nachbauprobleme beschrieben, dahinter können biologische Ungleichgewichte im Boden stehen. Vorrangig hilft ein anderer Pflanzplatz für den neuen Baum. Ist der alte Standort unvermeidbar, entfernst du alte Wurzeln möglichst vollständig und tauschst den Boden in einem Pflanzloch mit etwa doppeltem Durchmesser des neuen Wurzelwerks aus.
Worin unterscheiden sich Kern- und Steinobst beim Fruchtwechsel?
Kernobst wie Apfel und Birne und Steinobst wie Kirsche und Pflaume sind verschiedene Obstgruppen, deshalb tauschst du sie beim Fruchtwechsel gegeneinander. Kernobst nach Steinobst zu pflanzen wechselt die Gruppe und kann das Nachbaurisiko senken, eine Garantie ist es nicht. Die Gruppen unterscheiden sich auch im Bedarf: Für Apfel und Birne liegt der jährliche Stickstoffbedarf bei 3 g N je m² vor Anrechnung der Bodenlieferung. Für Pflaume, Zwetschge und Mirabelle sind es 7 g.
Wie kann man mit Fruchtwechsel Apfelschorf und andere Krankheiten vorbeugen?
Ein neuer Pflanzplatz richtet sich gegen Probleme, die im Boden sitzen, also gegen Nachbauprobleme. Bei Apfelschorf setzt die Vorbeugung an anderer Stelle an: Feuchte Witterung mit mehrstündiger Blattnässe begünstigt den Schorf, vorbeugend wirken luftige Kronen und das Entfernen des befallenen Vorjahreslaubs. Beim Roden gehören Pflanzenreste mit Wurzel- oder Stängelfäule nicht auf den Gartenkompost.
Welche Vorteile bieten Beerensträucher im Fruchtwechselsystem?
Beerensträucher wechseln die Pflanzengruppe und passen auf Flächen, die für einen Baum zu klein sind. Genügsam sind sie deshalb nicht automatisch: Der jährliche Stickstoffbedarf von Johannisbeeren liegt bei 6 g N je m² vor Anrechnung der Bodenlieferung. Himbeeren brauchen außerdem selbst eine Fruchtfolge, vor einer erneuten Pflanzung am gleichen Standort wird eine Anbaupause von etwa 7 Jahren empfohlen.
Wie integriert man Gründüngung effektiv in das Fruchtwechselsystem?
Gründüngung gehört in die Lücke zwischen Rodung und Neupflanzung. Leguminosen können den Boden über ihre Symbiose mit Knöllchenbakterien zusätzlich mit Stickstoff anreichern, die Bakterien passen aber nur zu bestimmten Leguminosenarten. Unter jungen Bäumen ist Vorsicht angebracht: In einem LWG-Versuch mit jungen Apfelbäumen auf leichten lehmigen Sandböden waren die geprüften Untersaaten wegen zu hoher Wasserkonkurrenz ungeeignet.
Welche Fehler sollte man beim Fruchtwechsel unbedingt vermeiden?
Ein typischer Fehler ist, den neuen Apfelbaum in das alte Apfelloch zu setzen, denn ein anderer Pflanzplatz ist die vorrangige Möglichkeit. Am alten Standort bleiben oft Wurzelreste im Boden, obwohl sie möglichst vollständig entfernt werden sollten. Frische Holzhäcksel gehören nicht in den Pflanzloch-Aushub, weil die Zersetzung den Pflanzen verfügbaren Stickstoff entziehen kann. Kranke Pflanzenteile kommen nicht auf einen kleinen Gartenkompost.
Was ist der Unterschied zwischen Fruchtwechsel und Mischkultur?
Fruchtwechsel ordnet Kulturen zeitlich: Auf einer Fläche folgt eine Obstart auf eine andere. Mischkultur ordnet sie räumlich, verschiedene Arten stehen gleichzeitig nebeneinander, etwa Obstbäume mit Beerensträuchern und Bodendeckern. Beides lässt sich verbinden. Wie stark eine Mischkultur hilft, hängt aber vom Standort und von den Bedingungen ab.
Zuletzt geprüft:
↑