Wildfrüchte im Garten: Welche Art an welchen Platz passt
- Aronia ist selbstfruchtbar: Schon ein einzelner Strauch kann Früchte bilden.
- Sanddorn ist zweihäusig, für den Fruchtansatz brauchst du männliche und weibliche Pflanzen.
- Die Beeren des Schwarzen Holunders isst du nie roh; der krautige Zwergholunder ist giftig und kein Wildobst.
- Die Waldheidelbeere braucht kalkarmen, sauren Boden, die Kornelkirsche bevorzugt kalkhaltigen.
- Aronia erntest du je nach Reife ab Mitte August bis Oktober, Kornelkirschen im September und Oktober.
Ein Sanddorn kann Jahr für Jahr blühen und trotzdem keine einzige Beere tragen. Das kann daran liegen, dass nur ein Geschlecht im Garten steht, denn für den FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. braucht es männliche und weibliche Pflanzen. Eine solche Eigenheit hat jede der fünf Wildfrüchte, um die es hier geht. Ich habe mir deshalb angewöhnt, erst den Platz zu prüfen und danach die Art auszusuchen.
Welche Wildfrüchte passen in deinen Garten?
Aronia, Sanddorn, Schwarzer Holunder, Waldheidelbeere und Kornelkirsche stellen unterschiedliche Ansprüche. Die Tabelle zeigt für jede Art den Standort, eine Eigenheit, die du kennen solltest, und die Erntezeit.
| Art | Standort und Boden | Das musst du wissen | Ernte |
|---|---|---|---|
| Aronia (Apfelbeere) | sonnig bis halbschattig | selbstfruchtbar, ein einzelner Strauch kann Früchte bilden | je nach Reife ab Mitte August bis Oktober |
| Sanddorn | sonnig, mit durchlässigem, gut durchlüftetem und tiefgründigem Boden ohne StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt. | zweihäusig, für Früchte sind männliche und weibliche Pflanzen nötig | wenn die Beeren kräftig orange sind |
| Schwarzer Holunder | sonnig bis halbschattig | Beeren nie roh essen | August bis Oktober |
| Waldheidelbeere | kalkarmer, saurer Boden | im Kübel mit kalkarmem Wasser gießen | wenn die Beeren dunkelblau sind |
| Kornelkirsche | verträgt Trockenheit, bevorzugt kalkhaltigen Boden | passt nicht ins saure Heidelbeerbeet | September und Oktober |
Zwei der fünf Arten passen nicht an denselben Platz: Die Kornelkirsche bevorzugt kalkhaltigen Boden, die Waldheidelbeere braucht kalkarmen, sauren. Plane für die beiden deshalb getrennte Plätze ein.
Vor dem Kauf kläre ich für jeden Platz dieselben Fragen. Wie sonnig ist er? Steht nach Regen Wasser? Ist der Boden kalkhaltig oder sauer? Wie groß wird die Pflanze laut Etikett, und reicht der ausgemessene Platz dafür?
Wie ordne ich mehrere Arten an?
Wer einen lichten essbaren Waldgarten plant, setzt die kleineren Bäume auf die Südseite. Nach demselben Prinzip ordne ich meine Wildobststräucher: die niedrigen nach Süden, die hohen dahinter. Der Sanddorn braucht einen sonnigen Standort und gehört deshalb nicht in den Schatten höherer Sträucher. Wenn du die Anordnung vor dem Kauf aufzeichnen willst, kannst du deine Fläche im Beetplaner aufteilen.
Pflanzen, gießen, düngen: Was gilt für alle fünf?
Vor dem Gießen prüfe ich mit einer SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge., wie feucht der Boden ist, weil welke Blätter auch bei nassem Boden mit geschädigten Wurzeln auftreten können. Mit StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). versorgst du Obststräucher nur mäßig, denn ein Überschuss verstärkt das Triebwachstum zulasten von Blüten und Früchten. Termine, Pflanzgrube und Kompostgaben stehen in den Grundlagen zu Pflanzung, Gießen, Düngen und Schnitt von Obstgehölzen.
Aronia: Reicht ein einzelner Strauch?
Ja, denn Aronia ist selbstfruchtbar. Ein einzelner Strauch kann also Früchte bilden, während der Sanddorn dafür männliche und weibliche Pflanzen braucht. Hast du nur Platz für einen Strauch, passt die Apfelbeere deshalb besser als der Sanddorn.
Der Strauch steht sonnig bis halbschattig. Geerntet wird je nach Reife ab Mitte August bis Oktober, wenn die Beeren dunkelviolett bis schwarz gefärbt sind. Ich pflücke nur durchgefärbte Fruchtstände und lasse hellere noch hängen. Die herben Beeren verarbeite ich anschließend zu Saft.
Sanddorn: Warum trägt mein Strauch keine Beeren?
Sanddorn ist zweihäusig, und für den Fruchtansatz brauchst du männliche und weibliche Pflanzen. Die Beeren hängen an den weiblichen Pflanzen, die männliche liefert den Pollen. Fehlt eines der beiden Geschlechter, setzt der Strauch keine Früchte an. Achte beim Kauf deshalb darauf, dass das Geschlecht auf dem Etikett steht.
Zweihäusig heißt, dass männliche und weibliche Blüten auf getrennten Pflanzen sitzen. Selbstfruchtbar heißt, dass eine einzelne Pflanze Früchte bilden kann.
Der Standort muss sonnig sein. Der Boden soll durchlässig, gut durchlüftet und tiefgründig sein und darf keine Staunässe haben. Weil der Sanddorn Sonne und einen Partner braucht, muss der sonnige Platz von Anfang an für mindestens zwei Sträucher reichen.
Bei der Ernte sitzen die Beeren fest am Holz. Ich schneide deshalb fruchttragende Zweige ab, friere sie ein und streife die gefrorenen Beeren über einer Schüssel ab. Nimm bei dieser Methode jedes Jahr nur etwa ein Drittel der Triebe heraus.
Holunder: Welche Art ist Wildobst?
Als Wildobst gilt der Schwarze Holunder. Den Zwergholunder darfst du damit nicht gleichsetzen: Er wächst krautig und ist giftig. Kaufe Holunder deshalb mit botanischem Namen. Der Schwarze Holunder heißt Sambucus nigra, der Zwergholunder Sambucus ebulus.
Die Beeren des Schwarzen Holunders darfst du nicht roh essen. Sie enthalten Sambunigrin, das Blausäure freisetzt. Verwende sie nur erhitzt, zum Beispiel als Gelee.
Der Strauch steht sonnig bis halbschattig. Die Beeren erntest du von August bis Oktober, wenn sie tiefschwarz sind. Ich schneide ganze Fruchtstände ab und streife die Beeren erst in der Küche von den Stielen. Bei den Blüten nehme ich nur Dolden, die voll aufgeblüht und noch nicht braun sind.
Waldheidelbeere: Was tun, wenn der Boden kalkhaltig ist?
Die Waldheidelbeere braucht kalkarmen, sauren Boden. Wilde Heidelbeere und Waldheidelbeere sind zwei Namen für dieselbe Art, Vaccinium myrtillus. Für Heidelbeeren im Gartenboden werden pH-WerteDer pH-Wert gibt an, wie sauer oder alkalisch etwas ist, etwa Gartenboden, Blumenerde, Gießwasser oder Kompost. Die Skala reicht von 0 bis 14; der Wert 7 gilt als neutral, niedrigere Werte sind sauer, höhere alkalisch. von 4,5–5,0 empfohlen. Ob dein Boden in diesem Bereich liegt, zeigt eine BodenanalyseEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen., denn die übliche GrunduntersuchungDie Grunduntersuchung ist der Standardumfang einer Bodenuntersuchung im Labor: Bestimmt werden Phosphor, Kalium, Magnesium und der pH-Wert. Sie zeigt, wie gut der Boden mit diesen Nährstoffen versorgt ist und ob er Kalk braucht. erfasst auch den pH-Wert. Wie du die Probe nimmst, steht in den Grundlagen im Abschnitt zur Bodenanalyse.
Ist dein Boden kalkhaltig, bleibt der Kübel mit saurem SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt.. Dort liegt die Empfehlung für Heidelbeeren bei ungefähr 4,0–5,0, und du solltest mit kalkarmem Wasser gießen. Ich nehme dafür Regenwasser aus der Tonne. Gefäßgröße und Substratmischung findest du in den Grundlagen im Abschnitt zu Obst im Kübel.
Gepflückt werden die Beeren einzeln, sobald sie dunkelblau sind.
Kornelkirsche: Welcher Platz passt?
Die Kornelkirsche verträgt Trockenheit und bevorzugt kalkhaltigen Boden. Sie kommt damit für trockenere, kalkhaltige Gartenteile infrage. Geerntet wird im September und Oktober. Die roten Früchte schmecken säuerlich-herb, ich koche sie deshalb zu Gelee.
Ernte: Was wird wann reif?
Aronia erntest du je nach Reife ab Mitte August bis Oktober. Der Schwarze Holunder ist von August bis Oktober dran, die Kornelkirsche im September und Oktober. Im September und Oktober können also drei Ernten zusammenfallen, und dafür brauchst du freie Zeit und Platz im Gefrierfach.
Bei Sanddorn und Waldheidelbeere richte ich mich nach der Farbe: Sanddornbeeren ernte ich kräftig orange, Waldheidelbeeren dunkelblau. Was ich nicht gleich verarbeite, friere ich ein. Verschimmeltes Obst und verschimmelte Konfitüre entsorgst du, weil Erhitzen mögliche Mykotoxine nicht zuverlässig beseitigt.

