Gartenpraxis · Aussaat & Anzucht (Grundwissen) · Vermehren

Welche Erde für Stecklinge? Anzuchterde mischen und bis zur Bewurzelung pflegen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Stecklinge gehören in nährstoffarme, durchlässige Erde; Perlit oder Sand kannst du zumischen.
  • Für feste, noch nicht verholzte Stecklinge vieler Beet-, Balkon- und Kräuterpflanzen kannst du Aussaaterde nehmen, bei Bedarf mit Sand gemischt.
  • Halbverholzte Weigelienstecklinge können in eine Mischung aus gleichen Teilen Sand und Erde gesteckt werden.
  • Nach dem Stecken angießen, locker mit Folie abdecken und hell ohne grelle Sonne aufstellen.
  • Abgedeckte Stecklinge täglich auf Schwitzwasser und Schadstellen kontrollieren und dabei kurz lüften.
  • Etwa 2 bis 4 Wochen bis zur Wurzelbildung sind bei krautigen Stecklingen vieler Balkon- und Zimmerpflanzen eine Orientierung.
Anzuchtzubehoer
Foto: Christina & Peter · Pexels License · Quelle ↗

Ein frisch geschnittener Trieb hat noch keine Wurzeln. Er muss in der Erde feucht stehen, bis er welche bildet, und darf dabei nie nass stehen. Dafür brauchst du nährstoffarme, durchlässige Erde, die du mit Perlit oder Sand mischen kannst. Ich fülle meine Stecktöpfe deshalb mit Aussaaterde und nicht mit der Blumenerde, die gerade offen im Schuppen steht.

Mit Stecklingen ziehst du Pflanzen nach, die die Eigenschaften ihrer Mutterpflanze haben. Welche Mischung passt, richtet sich danach, wie fest der Trieb schon ist.

Welche Erde für Stecklinge?

Stecklinge gehören in nährstoffarme, durchlässige Erde. Die Aufgabe des Substrats erklärt, warum: Es muss Wasser aufnehmen und die Wurzeln zugleich ausreichend mit Luft versorgen. Für feste, noch nicht verholzte Stecklinge vieler Beet-, Balkon- und Kräuterpflanzen kannst du Aussaaterde verwenden.

Blumen- und Gartenerde ist anders angelegt: Sie darf nährstoffreicher und gröber strukturiert sein als Anzuchterde. Stecklinge brauchen es nährstoffarm und durchlässig, deshalb hebe ich die Blumenerde für den späteren Endtopf auf. Messbar wird der Unterschied am Salzgehalt, der bei einer Aussaaterde unter 0,5 g/l liegen sollte. Die Werte für Pikiersubstrat und Topferde stehen in unserem Überblick zu Aussaat und Anzucht, im Abschnitt zur Anzuchterde mit Salzgehalt, Bestandteilen und torffreien Mischungen. Vertieft wird das Thema im Ratgeber dazu, was nährstoffarme Anzuchterde ausmacht und woraus sie besteht.

Krautig, halbverholzt, verholzt: Was braucht welcher Trieb?

Die Erde richtet sich nach der Reife des Triebs. Die Tabelle stellt die drei Fälle nebeneinander.

Steckling Erde Zu beachten
krautig: fest, aber noch nicht verholzt Aussaaterde, bei Bedarf mit Sand gemischt gilt für viele Beet-, Balkon- und Kräuterpflanzen
halbverholzt, Beispiel Weigelie Sand und Erde zu gleichen Teilen Beispiel für die Weigelie, keine Regel für jedes Gehölz
verholzt nährstoffarme, durchlässige Erde, mit Perlit oder Sand gemischt kein eigenes Mischverhältnis, Wasserabzug prüfen

Krautige Stecklinge: Aussaaterde, bei Bedarf mit Sand

Krautig heißt hier: Der Trieb ist schon fest, aber noch nicht verholzt. Solche Stecklinge vieler Beet-, Balkon- und Kräuterpflanzen kannst du in Aussaaterde stecken, die du bei Bedarf mit Sand mischst. Lavendel, Rosmarin, Zitronenverbene und Minzen lassen sich im Sommer durch Stecklinge vermehren.

Für Sommerstecklinge nimmst du gesunde, möglichst blütenfreie Triebe mit drei bis vier Blattpaaren. Achte auf die Reife, denn sie wirkt in beide Richtungen: Zu weiche Kopfstecklinge faulen leichter, bereits sehr harte bilden schlechter Wurzeln. Ich schneide deshalb nur Triebe, die sich fest anfühlen und noch nicht verholzt sind.

Halbverholzte Stecklinge: das Beispiel Weigelie

Für halbverholzte Triebe gibt es ein konkretes Rezept: Weigelienstecklinge können in eine Mischung aus gleichen Teilen Sand und Erde gesteckt werden. Das ist ein Beispiel für die Weigelie und keine Regel für jedes Gehölz. Der Vergleich mit den krautigen Stecklingen zeigt den Unterschied: Dort kommt Sand nur bei Bedarf dazu, hier gehört er fest in die Mischung. Ich messe Sand und Erde mit demselben Topf ab, damit die Teile wirklich gleich groß sind.

Verholzte Stecklinge: Grundregel statt Rezept

Für verholzte Triebe bleibt es bei der Grundregel: nährstoffarme, durchlässige Erde, mit Perlit oder Sand gemischt. Bedenke dabei, dass bereits sehr harte Kopfstecklinge schlechter Wurzeln bilden. Prüfe stattdessen nach dem Angießen, ob das Wasser abläuft, und mische sonst Sand nach.

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Wie mischst du die Erde für Stecklinge?

Die Basis ist nährstoffarme, durchlässige Erde, ich nehme dafür Aussaaterde. Als Zuschlag kommen Sand und Perlit infrage. Sand steht in beiden Rezepten oben, Perlit ist die Wahl, wenn die Erde vor allem mehr Luft führen soll.

Perlit erhöht als Zuschlag die Luftkapazität und verbessert die Strukturstabilität. Es hält selbst wenig Wasser, leitet Wasser und Luft aber gut. Nimm nur Perlit, das für den Gartenbau bestimmt ist, denn Bauprodukte können beschichtet sein. Vermiculit wirkt anders, es speichert Wasser und puffert Nährstoffe. Bleibt deine Mischung zu nass, ist deshalb Perlit der passende Zuschlag und nicht Vermiculit.

Beim Mischen gehe ich so vor: Ich schütte Erde und Zuschlag in einen Eimer und mische beides gründlich durch, bevor ich die Töpfe fülle. Ein eigener Ratgeber zeigt, welche Zusätze Anzuchterde anreichern und wie du sie dosierst.

Fertige Aussaaterde und eine eigene Mischung sind beide möglich. Torffreie Substrate kombinieren Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost, Kokosfasern und Kokosmark, damit sich deren Eigenschaften ausgleichen. Wer torffrei arbeitet, schont Moore und vermindert die CO₂-Emissionen, die mit dem Torfabbau verbunden sind. Die Grundlagen dazu trägt der Überblick zu Aussaat und Anzucht, und für die Kaufentscheidung hilft der Ratgeber, nach welchen Kriterien du Anzuchterde auswählst, kaufst und lagerst.

Was nicht in die Mischung gehört

Reiner Kompost taugt nicht als Anzuchterde, sein Nährstoffgehalt ist dafür zu hoch. Alte Topferde lasse ich ebenfalls weg, denn in regelmäßig gedüngter gebrauchter Blumenerde können sich Nährsalze anreichern. Stecklinge brauchen nährstoffarme Erde, also passt gerade gedüngte Alterde schlecht dazu. Substrat aus Gefäßen mit abgestorbenen oder kranken Pflanzen kommt bei mir in keinen Topf mehr. Krankheitsfreie gebrauchte Erde gebe ich auf den Kompost oder arbeite sie ins Beet ein.

So steckst und pflegst du bis zur Bewurzelung

Die Pflege beginnt mit dem Stecken und endet mit dem Umsetzen. In dieser Reihenfolge gehe ich vor:

  1. Gefäß wählen: Nimm saubere Töpfe mit freien Wasserabzugslöchern, damit überschüssiges Wasser abläuft und keine Staunässe entsteht.
  2. Stecken und angießen: Fülle die Mischung ein, stecke den Trieb hinein und gieße ihn an.
  3. Abdecken: Lege locker eine Folie über den Topf, sie schützt den noch nicht verholzten Steckling vor dem Austrocknen.
  4. Aufstellen: Stell den Topf hell auf, aber ohne grelle Sonne.
  5. Kontrollieren und lüften: Sieh täglich nach Schwitzwasser und Schadstellen und lüfte dabei kurz.

Die Folie hat einen einfachen Grund. Trockene Heizungsluft unter der Fensterbank kann Pflanzen zu mehr Verdunstung zwingen, als ihre Wurzeln durch Wasseraufnahme ausgleichen können. Ein frischer Steckling hat noch gar keine Wurzeln, deshalb gehört der Verdunstungsschutz von Anfang an dazu.

Marias Erfahrung

Ich stecke immer mehrere Triebe derselben Pflanze und schreibe Art und Datum auf ein Etikett. Beim Lüften nehme ich die Folie ganz ab und sehe mir jeden Trieb einzeln an.

Wie feucht muss die Erde sein?

Prüfe die Erde vor dem Gießen mit dem Finger. Sie soll gleichmäßig feucht und niemals nass sein. Bei torffreien und torfreduzierten Substraten täuscht die Oberfläche leicht: Sie kann schon trocken wirken, während der untere Topfbereich noch nass ist. Ich fühle deshalb unter der Oberfläche nach und hebe den Topf an, bevor ich gieße.

Dauernässe hat noch einen Nachteil. Trauermücken vermehren sich besonders in ständig zu nasser Topferde, und ihre Larven können Pflanzenwurzeln anfressen.

Häufiger Fehler

Die Töpfe bleiben nach dem Gießen im gefüllten Untersetzer stehen. Anzuchttöpfe sollen nicht dauerhaft im Wasser stehen, damit nach dem Gießen wieder Luft an die Wurzeln gelangt. Gieß das Wasser im Untersetzer deshalb ab.

Was tun bei Schwitzwasser, Schimmel und Fäulnis?

Schwitzwasser unter der Folie ist der Grund für die tägliche Kontrolle: Lüfte kurz und sieh nach Schadstellen. Kehrt Schimmel auf der Erde immer wieder, kann das auf länger anhaltende Überwässerung oder schlechte Durchlüftung des Substrats hinweisen. Ein Pilzbelag allein belegt noch keine Krankheit, denn Pilze können in der Erde als Zersetzer abgestorbener organischer Bestandteile wachsen. Fault ein Steckling am Fuß, nehme ich ihn heraus und prüfe bei den übrigen die Feuchte. War der Trieb beim Schneiden sehr weich, kann darin eine Ursache liegen.

Wie lange dauert die Bewurzelung, und wann wird umgetopft?

Zahl im Blick

Bei krautigen Stecklingen vieler Balkon- und Zimmerpflanzen sind etwa 2 bis 4 Wochen bis zur Wurzelbildung eine Orientierung. In einer geschützten Sommerstecklingsanzucht mit festen, noch nicht verholzten Trieben zeigen sich die ersten Wurzeln nach etwa zwei bis drei Wochen.

Beide Angaben sind Orientierung und kein Termin. Umgesetzt wird ein Steckling nach seiner tatsächlichen Bewurzelungsstärke, die Wochenangabe zeigt dir also nur, ab wann sich das Nachsehen lohnt. Ich hebe dafür einen Steckling vorsichtig aus der Erde und sehe mir die Wurzeln an.

Solange die Triebe noch bewurzeln, dünge ich nicht, weil die Erde in dieser Phase nährstoffarm bleiben soll. Im Endtopf darf die Erde dann nährstoffreicher und gröber sein als in der Anzucht.

Häufige Fragen

Was macht eine gute Anzuchterde für Stecklinge aus?
Für Stecklinge eignet sich nährstoffarme, durchlässige Erde, die du mit Perlit oder Sand mischen kannst. Sie muss Wasser aufnehmen und zugleich genug Luft an die entstehenden Wurzeln lassen. Für feste, noch nicht verholzte Stecklinge vieler Beet-, Balkon- und Kräuterpflanzen kannst du Aussaaterde nehmen und bei Bedarf Sand untermischen.
Wie unterscheidet sich Stecklingsvermehrung mit spezieller Anzuchterde von der Verwendung normaler Blumenerde?
Blumen- und Gartenerde darf nährstoffreicher und gröber strukturiert sein als Anzuchterde. Stecklinge brauchen dagegen nährstoffarme, durchlässige Erde. Nimm zum Bewurzeln deshalb nährstoffarme Erde, zum Beispiel Aussaaterde. In den Endtopf setzt du den Steckling erst um, wenn er dafür kräftig genug bewurzelt ist.
Wie bereitet man selbst eine optimale DIY-Anzuchterde-Mischung vor?
Nimm nährstoffarme, durchlässige Erde als Basis und mische bei Bedarf Sand oder Perlit unter. Für halbverholzte Weigelienstecklinge kann die Mischung aus gleichen Teilen Sand und Erde bestehen. Reiner Kompost gehört nicht hinein, weil sein Nährstoffgehalt für Anzuchterde zu hoch ist. Verwende nur Perlit, das für den Gartenbau bestimmt ist, denn Bauprodukte können beschichtet sein.
Was sind die Vor- und Nachteile von Perlite gegenüber Vermiculite im Anzuchtsubstrat?
Perlit erhöht als Zuschlag die Luftkapazität und verbessert die Strukturstabilität, hält selbst aber wenig Wasser. Vermiculit speichert Wasser und puffert Nährstoffe; für selbst gemischte Anzuchterden wird eine Körnung von 3 bis 6 mm empfohlen. Sein Nachteil beim Gießen ist, dass es sich noch trocken anfühlen kann, obwohl es schon stark mit Wasser gesättigt ist.
Worin unterscheiden sich Kokoserde und Torf als Bestandteile der Anzuchterde?
Es kommt auf die Form an: Kokosfasern halten weniger Wasser als Torf und erhöhen die Luftkapazität, Kokosmark ähnelt beim Luft- und Wasserhaushalt eher dem Torf. Torfabbau zerstört Moorlebensräume und setzt Treibhausgase aus dem gespeicherten Kohlenstoff frei. Bei Kokossubstraten gehören die Umweltwirkungen von Herstellung und langen Transportwegen in die Bewertung.
Welche Rolle spielt die Sterilität der Anzuchterde bei der Pflanzenvermehrung?
Ein geeignetes Substrat ist frei von Krankheitserregern, Schädlingen und Schadstoffen. Verwende deshalb kein Substrat aus Gefäßen, in denen Pflanzen abgestorben oder krank waren. Gereinigte Anzuchtbehälter verringern mögliche Infektionsquellen zusätzlich.
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