Anzuchterde anreichern: Perlit, Vermiculit, Kompost und Dünger richtig zusetzen
- Gartenbau-Perlit erhöht die Luftkapazität der Anzuchterde und verbessert ihre Strukturstabilität; Perlit als Bauprodukt kann beschichtet sein.
- Vermiculit speichert Wasser und puffert Nährstoffe, kann sich aber auch bei hoher Wassersättigung noch trocken anfühlen.
- Der Salzgehalt einer Aussaaterde sollte unter 0,5 g/l liegen, deshalb kommen Hornspäne und Guano erst ins Substrat zum Pikieren.
- Reiner Kompost ist wegen seines hohen Nährstoffgehalts keine Anzuchterde; reif und gesiebt ergänzt er eine Mischung.
- Angereicherte torffreie Erde frisch anmischen: Beim Lagern können organische Bestandteile Nährstoffe freisetzen und den Salzgehalt erhöhen.

Wer Perlit, Kompost oder Hornspäne in die Anzuchterde mischt, will kräftige Jungpflanzen. Ein Zusatz kann Sämlingen aber auch schaden, wenn er die Erde zu nass, zu dicht oder zu nährstoffreich macht. Bevor ich etwas in meine Aussaaterde gebe, lege ich deshalb fest, was sich ändern soll: mehr Luft, mehr Wasser oder mehr Nährstoffe. Danach richtet sich, welcher Zusatz in die Wanne kommt.
Ein Kultursubstrat muss den Wurzeln Halt geben und ihre Versorgung mit Luft, Wasser und Nährstoffen sichern. Jeder Zusatz verändert mindestens einen dieser Punkte. Wie sich Aussaaterde, Pikiersubstrat und Topferde grundsätzlich unterscheiden, steht in den Grundlagen zu Salzgehalt, Bestandteilen und torffreien Mischungen von Anzuchterde.
Welcher Zusatz welche Aufgabe übernimmt
Mineralische Zusätze lockern die Erde oder halten Wasser. Organische Zusätze bringen Struktur und zum Teil Nährstoffe mit. Dünger und BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben. zielen auf die Versorgung der Wurzeln.
| Zusatz | Aufgabe in der Mischung | Darauf achte ich |
|---|---|---|
| Perlit | erhöht die Luftkapazität und verbessert die StrukturstabilitätStrukturstabilität beschreibt, wie dauerhaft eine Blumenerde oder ein Substrat locker bleibt. Strukturstabile Erde gibt den Wurzeln Halt, ohne mit der Zeit zusammenzusacken oder zu verdichten. | nur Perlit, das für den Gartenbau bestimmt ist |
| VermiculitVermiculit ist ein natürliches Mineral, das durch starkes Erhitzen zu einem leichten, porösen Granulat aufgebläht wird. Als Zusatz in Anzucht- und Pflanzerden lockert es das Substrat und speichert Wasser sowie gelöste Nährstoffe. | speichert Wasser und puffert Nährstoffe | kann sich auch bei hoher Wassersättigung trocken anfühlen |
| Quarzsand | lockert und lässt Wasser leichter durch | fein bis mittelgrob gekörnt |
| KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf., KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf. | Bestandteile torffreier Mischungen | gepresste Blöcke vor dem Mischen einweichen |
| Reifer Kompost | bringt Nährstoffe und Struktur | pur keine Anzuchterde |
| Hornspäne, Guano | organische Dünger | nicht in die Aussaaterde |
| AlgenkalkAlgenkalk ist ein Kalkdünger auf Grundlage von Rotalgen. Er besteht überwiegend aus kohlensaurem Kalk mit vielen Spurenelementen, wirkt langsam und hebt einen zu sauren Gartenboden in den leicht sauren oder neutralen Bereich. | hebt den pH-Wert an | nur nach einer Messung |
| MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. | Pilze, die mit Pflanzenwurzeln zusammenleben | keine Wirkung in der Schale zugesagt |
Anzuchterde mit Perlit: was es bringt und wie du mischst
Perlit besteht aus kleinen, weißen und sehr leichten Körnern vulkanischen Ursprungs. Als Zuschlag im Substrat erhöht Gartenbau-Perlit die Luftkapazität. Gemeint ist der Anteil der Poren, der nach dem Gießen mit Luft gefüllt bleibt. Außerdem verbessert Perlit die Strukturstabilität, die Mischung sackt also weniger zusammen.
Kauf nur Perlit, das ausdrücklich für den Gartenbau bestimmt ist. Perlit als Bauprodukt kann beschichtet sein und unterliegt anderen Anforderungen als ein Zuschlag für Anzuchtsubstrate.
Ich greife zu Perlit, wenn eine Erde nach dem Gießen schwer und klebrig wirkt oder an der Oberfläche verkrustet. Die passende Menge hängt vom Ausgangssubstrat ab. Eine schwere, feuchte Erde braucht mehr Lockerung als eine ohnehin luftige Fertigerde.
So tastest du dich an deine Mischung heran:
- Gib Perlit zur Grundmischung und arbeite es nach jeder Zugabe gründlich ein.
- Drück eine angefeuchtete Probe in der Hand zusammen. Zerfällt sie beim Öffnen wieder in Krümel, spricht das für eine lockere Struktur.
- Füll eine Probe in ein Gefäß mit Wasserabzug und gieß sie an.
- Schau, ob das überschüssige Wasser abläuft und die Oberfläche locker bleibt. Bleibt sie schmierig, arbeite weiter Perlit ein und wiederhole die Probe.
Perlit und Vermiculit sind beide mineralisch, haben aber verschiedene Aufgaben. Perlit erhöht die Luftkapazität, Vermiculit speichert Wasser und puffert Nährstoffe. Wer beides untermischt, verbindet Lockerung und Wasserhaltung in einer Erde.
Vermiculit und Quarzsand: Wasser halten oder durchlassen
Vermiculit speichert Wasser und puffert Nährstoffe. Ich mische es unter, wenn eine Erde schnell austrocknet, zum Beispiel weil viel Perlit oder Sand darin steckt.
Vermiculit kann sich auch bei hoher Wassersättigung noch trocken anfühlen. Bei torffreien Substraten kann zudem eine trockene Oberfläche verdecken, dass die Erde im unteren Topfbereich nass ist. In einer torffreien Mischung mit Vermiculit kann die Fingerprobe an der Oberfläche also doppelt täuschen. Vor dem Gießen prüfe ich deshalb auch die Feuchte unter der Oberfläche.
Nachgießen, nur weil die Oberfläche trocken wirkt. In ständig zu nasser Topferde vermehren sich TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen. besonders, und ihre Larven können die Wurzeln von Jungpflanzen schädigen.
Wie Zusätze und Gießpraxis zusammenspielen, erklärt der Ratgeber dazu, wie du die Wasserspeicherfähigkeit deiner Anzuchterde einstellst.
Quarzsand lockert die Mischung und lässt Wasser leichter durch. Ich nehme dafür feinen bis mittelgroben Quarzsand. Er ist auch Teil der ungedüngten Grundmischung für robuste Jungpflanzen, die ich beim Mischen weiter unten beschreibe.
Kokosfasern und andere torffreie Bestandteile
Kokosfasern und Kokosmark kommen meist als gepresste Blöcke oder Scheiben in den Handel. Vor dem Mischen weichst du sie in Wasser ein, bis sie aufgequollen sind, und zupfst sie locker. Erst dann verteilen sie sich gleichmäßig in der Erde.
Kokos-Quelltabletten kannst du ohne zusätzliche Anzuchterde verwenden. Wie die Jungpflanze danach mit Nährstoffen versorgt wird, hängt von Kultur und Produkt ab.
Kokosfasern und Kokosmark gehören wie Holzfasern, Rindenhumus und Substratkompost zu den Bestandteilen torffreier Substrate, die kombiniert werden, damit sich ihre Eigenschaften ausgleichen. Torffreie Substrate schonen Moore, und beim Kauf zählt die ausdrückliche Kennzeichnung als torffrei, denn die Bezeichnung Bio-Erde allein garantiert das nicht. Mehr zu torffreien Mischungen steht im Überblick zu Aussaat und Anzucht.
Kompost: reif, gesiebt und nie pur
Reifer Kompost bringt Nährstoffe und Struktur in die Anzuchterde. Pur eignet er sich wegen seines hohen Nährstoffgehalts aber nicht als Anzuchterde. Ich nehme nur Kompost, der fertig verrottet ist und erdig riecht, und siebe ihn vor dem Mischen.
Blumen- und Gartenerde darf nährstoffreicher und gröber strukturiert sein als Anzuchterde. Warum dieser Unterschied für Sämlinge zählt, erklärt der Ratgeber darüber, welche Rolle die Anzuchterde von der Keimung bis zur Jungpflanze spielt.
Dünger in der Anzuchterde: Hornspäne, Guano und Kalk
Bei Dünger entscheidet die Stufe der Anzucht. Der Salzgehalt einer Aussaaterde sollte unter 0,5 g/l liegen. Beim Pikieren darf das Substrat bis zu 1,5 g/l haben, die Werte aller Stufen stehen im Überblick zu Aussaat und Anzucht.
Wenn organische Bestandteile Nährstoffe freisetzen, kann das den Salzgehalt eines Substrats erhöhen. Weil Aussaaterde unter dem genannten Wert bleiben soll, mische ich düngende Zusätze erst in die Erde zum Pikieren und Topfen.
Hornspäne sind gemahlenes Horn und geben ihren Stickstoff langsam ab. Ich nehme fein gemahlene Hornspäne und richte die Menge nach der Packungsangabe für Jungpflanzen. Danach beobachte ich Blattfarbe und Wuchs, bevor ich die nächste Mischung genauso ansetze.
Guano ist getrockneter Kot von Seevögeln oder Fledermäusen und sehr nährstoffreich. Für ihn gilt bei mir dieselbe Regel wie für Hornspäne: nichts davon in die Saatschale, die Menge nach Packung.
„Organischer Dünger ist sanft, da kann nichts passieren.” Doch: Auch organische Dünger können bei übermäßiger Gabe den Pflanzen und der Umwelt schaden. Bei Hornspänen und Guano dosierst du deshalb nach Packung und schaust danach auf deine Jungpflanzen.
Algenkalk wird oft genannt, um eine zu saure Mischung anzuheben. Ich kalke Anzuchterde nur, wenn ein pH-Test zeigt, dass die Mischung zu sauer ist, und nie auf Verdacht.
Kaffeesatz und zerkleinerte Eierschalen werden gern als Nährstoffquelle für die Anzuchterde empfohlen. In meine Mischungen kommen sie nicht, weil ich dort nur Bestandteile verwende, deren Nährstoffgehalt ich einschätzen kann.
Mykorrhiza und andere Bodenorganismen
Mykorrhiza-Pilze leben mit Pflanzenwurzeln in einer Gemeinschaft, von der beide Seiten etwas haben. Präparaten wird nachgesagt, dass die Pilzfäden den Wurzeln zusätzliches Wasser und Nährstoffe erschließen, besonders Phosphor. Prüfe an deinen Sämlingen, wie sich Wurzeln und Wachstum entwickeln.
Wenn du ein Präparat ausprobieren willst, halte dich bei Menge, Zeitpunkt und Lagerung an die Packung. Erhitzt du deine Mischung zum Entkeimen, misch das Präparat erst danach unter, sonst tötet die Hitze auch die zugesetzten Pilze.
Gegen Auflauf- und Umfallkrankheiten setze ich auf Vorbeugung statt auf einen Zusatz. Bei Aussaaten von Zierpflanzen beugen lockere Aussaat, gute Durchlüftung und das Vermeiden zu nasser Flächen diesen Krankheiten vor. Bei meinen Gemüseaussaaten halte ich es genauso.
So mische ich angereicherte Anzuchterde
Ich mische in einer sauberen Wanne und halte mich an eine feste Reihenfolge:
- Leg die Stufe fest. Aussaat, Pikieren und Weiterkultur bestimmen, ob Dünger überhaupt hineingehört.
- Prüf die Bestandteile. Der Kompost ist reif und gesiebt, das Perlit für den Gartenbau bestimmt und der Kokosblock eingeweicht.
- Misch nach und nach unter. Arbeite nach jeder Zugabe gründlich durch, bis keine Klumpen einzelner Zusätze mehr zu sehen sind.
- Gieß eine Probe an. Füll sie in ein Gefäß mit Wasserabzug und prüf, ob überschüssiges Wasser abläuft.
- Schreib es auf. Zutaten und Datum kommen auf ein Etikett und ins Gartentagebuch.
Wer ohne Fertigerde startet: Für robuste Jungpflanzen kann eine ungedüngte Mischung aus je 1 Teil Quarzsand, Gartenerde und reifem Kompost verwendet werden. Für empfindliche Aussaaten ist sie keine pauschale Empfehlung. Ob du lieber Fertigerde kaufst oder selbst mischst und welche Mischung zu Gemüse oder Kräutern passt, erklärt der Ratgeber, worauf es bei der Wahl der Anzuchterde ankommt.
Für Stecklinge gelten eigene Ansprüche, nachzulesen im Beitrag darüber, welches Substrat Stecklinge bis zur Bewurzelung brauchen.
Mit Gartenerde und Kompost können Krankheitserreger, Schädlinge und Unkrautsamen in die Mischung gelangen. Ein Kultursubstrat soll aber frei von Krankheitserregern, Schädlingen und Schadstoffen sein. Wie du eine Mischung vor der Aussaat entkeimst, gehört zu den Grundlagen im Überblick zu Aussaat und Anzucht.
Angereicherte Erde mische ich für die anstehende Aussaat frisch an und lege keinen Vorrat an. Bei längerer Lagerung torffreier oder torfreduzierter Erde können organische Bestandteile Nährstoffe freisetzen und so den Salzgehalt erhöhen. Ob sich gebrauchte Erde aus dem Vorjahr noch einmal nutzen lässt, klärt der Ratgeber, wann sich Anzuchterde wiederverwenden lässt und wo die Grenzen liegen.
Perlit für den Gartenbau gekauft? Kompost reif und gesiebt? Kein Dünger in der Aussaaterde? Probe in einem Gefäß mit Wasserabzug angegossen? Feuchte auch unter der Oberfläche geprüft? Mischung frisch angesetzt und notiert?
Jede Mischung bekommt bei mir ein Etikett mit Datum und Zutaten. Im Gartentagebuch halte ich fest, welche Sorten darin gut keimen und sich zügig entwickeln. Die nächste Saison plane ich dann auf Grundlage dieser eigenen Beobachtungen.
