Licht für die Anzucht: Wie hell, wie lange und welche Lampe deine Sämlinge brauchen
- Lange, dünne und blasse Triebe können auf zu wenig Licht hindeuten, auch zu viel Wärme kann dahinterstecken.
- Je wärmer Jungpflanzen stehen, desto heller muss ihr Platz sein.
- Frisch gekeimte Sämlinge stehen hell, anfangs aber geschützt vor praller Sonne.
- Für Pflanzenlampen eignet sich die PPFD in µmol/m²/s besser als eine Luxangabe.
- In einem LED-Versuch waren einstellbare Lampen für Topftomaten und Snackpaprika auf 90 bis 100 µmol/m²/s ausgerichtet.
- Wie Jungpflanzen auf ein Lichtspektrum reagieren, hängt von Art und Sorte ab.
Werden deine SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. auf der Fensterbank lang, dünn und blass, kann zu wenig Licht dahinterstecken. Zu viel Wärme kann das noch verstärken. Ich schaue mir deshalb vor jeder Aussaat an, welcher Platz im Haus wirklich hell ist und wo eine Lampe hängen kann.
Die kurze Antwort auf die Frage, welches Licht Pflanzen bei der Anzucht brauchen: ab der Keimung einen hellen Platz, frisch gekeimt aber zunächst ohne pralle Sonne. Reicht das Fensterlicht nicht, übernimmt eine Pflanzenlampe. Nimm dafür eine LED-Lampe, deren Helligkeit sich einstellen und deren Höhe sich verändern lässt. Wie viel Licht sie liefert, liest du an der PPFD in µmol/m²/s ab und nicht an der Luxzahl.
Woran du erkennst, dass deinen Sämlingen Licht fehlt
Achte auf lange, dünne Triebe und auf Jungpflanzen, die blass und weich wirken. Das kann auf ein zu dunkles Fenster hindeuten, gerade nach dem PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat.. Auch zu hohe Temperaturen nach dem Pikieren können dahinterstecken, deshalb prüfst du immer Helligkeit und Wärme zusammen.
Wie kräftige Jungpflanzen aussehen, zeigt ein Blick auf Salat. Gute Salatjungpflanzen haben einen gesunden Ballen, drei bis vier kompakte, kräftige Blätter, intakte KeimblätterKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. und weiße Wurzeln. Ich vergleiche meine Sämlinge mit diesem Bild und schaue, ob die Stängel nur länger werden, ohne kräftiger zu werden.
Lichtmangel ist nicht die einzige Ursache für schwache Jungpflanzen. Welche Fehler bei der Anzucht sonst häufig passieren und wie du ihnen vorbeugst, liest du in einem eigenen Ratgeber.
Warum Licht und Wärme zusammengehören
Je wärmer Jungpflanzen stehen, desto heller muss ihr Platz sein. Wärme begünstigt bei Lichtmangel ein übermäßiges Längenwachstum. Bei knappem Licht ist ein Platz über der Heizung deshalb doppelt ungünstig. Dort fördert die Wärme das Längenwachstum, und die trockene Heizungsluft kann die Pflanzen stärker verdunsten lassen, als ihre Wurzeln durch Wasseraufnahme ausgleichen können.
Wie warm Jungpflanzen nach der Keimung stehen sollen, ist ein Artwert. Für die helle Weiterkultur von Tomatenjungpflanzen liegen die Empfehlungen zwischen 16 und 20 °C. Werte für weitere Arten stehen im Ratgeber, wie du Jungpflanzen pflegst, abhärtest und auspflanzt.
Fensterbank: Wann reicht das Tageslicht?
Für Paprikakeimlinge eignet sich ein helles Südfenster. Frisch gekeimte Sämlinge stellst du hell auf, schützt sie anfangs aber vor praller Sonne. Eine luft- und lichtdurchlässige Haube über der Saatschale nimmst du ab, sobald der erste Keimling erscheint.
Knapp wird das Fensterlicht bei zu frühen Aussaaten. Bei kurzen Tagen und Lichtmangel können Sämlinge auf der Fensterbank lange, dünne Triebe entwickeln. Die Vorkulturtermine für Paprika reichen von Ende Januar bis Anfang März. Sehr frühe Anzuchten setzen aber passende Licht- und Wärmebedingungen voraus. Tomaten säst du auf der Fensterbank Mitte bis Ende März.
Tomaten brauchen eine kürzere Anzuchtphase als Paprika. Säst du sie gleichzeitig mit der Paprika, stehen sie nur länger bei kurzen Tagen am Fenster und können lang und dünn werden.
Bevor ich im Februar Paprika säe, hängt die Lampe schon über dem Anzuchtregal. Die Tomaten säe ich später und stelle sie zuerst ans hellste Fenster.
Lux oder PPFD: Wie du Pflanzenlicht bewertest
PPFD steht für fotosynthetisch aktive Photonenflussdichte. Angegeben wird sie in µmol/m²/s. Gemeint ist das Licht, das Pflanzen für die FotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. nutzen können.
Eine Luxangabe orientiert sich am Helligkeitsempfinden des Menschen. Für die Bewertung von Pflanzenlampen eignet sich die PPFD deshalb besser. Nennt eine Lampe nur Lux, sagt das über den Nutzen für deine Sämlinge weniger aus. Such im Datenblatt nach einem Wert in µmol/m²/s, bevor du kaufst. Beim Vergleich mehrerer Lampen lege ich die PPFD-Angaben nebeneinander.
Wie viel Licht und wie viele Stunden am Tag?
Konkrete Anhaltspunkte liefern zwei Versuche mit LED-Lampen. Topftomaten und Snackpaprika wurden dort ab dem Topfen beleuchtet, also ab dem Umsetzen in einzelne Töpfe. Basilikum bekam sein Licht ganz ohne Tageslicht schon ab der Aussaat.
| Kultur | beleuchtet ab | LED-Licht pro Tag |
|---|---|---|
| Topftomaten und Snackpaprika | dem Topfen | 16 Stunden |
| Basilikum ‘Großes Grünes’ und ‘Chianti’ | der Aussaat, ohne Tageslicht | 12 Stunden |
90 bis 100 µmol/m²/s: Auf diesen Bereich waren die einstellbaren LED-Lampen im Versuch mit Topftomaten und Snackpaprika ausgerichtet.
Wer Basilikum unter der Lampe zieht, drückt die Samen nur auf das SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. und deckt sie nicht ab. Die Werte oben stammen aus Versuchen mit genau diesen Kulturen und sind keine feste Regel für jeden Sämling. Ich nehme sie bei Tomaten und Paprika unter der Lampe als Startwert und schaue dann auf Wuchs und Farbe der Pflanzen. Für die Keimphase und für andere Arten richte ich mich nach den Sämlingen selbst. Werden sie lang, dünn und blass, kann ihr Platz mehr Licht brauchen.
Welche Pflanzenlampe eignet sich für die Anzucht?
Für die Anzucht im Haus arbeite ich mit LED-Lampen, wie sie auch in den Versuchen verwendet wurden. Wichtig ist zuerst, dass du die Helligkeit einstellen kannst. Damit richtest du die Lampe auf einen Zielbereich aus, so wie es im Tomaten- und Paprikaversuch geschah. Ebenso wichtig ist eine Aufhängung, die du in der Höhe verstellen kannst.
Wachsen Pflanzen zu nah an eine LED-Lampe heran, die sich nicht weit genug hochziehen lässt, können die hohen Lichtintensitäten ihre Blätter schädigen.
Ich ziehe die Lampe nach, wenn die obersten Blätter näher rücken, und prüfe den Abstand jedes Mal, wenn ich nach der Erde schaue. Die tägliche Leuchtdauer regle ich über eine Zeitschaltuhr, damit die Pflanzen jeden Tag gleich lange Licht bekommen.
Darauf achte ich bei einer Pflanzenlampe für die Anzucht:
- Die Helligkeit lässt sich einstellen.
- Die Aufhängung lässt sich in der Höhe verstellen.
- Das Datenblatt nennt die PPFD in µmol/m²/s.
- Eine Zeitschaltuhr regelt die Leuchtdauer.
Welche Lichtfarbe brauchen Sämlinge?
„Ein bestimmtes Lichtspektrum ist für alle Sämlinge das beste.“ So pauschal stimmt das nicht, denn wie Jungpflanzen auf unterschiedliche Lichtspektren reagieren, hängt von Art und Sorte ab.
Ein Farbrezept, das bei einer Sorte passt, lässt sich deshalb nicht einfach auf die nächste übertragen. Beim Kauf achte ich darum zuerst auf einstellbare Helligkeit, verstellbare Höhe und die PPFD-Angabe. Danach beobachte ich, wie meine Sorten unter der Lampe wachsen.
Gewächshaus, Frühbeet und der Weg nach draußen
Im Gewächshaus vergrößern Regale die Stellfläche, beschatten aber die Fläche darunter. Bei rechteckigen Häusern bringt eine Nord-Süd-Längsrichtung gleichmäßig Sonne, eine Ost-West-Längsachse bevorzugt die Wintersonne. Mehr zu Gewächshaus und FrühbeetEin Frühbeet, auch Frühbeetkasten genannt, ist ein Beetkasten, der die Wachstumsbedingungen für Gemüse verbessert. Darin kannst du früher aussäen und ein bis drei Wochen früher ernten als im offenen Beet. findest du im Ratgeber zu Aussaat und Anzucht.
Bevor Jungpflanzen ins Beet kommen, gewöhnst du sie an die Bedingungen im Freien. Selbst angezogenes Fruchtgemüse stellst du bei geeigneter Witterung tagsüber zuerst in den HalbschattenHalbschatten nennt man einen Standort, an den die Sonne nur einen Teil des Tages direkt scheint, bis zu etwa vier Stunden. Typisch sind die Ost- und Westseite von Gebäuden und Mauern oder Plätze unter Bäumen mit dichter Krone. und danach in die Sonne. Das weitere Vorgehen beim AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. und Auspflanzen erklärt derselbe Ratgeber.
Wenn kein heller Platz frei ist
Fehlen ein helles Fenster und eine Lampe, können kräftige, gesunde Jungpflanzen vom Gärtner deinen eigenen Vorzuchtplan ersetzen. Du verzichtest damit allerdings auf einen Vorteil der Eigenanzucht: Bei Tomaten ermöglicht sie meist eine größere Sortenauswahl als der Kauf fertiger Jungpflanzen. Ich plane deshalb erst den hellen Platz und kaufe danach das Saatgut.

