Saatgutbehandlung: Was inkrustiert, pilliert, gebeizt und kalibriert bedeuten
- Inkrustiertes Saatgut trägt eine feine Hülle, seine ursprüngliche Samenform bleibt erhalten.
- Pillierte Samen sind durch eine Hülle rund und gleichmäßig geformt und lassen sich dadurch leichter säen.
- Kalibriert heißt nach dem Korndurchmesser sortiert, das hilft bei der gleichmäßigen Ablage.
- Geprimtes Saatgut läuft rascher oder gleichmäßiger auf, ist aber nur begrenzt haltbar.
- Eine Beize kann vor bestimmten Schadorganismen schützen, wie weit, hängt vom Beizmittel ab.
- Gebeiztes Saatgut wird weder gegessen noch verfüttert und bleibt außer Reichweite von Kindern.
Du stehst vor dem Samenregal und hältst zweimal dieselbe Sorte in der Hand, einmal mit dem Zusatz „pilliert“ und einmal als inkrustiertes Saatgut. Auf einer dritten Tüte steht „gebeizt“. Wer die Wörter nicht einordnen kann, bezahlt für eine Eigenschaft, die er nicht braucht, oder geht mit gebeiztem Saatgut um wie mit gewöhnlichem. Ich drehe deshalb jede Tüte um und lese zuerst, was mit dem Korn gemacht wurde.
Hinter den Angaben stecken vier verschiedene Vorgänge: Das Saatgut wurde sortiert, umhüllt, im Keimprozess aktiviert oder mit einem Mittel behandelt. Welche Angabe zu welchem Vorgang gehört, zeigt die Tabelle.
Die Behandlungsangaben im Überblick
| Angabe | Was mit dem Korn gemacht wurde | Was du davon hast | Worauf du achtest |
|---|---|---|---|
| inkrustiert | feine Hülle, die ursprüngliche Samenform bleibt erhalten | du säst mit den gewohnten Handgriffen | Kennzeichnung lesen, ob eine chemische Behandlung genannt ist |
| pilliert | Hülle formt kleine oder unregelmäßige Samen rund und gleichmäßig | leichtere Aussaat, Ablage Korn für Korn | SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. sorgfältig vorbereiten, gleichmäßig feucht halten |
| kalibriert | nach dem Korndurchmesser sortiert | gleichmäßigere Ablage | nützt bei der Einzelkornablage |
| geprimt | Keimprozess vor der Aussaat aktiviert | rascherer oder gleichmäßigerer Aufgang | nur begrenzt haltbar |
| gebeizt | mit einem Beizmittel behandelt | kann Samen und Keimlinge vor bestimmten Schadorganismen schützen | nicht essen, nicht verfüttern, von Kindern fernhalten |
Alle diese Schritte geschehen, bevor das Saatgut in die Tüte kommt. Was du selbst vor der Aussaat tun kannst, ist ein anderes Thema, nämlich wie du schwer keimende Samen vorquellen lässt, stratifizierst oder anritzt.
Inkrustiertes Saatgut: feine Hülle, die Form bleibt
Bei inkrustiertem Saatgut umgibt eine feine Hülle jedes Korn, und die ursprüngliche Samenform bleibt erhalten. Ein längliches Korn ist nach dem Inkrustieren also immer noch länglich und lediglich von einer Schicht überzogen.
Inkrustiert heißt, dass das Korn eine feine Hülle trägt und seine ursprüngliche Form behält. Pilliert heißt, dass die Hülle das Korn rund und gleichmäßig formt.
Was unterscheidet inkrustiertes von pilliertem Saatgut?
Den Unterschied siehst du an der Form. Das Pillieren macht aus einem kleinen oder unregelmäßigen Samen ein rundes, gleichmäßiges Korn, das sich leichter säen lässt. Die Inkrustierung lässt die Samenform dagegen, wie sie ist. Schütte ein paar Körner auf die Handfläche: Kugeln sind pilliert, überzogene Körner in Samenform sind inkrustiert.
Ist inkrustiertes Saatgut gebeizt?
Das Wort inkrustiert beschreibt die Hülle und nicht ihren Inhalt. Eine Hülle kann ohne Pflanzenschutzmittel auskommen. Das zeigt das Filmcoating des Herstellers Bejo, der solches Saatgut weiß beschichtet. Trägt das Korn dagegen eine chemische Behandlung, muss sie bei Saatgut im Geltungsbereich der Saatgutverordnung gekennzeichnet sein. Verlass dich deshalb auf die Kennzeichnung und nicht auf die Farbe der Körner.
Wie säst du inkrustiertes Saatgut?
Die Körner behalten ihre Form, deshalb säst du sie mit den gewohnten Handgriffen: Rille ziehen, Körner ablegen, mit Erde bedecken. SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. und Abstand nimmst du von der Tüte. Ich drücke die Saat leicht an, damit das Korn und später die Keimwurzel Kontakt zum Boden haben, und halte die Erde danach gleichmäßig feucht.
Pilliertes Saatgut: rund, gleichmäßig, einzeln abzulegen
Pillierte Samen stecken in einer Hülle, die sie rund und gleichmäßig formt. Gedacht ist das für kleine oder unregelmäßige Samen, die sich so leichter säen lassen. Du kannst jedes Korn einzeln dorthin legen, wo später eine Pflanze stehen soll.
Diese Einzelkornsaat spart Saatgut, verlangt aber gut keimfähige Samen und ein sorgfältig vorbereitetes Saatbett. Legst du Korn für Korn auf Abstand, steht neben einer Lücke kein zweiter SämlingSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. als Ersatz. Bereite das Beet deshalb eben, feinkrümelig und unkrautfrei vor.
Bevor ich die ersten Körner lege, weiß ich, wie viele Reihen das Beet bekommt. Dafür kannst du dein Beet vorab im Beetplaner aufteilen.
Worauf achtest du nach der Aussaat?
Halte pillierte Saat gleichmäßig feucht, ohne sie nass zu halten, denn zwischen Samen und Erde liegt hier noch die Hülle. Prüfe vor dem Gießen mit dem Finger, wie feucht die Erde ist.
Wie säst du feine Samen ohne Pillierung?
Feines Saatgut kannst du auch ohne Hülle weniger dicht säen. Mische es mit der doppelten Menge feinem Sand, dann verteilt es sich gleichmäßiger in der Rille. Willst du dir das VereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. ganz sparen, nimm ein Saatband, in dem die Kornabstände schon vorgegeben sind.
Kalibriertes Saatgut: nach Größe sortiert
Kalibriert bedeutet sortiert und nicht umhüllt. Das Saatgut wurde nach dem Korndurchmesser getrennt, damit sich die Körner gleichmäßiger ablegen lassen.
Für die Einzelkornablage wird Gemüsesaatgut meist nach dem Durchmesser sortiert, und zwar in Abstufungen von 0,20 oder 0,25 mm.
Die Sortierung dient also der Ablage. Säst du von Hand in die Rille und vereinzelst später, ist sie für dich kein Kaufgrund. Über die KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. sagt die Angabe nichts, denn die wird eigens im Labor geprüft.
Geprimtes Saatgut: Keimprozess schon aktiviert
Bei geprimtem Saatgut wurde der Keimprozess schon vor der Aussaat aktiviert. Die Samen laufen dadurch gleichmäßiger und schneller auf.
Geprimtes Saatgut bleibt allerdings nur begrenzt haltbar. Der Vorteil liegt im raschen Aufgang, der Nachteil in der Lagerung: Kaufe es also für die anstehende Aussaat und nicht für den Vorrat. Angebrochene Päckchen lagerst du kühl und trocken, damit die Keimfähigkeit erhalten bleibt.
Ich schreibe das Kaufjahr auf jede Tüte und stelle geprimtes Saatgut in meiner Saatgutkiste nach vorn, damit ich es zuerst aussäe.
Gebeiztes Saatgut: ein Mittel am Korn
Gebeiztes Saatgut wurde mit einem Beizmittel behandelt. Das Mittel kann Samen und Keimlinge vor bestimmten Schadorganismen schützen. Wie weit dieser Schutz reicht, hängt vom verwendeten Beizmittel ab, einen Rundumschutz verspricht das Wort also nicht.
Gebeiztes Saatgut ist weder Lebensmittel noch Futter. Es wird nicht gegessen und nicht verfüttert, und du bewahrst es so auf, dass Kinder nicht herankommen. Reste und leere Verpackungen entsorgst du nach den Entsorgungsvorgaben an deinem Wohnort.
Für den Umgang gelten die Hinweise auf der Packung. Ich lese sie, bevor ich die Tüte öffne, und wasche mir nach dem Säen die Hände. Wenn Kinder mitsäen, nimm ungebeiztes Saatgut.
Brauchst du im Hausgarten gebeiztes Saatgut?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil der Schutz vom Beizmittel abhängt und nur bestimmten Schadorganismen gilt. Vorbeugen kannst du in jedem Fall selbst. Ich reinige meine Anzuchtgefäße, weil das mögliche Infektionsquellen verringert, und halte die Aussaaterde feucht statt nass. In nassem SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. können sich Pythium-Erreger bei hoher Feuchtigkeit verbreiten.
Bio oder konventionell: Was gilt für die Beize?
Der Ökolandbau lässt keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel zu, eine chemisch-synthetische Beize findest du deshalb nur an konventionellem Saatgut. Unbehandelt heißt Bio trotzdem nicht in jedem Fall, denn auch Bio-Saatgut kann ein Filmcoating tragen, das für die biologische Produktion zugelassen ist. Was Bio-Saatgut darüber hinaus ausmacht, liest du im Überblick zu Saatgutformen, Keimprobe und Lagerung.
Wo steht die Behandlung auf der Tüte?
Die Saatgutverordnung verlangt für Saatgut in ihrem Geltungsbereich, dass chemische, besondere physikalische und vergleichbar wirkende Behandlungen gekennzeichnet sind. Eine Beize musst du also nicht am Aussehen erraten. Hebe die Tüte mit der Partienummer auf: Läuft eine Saat schlecht auf, lässt sie sich so der gekauften Partie zuordnen.
Die übrigen Begriffe, von samenfest über F1 bis zu den Resistenzkürzeln, erklärt der Ratgeber, wie du die Angaben auf der Saattüte liest.
Wann lohnt sich behandeltes Saatgut im Hausgarten?
Behandeltes Saatgut lohnt sich, wenn die Eigenschaft zu deiner Art zu säen passt. Diese Fälle gehe ich vor dem Kauf durch:
- Feine Samen einzeln auf Abstand legen: Nimm pilliertes Saatgut und bereite das Saatbett eben und feinkrümelig vor.
- Aussaat mit einem Gerät für die Einzelkornablage: Hier passt kalibriertes Saatgut, weil nach dem Durchmesser sortierte Körner gleichmäßiger abgelegt werden.
- Rascher, gleichmäßiger Aufgang gewünscht: Greif zu geprimtem Saatgut und säe es in der anstehenden Saison aus.
- Handsaat in die Rille mit späterem Vereinzeln: Unbehandeltes Saatgut genügt, feine Samen mischst du mit Sand.
- Kinder säen mit: Bleib bei ungebeiztem Saatgut, weil gebeiztes von Kindern ferngehalten werden muss.
Keine dieser Angaben ersetzt die Arbeit am Saatbett. Die Keimfähigkeit einer Partie wird im Labor unter kontrollierten, für die Art günstigen Bedingungen geprüft. Den Aufgang in deinem Garten beschreibt dieser Wert deshalb nicht unmittelbar, und auch bei behandeltem Saatgut entscheiden Saatbett und Feuchte mit.
Legst du die Körner einzeln ab? Säst du in dieser Saison? Säen Kinder mit? Steht eine Behandlung in der Kennzeichnung? Mit diesen vier Fragen entscheidest du am Regal.

