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Bio-Dünger selbst machen: Rezepte und Dosierung für Gemüse und Tomaten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 13 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bei warmer Witterung ist Pflanzenjauche nach etwa 14 Tagen fertig, erkennbar an dunkler Farbe und ausbleibendem Schaum.
  • Für die Wurzeldüngung verdünnst du fertige Pflanzenjauche im Verhältnis 1:10, eine feste Ausbringmenge gibt es nicht.
  • Ein Gemüsebeet bekommt im Frühjahr höchstens 3 l Kompost je m², Stickstoff ergänzt du nach Bedarf.
  • Blütenendfäule bei Tomaten beruht häufig auf gestörtem Calciumtransport zur Frucht, nicht auf fehlendem Calcium im Boden.
  • Holzasche gehört weder ins Beet noch auf den Kompost, sondern abgekühlt in den Hausmüll.
Gesunde, humusreiche Gartenerde in den Händen
Foto: Juan J. Morales-Trejo · Pexels License · Quelle ↗

Brennnesseln vom Zaunrand, Rasenschnitt und Gemüseschalen fallen in jedem Garten an. Aus solchen Pflanzenresten setzt du Naturdünger für Gemüse und Tomaten selbst an. Schwierig wird es erst beim Ausbringen, denn selbst gemachter Dünger trägt kein Etikett mit Nährstoffangaben. Ich halte mich deshalb beim Ansetzen an feste Rezepte und dosiere über Verdünnung, Bodenprobe und den Blick auf die Pflanzen.

Bio-Dünger meint hier organischen Dünger aus pflanzlichem oder tierischem Material. Bevor Wurzeln seine Nährstoffe aufnehmen können, müssen Bodenorganismen sie mineralisieren. Feuchtwarme Bedingungen verstärken diese Freisetzung, bei Frost, Trockenheit oder Staunässe werden dagegen kaum Nährstoffe frei.

Welche Pflanzenreste taugen als Naturdünger?

Nicht jeder Rest passt zu jedem Verfahren. Frisches Kraut setzt du als Jauche an, Küchenabfälle wandern auf den Kompost oder in einen Bokashi-Eimer. Angewelkter Rasenschnitt bleibt als dünne Mulchschicht direkt im Beet.

Pflanzenrest So wird Dünger daraus Darauf achtest du
Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn, Giersch Pflanzenjauche Der Nährstoffgehalt schwankt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeit.
Obst- und Gemüseabfälle, Kaffeesatz, Eierschalen Bestandteil eines gemischten Gartenkomposts Küchenreste mischst du mit grobem Gartenmaterial.
zerkleinerte Obst- und Gemüseabfälle Bokashi im luftdicht verschlossenen Eimer Frisches Ferment gibst du nicht direkt an Pflanzen, es muss mit Erde oder Kompost weiterreifen.
Rasenschnitt angewelkt als dünne Mulchschicht Er liefert Stickstoff nach, den du bei weiteren Gaben anrechnest.
Erntereste und Grünschnitt Kompost Sie versorgen Bodenorganismen und halten Nährstoffe im Gartenkreislauf.

Wie setzt du Pflanzenjauche an?

Für eine Pflanzenjauche brauchst du Kraut, Wasser und ein großes Gefäß. Klassisch ist die Brennnessel, ebenso eignen sich Beinwell, Löwenzahn oder Giersch. Die Mengen in der Tabelle gelten für den Ansatz und sind keine Ausbringmenge.

Ansatz Pflanzenmaterial Wasser Fertig nach
Pflanzenjauche aus frischem Kraut 1 kg frisches, zerkleinertes Kraut 10 l bei warmer Witterung etwa 14 Tagen, sonst etwa 2 bis 3 Wochen
Pflanzenjauche aus getrocknetem Kraut 100 bis 200 g getrocknetes Kraut 10 l wie bei frischem Kraut
Brennnesseljauche aus Blättern 75 g gehackte frische Blätter 1 l etwa 10 bis 14 Tagen
Brennnesseljauche aus Kraut mit Stängeln 100 g frisches Kraut 1 l etwa 10 bis 14 Tagen
Brennnesseljauche aus getrockneten Blättern 15 g getrocknete Blätter 1 l etwa 10 bis 14 Tagen

Schritt für Schritt zur fertigen Jauche

  1. Zerkleinere das Kraut, wiege es ab und übergieße es im Gefäß mit Wasser.
  2. Deck das Gefäß mit einem luftdurchlässigen Gitter oder Netz ab, damit keine Tiere hineinfallen. Einen geschlossenen Deckel setzt du nicht auf.
  3. Rühr die Jauche täglich einmal kräftig um.
  4. Fertig ist sie, wenn sie dunkel gefärbt ist und nicht mehr schäumt.
  5. Verdünne die fertige Jauche für die Wurzeldüngung im Verhältnis 1:10 mit Wasser.

Bei Brennnesseljauche gilt für Jungpflanzen ein Verhältnis von 1:20. Wie viele Nährstoffe in deiner Jauche stecken, schwankt mit Pflanzenart, Zustand des Krauts und Erntezeit.

Marias Erfahrung

Ich wiege das Kraut für jeden Ansatz ab und schreibe Datum und Pflanzenart mit wasserfestem Stift auf den Eimer. Beim täglichen Umrühren sehe ich so, wie lange die Jauche schon gärt.

Häufiger Fehler

Die verdünnte Jauche auf ausgetrocknete Erde gießen. Flüssigdünger gehört auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen.

Komposttee, Wurmkisten-Flüssigkeit und Bokashi-Saft

Drei weitere Flüssigdünger entstehen aus Resten, die ohnehin anfallen. Komposttee setzt du für jede Anwendung neu an, statt ihn auf Vorrat herzustellen. Die Flüssigkeit aus der Wurmkiste verdünnst du im Verhältnis 1:10 mit Wasser und gießt sie als Flüssigdünger. Bokashi-Saft kommt für Gartenfreiflächen im Verhältnis 1:100 ins Gießwasser. Weil er geruchsintensiv sein kann, verwendest du ihn außerhalb von Wohnräumen. Im Eimer lässt du den Saft etwa alle 2 bis 3 Tage ab.

Wann ist eine Blattgabe sinnvoll?

Für übliche Gaben gehört die Jauche an die Wurzel. Bei sehr akutem Nährstoffmangel kannst du sie für eine Blattgabe im Verhältnis 1:50 verdünnen. Sprüh dann bei bedecktem Himmel oder abends, weil starke Sonne die Lösung eintrocknen lässt und Blattschäden begünstigt. Bei empfindlichen Pflanzen machst du vorher eine Probespritzung. Eine Blattgabe kann einen Mangel vorübergehend lindern, ersetzt aber keine Versorgung über die Wurzeln.

Ob wirklich ein Mangel vorliegt, lässt sich an den Blättern allein nicht sicher erkennen. Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden und Verdichtung können ähnliche Symptome verursachen.

Wie verwendest du Kompost im Gemüsebeet?

Reifer Kompost bildet die Grundversorgung im Gemüsebeet. Im Frühjahr bekommt ein Beet davon höchstens 3 l je m², flach eingearbeitet. Diese Gabe deckt den Phosphatbedarf und weitgehend den Kaliumbedarf, liefert aber nicht automatisch genug verfügbaren Stickstoff. Da Kompost außerdem nur wenig Stickstoff freisetzt, ergänzt du den Stickstoff gezielt nach dem Bedarf der Kultur, statt mehr Kompost zu streuen.

Häufiger Fehler

Kompost tief untergraben. Tiefer im Boden können bei Sauerstoffmangel pflanzenschädigende Fäulnisprodukte entstehen, deshalb arbeitest du ihn nur oberflächlich ein.

Woran erkennst du reifen Kompost?

Fürs Gemüsebeet nimmst du nur reifen Kompost, und den Reifegrad prüfst du mit dem Kressetest. Ich säe dafür Kresse in eine Schale mit Kompost und zum Vergleich in eine Schale mit Gartenerde. Ist der Aufwuchs im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit. Frischen Kompost gibst du nicht zu Wurzelgemüse, Zwiebeln oder Kohl, weil er schädliche Gemüsefliegen anlocken kann.

Kompost oder Mist, und wie viel Fläche du brauchst

Auf eine Fläche kommt entweder Kompost oder Stallmist, weil beide organische Substanz und Nährstoffe zuführen. Wer alle häuslichen Bioabfälle selbst verwertet, braucht als Faustregel ungefähr 50 bis 70 m² gedüngte Gartenfläche je Haushaltsmitglied. Auf kleinerer Fläche können sich die Nährstoffe übermäßig anreichern. Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² jährlich können im Hausgarten genug Kalzium nachliefern. Ob zusätzlich gekalkt wird, entscheidet trotzdem der Bodenbefund.

Gartenkompost tötet Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil die nötigen Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht werden.

Kompost als Zuschlag in selbst gemischter Erde

Reiner Kompost eignet sich nicht als Anzuchterde, denn seine hohe Nährsalzkonzentration kann Keimlingswurzeln Wasser entziehen. In Mischungen setzt du ihn deshalb nur in begrenztem Anteil ein.

Zahl im Blick

In selbst gemischter Blumenerde sollte höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerotteter Kompost stecken. In Anzuchterde für Aussaat und Stecklinge sind es meist höchstens 20 Volumen-%. Als Erdbestandteil siebst du den Kompost auf etwa 10 bis 15 mm.

Kompost anlegen, Wurmkiste und Bokashi

Reifer Gartenkompost braucht je nach Material und Rotteführung etwa 4 bis 12 Monate. Ohne Garten bleibt die Wurmkiste, und im Bokashi-Eimer fermentieren Küchenabfälle luftdicht verschlossen, bevor das Ferment mit Erde oder Kompost weiterreift. Wie du einen Kompost anlegst, von Standort und Material bis zum passenden System, erklärt der Grundlagenratgeber Düngen, Boden & Kompost.

Wie viel Dünger braucht welches Gemüse?

Gemüse braucht unterschiedlich viel Stickstoff. Als Orientierung gelten Tomaten als Starkzehrer, Rote Bete als Mittelzehrer und Erbsen als Schwachzehrer. Welche Kultur wie viel braucht, berücksichtigst du bei der Planung mit dem Beetplaner, der Zehrer-Einstufung und Anbaupausen einbezieht.

Stickstoff unterstützt Blatt- und Triebwachstum, Phosphor ist am Energiehaushalt beteiligt und Kalium reguliert den Wasserhaushalt. Mehr zu Nährstoffen und Pflanzenbedarf erklärt der Grundlagenratgeber Düngen, Boden & Kompost.

Erst den Bedarf klären, dann düngen

Wie viel Stickstoff du ergänzt, ergibt sich aus dem Bedarf der Pflanze abzüglich des mineralischen Stickstoffs im Boden und der erwarteten Nachlieferung. Eine Standard-Bodenuntersuchung erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und pH-Wert. Den pflanzenverfügbaren Stickstoff muss das Labor gesondert als Nmin-Wert bestimmen. Im Hausgarten wird eine Bodenanalyse alle 3 bis 5 Jahre empfohlen. Liefert der Bodenhumus viel Stickstoff nach, kannst du die zusätzliche Gabe verringern oder ganz aussetzen. Kompost, Jauche und Mulch aus Rasenschnitt zählen bei dieser Rechnung mit.

Kurz erklärt

Bei gekauftem Dünger mit Etikett rechnest du die Menge aus. Die Produktmenge in g/m² ist der Nährstoffbedarf in g/m² mal 100, geteilt durch den Nährstoffgehalt des Düngers in %. Beispiel: 5 g Stickstoff je m² ergeben bei einem Dünger mit 20 % Stickstoff rechnerisch 25 g Produkt je m².

Horndünger nach Zehrergruppe

Brauchen deine Beete zusätzlichen Stickstoff und sind sie gut mit Phosphat und Kalium versorgt, dienen dir diese Höchstwerte als Orientierung. Sie gehen von einer jährlichen Kompostgabe von 3 l je m² aus und gelten vor der Korrektur für humusreiche Böden.

Zehrergruppe Beispiele Horndünger je m² So gibst du ihn
Schwachzehrer Feldsalat, Radieschen, Kopfsalat, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln bis zu 50 g zur Saat oder Pflanzung leicht einarbeiten
Mittelzehrer Eissalat, Möhren, Endivien, Rettich, Spinat, Rote Bete, Gurken bis zu 100 g zur Saat oder Pflanzung leicht einarbeiten
Starkzehrer Tomaten und weitere ausdrücklich als Starkzehrer genannte Kulturen bis zu 150 g 50 % zur Pflanzung, 50 % etwa 3 bis 4 Wochen danach

Eine einzelne Stickstoffgabe im Garten sollte 10 g N je m² nicht überschreiten.

Hornmehl oder Hornspäne?

Für die vollständige Umsetzung von Hornmehl im Boden rechnest du mit etwa 6 Wochen, gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate. Radieschen und Kopfsalat haben dagegen nur 4 bis 8 Wochen Entwicklungszeit. Für solche kurzen Frühjahrskulturen nimmst du deshalb Hornmehl statt grober Hornspäne. Im Gemüsegarten bringst du Horndünger auch für Herbstkulturen nicht später als Ende August aus. Bei Feldsalat und Radieschen im Spätsommer kann die Stickstoffdüngung meistens entfallen.

Hornprodukte werden aus getrockneten Rinderhörnern und Rinderhufen hergestellt. Wer auf tierische Rohstoffe verzichten möchte, findet in Rapskuchen und Vinasse pflanzliche organische Dünger. Handelsübliche Hornspäne sind übrigens nicht grundsätzlich keimfrei, denn bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden Salmonellen nachgewiesen.

Tipp

Dünger unterscheiden sich im Schüttgewicht. Wiege die Menge für einen Quadratmeter einmal ab und markiere die Füllhöhe an einem Becher, dann brauchst du beim nächsten Streuen keine Waage.

Wie düngst du Tomaten mit Bio-Dünger?

Tomaten sind Starkzehrer und haben einen höheren Stickstoffbedarf als Erbsen und Bohnen. Zu viel ist trotzdem nicht gut, denn ein Stickstoffüberschuss kann starkes Laubwachstum auf Kosten der Blütenbildung fördern. Auch eine zusätzliche Phosphatbetonung ist kein allgemeiner Weg zu mehr Blüten.

Tomaten im Beet

Im Beet startest du im Frühjahr mit der Kompostgrundgabe. Den zusätzlichen Horndünger teilst du auf: Die Hälfte kommt bei der Pflanzung ins Beet, die andere Hälfte 3 bis 4 Wochen später. Statt Kompost kannst du abgelagerten Stallmist im Frühjahr vor der Pflanzung flach einarbeiten. Er sollte mindestens 1 Jahr gelagert sein, besser zusätzlich mit Pflanzenresten kompostiert. Wegen der Phosphatzufuhr bringst du nicht mehr als 3 kg Rinder- oder Pferdemist je m² aus.

Frischer Mist kann keimfähige Unkrautsamen, Tierarzneimittelrückstände und Krankheitserreger enthalten. Auch die lange Lagerung ist kein Nachweis, dass er frei von Erregern ist. Beim Verteilen trägst du deshalb Handschuhe oder wäschst dir danach gründlich die Hände. Geerntete Tomaten wäschst du vor dem Essen gründlich.

Tomaten im Kübel

Für Tomaten auf Balkon und Terrasse sollte das Gefäß mindestens 10 l Substrat fassen. In torffreies Substrat mischst du die Grundgabe Horn schon vor dem Pflanzen ein. Als Beispiel gelten etwa 5 g Hornmehl oder Horngrieß je Liter Substrat. Feste organische Dünger müssen erst mikrobiell abgebaut werden, in kleinen Gefäßen kann ihre Wirkung deshalb verzögert und unzureichend einsetzen. Während des Fruchtwachstums kann bei Balkongemüse eine zusätzliche Flüssigdüngung nötig werden. Substrate mit hohem Holzfaseranteil können außerdem mehr Stickstoff brauchen als die bisher verwendete Erde.

Bei torffreier Erde trocknet die Oberfläche schneller als das Substrat darunter. Ich stecke deshalb vor jeder Flüssiggabe den Finger tief in den Topf oder hebe ihn kurz an, denn Flüssigdünger kommt nur auf feuchte Erde.

Gleichmäßig gießen statt Eierschalen streuen

Tomaten brauchen bis zur Ernte eine gute Wasserversorgung. Gleichmäßiges Gießen unterstützt dabei die kontinuierliche Aufnahme von Nährstoffen. Gieß morgens direkt in den Wurzelbereich, damit weniger Wasser verdunstet und das Laub möglichst trocken bleibt. Bei trockenem Wetter dienen etwa 20 bis 25 l Wasser je m² und gründlichem Gießgang als Orientierung für eingewachsene Gemüsebestände.

Mythos-Check

Eierschalen sollen Tomaten vor Blütenendfäule schützen. Die Blütenendfäule beruht aber häufig auf unzureichendem Calciumtransport zur Frucht und nicht auf fehlendem Calcium im Boden. Ungleichmäßige Wasserversorgung kann diesen Transport beeinträchtigen. Wer Eierschalen streut, ändert also an der häufigen Ursache wenig, während gleichmäßiges Gießen das Risiko senken kann.

Achtung

Holzasche gilt manchen als Kaliumquelle für Tomaten. Wegen möglicher Schwermetall- und Schadstoffbelastungen gehört sie aber weder ins Beet noch auf den Kompost. Abgekühlt kommt sie in den Hausmüll, und zwar ohne Staub aufzuwirbeln.

Mulch und Nitrat

Tomaten mulchst du erst ab Mai oder Juni, damit sich der Boden vorher erwärmen kann. Stroh eignet sich als Mulch für Tomaten, bindet beim Abbau aber Stickstoff. Die Stickstoffversorgung stellst du deshalb vor dem Mulchen mit einer ergänzenden Gabe sicher. Viel Stickstoff im Boden kann außerdem die Nitratanreicherung im Gemüse fördern. Das ist kein Grund, auf Gemüse zu verzichten, wohl aber einer, bedarfsgerecht zu düngen.

Wie dosierst du selbst gemachten Dünger richtig?

Der Nährstoffgehalt einer selbst angesetzten Jauche schwankt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeit. Für Ausbringmenge und Häufigkeit gibt es deshalb keine allgemeingültige Vorgabe. Weil jede Gabe zudem mit dem Bodenvorrat und dem Kompost verrechnet werden muss, hilft dir ein fester Düngekalender wenig. Taste dich stattdessen heran: Gib die verdünnte Jauche, beobachte Wuchs und Blattfarbe und gleiche das mit dem Bodenbefund ab.

Grundregeln beim Ausbringen

Bodendünger bringst du auf feuchten Boden aus und achtest darauf, dass er nicht auf nassen Pflanzenteilen liegen bleibt, weil dort Ätzschäden entstehen können. Im Hausgarten ist eine Frühjahrsdüngung der Herbstdüngung vorzuziehen, weil so weniger Nährstoffe ausgewaschen werden. Auf leeren Beeten nimmt keine Pflanze die frei werdenden Nährstoffe mehr auf, sie sind dann auswaschungsgefährdet. Organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit oder Staunässe kaum Nährstoffe frei, und eine weitere Gabe behebt das akute Problem dann nicht zuverlässig. Feuchtwarme Witterung kann dagegen starke Nährstoffschübe auslösen. Bei Hitze und Trockenheit gibst du Flüssigdünger nur niedrig konzentriert auf zuvor angefeuchteten Boden und nicht auf die Blätter.

Mini-Checkliste

Ist die Erde feucht? Bleiben die Blätter trocken? Ist die Jauche verdünnt? Hast du Kompost, Mist, Gründüngung und Mulch aus Rasenschnitt angerechnet? Wächst die Pflanze, und ist der Boden weder gefroren noch ausgetrocknet oder staunass?

Auch Bio-Dünger kann zu viel sein

Auch organische Dünger können bei zu hohen Gaben Pflanzen schädigen und Boden sowie Grundwasser belasten. Nitrat kann mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen, besonders nach der Ernte und bei starken Niederschlägen. Weist die Bodenprobe für einen Nährstoff Versorgungsstufe E aus, kannst du die Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend aussetzen. Bei Stufe D braucht nur 50 % des erwarteten Entzugs durch Düngung ersetzt zu werden.

Achtung

Feste Dünger lagerst du trocken und verpackt oder abgedeckt. Nicht ausreichend erhitzter Rizinusschrot in organischen Düngern kann bei Hunden schwere Vergiftungen verursachen. Bei Verdacht kontaktierst du sofort eine Tierarztpraxis und bringst die Verpackung mit, ohne Hausmittel zu geben oder Erbrechen auszulösen. Hat ein Kind vermutlich größere Mengen Blumendünger aufgenommen, wendest du dich an ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis.

Jetzt dran

Lass im Herbst nach der Ernte eine Standard-Bodenprobe untersuchen und plane danach Kompost und Horndünger Beet für Beet. Für die erste Jauche schneidest du frisches Kraut, wiegst es ab und deckst das Gefäß mit einem Gitter statt einem Deckel ab.

Was ist mit Bananenschalen, Kaffeesatz und Eierschalen?

Obst- und Gemüseabfälle, Kaffeesatz und Eierschalen eignen sich als Bestandteile eines gemischten Gartenkomposts. Ihre Nährstoffe gelangen dann über die Kompostgabe ins Beet. Kaffeesatz enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium, ergibt aber keine festgelegte Düngerdosis. Willst du ihn direkt nutzen, trocknest du ihn vorher und arbeitest ihn als ergänzende Gabe in kleinen Mengen in die Erde ein.

Bei Schalenwasser aus Bananen- oder Eierschalen weißt du weder, wie viele Nährstoffe sich gelöst haben, noch wie stark du verdünnen müsstest. Ich sammle die Schalen deshalb in einem Behälter neben der Spüle und leere ihn auf den Kompost, sobald er voll ist. Zu Eierschalen gegen Blütenendfäule findest du den Mythos-Check im Tomatenabschnitt.

Wie passen Gründüngung, gekaufte Dünger und Fruchtfolge dazu?

Gründüngung

Gründüngung auf frei gewordenen Beeten bindet freigesetzte Nährstoffe und verringert deren Auswaschung. Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen können mithilfe von Knöllchenbakterien zusätzlich Luftstickstoff binden, und was beim Verrotten frei wird, rechnest du bei der Folgekultur an. Wie du den Gemüsegarten mit Kompost, Gründüngung und Mulch versorgst, zeigt ein eigener Ratgeber.

Hornspäne und andere feste organische Dünger

Gekaufte feste organische Dünger wie Hornspäne, Knochenmehl oder Blutmehl müssen erst mikrobiell abgebaut werden, bevor Pflanzen ihre Nährstoffe aufnehmen. Hornprodukte liefern überwiegend Stickstoff und Schwefel und ersetzen deshalb keine vollständige Nährstoffversorgung. Welche organischen Dünger im Gemüse-, Obst- und Ziergarten infrage kommen, erklärt der Ratgeber zur organischen Düngung.

Fruchtfolge, Mischkultur und Bodenleben

Selbst gemachter Dünger ist ein Baustein neben Fruchtfolge, Mischkultur, Mulch und Bodenpflege. Humus ernährt die Bodenorganismen, deren Tätigkeit Nährstoffe freisetzt und über Regenwurmgänge auch Durchlüftung und Wasserversickerung unterstützt. Welche Kulturen als Beetnachbarn zusammenpassen, prüfst du im Planer, und welche natürlichen Düngemethoden es im Bio-Garten gibt, zeigt ein Überblick.

Was bringt Bio-Dünger gegenüber Mineraldünger?

Die Herstellung synthetischer Mineraldünger ist energieaufwendig, deshalb kann das Recycling vorhandener Gartennährstoffe den Zukauf verringern. Eigener Kompost kann außerdem Ausgaben für Dünger und Blumenerde senken. Warum sich biologischer Dünger für Boden, Umwelt und Geldbeutel lohnt, vertieft der Nachbarratgeber.

Häufige Fragen

Wie funktioniert die Herstellung von Pflanzenjauchen aus Brennnesseln und Beinwell?
Für Brennnesseljauche setzt du 75 g gehackte frische Blätter je Liter Wasser an, und auch Beinwell eignet sich als Rohstoff für eine Pflanzenjauche. Das Gefäß deckst du mit einem luftdurchlässigen Gitter oder Netz statt mit einem Deckel ab und rührst täglich einmal kräftig um. Fertig ist die Jauche, wenn sie dunkel gefärbt ist und nicht mehr schäumt, bei warmer Witterung nach etwa 14 Tagen. Zum Gießen an die Wurzel verdünnst du sie im Verhältnis 1:10 mit Wasser.
Welche Dosierung und Anwendungsfrequenz empfiehlt sich bei selbstgemachten Düngern?
Fertige Pflanzenjauche verdünnst du für die Wurzeldüngung im Verhältnis 1:10 mit Wasser und gießt sie auf bereits feuchte Erde. Brennnesseljauche für Jungpflanzen kommt im Verhältnis 1:20 ins Gießwasser. Eine allgemeingültige Ausbringmenge oder ein festes Intervall gibt es nicht, weil der Nährstoffgehalt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeit schwankt. Richte dich deshalb nach Bodenprobe und Pflanzenbedarf und rechne Kompost und andere Dünger mit an.
Welche organischen Düngemittel eignen sich am besten für den Gemüsegarten?
Die Grundlage ist reifer Kompost, von dem ein Gemüsebeet im Frühjahr höchstens 3 l je m² bekommt. Diese Gabe deckt den Phosphatbedarf und weitgehend den Kaliumbedarf, aber nicht automatisch den Stickstoff. Den ergänzt du nach dem Bedarf der Kultur mit Horndünger, wobei sich für kurze Frühjahrskulturen Hornmehl besser eignet als grobe Hornspäne. Pflanzliche Alternativen zu Horn sind Rapskuchen und Vinasse.
Stimmt es, dass biologische Dünger grundsätzlich nicht überdosiert werden können?
Nein, auch organische Dünger können in zu hohen Mengen Pflanzen schädigen und Boden sowie Grundwasser belasten. Bei feuchtwarmer Witterung können sie starke Nährstoffschübe auslösen. Deshalb rechnest du Kompost, Mist und Gründüngung bei jeder weiteren Gabe mit an. Eine einzelne Stickstoffgabe im Garten sollte 10 g Stickstoff je m² nicht überschreiten.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung verschiedener organischer Dünger im Jahresverlauf?
Im Hausgarten ist die Frühjahrsdüngung der Herbstdüngung vorzuziehen, weil dann weniger Nährstoffe ausgewaschen werden. Kompost arbeitest du im Frühjahr flach ein, und für die vollständige Umsetzung von Hornmehl rechnest du mit etwa 6 Wochen. Horndünger bringst du im Gemüsegarten nicht später als Ende August aus. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei, sodass eine weitere Gabe das Problem nicht zuverlässig behebt.
Wie beeinflusst der pH-Wert des Bodens die Wirksamkeit von biologischen Düngern?
Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen und ihre Verfügbarkeit einschränken. Außerhalb des Bereichs von pH 5,5 bis 7,0 nimmt etwa die Löslichkeit vieler Phosphatverbindungen stark ab. Ein zu hoher pH-Wert kann auch Spurennährstoffmangel verursachen, obwohl die Nährstoffe im Boden vorhanden sind. Welcher Bereich passt, hängt von Bodenart und Humusgehalt ab und lässt sich mit einer Bodenanalyse klären.
Was sind Bio-Dünger und wie unterscheiden sie sich von chemischen Düngern?
Bio-Dünger sind organische Dünger aus überwiegend pflanzlichem oder tierischem Material, etwa Kompost, Pflanzenjauche, Mist oder Hornspäne. Mineraldünger liefern Nährstoffe dagegen meist als leicht lösliche Salze, die einen kurzfristigen Bedarf rasch decken können. Organisch gebundene Nährstoffe müssen erst von Bodenorganismen mineralisiert werden, bevor Wurzeln sie aufnehmen. Kompost und Mist können zusätzlich Bodenstruktur und Bodenleben verbessern.
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