Bodennährstoffe: Aufgaben, Quellen und Kaliumbedarf deiner Pflanzen
- Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel sind Hauptnährstoffe, Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor Spurennährstoffe.
- Kalium reguliert den Wasserhaushalt der Pflanze; Beerenobst hat einen höheren Kaliumbedarf, ergänzt wird nach Bodenbefund.
- Holzasche ist keine Kaliumquelle für den Garten: Wegen möglicher Schadstoffe gehört sie in den Hausmüll.
- Phosphatbetonte Blütendünger sind kein pauschaler Weg zu mehr Blüten.
- Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe festlegen, obwohl sie im Boden vorhanden sind.

Wer auf Verdacht einen Volldünger streut, bringt womöglich Nährstoffe aus, die im Boden längst vorrätig sind. Ist reichlich Phosphat da und fehlt nur Kalium oder Magnesium, sind gezielte EinzelnährstoffdüngerEin Einzelnährstoffdünger enthält nur einen einzigen Pflanzennährstoff, zum Beispiel nur Stickstoff oder nur Kalium. Ein Mehrnährstoffdünger liefert dagegen mehrere Nährstoffe als Mischung. sinnvoller als ein zusätzlicher NPK-DüngerEin NPK-Dünger ist ein Dünger, der die Hauptnährstoffe Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) gemeinsam enthält; die Buchstaben im Namen stehen für genau diese Nährstoffe. Die Zahlen auf der Packung nennen ihre Anteile in Prozent.. Bevor ich dünge, lege ich deshalb den letzten Bodenbefund neben das Etikett und gehe Nährstoff für Nährstoff durch.
Dafür hilft es zu wissen, was jeder Nährstoff in der Pflanze tut und woher er kommt. Auch die Frage, welche Pflanzen Kalium brauchen, lässt sich so beantworten: alle, denn Kalium zählt zu den Hauptnährstoffen. Einen höheren Bedarf hat zum Beispiel Beerenobst.
Welche Nährstoffe braucht der Gartenboden?
Pflanzen brauchen zwei Gruppen von Nährstoffen. Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel sind die mineralischen Hauptnährstoffe, auch Makronährstoffe genannt. Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor gehören zu den Spurennährstoffen. Magnesium zählt dabei zu den Hauptnährstoffen und nicht zu den Spurennährstoffen.
Aufgenommen wird alles auf demselben Weg. Die Wurzeln nehmen Nährstoffe in Wasser gelöst und in mineralischer Form auf. Organisch gebundene Nährstoffe aus Kompost, Mist oder Horn müssen deshalb erst von Bodenmikroorganismen mineralisiert werden. Weil die Nährsalze nur gelöst in die Wurzel gelangen, kann Trockenheit Mangelsymptome auslösen, obwohl Nährstoffe im Boden vorhanden sind.
| Nährstoff | Gruppe | Aufgabe in der Pflanze | Quellen im Garten |
|---|---|---|---|
| Stickstoff (N) | Hauptnährstoff | Aufbau von Eiweiß und ChlorophyllChlorophyll, auch Blattgrün genannt, ist der grüne Farbstoff in den Blättern. Im Sommer überdeckt es gelbe und rötliche Blattfarbstoffe; wird es im Herbst abgebaut, verfärbt sich das Laub., Wachstum von Blättern und Trieben | Horndünger, Mist, Kompost, Leguminosen, mineralische Stickstoffdünger |
| Phosphor (P) | Hauptnährstoff | Energiehaushalt, Bestandteil der Nukleinsäuren | Kompost, Mist, Superphosphat |
| Kalium (K) | Hauptnährstoff | Zellinnendruck, Wasserhaushalt, Öffnen und Schließen der Spaltöffnungen | Kompost, Kaliumsulfat |
| Calcium (Ca) | Hauptnährstoff | Baustein der Zellwände, Zellteilung und Zellstreckung | Kohlensaurer Kalk, Kompost |
| Magnesium (Mg) | Hauptnährstoff | Bestandteil des Chlorophylls, Photosynthese | Bittersalz (Magnesiumsulfat) |
| Schwefel (S) | Hauptnährstoff | Aufbau von Eiweißen | Horndünger |
| Eisen, Mangan, Kupfer, Zink | Spurennährstoffe | Chlorophyll- und Eiweißbildung | Kompost, Volldünger mit Spurennährstoffen, bei Eisen Eisenchelate |
| Bor | Spurennährstoff | Zell- und Fortpflanzungsentwicklung | Volldünger mit Spurennährstoffen |
| Molybdän | Spurennährstoff | Nitratabbau | Volldünger mit Spurennährstoffen |
Stickstoff (N): Eiweiß, Blätter und Triebe
Pflanzen brauchen Stickstoff für den Aufbau von Eiweißen und Chlorophyll. Besonders für die Bildung und das Wachstum von Blättern und Trieben wird er benötigt. Ein Überschuss kann weiches, mastiges Gewebe begünstigen und starkes Laubwachstum auf Kosten der Blüten fördern. Eine sehr hohe Stickstoffversorgung kann außerdem Blattläusen günstigere Ernährungsbedingungen bieten. Wie eine ausgewogene Versorgung Pflanzen widerstandsfähiger gegen Schädlinge macht, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Im Boden wandeln Mikroorganismen Ammonium in Nitrat um. Nitrat halten die überwiegend negativ geladenen Bodenteilchen kaum fest, deshalb kann es mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen. Gefährdet ist es besonders nach der Ernte, wenn keine Pflanze mehr aufnimmt und starke Niederschläge fallen. Darum ist eine Düngung im Frühjahr der im Herbst vorzuziehen. Ein hohes Stickstoffangebot kann zudem die Nitratanreicherung in Gemüse fördern. Das ist kein Grund, auf Gemüse zu verzichten, wohl aber einer, bedarfsgerecht zu düngen.
Eine einzelne Stickstoffgabe im Garten sollte 10 g N/m² nicht überschreiten, und der tatsächliche Bedarf kann darunter liegen. Weil sich der verfügbare Stickstoff im Lauf der Kultur verändert, liefert eine Stickstoffanalyse nur eine Momentaufnahme.
Stickstoffquellen im Überblick
| Quelle | Stickstoff | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| Hornmehl, Horngrieß, Hornspäne | typischerweise 10 bis 14 % GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist. | nicht vollständig sofort pflanzenverfügbar; für die vollständige Umsetzung von Hornmehl rechnet man mit etwa 6 Wochen, Hornspäne brauchen mehrere Monate |
| Rindermist | etwa 0,5 % Gesamtstickstoff als durchschnittlicher Tabellenwert | einzelne Chargen können abweichen |
| Pferdemist | etwa 0,4 % Gesamtstickstoff als durchschnittlicher Tabellenwert | setzt seinen Stickstoff vergleichsweise langsam frei |
| Frischer Hühnermist | 1,7 % im tabellierten Durchschnitt | Gehalte von Mist schwanken mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil |
| Kompost | überwiegend organisch gebunden | setzt nur wenig Stickstoff frei, zusätzlicher Bedarf kann bestehen |
| Leguminosen wie Erbsen, Bohnen, Klee, Wicken und Lupinen | binden mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff | frei werdenden Stickstoff aus Gründüngung rechnest du bei der Folgekultur an |
| Mineralische Stickstoffdünger | meist leicht löslich | decken einen kurzfristigen Bedarf rasch |
Hornprodukte liefern überwiegend Stickstoff und Schwefel, aber wenig Phosphor und Kalium. Sie ersetzen deshalb keine vollständige Nährstoffversorgung. Je feiner das Horn vermahlen ist, desto schneller wird sein Stickstoff verfügbar. Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei, denn bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden Salmonellen nachgewiesen.
Mist für den Garten sollte mindestens ein Jahr gelagert sein, einen Hygienenachweis ersetzt das aber nicht. Frischer Mist kann Krankheitserreger, keimfähige Unkrautsamen und Tierarzneimittelrückstände enthalten. Trag beim Ausbringen Handschuhe oder wasch dir danach gründlich die Hände, und wasch das geerntete Gemüse gründlich. Eine Fläche bekommt entweder Kompost oder Mist, weil beide organische Substanz und Nährstoffe zuführen. Wegen der Phosphatzufuhr wird die Aufwandmenge von Rinder- oder Pferdemist im Hausgarten auf 3 kg/m² begrenzt.
Stickstoff kann auch fehlen, obwohl gedüngt wurde. Holzhäcksel, Stroh und Rindenmulch können beim Abbau Stickstoff binden. In torffreier, vorgedüngter Erde kann durch die Torfersatzstoffe ebenfalls zu wenig pflanzenverfügbarer Stickstoff vorhanden sein.
Phosphor (P): Energiehaushalt und Nukleinsäuren
Phosphor ist für den Energiehaushalt der Pflanze wichtig und Bestandteil ihrer Nukleinsäuren. Wie gut die Wurzel an Phosphat kommt, hängt stark vom pH-Wert ab. Unterhalb von pH 5,5 nimmt die Löslichkeit vieler Phosphatverbindungen stark ab. Oberhalb von pH 7,0 geschieht dasselbe.
Zu viel Phosphat hat Nebenwirkungen. Ein Überschuss kann Eisen und Zink im Boden festlegen. Eine ausreichende Phosphatversorgung kann außerdem die Ausbildung der arbuskulären MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. unterdrücken, also jener Wurzelpilze, die vorhandene Bodennährstoffe erschließen. Gelangt Phosphor in Gewässer, fördert er Algen und Wasserpflanzen, deren Abbau dort Sauerstoff verbraucht.
Mehr Phosphat bringt mehr Blüten? Phosphatbetonte Blütendünger sind aus Sicht der Pflanzenernährung kein pauschal sinnvoller Weg dorthin. Entscheidend sind eine bedarfsgerechte Versorgung und die Vermeidung von Stickstoffüberschüssen, denn zu viel Stickstoff kann die Blütenbildung beeinträchtigen.
Phosphat bringt Kompost mit. Im Gemüsebeet kann eine jährliche Kompostgrundgabe von 3 l/m² den Phosphatbedarf decken, verfügbaren Stickstoff liefert sie aber nicht automatisch. Im Ziergarten gilt bei Phosphat-Gehaltsstufe C höchstens 3 l Kompost je m² und Jahr als Faustregel, weitere Phosphatgaben entfallen dann. Als mineralische Phosphatquelle gilt Superphosphat. Mineralische Phosphordünger aus sedimentären Rohphosphaten können von Natur aus erhöhte Cadmium- und Urangehalte aufweisen.
Wer Kompost gibt, der den Phosphatbedarf schon deckt, und zusätzlich einen Volldünger nach dem Stickstoffbedarf bemisst, bringt Phosphat aus, das die Pflanzen nicht brauchen. Wie groß der Überhang werden kann, zeigt ein Rechenbeispiel:
Rund 167 g/m² eines Düngers mit NPK 12-8-16 decken einen Bedarf von 20 g Stickstoff je m². Dabei liefern sie rund 13 g P₂O₅ je m², gebraucht werden nur 5 g P₂O₅ je m².
Bei hohen Phosphat- und Kalivorräten in den Versorgungsstufen D oder E kann deshalb ein reiner Stickstoffdünger die NPK-Düngung ersetzen.
Kalium (K): Zellinnendruck und Wasserhaushalt
Kalium beeinflusst den Innendruck der Pflanzenzellen und ist dadurch wesentlich an der Regulation des Wasserhaushalts beteiligt. Außerdem wirkt es am Öffnen und Schließen der Spaltöffnungen mit.
Welche Pflanzen brauchen besonders Kalium?
Kalium braucht jede Pflanze, weil es zu den Hauptnährstoffen gehört. Für einige Kulturen ist ein höherer oder zeitlich gezielter Kaliumbedarf beschrieben:
| Pflanze | Was beim Kalium zu beachten ist |
|---|---|
| Beerenobst | gehört zu den Kulturen mit höherem Kaliumbedarf; Erde und Dünger müssen in ihrer Nährstoffausstattung dazu passen |
| Junge Obstbäume und Beerensträucher | auf organisch vorbereitetem Boden decken in den ersten Standjahren jährlich 1 bis 1,5 l reifer Kompost je Pflanze den Phosphor- und Kalibedarf; Stickstoff wird ergänzt |
| Erdbeeren | vor der Pflanzung können 3 bis 5 l Kompost pro m² zur Versorgung mit Phosphor, Kalium und Spurenelementen leicht eingearbeitet werden |
| Gurken | während der mehrwöchigen Ernte können bedarfsgerechte Gaben wasserlöslicher Dünger die Stickstoff- und Kaliumversorgung unterstützen; zugleich reagieren Gurken empfindlich auf Chlorid und hohe Salzkonzentrationen |
| Fuchsienhochstämmchen | ab dem Erscheinen der ersten Knospen kann ein kaliumbetonter Dünger gewählt werden |
| Lavendel | Kalium ist blühfördernd; stark stickstoffhaltige Dünger und Mist können dagegen zu weichem, instabilem Wuchs führen |
| Rasen | bei Kalium-Unterversorgung ist von Mitte Oktober bis Ende November eine Kaliumgabe möglich; ob Bedarf besteht, klärt eine Bodenprobe, denn eine Herbstdüngung ist bei normalem Hausrasen nicht grundsätzlich nötig |
Mehr Kalium ist trotzdem kein Ziel an sich. Im Garten ergänzt du Kalium nach Bodenbefund, und bei sehr hoher Versorgung düngst du es nicht zusätzlich. Bei Chrysanthemen, Primeln und Topfrosen, deren Wachstum während der Blüte nachlässt, ist weniger Stickstoff angezeigt und keine absolute Erhöhung von Phosphat und Kalium. Ein hohes Kaliumangebot kann außerdem die Magnesiumaufnahme beeinträchtigen.
Woher kommt Kalium?
Kompost bringt Kalium mit: Im Gemüsebeet deckt eine jährliche Grundgabe von 3 l/m² den Kaliumbedarf weitgehend. Kompostreiche torffreie Substrate können ebenfalls viel Phosphor und Kalium enthalten. Als mineralische Kaliumquelle gilt Kaliumsulfat. Steht im Befund viel Phosphat und wenig Kalium, ergänzt du gezielt Kalium und vermeidest weiteren Phosphor.
Beerenobst braucht mehr Kalium, doch Kulturheidelbeeren vertragen weder Mist noch üblichen Gartenkompost, weil deren Kalkgehalt meist zu hoch ist. Ihre Versorgung läuft deshalb über einen sauer wirkenden Dünger, etwa einen geeigneten Rhododendrondünger.
Holzasche taugt nicht als Kaliumquelle. Wegen möglicher Schwermetall- und Schadstoffbelastungen gehört sie weder als Dünger aufs Beet noch auf den Kompost. Abgekühlt kommt sie in den Hausmüll, und zwar ohne Staub aufzuwirbeln.
Calcium, Magnesium und Schwefel: die übrigen Hauptnährstoffe
Calcium (Ca)
Calcium ist ein Baustein pflanzlicher Zellwände und wird für Zellteilung und Zellstreckung gebraucht. Im Boden verbinden Calciumionen Ton- und Humusteilchen zu stabilen Krümeln. In den Boden kommt Calcium über Kalk oder Kompost. Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² jährlich können im Hausgarten schon genügend Calcium nachliefern. Ob du zusätzlich kalkst, entscheidet der Bodenbefund. Kohlensaurer Kalk enthält typischerweise 75 bis 95 % Calciumcarbonat und wirkt vergleichsweise langsam und mild.
Bei Tomaten beruht Blütenendfäule häufig auf unzureichendem Calciumtransport zur Frucht und nicht auf fehlendem Calcium im Boden. Diesen Transport kann eine ungleichmäßige Wasserversorgung beeinträchtigen. Kalk setzt dann am falschen Punkt an, entscheidend ist eine ausreichende und gleichmäßige Wasserversorgung. Woran du Nährstoffmängel bei Gemüse erkennst und wie du sie behebst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Magnesium (Mg)
Magnesium ist Bestandteil des Chlorophylls und für die Photosynthese unentbehrlich. Seine Aufnahme kann leiden, wenn hohe Calcium-, Kalium- oder Ammoniumkonzentrationen vorliegen. Umgekehrt kann ein Magnesiumüberschuss das Calciumgleichgewicht stören, Wurzeln schädigen und Kaliummangel verursachen. Ob Magnesium fehlt, zeigt der pH-Wert nicht, dafür braucht es eine Untersuchung des Magnesiumgehalts. Als schnell wirkende Quelle gilt Bittersalz, ein gut wasserlösliches Magnesiumsulfat für Blatt- und Bodendüngung. Eine ausgewogene Versorgung ersetzt es nicht: Koniferen etwa bekommen mit Bittersalz allein nicht alle benötigten Nährstoffe.
Schwefel (S)
Schwefel brauchen Pflanzen unter anderem zum Aufbau von Eiweißen. Hornprodukte liefern ihn zusammen mit Stickstoff.
Spurennährstoffe: Eisen, Mangan, Zink, Bor und Co.
Eisen, Mangan, Kupfer und Zink unterstützen die Bildung von Chlorophyll und Eiweiß. Bor wirkt an der Zell- und Fortpflanzungsentwicklung mit, Molybdän am Nitratabbau. Bei Bor liegen Mangel und schädlicher Überschuss besonders nahe beieinander, deshalb gibst du es nicht auf Verdacht.
Ein zu hoher pH-Wert kann Spurennährstoffmangel verursachen, obwohl die Nährstoffe im Boden vorhanden sind. Eisenchlorosen entstehen häufig genau so und nicht durch einen tatsächlich zu kleinen Eisenvorrat. Bei Topfpflanzen kann hartes Gießwasser den pH-Wert des Substrats erhöhen und Eisenchlorosen begünstigen. In sauren Topfsubstraten mit manganreichen Zuschlägen wie Rindenhumus kann die Konkurrenz zwischen Mangan und Eisen die Eisenversorgung beeinträchtigen.
Für viele Kübelpflanzen eignen sich Volldünger mit Haupt- und Spurennährstoffen, auf dem Etikett stehen die Spurennährstoffe gesondert. Bei Zitruspflanzen ist neben den Hauptnährstoffen eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen besonders wichtig. Gut verrottete organische Substanz kann bei Gehölzen über chelatbildende Verbindungen die Eisenaufnahme verbessern. Welches Eisenchelat passt, hängt vom pH-Wert ab: Eisen-EDTA eignet sich für den sauren Bereich unter pH 6, Eisen-EDDHA wirkt auch im neutralen bis alkalischen Bereich. Eine Blattdüngung mit Spurenelementen kann eine vorübergehend eingeschränkte Bodenverfügbarkeit überbrücken, wirkt aber nur begrenzte Zeit. Ist eine Eisenchlorose pH-bedingt, hilft eine Blattgabe also nur eine Zeit lang, auf Dauer geht es um den pH-Wert.
Der pH-Wert entscheidet, was die Wurzel erreicht
Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen. Der Pflanze fehlt dann etwas, das im Boden vorhanden ist. Welcher Bereich passt, hängt von Bodenart, Humusgehalt und Kultur ab, einen einheitlichen Zielbereich für alle Pflanzen gibt es nicht.
| Bodenart | Gartenboden allgemein, je nach Humusgehalt | Gemüse |
|---|---|---|
| Sand | pH 5,0 bis 6,5 | pH 5,4 bis 5,8 |
| Lehm | pH 5,5 bis 7,0 | pH 6,6 bis 7,0 |
| Ton | pH 6,0 bis 7,5 | pH 6,8 bis 7,2 (tonreiche Böden) |
Pflanzen mit besonderen Ansprüchen, etwa Moorbeetpflanzen, fallen aus diesem Raster:
| Pflanze | pH-Anspruch |
|---|---|
| Rhododendron | überwiegend pH 4,5 bis 5,5, obere Toleranz bis etwa pH 6,0 |
| Kulturheidelbeere | pH 4 bis 5, dazu kalkarmes Gießwasser |
| Himbeere | pH 5 bis 6,5 |
| Gartenrosen | bevorzugt pH 5,5 bis 6,5, angegeben für Kleinstrauchrosen |
| Kohlgemüse | pH 7, zur Vorbeugung gegen Kohlhernie angestrebt |
| Kartoffel | bevorzugt keinen hohen pH-Wert |
Moorbeetpflanzen wie Rhododendren, Heidelbeeren und Eriken erhalten weder pauschal Kalk noch Kompost. Gewöhnlicher Gartenkompost ist für sie ungeeignet, weil er Kalk enthält und typischerweise einen pH-Wert von 6,5 bis 7,5 hat. Auch für Zitrusgewächse sind selbst gemischte komposthaltige Substrate wegen ihres häufig hohen pH-Werts oft ungeeignet.
Das Gießwasser verschiebt den pH-Wert ebenfalls. Wasser mit hoher Carbonathärte kann den pH-Wert im Substrat anheben und die Verfügbarkeit von Eisen und weiteren Spurenelementen vermindern. Für Rhododendren und Heidelbeeren fange ich deshalb Regenwasser auf.
Auch Dünger wirken auf den pH-Wert: Ammoniumsulfat wirkt versauernd, Kalksalpeter kann den pH-Wert erhöhen. Kompost kann über seine basisch wirksamen Bestandteile den pH-Wert anheben. Dünger für Moorbeetpflanzen senken ihn und sind deshalb nicht ohne Prüfung auf andere Kulturen übertragbar.
Gekalkt wird nur, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt. Liegt er darüber, unterbleiben Kalk, kalkhaltige Dünger und Kompost. Tonböden puffern im Allgemeinen stärker als leichte Böden, daher begründen gleiche pH-Werte keine gleichen Kalkmengen. Ein durch passende Kalkung aktiveres Bodenleben kann Humus schneller umsetzen und dabei mehr Nährstoffe freisetzen.
Auf leichten Gartenböden ohne Kompostzufuhr und mit nachgewiesen zu niedrigem pH-Wert werden 150 g/m² kohlensaurer Kalk eingearbeitet, auf schweren Gartenböden unter denselben Voraussetzungen 250 g/m². Beides gilt in Abständen von 3 bis 4 Jahren, eingearbeitet im zeitigen Frühjahr. Bei einer laut Befund nötigen Kalkung sollen höchstens 250 g CaCO₃ je m² und Jahr ausgebracht werden; größere Bedarfsmengen verteilst du auf mehrere Jahre.
Soll der pH-Wert eines Kultursubstrats mit Schwefel sinken, bestimmt ein Labor die nötige Menge über eine Probesäuerung.
Humus und Bodenleben: Speicher und Nachlieferung
Humus ernährt die Bodenorganismen, deren Tätigkeit Nährstoffe freisetzt. Über Regenwurmgänge unterstützt das Bodenleben außerdem Durchlüftung und Wasserversickerung. Für leichte bis mittlere Gartenböden gelten etwa 3 bis 4 % Humus als Orientierungsbereich. Bei schweren Gartenböden liegt der Orientierungswert bei etwa 6 %.
Tonminerale und organische Substanz können positiv geladene Nährstoffionen austauschbar binden und später an die Bodenlösung abgeben. Humus speichert zudem Wasser und kann Nährstoffe vor Auswaschung schützen. Besonders in leichten Böden verbessert er die Wasser- und Nährstoffhaltefähigkeit, denn sandreiche Böden speichern von sich aus wenig Wasser und Nährstoffe. Nitrat halten die Bodenteilchen dagegen kaum fest. Ein Beet, das nach der Ernte leer liegt, verliert deshalb gerade den Stickstoff leicht, weil dort keine Pflanze die freigesetzten Nährstoffe mehr aufnimmt.
Bodenmikroorganismen setzen bei der MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. organischer Stoffe mineralische Nährstoffe frei. Wärme und ausreichende Bodenfeuchte beschleunigen das, sodass humusreiche Böden im Sommer häufig genügend Nährstoffe nachliefern. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen organische Dünger dagegen kaum Nährstoffe frei, und eine weitere Gabe behebt das akute Problem dann nicht zuverlässig. Feuchtwarme Witterung kann umgekehrt starke Freisetzungsschübe auslösen.
Mykorrhizapilze können die Versorgung ihrer Wirtspflanzen mit Wasser und Mineralstoffen verbessern. Sie erschließen aber nur vorhandene Bodennährstoffe und bringen selbst keine in den Boden ein. Mäßige organische Düngung kann ihr Vorkommen im Boden fördern.
Bei überwiegend mineralischer Düngung braucht der Boden zusätzlich organische Substanz, damit seine Struktur langfristig erhalten bleibt. Kompost und Gründüngung liefern sie für den Humusaufbau.
Organisch, mineralisch, Depot: So wirken die Quellen
Organische Dünger stammen überwiegend aus pflanzlichem oder tierischem Material, Mineraldünger liefern Nährstoffe meist als Salze. Leicht lösliche Mineraldünger decken einen kurzfristigen Bedarf rasch. Organisch gebundene Nährstoffe muss das Bodenleben erst umsetzen, deshalb wirken sie langsamer. Organisch-mineralische Volldünger verbinden schnell wirkende mineralische mit langsamer wirkenden organischen Bestandteilen. Bei umhüllten mineralischen Depotdüngern verzögert eine Hüllschicht die Freisetzung, die von Temperatur und Feuchtigkeit abhängt.
Auch organische Dünger können zu einer überhöhten Nährstoffzufuhr führen. Sie sind außerdem nicht automatisch vegan, denn sie können Horn oder Schafwolle enthalten. Rapskuchen und Vinasse sind pflanzliche organische Dünger und eine Alternative zu tierischen Ausgangsstoffen.
Die drei Zahlen der NPK-Angabe stehen für Stickstoff als N, Phosphat als P₂O₅ und KaliumoxidKaliumoxid (K2O) ist die chemische Form, in der der Kaliumgehalt von Düngern und Bodenproben angegeben wird. Die Angabe bezieht sich auf die Verbindung aus Kalium und Sauerstoff, nicht auf reines Kalium. als K₂O, jeweils in Prozent. NPK 12-12-17 mit 2 % Magnesiumoxid bedeutet also 12 % Stickstoff, 12 % Phosphat als P₂O₅, 17 % Kaliumoxid und 2 % Magnesiumoxid. Spurennährstoffe stehen gesondert auf dem Etikett.
Der Düngebedarf ist nicht dasselbe wie der Nährstoffbedarf der Pflanze. Was der Boden vorrätig hat und nachliefert, wird abgezogen, ebenso die Nährstoffe aus Kompost, Mist und Gründüngung. Die Packungsempfehlung eines Gartendüngers setzt eine optimale Bodenversorgung voraus und muss bei zusätzlichen Kompost- oder Düngergaben angepasst werden.
Bei einem Kulturbedarf von 15 g N/m² bleiben nach Abzug von 5 g N/m² Bodenvorrat und 7 g N/m² geschätzter Nachlieferung noch 3 g N/m² Düngebedarf. Die Produktmenge in g/m² ergibt sich aus dem Düngebedarf in g/m² mal 100, geteilt durch den Nährstoffgehalt des Düngers in %. So entsprechen 5 g N/m² bei einem Dünger mit 20 % Stickstoff rechnerisch 25 g Produkt je m².
Im Bodenbefund steht Gehaltsstufe C für die anzustrebende mittlere Versorgung. In Stufe D braucht nur 50 % des erwarteten Entzugs des betreffenden Nährstoffs durch Düngung ersetzt zu werden. In Stufe E kann die Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend entfallen.
Jeden neuen Dünger wiege ich einmal ab und markiere die Füllhöhe am Messbecher, weil sich Dünger im Schüttgewicht unterscheiden.
Ich notiere jede Kompost- und Mistgabe mit Beet und Datum. Beim nächsten Düngen rechne ich diese Nährstoffe mit, bevor ich zur Packungsangabe greife.
Mangel und Überschuss erkennen
Mangel an Stickstoff, Phosphor, Kalium oder Magnesium zeigt sich häufig zuerst an älteren Blättern, Eisenmangel dagegen an jüngeren. Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden und Verdichtung können ähnliche Symptome verursachen, deshalb ist ein Symptom ein Hinweis und keine Diagnose. Wie du Mangel und Überschuss je Nährstoff einordnest, zeigt der Ratgeber, wie du Nährstoffmängel erkennst und gezielt behandelst, und für Beet- und Balkonblumen gibt es eine eigene Anleitung, woran du Nährstoffmangel bei Blumen erkennst.
Bodenanalyse und Bodenpflege: kurz eingeordnet
Welche Nährstoffe dein Boden schon im Vorrat hat, klärt eine Bodenuntersuchung. Eine gängige Standardanalyse für Gartenboden erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und pH-Wert, weitere Werte wie Stickstoff als Nmin oder Eisen beauftragst du gesondert. Wie du die Mischprobe nimmst und den Befund liest, steht in den Grundlagen zu Boden, Bodenanalyse und Kompost.
Langfristig hält organische Substanz den Boden fruchtbar: Kompost, Grünschnitt und Erntereste versorgen das Bodenleben und halten Nährstoffe im Gartenkreislauf. Gründüngung auf frei gewordenen Beeten bindet freigesetzte Nährstoffe und vermindert deren Auswaschung. Wie du Kompost anlegst, mulchst und Gründüngung säst, findest du im selben Grundlagenteil.
Im Gemüsebeet gelten als Orientierung Tomaten als Starkzehrer, Rote Bete als MittelzehrerMittelzehrer sind Pflanzen mit mittlerem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff: Sie brauchen mehr als Schwachzehrer, aber weniger als Starkzehrer. Typische Mittelzehrer sind Möhren, Rote Bete, Spinat, Fenchel und viele Salate. und Erbsen als Schwachzehrer. Wann und womit du je Zehrergruppe düngst, erklärt der Ratgeber, wie du Gemüse richtig düngst. Zehrer-Einstufung und Anbaupausen berücksichtigst du beim Planen deiner Beete im Beetplaner.