Nährstoffgehalt in Teicherde: wie Nährstoffe und pH auf Pflanzen und Algen wirken
- Hohe Nitrat- und Phosphatgehalte im Teichwasser fördern starkes Algenwachstum.
- Tonminerale und Huminstoffe halten positiv geladene Nährstoffionen fest, Nitrat wird dagegen kaum gebunden.
- Für naturnahe Teiche genügt eine etwa 10 cm starke Lage aus gewaschenem, nährstoffarmem Sand und Kies ohne organische Bestandteile.
- Kompost kann viel Phosphor einbringen und den pH-Wert anheben.
- Ein Teichwasser-pH unter 7 ist keine gesichert wirksame Maßnahme gegen Veralgung.

Grünes Wasser im Sommer und dichte Fadenalgen am Ufer können auf ein Überangebot an Nährstoffen hindeuten. Ein Teil davon kann aus der Teicherde stammen, ein anderer aus Laub, Futterresten und Fischkot. Wenn ich einen Teich neu bepflanze, frage ich deshalb zuerst, wie viel Nährstoff das Substrat mitbringt und wohin er wandern kann. Denn Phosphor im Übermaß fördert nicht nur Wasserpflanzen, sondern auch Algen.
Welche Nährstoffe Pflanzen im Teich brauchen
Ob Seerose, Sumpfpflanze oder Unterwasserpflanze: Alle sind auf mineralische Nährstoffe angewiesen. Zu den Hauptnährstoffen zählen Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium, Calcium und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft.. Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, MolybdänMolybdän (Mo) ist ein Pflanzennährstoff, der für die Stickstoffernährung wichtig ist. Es ist aktiver Bestandteil zweier Enzyme: der Nitratreduktase in der Pflanze und der Nitrogenase in den Knöllchenbakterien. und Chlor gehören zu den Spurennährstoffen. Aus der Teicherde nehmen die Wurzeln sie in gelöster, mineralischer Form auf. Organisch gebundene Nährstoffe, etwa aus Kompost, müssen dafür erst mineralisiert werden.
| Nährstoff | Gruppe | Aufgabe in der Pflanze |
|---|---|---|
| Stickstoff (N) | Hauptnährstoff | Aufbau von Eiweißen und ChlorophyllChlorophyll, auch Blattgrün genannt, ist der grüne Farbstoff in den Blättern. Im Sommer überdeckt es gelbe und rötliche Blattfarbstoffe; wird es im Herbst abgebaut, verfärbt sich das Laub. |
| Phosphor (P) | Hauptnährstoff | Energiehaushalt, Bestandteil der Nukleinsäuren |
| Kalium (K) | Hauptnährstoff | Wasserhaushalt, Öffnen und Schließen der Spaltöffnungen |
| Magnesium (Mg) | Hauptnährstoff | Bestandteil des Chlorophylls |
| Calcium (Ca) | Hauptnährstoff | Baustein der Zellwände |
| Schwefel (S) | Hauptnährstoff | Aufbau von Eiweißen |
| Eisen, Mangan, Kupfer, Zink | SpurennährstoffeSpurennährstoffe sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in geringen Mengen aufnehmen, auf die sie aber trotzdem angewiesen sind. Dazu zählen etwa Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän. | Unterstützung der Chlorophyll- und Eiweißbildung |
| Bor | Spurennährstoff | Zell- und Fortpflanzungsentwicklung |
| Molybdän | Spurennährstoff | Nitratabbau |
Für die Wasserqualität zählen vor allem Stickstoff und Phosphor. Hohe Nitrat- und Phosphatgehalte im Teichwasser fördern starkes Algenwachstum. Wichtig ist deshalb auch, ob Nährstoffe in der Erde gebunden bleiben oder ins Wasser gelangen.
Wie Teicherde Nährstoffe festhält und wieder abgibt
Tonminerale und Huminstoffe halten Nährstoffe fest und geben sie später wieder an die Lösung ab. Lehmige Teicherde wirkt dadurch als Speicher, sandreiche Substrate speichern dagegen wenig Nährstoffe. Noch fester sitzen Nährstoffe in Mineralgittern oder in organischer Substanz. Dort werden sie erst durch Verwitterung oder Zersetzung beweglich.
Tonminerale und Huminstoffe sind negativ geladen und binden deshalb positiv geladene Nährstoffionen. Wurzeln erschließen diese Ionen im Austausch gegen Wasserstoffionen. Diesen Vorgang nennt man Ionenaustausch.
Die Zersetzung organischer Stoffe übernehmen Bodenmikroorganismen. Bei dieser MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. setzen sie mineralische Nährstoffe frei, Wärme und ausreichende Feuchte beschleunigen den Vorgang. Bei der Nitrifikation wandeln Mikroorganismen außerdem Ammonium in Nitrat um.
Nitrat wird von den überwiegend negativ geladenen Bodenteilchen kaum festgehalten, und hohe Nitratgehalte im Teichwasser fördern Algen. Entsteht in nährstoffreicher Teicherde viel Nitrat, kann es deshalb ins Wasser übergehen und dort den Algen zugutekommen.
Woraus Teicherde besteht, kurz eingeordnet
Auf der Abdichtung eines naturnahen Teichs genügt eine etwa 10 cm starke Lage aus gewaschenem, nährstoffarmem Sand und Kies ohne organische Bestandteile. Im reinen Sumpfbeet kann lehmige Gartenerde mit kompostierter Rinde dagegen passen. Wie sich Teich- und Sumpfbeeterde von anderen Erden unterscheiden, steht im Abschnitt über Erden und Substrate im Ratgeber zu Düngen, Boden und Kompost.
Welche Teicherde zu welcher Teichzone und Pflanzengruppe passt, beantwortet ein eigener Ratgeber. Wie du Teicherde einsetzt und wie dick sie je Zone liegt, zeigt die Anleitung dazu.
Pflanzkörbe oder beschwerte Pflanzinseln ermöglichen eine Bepflanzung ganz ohne flächige Substratauflage. Weitere Substratideen stellt der Überblick über neue Ansätze für Teicherde im Gartenteich vor.
Kompost, Laub und Fische: woher die Nährstoffe im Teich kommen
Kompost liefert Stickstoff, Phosphat, Kalium und weitere Nährstoffe. Seine Gesamtgehalte sind allerdings nicht gleich sofort pflanzenverfügbar. Als Substratbestandteil kann Kompost hohe pH-, Phosphor-, Kalium- und Salzwerte einbringen, und übermäßige Phosphoreinträge fördern im Gewässer Algen. Wer Kompost oder kompostreiche Erde in den naturnahen Teich gibt, liefert den Algen deshalb womöglich zusätzlichen Phosphor. Im übrigen naturnahen Teich werden organische Zuschläge ohnehin vermieden, nur das reine Sumpfbeet bildet eine Ausnahme.
Herbstlaub gehört aus dem Teich, denn bei seiner Zersetzung werden Nährstoffe frei, die späteres Algenwachstum begünstigen. Ich fische Laub mit dem Kescher ab, solange es noch an der Oberfläche treibt. Spannst du ein Laubschutznetz über den Teich, kontrollierst du es mehrmals täglich auf verfangene Tiere und nimmst es rechtzeitig wieder ab.
Auch Fischkot und Futterreste tragen zur Nährstoffbelastung des Wassers bei. Jede Futtergabe ist damit zugleich ein Nährstoffeintrag in den Teich. Gründelnde Fische wie Goldfische können zudem Partikel vom Teichboden aufwirbeln und das Wasser trüben.
Was zu viele Nährstoffe mit Pflanzen, Algen und Sauerstoff machen
Mehr Nährstoffe bedeuten im Teich nicht einfach kräftigere Pflanzen. Übermäßige Phosphoreinträge fördern das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen. Stirbt diese Biomasse ab, verbraucht ihr Abbau Sauerstoff im Wasser. In stehenden Gewässern kann so Sauerstoffmangel entstehen, der Gewässerorganismen gefährdet.
Kümmert eine Teichpflanze, lohnt ein genauer Blick, bevor du an Dünger denkst. Hellen zuerst ältere Blätter auf, kann das auf Stickstoffmangel hindeuten. Gelbe junge Blätter mit grünen Adern passen eher zu Eisenmangel, lassen sich aber nicht immer sicher von ManganmangelManganmangel ist eine Unterversorgung der Pflanze mit dem Spurenelement Mangan. Er zeigt sich zuerst an jüngeren Blättern, etwa als abgestorbene Punkte oder Streifen, und entsteht oft, weil Mangan bei hohem pH-Wert oder Trockenheit für die Wurzeln nicht verfügbar ist. unterscheiden. Blattvergilbung kann außer Nährstoffmangel auch Lichtmangel oder Temperaturschwankungen anzeigen. Zeigt bei mir eine Seerose gelbe Blätter, schaue ich zuerst, welche Blätter es trifft und wie viel Licht sie abbekommt.
Was eine Pflanze nicht aufnimmt, kann ausgewaschen werden, und hohe Nitrat- und Phosphatgehalte im Wasser fördern Algen. Eine Düngergabe ohne echten Mangel kann im Teich deshalb bei den Algen landen statt bei der Pflanze.
Was der pH-Wert über Teicherde und Wasser verrät
Der pH-Wert beschreibt, ob Erde oder Wasser sauer oder alkalisch reagiert. Werte unter 7 kennzeichnen eine saure Reaktion. Liegt der Wert über 7, reagiert die Probe alkalisch. Der pH-Wert beeinflusst die Verfügbarkeit von Nährstoffen und die Aktivität des Bodenlebens. Ein ungeeigneter Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen.
Welchen pH-Wert eine Teicherde hat, hängt auch von ihren Bestandteilen ab. Kompost kann den pH-Wert anheben. Gewöhnlicher Gartenkompost enthält Kalk und liegt typischerweise bei pH 6,5 bis 7,5. Tonhaltige Erde puffert in der Regel stärker als Sand. Unbegrenzt fängt aber auch sie pH-Änderungen nicht ab.
Im Teichwasser selbst schwankt der Wert zusätzlich. PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. kann den pH-Wert des Teichwassers erhöhen, weil dabei Kohlendioxid beziehungsweise Kohlensäure aus dem Wasser entnommen wird. Eine hohe Pufferkapazität des Wassers vermindert solche Schwankungen. Für die Beurteilung der Stabilität zählen deshalb auch die CarbonathärteDie Carbonathärte ist der Teil der Gesamthärte des Wassers, der auf Calcium- und Magnesiumcarbonat zurückgeht. Sie wirkt alkalisch und beeinflusst deshalb den pH-Wert der Topferde, wenn du mit diesem Wasser gießt. und das Säurebindungsvermögen.
Weil Photosynthese den pH-Wert anheben kann und erst eine hohe Pufferkapazität Schwankungen dämpft, sagt ein einzelner Messwert ohne Carbonathärte wenig aus.
Ich messe pH-Wert und Carbonathärte immer zusammen und notiere Uhrzeit und Wetter dazu. Eine pH-Elektrode kalibriere ich vorher mit Pufferlösungen bei pH 4 und pH 7.
Wo du bei zu vielen Algen ansetzt
Ganz fernhalten lassen sich Algen über die Teicherde nicht. Ein nährstoffarmes Substrat kann aber den Nachschub aus dem Boden klein halten. Wird das Wasser grün oder wuchern Fadenalgen, gehst du die Nährstoffquellen der Reihe nach durch.
Bevor du eingreifst, prüfst du diese Punkte:
- Nitrat, Phosphat und pH-Wert im Wasser messen, die Carbonathärte gleich mit
- Herbstlaub und eingewehtes Laub abfischen
- Fischkot und Futterreste als Nährstoffquelle mitdenken
- keinen Kompost und keine kompostreiche Erde in den naturnahen Teich nachfüllen
- Fadenalgen abfischen und dabei die enthaltenen Kleinlebewesen schonen
Den pH-Wert gezielt unter 7 zu drücken, um Algen loszuwerden. Ein Teichwasser-pH unter 7 ist keine gesichert wirksame Maßnahme gegen Veralgung. Schau stattdessen auf die Nährstoffeinträge.
Wann du entschlammst, Röhricht zurückschneidest und Laub abfängst, beschreibt der Ratgeber zur Pflege der Teicherde im Jahreslauf. Im naturnahen Teich entschlammst du außerhalb der Kaulquappenzeit, etwa im September. Was an gängigen Annahmen über Teicherde, Algen und Kies dran ist, prüft der Beitrag über verbreitete Irrtümer rund um Teicherde.
