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Kalkarten im Garten: Löschkalk, Branntkalk und kohlensaurer Kalk im Vergleich

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Kalk gehört nur auf Boden, dessen gemessener pH-Wert unter dem Zielbereich für Bodenart und Humusgehalt liegt.
  • Löschkalk besteht aus Calciumhydroxid und wirkt relativ schnell, Branntkalk enthält Calciumoxid, wirkt schnell und hat eine Ätzwirkung.
  • Kohlensaurer Kalk enthält typischerweise 75 bis 95 % Calciumcarbonat und wirkt vergleichsweise langsam und mild.
  • Dolomitischer Kalk enthält zusätzlich Magnesiumcarbonat und passt, wenn neben dem Kalkbedarf ein Magnesiummangel festgestellt ist.
  • Rhododendren, Heidelbeeren und Eriken werden nicht routinemäßig gekalkt.
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Foto: Juan J. Morales-Trejo · Pexels License · Quelle ↗

Im Gartencenter stehen die Säcke oft direkt nebeneinander: Branntkalk, Löschkalk, kohlensaurer Kalk, Algenkalk und Dolomitkalk. Auf den ersten Blick ist das alles Kalk, doch die Verbindungen darin wirken unterschiedlich schnell, und Branntkalk hat eine Ätzwirkung. Ich kaufe Kalk erst, wenn mein Bodenbefund einen zu niedrigen pH-Wert zeigt, und lese dann zuerst die Deklaration. Hier siehst du, was in den einzelnen Kalkarten steckt, wie sie sich unterscheiden und welche zu deinem Boden und deinem Zweck passt.

Kalkarten im Überblick: Verbindung und Tempo

Kalk neutralisiert Bodensäure und hebt dadurch den pH-Wert. Wie rasch das geschieht und worauf du beim Umgang achtest, hängt von der Verbindung im Sack ab.

Kalkart Verbindung Wirkung Worauf du achtest
Branntkalk Calciumoxid schnell hat eine Ätzwirkung
Löschkalk Calciumhydroxid relativ schnell Packungsangabe mit dem Befund abgleichen
Kohlensaurer Kalk typischerweise 75 bis 95 % Calciumcarbonat vergleichsweise langsam und mild Bezugsgröße der Mengenangaben im Hausgarten
Algenkalk Calciumcarbonat langsam Spurennährstoffe prüfst du auf dem Etikett
Dolomitischer Kalk Calcium- und Magnesiumcarbonat langsamer als reines Calciumcarbonat passt bei Kalkbedarf und festgestelltem Magnesiummangel

Weitere Handelsnamen wie Muschelkalk ordnest du über die Deklaration ein. Steht dort Calciumoxid, Calciumhydroxid, Calciumcarbonat oder zusätzlich Magnesiumcarbonat, weißt du, in welche Zeile der Tabelle das Produkt gehört.

Marias Erfahrung

Aus meinem Bodenbefund schreibe ich mir pH-Wert und Magnesiumversorgung auf einen Zettel, dazu die Bodenart des Beets. Am Regal lese ich zuerst, welche Verbindung deklariert ist, danach Gehalt und Bezugsgröße. Erst dann vergleiche ich das Etikett mit meinen Notizen.

Die Kalkarten im Einzelnen

Was ist Löschkalk und wie wirkt er im Garten?

Löschkalk besteht aus Calciumhydroxid. Er entsteht, wenn Branntkalk mit Wasser reagiert. Im Boden gehört er zu den relativ schnell wirkenden Kalkformen, während kohlensaurer Kalk vergleichsweise langsam wirkt.

Schnell heißt im Beet nicht besser. Ergibt dein Befund einen größeren Kalkbedarf, wird die Menge ohnehin auf mehrere Jahre verteilt, und daran ändert das Tempo des Löschkalks nichts. Ein zu hoher pH-Wert kann außerdem Eisen festlegen und so Eisenmangel begünstigen. Gelbliche junge Blätter mit zunächst grünen Hauptadern können darauf hinweisen.

Für die Menge gilt bei Löschkalk wie bei jedem Kalkprodukt die Packungsangabe, abgeglichen mit deinem Befund. Ob Löschkalk auf den Komposthaufen gehört, klärt der Mythos-Check weiter unten.

Branntkalk: schnell und mit Ätzwirkung

Branntkalk enthält Calciumoxid, wirkt schnell und hat eine Ätzwirkung. Bodendünger gehört möglichst auf feuchten Boden und darf nicht auf feuchten Pflanzenteilen liegen bleiben, weil dort Ätzschäden entstehen können. Bei einem Kalk mit eigener Ätzwirkung nimmst du diese Regel besonders ernst. Für meine Beete greife ich nicht zu Branntkalk, weil ich dort keine schnelle Wirkung suche, sondern eine Kalkung nach Befund.

Achtung

Lagere Kalk wie andere feste Dünger trocken und verpackt oder abgedeckt. Hat ein Kind vermutlich eine größere Menge Dünger aufgenommen, wendest du dich an ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis. Bei Vergiftungsverdacht beim Haustier gehst du sofort zur Tierarztpraxis, nimmst die Verpackung mit, gibst keine Hausmittel und löst kein Erbrechen aus.

Kohlensaurer Kalk: langsam, mild und Bezugsgröße im Hausgarten

Kohlensaurer Kalk enthält typischerweise 75 bis 95 % Calciumcarbonat. Er wirkt vergleichsweise langsam und mild. Die Mengenangaben für die Kalkung im Hausgarten sind für ihn formuliert. Auf Brannt- oder Löschkalk lassen sie sich nicht einfach übertragen, weil dort eine andere Verbindung im Sack steckt, und Branntkalk bringt zusätzlich seine Ätzwirkung mit. Für die Kalkung nach Befund nehme ich deshalb kohlensauren Kalk.

Zahl im Blick

Bezieht sich eine Empfehlung auf CaO, ergibt sich die Produktmenge aus dem Bedarf mal 100, geteilt durch den CaO-Gehalt deines Produkts in Prozent. Rechenbeispiel, keine Mengenempfehlung: 250 g CaO/m² entsprechen bei einem Dünger mit 80 % CaO rechnerisch rund 313 g Produkt/m². Wie viel dein Boden tatsächlich braucht, zeigt der Befund.

Algenkalk: ebenfalls Calciumcarbonat

Algenkalk enthält Calciumcarbonat und zählt wie kohlensaurer Kalk zu den langsam wirkenden Kalkdüngern. Oft wird ihm nachgesagt, er bringe zusätzlich Spurenelemente mit. Ob ein Produkt solche Nährstoffe enthält, prüfst du auf dem Etikett, denn Spurennährstoffe stehen dort gesondert. Nimmst du im Selbstversorgergarten die Regeln des ökologischen Landbaus als Orientierung, hilft dir deren Positivliste weiter, denn darauf steht Calciumcarbonat natürlichen Ursprungs.

Dolomitischer Kalk: Calcium und Magnesium in einem

Dolomitische Kalke, kurz Dolomitkalk, enthalten Calcium- und Magnesiumcarbonat. Gegenüber reinen Calciumcarbonaten ohne Magnesium wirken dolomitische Kalke langsamer. Magnesium gehört zu den Hauptnährstoffen und ist Bestandteil des Chlorophylls. Besteht Kalkbedarf und ist zugleich ein Magnesiummangel festgestellt, kann ein magnesiumhaltiger Kalk beides berücksichtigen.

Am pH-Wert allein erkennst du den Magnesiumgehalt nicht, eine gängige Standardanalyse für Gartenboden erfasst aber Magnesium und pH-Wert gemeinsam. Ein einziger Befund klärt also beide Fragen, bevor du zwischen kohlensaurem und dolomitischem Kalk wählst.

Häufiger Fehler

Dolomitkalk auf Verdacht streuen, weil Magnesium ja nicht schaden könne. Ein Magnesiumüberschuss kann das Calciumgleichgewicht stören, Wurzeln schädigen und Kaliummangel verursachen.

Welche Kalkart passt zu welchem Boden und Zweck?

Die Wahl der Kalkart folgt dem Befund. Typische Ausgangslagen im Überblick:

Ausgangslage Passende Wahl
pH-Wert laut Befund unter dem Zielbereich, Magnesium ausreichend versorgt kohlensaurer Kalk
pH-Wert zu niedrig, Magnesiummangel festgestellt magnesiumhaltiger, dolomitischer Kalk
pH-Wert im Zielbereich keine Kalkung
pH-Wert über dem Zielbereich weder Kalk noch kalkhaltige Dünger oder Kompost
Rhododendren, Heidelbeeren oder Eriken kein routinemäßiger Kalk und kein Gartenkompost
Komposthaufen aus lockerer, strukturreicher Mischung meist keine Kalkgabe nötig

Die Bodenart verschiebt vor allem Zielbereich und Menge. Tonböden puffern im Allgemeinen stärker als leichte Böden, gleiche pH-Werte begründen deshalb keine gleichen Kalkmengen. Für leichte wie für schwere Gartenböden nennen die Mengenangaben kohlensauren Kalk, die Bodenart ändert also die Menge und nicht die Kalkart.

Auch Blütenendfäule an Tomaten ist kein automatischer Grund für den Kalksack. Die Fäule beruht häufig auf unzureichendem Calciumtransport zur Frucht und nicht auf fehlendem Calcium im Boden. Woran du Kalkmangel an Pflanze und Boden erkennst, beschreibt ein eigener Ratgeber.

Mythos-Check

Kalk gehört auf jeden Komposthaufen? Rotteorganismen bevorzugen ein Milieu um pH 7, das sich bei einer lockeren, strukturreichen Mischung meist ohne zusätzliche Kalkgabe einstellt. Kalk beseitigt keinen Sauerstoffmangel, und steigende pH-Werte und höhere Temperaturen erhöhen im Kompost den Ammoniakanteil und damit das Risiko gasförmiger Stickstoffverluste. Kalkhaltige Düngemittel werden zwar als Kompostbeschleuniger verwendet, grundsätzlich erforderlich sind solche Zusätze aber nicht. Keimfreiheit erwartest du von Gartenkompost besser nicht: Er tötet Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil ausreichende Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht werden.

Was rund um die Kalkart noch zählt

Kalkbedarf und Anwendung

Kalk ist nur sinnvoll, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt. Vor jeder Kalkung steht deshalb eine Bodenuntersuchung. Wann, wie viel und mit welcher Technik du je Gartenbereich kalkst, auch im Rasen, erklärt der Ratgeber zur Kalkanwendung.

Wirkung im Boden

Calciumionen verbinden Ton- und Humusteilchen zu stabilen Bodenkrümeln, und wie Gartenkalk Krümelstruktur und Wasserspeicherung beeinflusst, vertieft ein eigener Beitrag. Ein durch Kalkung aktiveres Bodenleben kann Humus allerdings schneller abbauen; was Kalk für pH-Wert, Bodenleben und Nährstoffkreislauf bedeutet, liest du im Ratgeber zu gesunden Böden. Wie Humus, Bodenleben und Bodenanalyse zusammenhängen, steht im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost unter Boden kennen: Humus, Bodenleben und Bodenanalyse.

Kompost als Kalziumquelle

Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² jährlich können im Hausgarten bereits genügend Kalzium nachliefern; ob du zusätzlich kalkst, entscheidet dann der Bodenbefund. Holzasche ist kein Ausweg: Wegen möglicher Schwermetall- und Schadstoffbelastungen gehört sie weder als Dünger ins Beet noch auf den Kompost, sondern abgekühlt in den Hausmüll. Mehr dazu steht im selben Ratgeber im Abschnitt pH-Wert und Kalk: erst messen, dann handeln.

Gemüse und Rasen

Im Gemüsebeet gehen die Ansprüche auseinander: Bei Kohl wird zur Vorbeugung gegen Kohlhernie ein Boden-pH-Wert von 7 angestrebt, Kartoffeln bevorzugen dagegen keinen hohen pH-Wert. Welche Gemüsearten wie viel Kalk brauchen, klärt der Ratgeber zum Gemüsegarten. Moos im Rasen kann durch Verdichtung, Schatten oder Nährstoffmangel begünstigt werden und beweist deshalb keinen Kalkbedarf.

Mini-Checkliste

Bevor der Kalk in den Einkaufswagen kommt

  • Dein Bodenbefund nennt pH-Wert und Magnesiumversorgung.
  • Der pH-Wert liegt unter dem Zielbereich für Bodenart und Humusgehalt.
  • Auf der Fläche wachsen keine Rhododendren, Heidelbeeren oder Eriken.
  • Auf dem Etikett hast du Verbindung, Gehalt und Bezugsgröße gelesen.
  • Ohne Magnesiummangel wählst du kohlensauren Kalk, mit festgestelltem Mangel dolomitischen.

Häufige Fragen

Welche verschiedenen Kalkarten gibt es für den Garten und wie unterscheiden sie sich?
Im Garten begegnen dir vor allem Branntkalk, Löschkalk, kohlensaurer Kalk, Algenkalk und dolomitischer Kalk. Branntkalk ist Calciumoxid, wirkt schnell und hat eine Ätzwirkung, Löschkalk besteht aus Calciumhydroxid und wirkt relativ schnell. Kohlensaurer Kalk und Algenkalk enthalten Calciumcarbonat und wirken langsam, dolomitischer Kalk enthält zusätzlich Magnesiumcarbonat und wirkt langsamer als reines Calciumcarbonat. Welche Art passt, entscheidet dein Bodenbefund.
Worin unterscheiden sich Branntkalk und Löschkalk in der Gartenanwendung?
Branntkalk enthält Calciumoxid, wirkt schnell und hat eine Ätzwirkung. Löschkalk besteht aus Calciumhydroxid und zählt ebenfalls zu den relativ schnell wirkenden Kalkformen. Beide kommen nur infrage, wenn ein Bodenbefund einen zu niedrigen pH-Wert zeigt, und die Packungsangabe gleichst du mit diesem Befund ab. Die Mengenangaben für die Kalkung im Hausgarten sind für den langsam und mild wirkenden kohlensauren Kalk formuliert.
Was bewirkt Kalk im Garten und warum ist er für die Bodengesundheit wichtig?
Kalk neutralisiert Bodensäure und hebt dadurch den pH-Wert, außerdem verbinden Calciumionen Ton- und Humusteilchen zu stabilen Bodenkrümeln. Ein durch Kalkung aktiveres Bodenleben kann Humus schneller abbauen und dabei Nährstoffe freisetzen. Sinnvoll ist eine Kalkung aber nur, wenn der gemessene pH-Wert für Bodenart und Humusgehalt zu niedrig ist. Ein zu hoher pH-Wert kann Nährstoffe festlegen und Mangelerscheinungen auslösen.
Stimmt es, dass zu viel Kalk schädlich ist, und welche Probleme können bei Überdosierung auftreten?
Ja, ein zu hoher Boden-pH-Wert kann Nährstoffe festlegen und Mangelerscheinungen auslösen, bei Spurennährstoffen auch dann, wenn sie im Boden vorhanden sind. Betroffen sein kann etwa Eisen, und gelbliche junge Blätter mit zunächst grünen Hauptadern können auf Eisenmangel hinweisen. Liegt der pH-Wert schon über dem Zielbereich, kommen weder Kalk noch kalkhaltige Dünger oder Kompost infrage. Rhododendren, Heidelbeeren und Eriken brauchen ein saures Bodenmilieu und werden nicht routinemäßig gekalkt.
Was ist der Unterschied zwischen Kalkdünger und anderen Bodenverbesserern wie Kompost oder Mulch?
Kalk neutralisiert Bodensäure und hebt den pH-Wert, je nach Kalkart schnell oder langsam. Kompost liefert organische Substanz und Nährstoffe und kann über seine basisch wirksamen Bestandteile ebenfalls einer Bodenversauerung entgegenwirken. Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² jährlich können im Hausgarten schon genügend Kalzium nachliefern, ob zusätzlich gekalkt wird, entscheidet der Bodenbefund. Organischer Mulch vermindert vor allem die Verdunstung und füttert das Bodenleben, Mulch aus Nadelgehölzrinde kann den pH-Wert in der Bodenkontaktschicht senken.
Wie dosiert man verschiedene Kalkarten richtig und welche Hilfsmittel erleichtern die Ausbringung?
Die Menge richtet sich nach Bodenbefund und Bodenart, und die Packungsangabe gleichst du mit diesem Befund ab. Bezieht sich eine Empfehlung auf CaO, ergibt sich die Produktmenge aus dem Bedarf mal 100, geteilt durch den CaO-Gehalt des Produkts in Prozent. Wiege die Menge ab, statt nach Augenmaß zu streuen, weil sich Dünger im Schüttgewicht unterscheiden. Einen Messbecher kalibrierst du dafür einmal mit der Waage für genau dieses Produkt und markierst die Füllhöhe.
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