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Kompostierung in der Stadt: Welcher Wohnungskomposter passt zu dir?

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Wurmkiste und Bokashi-Eimer kommen ohne Garten aus, ein selbst gebauter Balkonkomposter steht draußen.
  • Kompostwürmer arbeiten bei 15 bis 25 °C und brauchen Luft, deshalb schließt eine Wurmkiste nie luftdicht.
  • Bokashi gärt im luftdichten Eimer und muss danach in Erde oder Kompost nachreifen.
  • Ein kommunaler Bauvorschlag nutzt für den Balkonkomposter einen Kunststoffbehälter mit Deckel und mindestens 75 Litern.
  • Ein Thermokomposter spart Stellfläche, halbiert die Rottezeit aber nicht grundsätzlich.
  • Im Mietshaus klärst du Stellplatz und Gemeinschaftskompost vorab mit Vermieter oder Hausverwaltung.
Komposter im Garten mit Küchen- und Gartenabfällen
Foto: Eva Bronzini · Pexels License · Quelle ↗

Der Biomüll sammelt sich in der Küche, der Balkon ist klein, und im Treppenhaus soll nichts riechen. Wer in der Stadt kompostieren will, braucht deshalb ein System, das zu Platz, Abfallmenge und Hausgemeinschaft passt. Bevor ich jemandem einen Wohnungskomposter empfehle, stelle ich zwei Fragen: Wo soll er stehen, und wer braucht den fertigen Kompost?

Erst klären: Wohin mit dem fertigen Kompost?

Selbst kompostieren lohnt sich nur, wenn du den Kompost auch verwendest. Was du nicht brauchst, kannst du über die Biotonne oder die kommunale Grüngutsammlung verwerten lassen. Welche Kompostform zu dir passt, hängt vom verfügbaren Platz und von der Menge ab, die bei dir anfällt.

Zahl im Blick

Wer alle Bioabfälle des Haushalts selbst verwerten will, braucht als Faustregel ungefähr 50 bis 70 m² gedüngte Gartenfläche je Haushaltsmitglied, sonst droht Überdüngung. Ein Balkon mit einigen Kästen bleibt weit darunter. Den Überschuss gibst du deshalb besser in die Biotonne, statt alles in die Kästen zu geben.

Was jeder Kompost braucht, auch im Kleinformat

Kompost braucht Luft und eine Mischung aus feuchtem und trockenem, grobem und feinem, stickstoffreichem und stickstoffarmem Material. Liegt er zu nass und zu dicht, fault er, und sein pH-Wert kann in einen für die Rotte ungünstigen sauren Bereich absinken. Standort, Mischung, Umsetzen und Reifeprüfung erklärt der Ratgeber zu Düngen, Boden und Kompost in den Abschnitten Kompost anlegen sowie Kompost pflegen, prüfen und verwenden.

Wohnungskomposter im Vergleich

Für Stadtwohnung, Balkon und Hof kommen vier Systeme infrage. Sie unterscheiden sich darin, wo sie stehen können, was sie brauchen und was am Ende herauskommt.

System Standort Was es braucht Ergebnis
Wurmkiste ohne Garten, an einem Platz mit 15 bis 25 °C Luftzufuhr, Feuchtigkeit, eine Abdeckung für Dunkelheit Wurmkompost nach etwa 3 bis 6 Monaten, das Abfallvolumen schrumpft auf ungefähr ein Zehntel
Bokashi-Eimer drinnen, die Gärung läuft bei Zimmertemperatur luftdichter Verschluss, Siebeinsatz mit Ablass für die Flüssigkeit je nach Verfahren nach etwa 2 bis 6 Wochen ein Ferment, das danach in Erde oder Kompost nachreifen muss
Balkonkomposter im Selbstbau auf dem Balkon, erhöht über einem Untersetzer Kunststoffbehälter mit Deckel und mindestens 75 l, Öffnungen in Boden und Seiten Kompost, dessen Reife du vor der Verwendung prüfst
Thermo- oder Schnellkomposter auf offenem Boden im Halbschatten oder Schatten, etwa im Hof Belüftung gegen Vernässung, Vorrat an trockenem Strukturmaterial Gartenkompost nach etwa 4 bis 12 Monaten, je nach Material und Rotteführung

Ich ordne die Systeme nach der Wohnsituation zu:

  • Nur Küche, kein Balkon: die Wurmkiste, denn sie kommt ohne Garten aus und liefert fertigen Wurmkompost.
  • Balkon mit Kästen: ein selbst gebauter Balkonkomposter, erhöht über einem Untersetzer.
  • Hof oder Mietergarten mit Erdboden: ein geschlossener Thermo- oder Schnellkomposter, bei kleinen Mengen ein Trommelkomposter.
  • Beet oder Gemeinschaftskompost in Reichweite: der Bokashi-Eimer als Vorstufe, weil das Ferment dort nachreifen kann.

Wurmkiste: Kompost ohne Garten

In der Wurmkiste verarbeiten Kompostwürmer deine pflanzlichen Küchenreste, dazu Tee und Kaffeesatz. Der Kompostwurm Eisenia fetida gehört zur Familie der Regenwürmer. Die Tiere brauchen Sauerstoff, deshalb darf die Kiste nie luftdicht verschlossen sein. Günstig für ihre Arbeit sind Temperaturen von 15 bis 25 °C. Der Abfall schrumpft dabei auf ungefähr ein Zehntel seines Volumens. Zitrusschalen, Fleisch, Milch- und Getreideprodukte, Gekochtes und Verschimmeltes bleiben draußen. Wie du die Kiste startest, fütterst und feucht hältst, zeigt der Ratgeber zum Kompostieren von Küchenabfällen in der Wohnung.

Bokashi-Eimer: Gärung statt Rotte

Bokashi ist eine Vorbehandlung durch Milchsäuregärung und noch kein fertiger Kompost. Die zerkleinerten Küchenreste gären im luftdicht schließenden Eimer bei Zimmertemperatur, je nach Verfahren etwa 2 bis 6 Wochen lang. Für den laufenden Betrieb planst du zwei Eimer ein: Einer bleibt geschlossen, der andere sammelt die neuen Reste. Frisches Ferment kann Pflanzen schädigen und muss erst in Erde oder Kompost weiter umgesetzt werden. In einem beschriebenen häuslichen Verfahren reift das Gemisch danach weitere 3 Monate in einem offenen Behälter. Wer Bokashi wählt, braucht also einen Platz für diese zweite Phase. Ferment und abgelassener Saft können kräftig riechen und sind deshalb eher etwas für draußen. Befüllen, Saft ablassen und Nachreife Schritt für Schritt beschreibt der Ratgeber zum Kompostieren in der Wohnung ebenfalls.

Thermo- und Schnellkomposter: wenig Fläche, offener Boden

Geschlossene Thermo- und Schnellkomposter brauchen wenig Stellfläche und bremsen Austrocknung und Abkühlung. Kleine Abfallmengen trocknen darin nicht so rasch aus. Dafür verlangen sie ausreichende Belüftung, sonst vernässt der Inhalt. Ich stelle neben den Behälter einen Vorrat aus kleinen Ästen, Rindenmulch oder Stroh und mische dieses trockene Material beim Befüllen unter. Ein Gartenkomposter steht günstig im Halbschatten oder Schatten auf offenem Boden und sollte bequem erreichbar sein. Für Hof oder Mietergarten mit Erdfläche passt ein Thermokomposter deshalb gut, auf dem Balkon fehlt ihm dieser Boden. Trommelkomposter erleichtern das Mischen und eignen sich besonders für kleinere Mengen. Auf die Wärme im Behälter verlässt du dich trotzdem nicht: Ausreichend hohe Rottetemperaturen werden oft nicht durchgehend erreicht, sodass Krankheitserreger für Mensch, Tier und Pflanze im Gartenkompost nicht zuverlässig absterben.

Mythos-Check

Ein Thermokomposter halbiert die Rottezeit? Nicht grundsätzlich. Wie schnell der Kompost reift, bestimmen auch die Zutaten, die Feuchtigkeit und die Bodenlebewesen.

Balkonkomposter und Wurmkiste selbst bauen

Ein Wohnungskomposter muss nicht aus dem Handel kommen. Eine kommunale Bauanleitung für den Balkon kommt mit einem Kunststoffbehälter mit Deckel aus.

Mini-Checkliste

Balkonkomposter nach kommunalem Bauvorschlag

  • Kunststoffbehälter mit Deckel
  • mindestens 75 Liter Volumen
  • Öffnungen im Boden und in den Seitenwänden
  • erhöhte Aufstellung über einem Untersetzer

Mit den Öffnungen bekommt der geschlossene Behälter die Belüftung, die er gegen Vernässung braucht. Im Hof oder Mietergarten ist ein Lattenkomposter eine Alternative: Herausnehmbare Bretter erleichtern die Entnahme, und ein zweiter Behälter schafft Platz zum Umsetzen oder Lagern.

Bei einer selbst gebauten Wurmkiste plane ich zwei Kammern ein. Vor der Ernte fütterst du nur noch in einer Kammer, die Würmer wandern dorthin, und du entnimmst den Humus aus der anderen. Luftzufuhr ist Pflicht, und eine leicht feuchte Zeitung oder Hanfmatte auf dem Futter hält das Innere dunkel und feucht. Ein selbst gebauter Bokashi-Eimer braucht dagegen einen luftdichten Verschluss und einen Siebeinsatz, unter dem sich die Flüssigkeit sammelt und ablassen lässt.

Marias Erfahrung

Ich beschrifte jeden selbst gebauten Behälter mit dem Datum der ersten Befüllung. Vor der Entnahme sehe ich so, wie lange der Inhalt schon darin liegt.

Kompostieren im Mietshaus: Was du vorher klärst

Für Haus-, Nutz- und Kleingärten gilt die Bioabfallverordnung nicht, Vorschriften aus dem Düngemittel- und Pflanzenschutzrecht bleiben davon aber unberührt. Im Mietshaus klärst du zusätzlich mit Vermieter oder Hausverwaltung, ob und wo ein Komposter auf Balkon, Hof oder Gemeinschaftsfläche stehen darf. Ich lasse mir die Zusage schriftlich geben und lege sie zu den Mietunterlagen.

Rücksicht auf die Nachbarn heißt konkret:

  • Halte Abstand zu benachbarten Fenstern und Terrassen.
  • Gekochte Speisereste, Fleisch und Käse kommen nicht auf einen Kompost im Freien, weil sie Ratten anlocken können.
  • Frische Küchenabfälle deckst du mit trockenem Material oder reifem Kompost ab, damit sie weniger Fruchtfliegen anlocken.
  • Gute Durchlüftung hilft, Geruch und klimaschädliches Methan zu vermeiden.
  • Bokashi-Saft und Ferment verwendest du draußen, nicht in der Wohnung.

Für einen Gemeinschaftskompost in der Wohnanlage klärt ihr vorab drei Dinge: wer ihn betreut, ob die Hausverwaltung zustimmt und wer den fertigen Kompost verwendet. Wie ihr die Gemeinschaftskompostierung organisiert, Nachbarn dafür gewinnt und Geruch oder Fäulnis im Alltag vermeidet, beschreibt der Ratgeber zum störungsfreien Kompostieren in der Stadt.

Jetzt dran

Notier dir zwei mögliche Stellplätze und schätze ab, wie viel Küchenabfall bei dir anfällt. Mit diesen Angaben gehst du zur Hausverwaltung und wählst danach dein System.

Elektrische Küchenkomposter und Kompoststarter

Elektrische Küchenkomposter zerkleinern und trocknen Bioabfälle in der Regel nur, eine vollständige mikrobielle Kompostierung braucht mehr Zeit. Mehr zu Technik und neuen Ideen findest du im Ratgeber über moderne Kompostlösungen für Balkon und Terrasse. Käufliche Kompoststarter sind bei vielfältig gemischten Küchen- und Gartenabfällen normalerweise entbehrlich; ob ein Kompostbeschleuniger überhaupt etwas bringt, klärt ein eigener Ratgeber.

Den fertigen Kompost im Balkonkasten verwenden

Reiner Kompost eignet sich nicht als Substrat für empfindliche Keimlinge, weil seine hohe Nährsalzkonzentration ihren Wurzeln Wasser entziehen kann. In selbst gemischter Blumenerde bleibt der Anteil bei höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerottetem Kompost. Weitere Ideen zur Verwendung findest du im Ratgeber zum störungsfreien Kompostieren in der Stadt.

Häufige Fragen

Welche platzsparenden Kompostierungsmethoden eignen sich für kleine Wohnungen und Balkone?
Ohne Garten kommen vor allem die Wurmkiste und der Bokashi-Eimer infrage, denn beide lassen sich drinnen betreiben. Für den Balkon beschreibt eine kommunale Bauanleitung einen Kunststoffbehälter mit Deckel und mindestens 75 Litern, mit Öffnungen in Boden und Seiten und erhöht über einem Untersetzer. Geschlossene Thermo- und Schnellkomposter brauchen wenig Stellfläche, stehen aber am besten auf offenem Boden im Hof oder Mietergarten. Welche Form passt, hängt vom Platz und von der Menge deiner Küchenabfälle ab.
Wie funktioniert die Bokashi-Fermentation und warum ist sie für kleine Räume geeignet?
Bokashi ist eine Vorbehandlung durch Milchsäuregärung: Zerkleinerte Obst- und Gemüsereste werden in einem luftdicht schließenden Eimer fest angedrückt und gären bei Zimmertemperatur. Je nach Verfahren bleibt der volle Eimer danach etwa 2 bis 6 Wochen geschlossen. Das Ferment ist dann noch kein Dünger, sondern muss in Erde oder Kompost weiter umgesetzt werden, weil es frisch Pflanzen schädigen kann. Da Ferment und Saft kräftig riechen können, verwendest du beides am besten außerhalb der Wohnung.
Worin unterscheiden sich Thermokomposter von elektrischen Küchenkompostierern?
Ein elektrischer Küchenkomposter zerkleinert und trocknet Bioabfälle in der Regel nur, eine vollständige mikrobielle Kompostierung braucht mehr Zeit. Im Thermokomposter verrotten die Abfälle dagegen in einem geschlossenen Behälter, der Austrocknung und Abkühlung bremst, aber gut belüftet sein muss. Schneller als andere Komposter ist er nicht automatisch, weil Zutaten, Feuchtigkeit und Bodenlebewesen das Tempo mitbestimmen. Reifer Gartenkompost braucht je nach Material und Rotteführung etwa 4 bis 12 Monate.
Was ist der Unterschied zwischen Vermikompostierung und herkömmlicher Kompostierung?
Bei der Vermikompostierung verarbeiten Kompostwürmer wie Eisenia fetida pflanzliche Küchenreste in einer belüfteten, feuchten Wurmkiste, günstig sind dafür 15 bis 25 °C. Je nach Feuchte, Temperatur und Futter ist der Wurmkompost nach etwa 3 bis 6 Monaten fertig. Herkömmlicher Gartenkompost verrottet im Haufen oder Komposter und braucht je nach Material und Rotteführung etwa 4 bis 12 Monate. Dabei werden ausreichend hohe Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht, sodass Krankheitserreger im Gartenkompost nicht zuverlässig absterben.
Welche Materialien dürfen in den Komposter und welche sollten vermieden werden?
Obst- und Gemüseabfälle, Kaffeesatz und Eierschalen eignen sich für einen gemischten Kompost, Rasenschnitt lässt du vorher anwelken und mischst ihn mit trockenem Strukturmaterial. Gekochte Speisereste sowie Fleisch- und Käsereste bleiben draußen, weil sie Ratten anlocken können. Holzasche kann mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen belastet sein und kommt deshalb abgekühlt in den Hausmüll statt auf den Kompost. In die Wurmkiste gehören außerdem keine Zitrusschalen, Milch- und Getreideprodukte oder verschimmelten Lebensmittel.
Stimmt es, dass Kompostierung in der Wohnung zwangsläufig zu Geruchsbelästigung führt?
Nicht zwangsläufig, aber ein Geruch verrät dir, was nicht stimmt. Fauliger Geruch weist auf zu nassen Kompost hin, Ammoniakgeruch auf zu viel nährstoffreiches Material, dem du Laub, Stroh oder Gehölzschnitt beimischst. Gute Durchlüftung hilft, Geruchsbildung zu vermeiden, und eine Wurmkiste braucht ohnehin Luftzufuhr. Bokashi-Ferment und Bokashi-Saft können dagegen kräftig riechen und gehören zum Verwenden nach draußen.
Wie kontrolliert man Feuchtigkeit und Belüftung beim Kompostieren auf dem Balkon?
Bei der Feuchteprobe sollte sich Kompost anfühlen wie ein ausgedrückter Schwamm. Stockt die Rotte, weil er zu trocken ist, setzt du ihn um und befeuchtest ihn oder mischst feuchte krautige Abfälle ein. Bei Regen deckst du ihn gegen Übernässung ab, und riecht er faulig, setzt du ihn um. Geschlossene Komposter brauchen besonders sorgfältige Belüftung, ein Balkonkomposter nach kommunalem Bauvorschlag hat dafür Öffnungen in Boden und Seiten.
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