Pflanzen als Bodenverbesserer: Gründüngung, Jauche und Mulch richtig einsetzen
- Klee, Lupinen und Wicken binden mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff, Phacelia, Senf und Ölrettich nehmen vor allem vorhandene Bodennährstoffe auf.
- Gründüngung auf abgeernteten Beeten bindet freigesetzte Nährstoffe und vermindert deren Auswaschung.
- Gelbsenf und Ölrettich zählen in der Fruchtfolge als Kreuzblütler mit.
- Fertig vergorene Pflanzenjauche verdünnst du zur Wurzeldüngung im Verhältnis 1:10 mit Wasser.
- Eine allgemeingültige Ausbringmenge oder ein festes Intervall für Pflanzenjauche gibt es nicht, weil ihr Nährstoffgehalt schwankt.

Ein leeres, abgeerntetes Beet hat einen Haken: Nährstoffe, die der Boden weiter freisetzt, nimmt dort keine Pflanze mehr auf. Damit sind sie auswaschungsgefährdet. Ich lasse deshalb kein abgeerntetes Beet unbedeckt liegen. Wo Platz frei wird, säe ich eine Gründüngung, lege Pflanzenreste als Mulch aus oder setze aus Brennnesseln eine Jauche an.
Alle drei Wege machen Pflanzen zu Bodenverbesserern, doch sie arbeiten verschieden. Gründüngung und Mulch liefern organische Substanz, aus der Humus entsteht. Pflanzenjauche ist dagegen ein Flüssigdünger, dessen Nährstoffgehalt mit Kraut und Erntezeit schwankt. Wer das auseinanderhält, setzt jede Pflanze dort ein, wo sie zum Beet passt.
Welche Pflanzen verbessern den Gartenboden?
Ich sortiere die Bodenverbesserer aus dem eigenen Garten nach ihrer Aufgabe. Leguminosen holen Stickstoff aus der Luft, andere Gründüngungen halten vorhandene Nährstoffe im Beet. Kräuter wie Brennnessel und Beinwell liefern das Material für Jauche und Mulch.
| Pflanze | Einsatz | Besonderheit |
|---|---|---|
| Klee | Gründüngung | Leguminose, bindet mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff |
| Lupine | Gründüngung | Leguminose, bindet mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff |
| Wicke | Gründüngung | Leguminose, bindet mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff |
| Phacelia | Gründüngung | nimmt vor allem vorhandene Bodennährstoffe auf und vermindert deren Auswaschung |
| Gelbsenf | Gründüngung | Kreuzblütler, nimmt vor allem vorhandene Bodennährstoffe auf |
| Ölrettich | Gründüngung | Kreuzblütler, nimmt vor allem vorhandene Bodennährstoffe auf |
| Winterroggen | späte Gründüngung | lässt sich noch bis Anfang Oktober säen |
| Brennnessel | Jauche, Mulch, Kompost | Nährstoffgehalt schwankt mit Zustand und Erntezeit |
| Beinwell | Jauche, Mulch, Kompost | Nährstoffgehalt schwankt mit Zustand und Erntezeit |
Aus organischer Substanz entsteht Humus, und Humus ernährt die BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben.. Deren Tätigkeit setzt Nährstoffe frei, über Regenwurmgänge unterstützt das Bodenleben außerdem Durchlüftung und Wasserversickerung. Wie Humus, Bodenleben und Bodenanalyse zusammenhängen, steht ausführlich im Grundlagenteil zu Düngen und Boden.
Gründüngung: Stickstoff sammeln oder Nährstoffe festhalten?
Gründüngung säst du nicht für die Ernte, sondern für den Boden. Welche Art du wählst, hängt davon ab, ob das Beet Stickstoff gewinnen oder vorhandene Nährstoffe behalten soll.
Klee, Lupine und Wicke binden Luftstickstoff
Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen leben an ihren Wurzeln mit Knöllchenbakterien zusammen. Mit deren Hilfe können sie Luftstickstoff binden. Andere Gründüngungspflanzen nehmen vor allem Nährstoffe auf, die schon im Boden sind.
Verrottet eine solche Gründüngung, wird der Stickstoff frei. Diesen Stickstoff rechnest du bei der Düngung der folgenden Kultur an. Ein hohes StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. im Boden kann die Nitratanreicherung in Gemüse fördern. Wer nach Klee oder Lupinen düngt, als stünde das Beet leer, gibt also Stickstoff doppelt und erhöht genau dieses Risiko. Gegen Gemüse spricht das nicht, wohl aber für bedarfsgerechtes Düngen.
Ich führe ein Gartenheft mit einer Seite je Beet. Dort steht, welche Gründüngung auf dem Beet stand und wann ich sie eingearbeitet habe. Beim Düngen der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. schlage ich nach, was ich anrechnen muss.
Phacelia, Senf und Ölrettich halten Nährstoffe im Beet
Phacelia, Gelbsenf und Ölrettich sind keine Leguminosen. Auch ohne StickstoffbindungStickstoffbindung heißt, dass Knöllchenbakterien an den Wurzeln von Leguminosen wie Bohnen, Erbsen oder Klee Stickstoff aus der Luft aufnehmen und in eine Form umwandeln, die Pflanzen nutzen können. haben sie nach der Ernte ihren Platz: Auf abgeernteten Beeten binden sie freigesetzte Nährstoffe. Was sonst mit dem Sickerwasser verlagert würde, bleibt so im Bestand.
Gelbsenf und Ölrettich sind Kreuzblütler und zählen in der Fruchtfolge mit. Für Kreuzblütler solltest du im Gemüsebeet eine Anbaupause von 3 bis 5 Jahren vorsehen. Eine Gründüngung sollte zudem einer anderen Pflanzenfamilie angehören als das Gemüse davor und danach. Senf und Ölrettich passen also nur auf ein Beet, auf dem davor und danach keine Kreuzblütler wachsen, und mit ihnen beginnt dort selbst eine neue Anbaupause.
Aussaat: Zeiten und Mengen
| Gründüngung | Aussaatzeit | Saatmenge | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Phacelia | April bis September | 1 bis 3 g/m², andere Anleitungen nennen etwa 4 g/m² | 1 bis 2 cm tief säen, Kulturdauer 6 bis 9 Wochen |
| Gelbsenf | April bis September | etwa 5 g/m² | Kreuzblütler, im Gemüsebeet Anbaupause von 3 bis 5 Jahren |
| Winterroggen | Ende September bis Anfang Oktober | 20 g/m² | späte Gründüngung |
Ich wiege die Saat für jedes Beet ab, statt nach Gefühl zu streuen. Bei Phacelia gehen die Angaben zur Saatmenge auseinander. Ich beginne mit der niedrigeren Spanne und schaue, wie dicht der Bestand aufläuft. Für Ölrettich, Klee, Lupinen und Wicken halte ich mich an die Angaben auf der Saatgutpackung.
Einarbeiten und danach säen
Frische Gründüngung arbeitest du oberflächlich ein. Bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung wartest du danach gewöhnlich etwa 2 bis 3 Wochen. Überwinternde GrüneinsaatenGrüneinsaat ist die Aussaat einer Gründüngung, etwa Gelbsenf, Phacelia oder Ackerbohne, auf einem abgeernteten Beet. Die Pflanzen halten den Boden über Herbst und Winter bedeckt, schützen ihn und verbessern seine Struktur. dürfen bis zum Frühjahr stehen, denn ein solcher Bestand hält den Boden durchwurzelt. Das schützt ihn vor Abschwemmung und Nährstoffauswaschung. Winterliches Umgraben für die Frostgare lohnt sich nur dort, wo der Boden auch durchfriert.
Pflanzenfamilie von Vor- und Nachkultur geprüft. Saat abgewogen. Frische Gründüngung oberflächlich eingearbeitet. Wartezeit bis zur Folgekultur eingeplant. Frei werdenden Stickstoff bei der nächsten Düngung angerechnet.
Welche Pflanzenfamilie wann auf welchem Beet stand, hältst du in einem Plan fest. Im Beetplaner kannst du Zehrer-Einstufung und Anbaupausen bei der Beetplanung berücksichtigen. Ob Kulturen als Nachbarn zusammenpassen, prüfst du im Mischkultur-Planer.
Pflanzenjauche aus Brennnessel, Beinwell und anderen Kräutern
Pflanzenjauche lässt sich zum Beispiel aus Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch ansetzen. Der Nährstoffgehalt schwankt mit der Pflanzenart, dem Zustand des Materials und der Erntezeit. Ich schneide Brennnesseln mit Handschuhen und zerkleinere sie grob mit der Gartenschere, bevor sie ins Fass kommen.
So setzt du die Jauche an
| Ansatz | Menge |
|---|---|
| frisches, zerkleinertes Kraut | 1 kg auf 10 l Wasser |
| getrocknetes Kraut | 100 bis 200 g auf 10 l Wasser |
| Brennnessel, nur Blätter | 75 g frische Blätter je Liter Wasser |
| Brennnessel, Kraut mit Stängeln | 100 g je Liter Wasser |
- Das Kraut grob zerkleinern und im Gefäß mit Wasser ansetzen.
- Das Gefäß mit einem luftdurchlässigen Gitter oder Netz sichern, damit keine Tiere hineinfallen. Einen geschlossenen Deckel lässt du weg.
- Einmal täglich kräftig umrühren.
- Die Jauche ist fertig, wenn sie dunkel gefärbt ist und nicht mehr schäumt.
Wie lange das dauert, hängt an der Witterung. Allgemein rechnest du mit etwa 2 bis 3 Wochen Gärzeit. Bei warmer Witterung ist Pflanzenjauche oft schon nach ungefähr 14 Tagen fertig. Für BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. gelten gewöhnlich 10 bis 14 Tage. Entscheidend bleibt das Aussehen, nicht der Kalender. Ans Fass klebe ich ein Etikett mit Kraut und Ansatzdatum.
Das Ansatzrezept als Ausbringmenge lesen. 1 kg Kraut auf 10 l Wasser beschreibt nur, wie du die Jauche ansetzt. Wie viel du davon später gießt, ist damit nicht gesagt.
Verdünnen und richtig gießen
| Anwendung | Verdünnung mit Wasser |
|---|---|
| fertige Pflanzenjauche zur Wurzeldüngung | 1:10 |
| Brennnesseljauche aus 75 g Blättern je Liter, etablierte Pflanzen | 1:10 |
| Brennnesseljauche aus 75 g Blättern je Liter, Jungpflanzen | 1:20 |
| Blattgabe bei sehr akutem Nährstoffmangel | 1:50 |
Verdünnte Jauche gießt du auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen. Bei Hitze und Trockenheit feuchtest du den Wurzelbereich vorher an und gibst die Lösung niedrig konzentriert, ohne das Laub zu benetzen. Bevor ich gieße, stecke ich einen Finger in die Erde und prüfe, ob sie feucht ist.
Eine Blattgabe kann einen akuten Mangel vorübergehend lindern, ersetzt aber nicht die Versorgung mit HauptnährstoffenHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund. über die Wurzeln. Sprühe sie bei bedecktem Himmel oder am Abend, weil starke Sonne die Lösung eintrocknen lässt und Blattschäden begünstigt. Bei empfindlichen Pflanzen machst du vorher eine Probespritzung. Gelbe Blätter beweisen dabei noch keinen Mangel, denn Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden und Verdichtung können ähnliche Symptome verursachen.
Wie oft und wie viel Jauche?
Eine allgemeingültige Ausbringmenge gibt es für Pflanzenjauche nicht, ein festes Düngeintervall ebenso wenig. Dafür sind Pflanzenbedarf und Bodenvorräte zu verschieden, und der Gehalt der Jauche schwankt. Ich taste mich heran und schaue nach jeder Gabe auf Wuchs und Blattfarbe. Was dein Boden tatsächlich an pflanzenverfügbaren Nährstoffen vorrätig hat, zeigt eine Bodenuntersuchung.
„Brennnesseljauche ersetzt jeden anderen Dünger.“ Das lässt sich pauschal nicht sagen. Der Nährstoffgehalt schwankt mit Kraut, Zustand und Erntezeitpunkt, deshalb kennst du ihn nicht genau. Auch organische Dünger können bei zu hohen Gaben Pflanzen schädigen und Boden sowie Grundwasser belasten.
Brennnessel oder Beinwell?
Für beide Kräuter gilt der allgemeine Ansatz für Pflanzenjauche. Die Angaben mit 75 g Blättern je Liter und der Verdünnung für Jungpflanzen beziehen sich auf Brennnesseljauche. Ein festes Nährstoffprofil hat keine der beiden Jauchen, weil der Gehalt mit Art, Zustand und Erntezeit des Krauts schwankt. Beinwellblätter lege ich außerdem als Mulch zwischen die Reihen.
Mulch aus Pflanzenresten
Was du an Brennnesseln, Beinwell oder Rasen schneidest, kann als Mulch auf dem Beet liegen bleiben. Organischer Mulch vermindert die Verdunstung und füttert die Bodenorganismen, die ihn abbauen und daraus Humus bilden. Im Sommer vermindert die Decke außerdem Bodenerhitzung und VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., und sie hält Erosion und Unkrautaufwuchs zurück.
| Punkt | Richtwert |
|---|---|
| organische Mulchschicht im Gemüsebeet | etwa 2 bis 3 cm |
| Höhe der Gemüsepflanzen vor dem Mulchen | ungefähr 10 cm |
| Saatrillen und kleine Jungpflanzen | bleiben frei |
| Tomaten, Kürbis und Bohnen | erst ab Mai oder Juni mulchen, damit sich der Boden vorher erwärmt |
| feiner Rasenschnitt | dünner auftragen als anderes Mulchmaterial |
Brennnesseln lasse ich vor dem Mulchen anwelken und fasse sie nur mit Handschuhen an. Rasenschnitt lässt du ebenfalls anwelken und legst ihn in dünnen Schichten aus, die du bei Bedarf ergänzt. Dann verklebt er nicht zu einer dichten, schimmelnden Masse. Angewelkter Rasenschnitt liefert Stickstoff nach, den du bei weiteren Düngergaben mitzählst.
Stroh, Holzhäcksel und Rindenmulch verhalten sich umgekehrt, denn beim Abbau können sie Stickstoff binden. Vor dem Mulchen damit planst du deshalb eine ergänzende Stickstoffversorgung ein. Eine feuchte Mulchdecke kann außerdem Nacktschnecken begünstigen. Bei meinem Rundgang hebe ich die Decke an ein paar Stellen an und schaue darunter.
Pflanzenreste auf den Kompost
Was ich weder als Mulch noch als Jauche brauche, kommt auf den Kompost. Kompost, Grünschnitt und Erntereste versorgen die Bodenorganismen und halten Nährstoffe im Gartenkreislauf. Riecht der Haufen nach Ammoniak, steckt zu viel nährstoffreiches Material darin, und du mischst Laub, Stroh oder Gehölzschnitt unter. Wie du Kompost aufsetzt, pflegst und auf Reife prüfst, beschreibt der Grundlagenteil zu Düngen und Boden.
Rindenhumus aus dem Sack
Pflanzliche Bodenverbesserer gibt es auch fertig zu kaufen. Rindenhumus ist kompostierte, zerkleinerte und nach Korngrößen sortierte Rinde und damit kein bloßer Rindenmulch. Er eignet sich zum Einarbeiten in Gemüsebeete, besonders bei schweren Böden, wobei du eine mögliche Stickstoffbindung berücksichtigst. Für wiederkehrende Gaben bleibst du bei höchstens 2 bis 3 l je m² und Jahr.
