Zitrusdünger selber machen: Jauche, Kaffeesatz und Horn richtig einsetzen
- Pflanzenjauche aus Brennnessel oder Beinwell ist die Basis für selbst gemachten Zitrusdünger.
- Fertige Jauche gießt du im Verhältnis 1:10 verdünnt auf bereits feuchte Erde.
- Für Zitrus im Kübel werden Spezialsubstrate mit pH 5,0 bis 5,5 empfohlen, selbst gemischte Erde mit Kompost ist oft ungeeignet.
- Kaffeesatz bleibt eine ergänzende Gabe ohne festgelegte Zitrusdosis.
- Hornspäne mischst du beim Umtopfen unter, weil sie im Kübel erst abgebaut werden müssen.
- Trockenheitsliebende mediterrane Stauden auf mageren Standorten bekommen keinen Kompost.
- Überwinterst du Zitronen und Orangen hell und kühl bei 5 bis 10 °C, setzt du die Düngung aus.
Im Frühsommer schneide ich Brennnesseln für mein Jauchefass, und ein Teil davon landet später verdünnt im Gießwasser meiner Kübelzitrone. Zitrusdünger selber zu machen spart Geld und verwertet, was ohnehin im Garten wächst. Nicht jede Zutat aus gängigen Rezepten passt aber in den Zitrustopf, denn Kompost und Kalk können den pH-Wert anheben.
Ich zeige dir, wie du eine Jauche aus Brennnessel und Beinwell ansetzt und verdünnst. Außerdem erfährst du, was Kaffeesatz, Hornspäne und die Wurmkiste beitragen und warum ich Kompost nicht unter Zitruserde mische.
Was du für Zitrus selbst herstellen kannst
Diese Bausteine machst du selbst oder mischst sie selbst unter, und jeder hat seine Grenze.
| Baustein | So setzt du ihn ein | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Jauche aus Brennnessel oder Beinwell | verdünnt auf feuchte Erde gießen | Nährstoffgehalt schwankt, kein festes Intervall |
| Kaffeesatz | getrocknet als ergänzende Gabe einarbeiten | keine festgelegte Zitrusdosis |
| Hornspäne oder Hornmehl als Zusatz | beim Umtopfen in torffreie Erde mischen | wirken im Kübel verzögert, liefern vor allem Stickstoff |
| Flüssigkeit aus der Wurmkiste | im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnen | keine Zitrusschalen in die Kiste |
| Gartenkompost | Küchenreste verwerten, andere Pflanzen versorgen | für Zitrus-Topferde wegen des oft hohen pH-Werts ungeeignet |
Was Zitrus und mediterrane Kübelpflanzen brauchen
Zitruspflanzen brauchen neben den HauptnährstoffenHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund. eine ausreichende Versorgung mit SpurenelementenSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe., Olive und Feige haben im Kübel dagegen einen geringen Düngebedarf. Wie du daraus Düngerwahl, Zeitpunkt und Menge ableitest, erklärt mein Ratgeber zum Düngen von Zitrus- und Mediterranpflanzen. Was hinter NPK und Spurenelementen steckt, findest du in den Grundlagen zu Nährstoffen, NPK und Pflanzenbedarf.
Brennnessel- und Beinwelljauche ansetzen
Die Jauche ist der Teil deines Zitrusdüngers, den du vollständig selbst herstellst. Als Rohstoff eignen sich Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch. Für meine Kübelpflanzen nehme ich Brennnessel und Beinwell, allein oder gemischt im selben Fass. Beinwell setzt du nach demselben Grundrezept an wie Brennnessel.
Ich schneide das Kraut mit Handschuhen, zerkleinere es mit der Gartenschere und wiege es auf der Küchenwaage ab. Als Ansatzwasser nehme ich Regenwasser aus der Tonne, solange es nicht von einem Kupfer- oder Zinkdach stammt.
| Ansatz und Reife | Wert |
|---|---|
| Frisches, zerkleinertes Kraut | 1 kg auf 10 l Wasser |
| Getrocknetes Kraut | 100 bis 200 g auf 10 l Wasser |
| Reine BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. aus frischen Blättern | 75 g je Liter Wasser |
| Reine Brennnesseljauche aus getrockneten Blättern | 15 g je Liter Wasser |
| Gärzeit | etwa 2 bis 3 Wochen, bei Wärme etwa 14 Tage |
| Gärzeit reiner Brennnesseljauche | etwa 10 bis 14 Tage |
| Fertig, wenn | dunkle Farbe, kein Schaum mehr |
Deck das Gefäß mit einem luftdurchlässigen Gitter oder Netz ab, damit keine Tiere hineinfallen. Ein geschlossener Deckel gehört nicht darauf. Rühr den Ansatz täglich einmal kräftig um. Wie viel Nährstoff am Ende im Fass steckt, schwankt mit Pflanzenart, Zustand und Erntezeitpunkt des Krauts.
Ich setze meine Jauche in einem Kunststofffass an und lege ein Stück Kaninchendraht darüber. Kraut und Ansatzdatum schreibe ich mit Kreide an die Seite, damit ich beim Verdünnen weiß, welcher Ansatz gerade reif ist.
Jauche verdünnen und an Zitrus gießen
Fertige PflanzenjauchePflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. verdünnst du für die Wurzeldüngung etablierter Pflanzen im Verhältnis 1:10 mit Wasser. Reine Brennnesseljauche bekommt bei Jungpflanzen das Verhältnis 1:20.
Gieß die verdünnte Jauche nur auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen. In torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während es weiter unten noch nass ist. Ich prüfe die Feuchte deshalb mit dem Finger tiefer im Topf. Zitruspflanzen reagieren empfindlich auf Staunässe, also kippe ich nach starkem Regen das Wasser aus dem Untersetzer. Bei Hitze und Trockenheit gibst du die Lösung niedrig konzentriert auf vorher angefeuchtete Erde und nicht über die Blätter.
Auch das Verdünnungswasser zählt mit. Hartes Gießwasser kann den Substrat-pH von Topfpflanzen erhöhen und dadurch Eisenchlorosen begünstigen. Weil für Zitrus Substrate mit pH 5,0 bis 5,5 empfohlen werden, verdünne ich die Jauche mit Regenwasser.
Eine allgemeingültige Ausbringmenge oder ein festes Intervall gibt es für Pflanzenjauchen nicht, weil Pflanzenbedarf und Nährstoffvorrat verschieden sind. Ich schaue mir vor jeder Gabe den jüngsten Austrieb und die älteren Blätter an und notiere, wann die Pflanze zuletzt Jauche bekommen hat. Steckt im Topf bereits ausreichend LangzeitdüngerEin Langzeitdünger, auch Depotdünger genannt, gibt seine Nährstoffe nicht sofort, sondern verzögert über einen längeren Zeitraum an die Pflanzen ab. Das gilt für entsprechend gekennzeichnete Mineraldünger und ebenso für organische Dünger., braucht die Pflanze im Sommer in der Regel keine zusätzliche Düngung und damit auch keine Jauche. Ob für deine Kübel eher Langzeit- oder Flüssigdünger passt, wägt der Vergleich von Langzeit- und Flüssigdünger ab.
Eine schwächelnde Kübelpflanze mit Jauche aufpäppeln. Kranke Pflanzen regst du nicht mit zusätzlichem Dünger zum Wachstum an. Ist der Ballen vernässt, die Wurzeln aber noch nicht verfault, bekommt die Pflanze bis zum Abtrocknen weder Wasser noch Dünger.
Kaffeesatz im Zitrustopf
Kaffeesatz enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium, liefert damit aber keine festgelegte Zitrusdüngerdosis. Du trocknest ihn vor der Verwendung und arbeitest ihn als ergänzende Düngegabe in die Erde ein. Ich verteile den nassen Satz dafür auf einem flachen Teller und fülle ihn trocken in ein Schraubglas. Was ich im Topf nicht brauche, kommt auf den Kompost, denn Kaffeesatz lässt sich mit Küchenresten und grobem Gartenmaterial kompostieren.
Kaffeesatz mit Eier- und Bananenschalen ersetzt den Zitrusdünger. Zitruspflanzen brauchen neben den Hauptnährstoffen eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen, und eine feste Dosis liefert Kaffeesatz nicht. Die Schalen gebe ich auf den Kompost, wo sich Eierschalen sowie Obst- und Gemüseabfälle als Bestandteile eignen.
Kompost: warum ich ihn nicht unter Zitruserde mische
Für Zitruspflanzen im Kübel werden Spezialsubstrate mit einem pH-Wert von 5,0 bis 5,5 empfohlen. Selbst gemischte komposthaltige Substrate haben häufig einen hohen pH-Wert und sind für Zitrusgewächse deshalb oft ungeeignet. Kompost kann durch seine basisch wirksamen Bestandteile den pH-Wert anheben. Sein Stickstoff ist zudem überwiegend organisch gebunden, sodass trotz Kompost zusätzlicher Stickstoffbedarf bestehen kann.
Kalk neutralisiert Säure und erhöht ebenfalls den pH-Wert, während Zitruspflanzen ein saures Substrat brauchen. Kalkhaltige Zusätze wie AlgenkalkAlgenkalk ist ein Kalkdünger auf Grundlage von Rotalgen. Er besteht überwiegend aus kohlensaurem Kalk mit vielen Spurenelementen, wirkt langsam und hebt einen zu sauren Gartenboden in den leicht sauren oder neutralen Bereich. lasse ich deshalb aus meinem Zitrusdünger heraus.
Gartenkompost nimmt trotzdem deine Küchenreste auf. Kaffeesatz, Eierschalen sowie Obst- und Gemüseabfälle eignen sich als Bestandteile eines gemischten Gartenkomposts. Mischst du für andere Kübelpflanzen selbst Blumenerde, sollte sie höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerotteten Kompost enthalten.
Trockenheitsliebende mediterrane Stauden auf mageren Standorten bekommen keinen Kompost. Bei Lavendel unterstützt eine zurückhaltende Düngung einen intensiveren Duft und kompakten, standfesten Wuchs. Stark stickstoffhaltige Dünger und Mist können ihn dagegen weich und instabil wachsen lassen.
Ob dein Zitrussubstrat im empfohlenen Bereich liegt, zeigt dir eine Messung. Direkt im Topf brauchst du dafür eine kalibrierte Glas-Einstichelektrode, denn einfache Metallsonden und sehr trockenes Substrat liefern unzuverlässige Werte.
Wurmkiste: Flüssigdünger aus Küchenresten
Die Flüssigkeit, die bei der Wurmkompostierung anfällt, kannst du im Verhältnis 1:10 mit Wasser als Flüssigdünger verwenden. Pflanzliche Küchenreste gehören in die Kiste, Zitrusschalen dagegen nicht. Ebenso tabu sind Fleisch, Milchprodukte, Getreideprodukte sowie gekochte oder verschimmelte Lebensmittel. Die Würmer arbeiten am besten bei 15 bis 25 °C und brauchen Luft und Feuchtigkeit.
Hornspäne und Hornmehl als Stickstoffzusatz
Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl enthalten typischerweise 10 bis 14 % Stickstoff. Sie liefern überwiegend Stickstoff und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft. bei geringen Phosphor- und Kaliumgehalten und ersetzen deshalb keine vollständige Versorgung. Wie schnell sie wirken, hängt vom Mahlgrad ab.
| Hornprodukt | Freisetzung |
|---|---|
| Hornmehl | am schnellsten, Umsetzung im Boden etwa 6 Wochen |
| Horngrieß | etwas langsamer als Hornmehl |
| Hornspäne | am langsamsten, Umsetzung mehrere Monate |
Im Kübel müssen Hornspäne, Knochenmehl und Blutmehl erst mikrobiell abgebaut werden. In kleinen Gefäßen kann die Versorgung deshalb verzögert einsetzen und hinter dem Bedarf zurückbleiben.
Auch vorgedüngte torffreie Erde kann vorübergehend zu wenig verfügbaren Stickstoff bereitstellen, und Horn mischst du vor dem Pflanzen unter die Erde. Das Umtopfen ist deshalb der passende Moment für diesen Zusatz. Zitruspflanzen topfst du als Pflegeorientierung alle 2 bis 3 Jahre in frische Erde um.
Die Menge richtest du nach der Dosierungsanweisung auf der Packung und rechnest die GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen. der neuen Erde an. Nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Erde braucht die Pflanze 4 bis 6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger, also auch keine Jauche.
Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei, bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden darin Salmonellen nachgewiesen. Ich mische sie deshalb mit Handschuhen unter und wasche mir danach die Hände.
Organisch, mineralisch oder beides?
Jauche, Kaffeesatz und Horn sind organische Dünger: Ihre Nährstoffe müssen erst mineralisiert werden, und bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen sie kaum etwas frei. Handelsübliche Zitrusdünger wirken zusätzlich versauernd, was bei hartem Gießwasser zählt, weil es den Substrat-pH anheben kann. Wie du beide Wege kombinierst, zeigt der Vergleich organischer und mineralischer Dünger für Zitrusbäume; die Grundlagen findest du in der Übersicht unter Düngerarten und Düngerformen.
Wann du selbst gemachten Dünger gibst
Kübelpflanzen mit Winterruhe düngst du während ihrer Wachstumszeit von Ende April bis August. Überwinterst du Zitronen und Orangen hell und kühl bei 5 bis 10 °C, setzt du die Düngung aus. Wie du Frühjahrsstart, Sommergaben und Winterpause bei Zitrus staffelst, zeigt der Ratgeber zur Zitrusdüngung im Jahreslauf.
Gelbe Blätter: erst die Ursache klären
Vergilben junge Blätter zwischen grünen Adern, kann das auf Eisenmangel hindeuten, der häufig von einem zu hohen pH-Wert statt von fehlendem Eisen kommt. Auch Trockenheit, Staunässe oder Wurzelschäden können ähnliche Symptome verursachen, und dann behebt eine weitere Gabe Jauche das Problem nicht zuverlässig. Wie du die Ursache eingrenzt, steht in den Grundlagen unter Mangel und Überdüngung, die Behandlung bei Zitrus im Ratgeber zum Düngen von Zitrus- und Mediterranpflanzen.
Sicher arbeiten mit Jauche und Dünger
Diese Punkte gelten für Jauche, Horn und gekaufte Dünger.
- Jauchefass mit Gitter oder Netz sichern, nie mit geschlossenem Deckel.
- Hornspäne mit Handschuhen untermischen und danach die Hände waschen.
- Feste Dünger trocken und verpackt oder abgedeckt lagern.
- Hat ein Kind vermutlich eine größere Menge Dünger aufgenommen, ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis anrufen.
- Hat ein Haustier vermutlich Dünger gefressen, sofort die Tierarztpraxis anrufen und die Verpackung mitnehmen, ohne Hausmittel zu geben oder Erbrechen auszulösen.
Holzasche gehört weder in deinen Zitrusdünger noch auf den Kompost, weil sie mit Schwermetallen und Schadstoffen belastet sein kann. Abgekühlt kommt sie in den Hausmüll, ohne dass du dabei Staub aufwirbelst.

