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Überdüngung beheben: So sanierst du Boden und Kübelpflanzen langfristig

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 13 Min.Von der samen.de Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bei zu viel Stickstoff setzt du die Stickstoffdüngung aus und lässt den Vorrat mit einer gesonderten Nmin-Untersuchung bestimmen.
  • Bei Versorgungsstufe E kann die Düngung mit dem betreffenden Nährstoff vorübergehend auf 0 reduziert werden, andere Nährstoffe beurteilst du getrennt.
  • Überhöhte Nährstoffvorräte bauen sich durch angepasste Düngung oft erst über mehrere Jahre ab.
  • Gründüngung bindet Nährstoffe nur vorübergehend und gibt sie beim Verrotten wieder frei.
  • Überdüngte Kübelpflanzen: Düngung einstellen, Ballen bei freiem Abfluss langsam durchspülen, in schweren Fällen umtopfen.
Gelb und schwarz verfärbte Blätter als Zeichen von Blattschäden
Foto: Laython Photos · Pexels License · Quelle ↗

Wer jahrelang nach Gefühl düngt, baut im Boden Vorräte auf, die nicht mit einer Saison verschwinden. Überhöhte Nährstoffvorräte bauen sich durch angepasste Düngung oft erst über mehrere Jahre ab. Zeigt ein Bodenbefund bei mir hohe Werte, trage ich für das Beet zuerst eine Düngepause ins Gartenbuch ein. Danach plane ich, welcher Nährstoff wie lange pausiert und was auf dem Beet wachsen soll. Genau darum geht es hier: Befund lesen, Düngepraxis umstellen, Pflanzen gezielt einsetzen und Kübel- und Zitruspflanzen passend versorgen.

Kurz erklärt

Überdüngung heißt, dass Pflanzen mehr Nährstoffe bekommen, als sie aufnehmen und verwerten. Das passiert mit mineralischen und mit organischen Düngern. Ein durch Überdüngung erhöhter Salzgehalt im Boden kann die Wasseraufnahme der Pflanzen beeinträchtigen.

Zu viel Stickstoff im Boden: was tun?

Stickstoff verhält sich anders als Phosphor und Kalium. Nitrat wird von den überwiegend negativ geladenen Bodenteilchen kaum festgehalten und ist deshalb auswaschungsgefährdet. Besonders nach der Ernte, wenn keine Pflanze mehr aufnimmt und es stark regnet, kann es mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen. Auf leeren Beeten nimmt niemand die freigesetzten Nährstoffe auf, dort sind sie auswaschungsgefährdet.

  1. Stickstoffdüngung aussetzen. Eine hohe Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenhumus kann es erlauben, die zusätzliche Stickstoffdüngung zu verringern oder ganz auszusetzen. Das betrifft auch Horndünger, Mist und flüssige Gaben.
  2. Den Vorrat messen lassen. Eine Standarduntersuchung auf Phosphor, Kalium und pH-Wert liefert keinen Nmin-Wert, den beauftragst du gesondert. Der Wert ist eine Momentaufnahme, weil sich der verfügbare Stickstoff im Lauf der Kultur verändert.
  3. Das Beet bewachsen halten. Gründüngung, kurze Brachzeiten und Mulch können Nährstoffverluste vermindern. Überwinternde Grüneinsaaten halten den Boden durchwurzelt und können ihn vor Auswaschung schützen.
  4. Keine Leguminosen säen. Klee, Wicken und Lupinen binden mit Knöllchenbakterien zusätzlich Luftstickstoff. Auf einem stickstoffreichen Beet lässt du sie deshalb weg.
  5. Rasenschnitt nicht als Mulch nehmen. Angewelkter Rasenschnitt liefert beim Mulchen Stickstoff nach. Stroh passt unter höher wachsendes Gemüse wie Tomaten, Zucchini und Zuckermais und kann beim Abbau vorübergehend Stickstoff binden. Bei nachgewiesen hohem Vorrat brauchst du diese Bindung nicht mit einer Extragabe auszugleichen.
  6. Gehölze ab Mitte Juli ohne Stickstoff lassen. Obst- und Ziergehölze bekommen danach keinen zusätzlichen Stickstoff, damit ihre Triebe vor dem Winter ausreifen.

Ein hohes Stickstoffangebot im Boden kann die Nitratanreicherung in Gemüse fördern. Auf Gemüse verzichten musst du deshalb nicht, bedarfsgerecht düngen solltest du aber. Was Nitrat im Grundwasser und Phosphor in Gewässern bewirken, beschreibt der Ratgeber dazu, welche Folgen Nährstoffüberschüsse für Grundwasser, Gewässer und Bodenleben haben.

Ursachen, Anzeichen, Erste Hilfe: der kurze Überblick

Ursachen. Häufig landet die volle Packungsmenge auf einem Boden, der schon Kompost oder Mist erhalten hat. Die Packungsempfehlung setzt aber eine optimale Bodenversorgung voraus und gilt nur ohne zusätzliche Dünger- oder Kompostgaben. Auch organische Dünger können eine zu hohe Nährstoffzufuhr verursachen.

Anzeichen. Auffallend dunkelgrünes, weiches Wachstum kann auf zu viel Stickstoff hindeuten, ebenso ein schwacher Blütenansatz. Braune Blattränder können von zu viel Düngersalz stammen, ähneln aber Trockenheits- und Kaliummangelschäden.

Nachweis. Überlagerte Symptome lassen sich am Erscheinungsbild nicht immer zuordnen. Boden- und Blattanalysen können sie abklären, und bei Verdacht auf Überdüngung beauftragst du den Salzgehalt ausdrücklich mit.

Erste Hilfe. Im Akutfall stellst du die Düngung zuerst ein, bei Kübelpflanzen folgen Durchspülen und in schweren Fällen Umtopfen. Alles zur sicheren Diagnose an Blatt, Boden und Wurzel und zu den Sofortmaßnahmen steht im Ratgeber, woran du Überdüngung sicher erkennst und was im Akutfall hilft.

Wie sanierst du überdüngten Boden langfristig?

Was der Bodenbefund dir sagt

Ohne Bodenbefund weißt du nicht, welcher Nährstoff zu hoch ist und welcher vielleicht fehlt. Nimm die Probe im späten Herbst vor der Bodenbearbeitung oder im zeitigen Frühjahr, jeweils vor der Düngung. Wie du die Mischprobe ziehst und den pH-Wert deines Bodens einordnest, steht im Überblick zu Bodenanalyse, pH-Wert und Düngen nach Bedarf. Während einer laufenden Versorgungskorrektur untersuchst du den Boden im Abstand von 2 bis 3 Jahren. Ich nehme die Folgeprobe zur gleichen Jahreszeit und bei ähnlicher Bodenfeuchte wie die erste, damit sich die Werte vergleichen lassen.

Die Versorgungsstufen im Befund zeigen dir, wie du mit jedem Nährstoff weitermachst:

Versorgungsstufe Einordnung So düngst du den betreffenden Nährstoff
C anzustrebende mittlere Versorgung nach dem Bedarf der Kultur
D hohe Versorgung nur 50 % des erwarteten Entzugs ersetzen
E sehr hohe Versorgung vorübergehend auf 0 reduzieren

Jede Stufe gilt für einen einzelnen Nährstoff, die anderen beurteilst du gesondert. Steht Phosphor in Stufe E und Kalium ist knapp, ergänzt du gezielt nur Kalium statt eines Volldüngers. Bei hohen Phosphat- und Kalivorräten in Stufe D oder E kann eine reine Stickstoffgabe die zusätzliche Volldüngung ersetzen.

Zahl im Blick

Ein Dünger mit NPK 12-8-16, bemessen nach einem Stickstoffbedarf von 20 g N/m², braucht rund 167 g/m². Damit kommen rund 13 g P₂O₅/m² aufs Beet, gebraucht werden nur 5 g P₂O₅/m². Wer Volldünger Jahr für Jahr nach dem Stickstoff bemisst, baut so einen Phosphatvorrat auf.

Wie viel Kompost und Mist noch passt

Kompost liefert Phosphor, Kalium und Spurenelemente, setzt aber nur wenig Stickstoff frei. Bei stark erhöhten Phosphor- oder Kaliumgehalten schränkst du die Kompostzufuhr deshalb ein. Im Ziergarten gelten bei Phosphat-Gehaltsstufe C bis E höchstens 3 l Kompost je m² und Jahr. Kompost und Stallmist setzt du auf derselben Fläche als Alternative ein, nicht nebeneinander. Rinder- und Pferdemist begrenzt du wegen der Phosphatzufuhr auf 3 kg/m². Was Kompost, Mist und Gründüngung liefern, ziehst du vom zusätzlichen Düngebedarf ab.

Liegt der pH-Wert über dem Zielbereich für Boden und Kultur, kommen weder Kalk noch kalkhaltige Dünger noch Kompost aufs Beet. Korrigieren musst du einen zu hohen Wert nicht, solange die Pflanzen zufriedenstellend gedeihen. Ist eine Absenkung nötig, kann der langfristige Verzicht auf Kalk- und Kompostgaben dazu beitragen.

Helfen Bodenverbesserer gegen Überdüngung?

Mythos-Check

„Zeolith zieht den Überschuss aus dem Boden.“ Zeolith kann Ammonium durch Ionenaustausch binden. Tonminerale und organische Substanz halten positiv geladene Nährstoffionen ebenfalls austauschbar fest, geben sie aber später an die Bodenlösung zurück. Nitrat halten sie kaum fest. Solche Zuschläge speichern einen Überschuss also eher, als dass sie ihn aus dem Boden holen.

Bentonit kann auf sandigen Böden die Wasser- und Nährstoffspeicherung verbessern. Bevor du Zuschläge einarbeitest, lohnt der Blick auf die Bodenstruktur. Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden und Verdichtung können ähnliche Symptome wie ein Nährstoffproblem verursachen. Ich steche vor jeder Bodenverbesserung einen Spaten aus und schaue mir Gefüge, Verdichtungen, Feuchte und Wurzelbild an. Staunässe über verdichteten Schichten kann Sauerstoffmangel verursachen, der Wurzelfäulnis auslöst und die Nährstoffaufnahme stoppt.

Als organische Substanz für die Bodenstruktur kommt Rindenhumus infrage. Gegenüber Grüngutkompost hat er meist geringere Nährstoffgehalte, kann aber leichter Stickstoff festlegen. Je nach Produkt bringt er dennoch erhöhte Kalium-, Phosphor- und Mangangehalte mit. Bei RAL-gütegesichertem Rindenhumus werden unter anderem pH-Wert, Salzgehalt und Nährstoffe kontrolliert. Für die wiederholte Bodenverbesserung gelten höchstens 2 bis 3 l Rindenhumus je m² und Jahr im mehrjährigen Durchschnitt. In schweren Böden wirkt er besonders lockernd.

Gründüngung zur Sanierung: binden, dann abgeben

Gründüngung auf unbestellten Beeten bindet freigesetzte Nährstoffe und vermindert ihre Auswaschung. Sie hält diese Nährstoffe aber nur vorübergehend in der Pflanzenmasse und gibt sie beim Verrotten wieder frei. Bei überversorgten Gartenböden kann die Abgabe eines Teils der organischen Abfälle über die Biotonne den Abbau überhöhter Vorräte unterstützen. Wer mit Gründüngung sanieren will, lässt das Grün also nicht komplett als Mulch liegen, sondern gibt einen Teil davon ab. Den Stickstoff, der beim Verrotten frei wird, rechnest du bei der Folgekultur an. Die Gründüngungspflanze sollte zu einer anderen Pflanzenfamilie gehören als die vorangehende und die nachfolgende Gemüsekultur.

Gründüngung Aussaatzeit Darauf achtest du
Gelbsenf April bis September Kreuzblütler, zu Kohl und anderen Kreuzblütlern 3 bis 5 Jahre Anbaupause
Phacelia April bis September Kulturdauer 6 bis 9 Wochen
Winterroggen Ende September bis Anfang Oktober späte Gründüngung nach der Ernte
Klee, Wicken, Lupinen auf stickstoffreichen Beeten weglassen binden mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff

Auch die Kulturfolge kann helfen. Auf einem Beet mit hohem Stickstoffvorrat passt ein Starkzehrer wie die Tomate besser als Erbsen oder Bohnen, die als Leguminosen selbst Luftstickstoff binden. Den Vorrat rechnest du vor jeder Gabe an. Welche Kultur als Stark-, Mittel- oder Schwachzehrer gilt, kannst du im Beetplaner bei der Zehrer-Einstufung deiner Beete berücksichtigen.

Wie du deine Düngepraxis umstellst

Bedarfsgerecht düngen heißt: Bedarf der Kultur minus vorhandener Vorrat minus erwartete Nachlieferung. Ein Rechenbeispiel für Stickstoff:

Posten g N/m²
Bedarf der Kultur 15
abzüglich Bodenvorrat 5
abzüglich geschätzte Nachlieferung 7
verbleibender Düngebedarf 3

Liegen Vorrat und Nachlieferung zusammen über dem Bedarf, bleibt nichts zu düngen. Für die Praxis heißt das:

  • Abwiegen statt schätzen. Dünger unterscheiden sich im Schüttgewicht, deshalb wiegst du die Menge ab. Ich wiege jeden Dünger einmal ab und markiere die Füllhöhe am Messbecher.
  • Einzelgaben begrenzen. Eine einzelne Stickstoffgabe im Garten sollte 10 g N/m² nicht überschreiten, der tatsächliche Bedarf kann darunter liegen.
  • Im Frühjahr düngen. Eine bedarfsgerechte Frühjahrsdüngung ziehst du der Herbstdüngung vor, weil sie Auswaschungsverluste vermindert.
  • Auf feuchten Boden streuen. Dünger gehört auf feuchten Boden und nicht auf nasse Pflanzenteile, an denen Ätzschäden entstehen können.
  • Wirkdauer kennen. Für Hornmehl rechnest du mit etwa 6 Wochen bis zur vollständigen Umsetzung im Boden, gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate.
  • Nicht nachlegen, nur weil nichts passiert. Organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit oder Staunässe kaum Nährstoffe frei, bei feuchtwarmer Witterung dagegen starke Schübe. Wer bei kaltem oder trockenem Wetter nachlegt, riskiert einen umso stärkeren Schub, sobald es feucht und warm wird.
Mythos-Check

„Mehr Phosphat bringt mehr Blüten.“ Eine zusätzliche Phosphatbetonung ist kein allgemeiner Weg zu mehr Blüten. Entscheidend sind eine bedarfsgerechte Versorgung und das Vermeiden von Stickstoffüberschüssen. Bei hohem Phosphatvorrat ergänzt du nur die Nährstoffe, die wirklich fehlen.

Was gilt für Kübel- und Zitruspflanzen?

Bei Pflanzen in Gefäßen ist wegen des begrenzten Wurzelraums besonders mit Schäden durch hohe Salzbelastung zu rechnen. Ein überhöhtes Salzangebot durch Dünger kann Wurzeln schädigen und braune Blattränder verursachen. Die Grunddüngung der Erde rechnest du bei jeder zusätzlichen Gabe an. Maßgeblich ist die Dosierungsanweisung des verwendeten Düngers, und Düngerlösung kommt nur auf bereits feuchte Erde.

Überdüngte Kübelpflanze: so gehst du vor

  1. Düngung einstellen. Kranke Kübelpflanzen regst du nicht mit zusätzlichem Dünger zum Wachstum an.
  2. Feuchte prüfen, bevor du gießt. Bei torffreien Substraten kann die Oberfläche trocken sein, während es unten noch nass ist. Fingertest tiefer im Topf oder das Gefäßgewicht helfen bei der Entscheidung.
  3. Vernässte Pflanzen abtrocknen lassen. Sind die Wurzeln noch nicht verfault, gießt und düngst du bis zum Abtrocknen nicht.
  4. Ballen durchspülen. Bei bestätigter Überdüngung spülst du den Wurzelballen langsam durch. Das Wasser muss frei ablaufen können, die Abzugslöcher bleiben offen und der Untersetzer leer.
  5. In schweren Fällen umtopfen. Dabei entfernst du möglichst große Anteile der belasteten alten Erde.
  6. Neu starten. Nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Blumenerde braucht die Pflanze 4 bis 6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger.

Erde aus Gefäßen mit Wurzelfäule verwendest du nicht wieder. Für Topferde in Kübeln und Blumenkästen liegt der Salzgehalt bei 2,5 bis 3 g/l. Die Verpackung nennt Salzgehalt, pH-Wert, Ausgangsstoffe und Nährstoffe. Bei länger gelagerter Blumenerde kann der Salzgehalt steigen. Für den Neustart nach einer Überdüngung nimmst du deshalb frische Erde statt eines alten Sackrests.

Mythos-Check

„Weiße Kruste heißt Überdüngung.“ Weiße Beläge an Topfrand oder Substrat können auch durch Kalk und Salze aus dem Gießwasser entstehen. Für sich allein beweisen sie keine Überdüngung. Ob die Erde versalzen ist, kann eine Laborbestimmung des Salzgehalts klären.

Langzeitdünger und torffreie Erde im Kübel

Bei ausreichend bemessenem Langzeitdünger brauchen Kübelpflanzen im Sommer in der Regel keine zusätzliche Gabe. Auch umhüllte Depotdünger können bei hoher Bevorratung den Salzgehalt im Substrat zeitweise über den optimalen Bereich anheben. Die Freisetzung hängt von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Bei harzumhüllten Depotdüngern bezieht sich die Laufzeitangabe auf 21 °C und verkürzt sich bei höheren Temperaturen.

Feste organische Dünger wie Hornspäne müssen erst mikrobiell abgebaut werden. In kleinen Gefäßen kann ihre Wirkung deshalb verzögert und unzureichend einsetzen. Bei torffreien Substraten kann es sinnvoll sein, die Nährstoffgabe je Pflanze unabhängig vom Gießrhythmus zu bemessen. Kompostreiche torffreie Erden können viel Phosphor und Kalium enthalten und bei Holzfaseranteilen zugleich an verfügbarem Stickstoff verarmen. Holzreiche Erden brauchen deshalb eher eine stickstoffbetonte Düngung, bei kompostreichen rechnest du den enthaltenen Phosphor an.

Häufiger Fehler

Die Packungsmenge nach Gefühl halbieren. Maßgeblich ist die Dosierungsanweisung des Düngers. Was du anpasst, ist die Rechnung davor: Vor jeder flüssigen Nachdüngung prüfst du, ob Grund- oder Depotdüngung den Bedarf schon decken.

Zitruspflanzen: pH-Wert, Gießwasser, Winterpause

Für Zitruspflanzen im Kübel eignen sich Spezialsubstrate mit einem pH-Wert von 5,0 bis 5,5. Selbst gemischte komposthaltige Substrate sind wegen ihres häufig hohen pH-Werts oft ungeeignet. Hartes Gießwasser kann den pH-Wert im Topf zusätzlich anheben. Eisenchlorosen entstehen häufig durch eingeschränkte Eisenverfügbarkeit bei zu hohem pH, nicht durch einen zu kleinen Eisenvorrat. Gelbe junge Blätter mit grünen Adern können bei einer Zitrone deshalb auf zu hartes Wasser hindeuten. Weiterer Dünger behebt diese Ursache nicht und bringt zusätzliche Salze in den Topf. Bei kalkbedingter Chlorose ist kalkarmes Gießwasser eine geeignete Korrektur.

Marias Erfahrung

Meine Zitrone gieße ich mit aufgefangenem Regenwasser, Wasser von Kupfer- oder Zinkdächern nehme ich dafür nicht. Vor dem Gießen fühle ich tiefer im Topf nach, weil Zitruspflanzen empfindlich auf Staunässe reagieren.

Neben den Hauptnährstoffen ist bei Zitruspflanzen eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen besonders wichtig. Überwintern Zitronen und Orangen hell und kühl bei 5 bis 10 °C, setzt du die Düngung aus. Als Pflegeorientierung kommen Zitruspflanzen alle 2 bis 3 Jahre in frische Erde. Kaffeesatz wird gern als Hausmittel für Zitrus genannt: Er enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium, liefert aber keine festgelegte Zitrusdüngerdosis.

Mediterrane Kübelpflanzen: nicht jede will knapp gehalten werden

Viele halten alle Pflanzen aus dem Süden für genügsam, doch der Bedarf unterscheidet sich deutlich. Die Einordnung für die Kübelkultur:

Pflanze Düngebedarf im Kübel
Olive, Echte Feige gering
Lorbeer gering, Schwachzehrer
Bougainvillea, Granatapfel mittel
Oleander mittel bis hoch
Engelstrompete, Chinesischer Roseneibisch hoch

Oleander braucht im Sommer außerdem viel Wasser, an heißen Tagen kann Gießen morgens und abends nötig sein. Bei Halbsträuchern wie Lavendel, Blauraute und Bartblume fördert zurückhaltende Düngung einen kompakten, standfesten und frostfesteren Wuchs. Stark stickstoffhaltige Dünger und Mist können Lavendel dagegen weich und instabil wachsen lassen. Bei Kräutern kann zu starke Düngung weiches, übermäßiges Wachstum und weniger Aroma verursachen.

Kübelpflanzen mit winterlicher Ruhephase düngst du während ihrer Wachstumszeit von Ende April bis August. Im Freien überwinternde Topf- und Kübelpflanzen bekommen im Winter keinen Dünger.

Praxisbeispiele aus Beet, Baum und Fensterbank

Der Obstbaum treibt kräftig, trägt aber wenig

Zu viel Stickstoff kann bei Obstbäumen und Beerensträuchern starkes Triebwachstum zulasten der Blüten- und Fruchtbildung fördern. An unausgereiftem Holz können dann Frostschäden entstehen. Späte Stickstofffreisetzung aus organischen Stoffen kann die Triebausreife und Winterfrosthärte zusätzlich beeinträchtigen. Obstgehölze brauchen meist weniger Nährstoffe als Gemüse, und nach Mitte Juli bekommen sie keinen Stickstoff mehr. Ich notiere für jeden Obstbaum, wann er Kompost bekommen hat, damit nicht noch eine zweite Gabe darauf folgt.

Häufiger Fehler

Volldünger zusätzlich zu Kompost oder verrottetem Mist geben. Diese Doppelgabe kann bei Obstgehölzen zu Überdüngung und einseitiger Nährstoffanreicherung führen.

Hecke, Thuja und Rosen: braune Triebe, weiches Gewebe

Braune Thuja-Triebe können durch Wassermangel, Frosttrocknis, Alterung oder Krankheiten entstehen und belegen allein keinen Nährstoffmangel. Starke Düngung kann bei Thuja die Salzbelastung des Bodens erhöhen und das Wachstum beeinträchtigen. Wer braune Triebe reflexhaft mit Dünger behandelt, kann den Schaden also vergrößern, ohne die Ursache zu treffen. Überdüngte Rosen bilden weicheres Gewebe und werden anfälliger für Rosenrost. Mehr zu Stauden, Rosen und Ziergehölzen findest du im Ratgeber, wie du Überdüngung an Zierpflanzen im Beet und Kübel behebst.

Wenn der eigene Kompost zu viel wird

Als Faustregel gegen Überdüngung braucht jedes Haushaltsmitglied ungefähr 50 bis 70 m² gedüngte Gartenfläche, wenn alle häuslichen Bioabfälle im eigenen Garten verwertet werden sollen. Ist die Fläche kleiner, landen die Nährstoffe Jahr für Jahr auf denselben Beeten. Eigenkompostierung ist besonders sinnvoll, wenn du den Kompost im Garten tatsächlich brauchst. Überschüssige Gartenreste kannst du über die Biotonne oder die kommunale Grüngutsammlung verwerten. Zeigt der Befund gut versorgte Beete, gebe ich einen Teil von Rasenschnitt und Laub in die Biotonne.

Gemüsebeet: wenn die Tomate nur Blätter macht

Ein Stickstoffüberschuss kann starkes Laubwachstum auf Kosten der Blütenbildung fördern. Bei Tomaten können starkes Stickstoffwachstum und Salzbelastung außerdem die Calciumversorgung der Früchte stören und Blütenendfäule begünstigen. Wie du Stark-, Mittel- und Schwachzehrer ohne Überschuss versorgst, zeigt der Ratgeber, wie du das Gemüsebeet nach Zehrergruppen und Bodenanalyse düngst.

Zimmerpflanzen im Winter

In der winterlichen Ruhephase düngst du Zimmerpflanzen wenig oder gar nicht, winterblühende Pflanzen sind die Ausnahme. Braune Blattränder zusammen mit braun verfärbten Wurzeln können auf zu viel Salz durch Überdüngung hinweisen. Stinkende, faulende Wurzeln können dagegen eher auf Bodenpilze und ungünstige Kulturbedingungen hinweisen. Fehlende Blüten beweisen allein keine Überdüngung, denn auch Lichtmangel kann Wachstum und Blüte einstellen lassen. Orchideen zählen zu den besonders salzempfindlichen Kulturen und bekommen keinen Kompost. Was du bei überdüngten Blühpflanzen auf Fensterbank und Balkon tust, steht im Ratgeber, wie du überdüngten Blühpflanzen in Balkonkasten und Zimmer hilfst.

Häufige Fragen

Was versteht man unter Überdüngung im Garten?
Überdüngung heißt, dass Pflanzen mehr Nährstoffe erhalten, als sie aufnehmen und verwerten können. Das kann mit mineralischen wie mit organischen Düngern passieren, ebenso mit zu viel Kompost oder Mist. Ein durch Überdüngung erhöhter Salzgehalt im Boden kann die Wasseraufnahme der Pflanzen beeinträchtigen, und nicht aufgenommenes Nitrat kann mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen.
Warum können nährstoffzehrende Pflanzen bei der Bodensanierung helfen?
Gründüngung auf unbestellten Beeten bindet freigesetzte Nährstoffe in ihrer Pflanzenmasse und vermindert so die Auswaschung. Beim Verrotten gibt sie diese Nährstoffe aber wieder frei, deshalb kann es bei überversorgten Böden helfen, einen Teil der organischen Abfälle über die Biotonne abzugeben. Klee, Wicken und Lupinen passen nicht auf stickstoffreiche Beete, weil sie zusätzlich Luftstickstoff binden. Der Abbau überhöhter Vorräte kann mehrere Jahre dauern.
Wie funktioniert die Nährstoffbindung durch Zeolithe und andere Bodenverbesserer?
Zeolith kann Ammonium durch Ionenaustausch binden, Tonminerale und Humus halten positiv geladene Nährstoffionen ebenfalls austauschbar fest. Diese Ionen geben sie später wieder an die Bodenlösung ab, und Nitrat halten sie kaum fest. Solche Bodenverbesserer speichern einen Überschuss deshalb eher, als dass sie ihn aus dem Boden entfernen. Bentonit kann auf sandigen Böden die Wasser- und Nährstoffspeicherung verbessern.
Stimmt es, dass organische Dünger niemals zu Überdüngung führen können?
Nein, auch organische Dünger können eine pflanzenbaulich oder ökologisch zu hohe Nährstoffzufuhr verursachen. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen sie kaum Nährstoffe frei, bei feuchtwarmer Witterung dagegen starke Schübe. Frischer Hühnermist enthält im tabellierten Durchschnitt 1,7 % Stickstoff. Nährstoffe aus Kompost, Mist und Gründüngung rechnest du deshalb bei jeder weiteren Düngung an.
Wie führt man eine bedarfsgerechte Düngung richtig durch?
Grundlage ist eine Bodenuntersuchung, die die pflanzenverfügbaren Nährstoffvorräte ermittelt; den Stickstoff lässt du gesondert als Nmin bestimmen. Den Düngebedarf berechnest du aus dem Bedarf der Kultur abzüglich Bodenvorrat und erwarteter Nachlieferung, wobei Kompost und Mist mitzählen. Eine einzelne Stickstoffgabe im Garten sollte 10 g N/m² nicht überschreiten. Gedüngt wird möglichst im Frühjahr und auf feuchten Boden.
Warum reagieren mediterrane Pflanzen und Zitruspflanzen besonders empfindlich auf Überdüngung?
Im Kübel ist wegen des begrenzten Wurzelraums besonders mit Salzschäden zu rechnen, das gilt für mediterrane Pflanzen wie für alle Gefäßpflanzen. Der Bedarf ist aber verschieden: Olive und Feige haben einen geringen Düngebedarf, Oleander einen mittleren bis hohen. Für Zitruspflanzen eignen sich Spezialsubstrate mit pH 5,0 bis 5,5, und hartes Gießwasser kann den Substrat-pH anheben und Eisenchlorosen begünstigen. Solche Vergilbungen entstehen häufig durch eingeschränkte Eisenverfügbarkeit, sodass zusätzlicher Dünger die Ursache nicht behebt.
Worin unterscheiden sich Salzstress und normaler Nährstoffmangel bei Pflanzen?
Salzstress entsteht durch zu viele gelöste Salze, etwa nach überhöhten Düngergaben, und kann die Wasseraufnahme beeinträchtigen und Wurzeln schädigen. Die Symptome ähneln sich, denn braune Blattränder können Kaliummangel anzeigen, aber auch Trockenheit oder Salzschäden. Am Erscheinungsbild allein lässt sich das nicht immer zuordnen, Boden- und Blattanalysen können es abklären. Bei Salzschäden stellst du die Düngung ein, bei einem festgestellten Mangel kann eine passende Flüssigdüngung die Versorgung rasch verbessern.
Welche Sofortmaßnahmen helfen bei akuter Überdüngung?
Zuerst stellst du die Düngung ein. Bei Kübelpflanzen lassen sich überschüssige Nährsalze durch langsames Durchspülen des Wurzelballens entfernen, sofern das Wasser frei abfließen kann. In schweren Fällen topfst du um und entfernst dabei möglichst viel der belasteten alten Erde. Vernässte Pflanzen gießt und düngst du erst wieder, wenn sie abgetrocknet sind.
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