Umweltfreundlich düngen im Ziergarten: Kompost, Mulch, Jauche und Bokashi
- Im Ziergarten gelten bei Phosphat-Gehaltsstufe C bis E höchstens 3 l Kompost je m² und Jahr.
- Gartenkompost reift je nach Material etwa 4 bis 12 Monate; ein Kressetest zeigt, ob er weitere Reifezeit braucht.
- Pflanzenjauche verdünnst du für die Wurzeldüngung 1:10; feste Mengen oder Intervalle gibt es nicht.
- Bokashi ist nur eine Vorbehandlung: Danach muss das Material mit Erde vermischt oder kompostiert werden.
- Mykorrhiza erschließt vorhandene Nährstoffe, bringt selbst aber keine in den Boden.

Umweltfreundlich düngen heißt im Ziergarten zuerst: nicht mehr geben, als die Pflanzen aufnehmen. Was die Wurzeln nicht nutzen, kann ausgewaschen werden, und auch organische Dünger können bei übermäßiger Anwendung Pflanzen und Umwelt belasten. Ich beginne deshalb jedes Frühjahr mit einem Rundgang und schaue, was mein Garten selbst liefert: Laub, Rasenschnitt, Küchenreste und reifen Kompost.
Hier erfährst du, wie du diese Stoffe herstellst, prüfst und dosierst. Es geht um Kompost, Mulch, Gründüngung, Pflanzenjauche, Bokashi und die Wurmkiste. Dazu kommt, was Versuche über Effektive Mikroorganismen und MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. zeigen und worauf du bei zugekauften Düngern achtest.
Erst der Boden, dann der Dünger
Umweltfreundlich düngst du, wenn du den Bedarf deiner Pflanzen mit dem Nährstoffangebot im Boden abgleichst. Eine Bodenuntersuchung ermittelt die pflanzenverfügbaren Vorräte und bildet die Grundlage für Auswahl und Menge einer Düngung. Für Wiederholungsproben im Hausgarten liegen die Empfehlungen zwischen 2 und 5 Jahren. Humus ernährt die Bodenorganismen, deren Tätigkeit Nährstoffe freisetzt. Wie du die Probe nimmst, was die NPK-Angabe auf dem Etikett bedeutet und wie das Bodenleben arbeitet, erklären die Grundlagen zu Nährstoffen, Boden und Kompost. Fängst du gerade erst an, zeigt dir ein eigener Ratgeber, wie du als Einsteiger beim Düngen vorgehst.
Zeigt der Befund für einen Nährstoff die sehr hohe Versorgungsstufe E, kann die Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend entfallen. Weniger Dünger bedeutet dann auch weniger Auswaschung.
Stickstoff unterstützt Blatt- und Triebwachstum, Phosphor ist am Energiehaushalt beteiligt und Kalium reguliert den Wasserhaushalt. Stauden nährstoffarmer Standorte düngst du erst bei erkennbaren Mängeln, Arten nährstoffreicher Standorte brauchen eine höhere Versorgung. Bei Ziergehölzen außer Rosen deckt das StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. des Bodens den Bedarf häufig schon weitgehend. Welche Nährstoffe, Zeitpunkte und Mengen für Stauden, Rosen, Gehölze und Kübel gelten, erklärt der Ratgeber dazu, wie du deinen Ziergarten von Grund auf richtig versorgst.
Kompost: herstellen, prüfen, dosieren
Kompost liefert Nährstoffe und organische Substanz zugleich. Er fördert das Bodenleben und die Bildung stabiler Bodenkrümel, wodurch sich Wasser- und Lufthaushalt verbessern können. Eigener Kompost kann außerdem Ausgaben für Dünger und Blumenerde verringern.
Was auf den Kompost gehört
Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz und Eierschalen eignen sich als Bestandteile eines gemischten Gartenkomposts. Rasenschnitt lässt du vorher anwelken und mischst ihn mit lockerem, trockenem Strukturmaterial, damit er nicht zu einer nassen, faulenden Masse verdichtet. Für das Ausgangsmaterial gilt ein Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis von etwa 25:1 bis 35:1 als günstig. Beim Aufbau wechselst du feuchte und trockene Materialien ab und hältst die feuchten Schichten dünner.
Ich bevorrate Herbstlaub neben dem Komposter und gebe es im Winter in dünnen Lagen zu Küchenresten und Gehölzhäckseln. Der Kompost soll feucht, aber nicht nass sein und gut durchlüftet bleiben. Eine gute Durchlüftung hilft, Geruchsbildung und klimaschädliche Methanemissionen zu vermeiden.
Riecht der Haufen faulig, ist er zu nass. Riecht er nach Ammoniak, steckt zu viel nährstoffreiches Material darin; misch dann Laub, Stroh oder Gehölzschnitt unter. Bei der Feuchteprüfung soll sich Kompost wie ein ausgedrückter Schwamm anfühlen.
Stockt die Rotte wegen Trockenheit, setzt du den Kompost um und befeuchtest ihn dabei. Kalk beseitigt keinen Sauerstoffmangel, dagegen hilft nur Luft im Material. Auch ohne ausgeprägte Heißrotte kann durch Kaltrotte guter Kompost entstehen.
Holzasche gehört wegen möglicher Schwermetall- und Schadstoffbelastungen weder als Dünger ins Beet noch auf den Kompost. Abgekühlt kommt sie in den Hausmüll, ohne dass du dabei Staub aufwirbelst. Gartenkompost tötet Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil ausreichende Rottetemperaturen oft nicht durchgehend erreicht werden.
Falllaub mit Sternrußtau an Rosen oder mit Blattbräune am Buchs sammelst du unter den Gehölzen ab, um erneute Infektionen einzudämmen. Auf dem eigenen Kompost ist es schlecht aufgehoben: Wenn die Rotte die Erreger nicht abtötet, können sie mit dem fertigen Kompost zurück ins Beet gelangen.
Offene Komposter ermöglichen natürlichen Luft- und Wasseraustausch, geschlossene brauchen wenig Platz und eine besonders sorgfältige Belüftung. Wie du Standort, Unterbau und Behälterzahl planst, beschreibt der Ratgeber Düngen, Boden & Kompost.
Ist der Kompost reif?
Je nach Material und Rotteführung braucht Gartenkompost etwa 4 bis 12 Monate. Prüfe deshalb den Reifezustand, statt nur auf den Kalender zu schauen.
Säe Kresse in angefeuchteten Kompost und zum Vergleich in angefeuchtete Gartenerde. Wächst sie im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er weitere Reifezeit.
Für Blumenbeete siebst du den Kompost auf Bestandteile kleiner als 10 bis 15 mm. Zur Bodenverbesserung dürfen gröbere Stücke drinbleiben. Kompost arbeitest du nur oberflächlich ein, weil tiefer im Boden bei Sauerstoffmangel pflanzenschädigende Fäulnisprodukte entstehen können.
Wie viel Kompost der Ziergarten verträgt
Auch Kompost hat eine Obergrenze, denn er liefert neben Stickstoff und Kalium auch Phosphat. Seine Gesamtgehalte sind dabei nicht mit sofortiger Pflanzenverfügbarkeit gleichzusetzen. Ich messe Kompost mit einem Eimer mit Literskala ab und verteile ihn Beet für Beet.
| Bereich | Kompost je Jahr | Vorbehalt |
|---|---|---|
| Ziergarten allgemein | 2 l/m² | Orientierungswert für die Grundversorgung |
| Boden mit Phosphat-Gehaltsstufe C bis E | höchstens 3 l/m² | bei Stufe C entfallen weitere Phosphatgaben |
| Prachtstauden | 3 l/m² im Frühjahr, leicht eingearbeitet | nur ohne stark überhöhte Phosphor- oder Kaliumvorräte |
| Rosen | 3 l/m² im März oder April | Stickstoff zusätzlich bedarfsgerecht ergänzen |
| eingewachsene Ziergehölze | 2 bis 4 l/m² im Frühjahr | nur, wenn die Bodenversorgung die Gabe rechtfertigt |
| Polster-, Wild- und trockenheitsliebende mediterrane Stauden auf mageren Standorten | keiner | eine Kompostgabe ist hier nicht sinnvoll |
| Rhododendron, Azaleen und Heide | keiner | Gartenkompost hebt den pH-Wert |
Kompost kann einer Bodenversauerung entgegenwirken und den pH-Wert anheben. Liegt der pH-Wert schon über dem Zielbereich für Boden und Kultur, bringst du weder Kompost noch kalkhaltige Dünger aus. Kompost und Stallmist setzt du auf derselben Fläche als Alternativen ein, nicht beide zusammen.
Für die vollständige Eigenverwertung häuslicher Bioabfälle gelten als Faustregel ungefähr 50 bis 70 m² gedüngte Gartenfläche je Haushaltsmitglied. Ist deine Beetfläche kleiner, droht bei voller Verwertung des eigenen Komposts eine Überdüngung.
Mulchen: Bodenbedeckung, die nachliefert
Organischer Mulch vermindert die Verdunstung, schützt vor Erosion und hemmt Unkrautaufwuchs. Bodenorganismen bauen ihn ab, setzen dabei Nährstoffe frei und fördern die Krümelstruktur. Samenunkräuter unterdrückt eine Mulchdecke, bestehende Wurzelunkräuter beseitigt sie nicht zuverlässig. Vor dem Mulchen entfernst du deshalb vorhandene Wildkräuter und lockerst den Boden auf.
| Material | Einsatz im Ziergarten | Schicht oder Hinweis |
|---|---|---|
| Rindenmulch, gut abgelagert | unter Gehölzen und geeigneten Zierpflanzungen | bis zu 8 cm |
| Rindenmulch | unter bodenbedeckenden Gehölzen | 3 bis 5 cm |
| Rindenhumus, nährstoffarm | Gehölzbereiche, frische bis feuchte Staudenflächen | kompostierte Rinde, kein bloßer Rindenmulch |
| Kies, Splitt, Lava | nährstoffarme Staudenpflanzungen auf leichten Böden | in Versuchen mit trockenen Staudenmischpflanzungen mindestens 5 cm, besser 7 cm, Körnung 8 bis 16 mm |
| Herbstlaub | zwischen Stauden und unter Hecken | in dünnen Lagen |
| Rasenschnitt, angewelkt | Beetflächen | dünn in wiederholten Gaben, liefert Stickstoff nach |
| Pinienrinde | Mulchflächen | bindet meist nur wenig Stickstoff |
Holzhäcksel, Stroh und Rindenmulch können beim Abbau Stickstoff binden. Plane deshalb vor dem Mulchen eine ergänzende Stickstoffversorgung ein. Ausgereifter Rindenhumus bindet nur noch wenig Stickstoff, ganz ausschließen solltest du es aber auch dort nicht.
Mineralischer Mulch bildet keinen Humus und legt durch Abbau keinen Stickstoff fest. Für Stauden magerer Standorte passt das: Übermäßige Düngung lässt sie untypisch stark wachsen und verschlechtert ihre Winterhärte, und organischer Mulch würde ihnen genau solche unerwünschten Nährstoffe zuführen.
Baumscheiben und Flächen unter Hecken kannst du schon gegen Ende des Winters mulchen. Bedenke dabei, dass eine früh aufgebrachte Schicht im Frühjahr die Erwärmung und Abtrocknung des Bodens verzögert. Weil organischer Mulch verrottet, kontrollierst du die Decke und ergänzt sie bei Bedarf. Ich schiebe die alte Schicht dazu mit der Hand auseinander und schaue, wie viel davon noch liegt.
Laub auf dem Rasen nehme ich mit dem hoch eingestellten Rasenmäher auf. Die Blätter werden dabei zerkleinert, mit Rasenschnitt vermischt und zersetzen sich schneller. Eine feuchte Mulchdecke kann allerdings Nacktschnecken begünstigen. Auf Kunststoff-Mulchfolien verzichte ich, weil sie beim Zerfall Mikroplastik im Gartenboden hinterlassen können.
Frischer Rasenschnitt, dick aufgeschichtet, verklebt zu einer dichten, schimmelnden Masse. Lass ihn anwelken und bring ihn in wiederholten dünnen Gaben aus. Den Stickstoff, den er nachliefert, rechnest du bei weiteren Düngergaben mit.
Lässt du beim Mulchmähen das fein zerkleinerte Schnittgut auf dem Rasen liegen, kann das den Düngebedarf des Rasens um 30 bis 50 % senken.
Gründüngung: freie Flächen bedeckt halten
Im Ziergarten setzt du Gründüngung dort ein, wo Boden frei liegt, etwa auf abgeräumten Sommerblumenbeeten oder auf Flächen, die du neu bepflanzen willst. Gründüngung auf unbestellten Beeten bindet freigesetzte Nährstoffe und vermindert deren Auswaschung. Eine bedarfsgerechte Düngung ersetzt sie aber nicht automatisch. Überwinternde Einsaaten halten den Boden durchwurzelt und schützen vor Abschwemmung.
Klee, Wicken und Lupinen können mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden. Andere Gründüngungspflanzen nehmen vor allem vorhandene Bodennährstoffe auf. Ich säe auf abgeräumten Beeten gern Phacelia und lasse sie stehen, während ich die Neupflanzung plane.
Zerkleinerte Gründüngung lässt du als Mulch liegen oder arbeitest sie flach ein. Bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung sollten danach meist 2 bis 3 Wochen vergehen. Beim Verrotten wird Stickstoff frei, den du bei der Düngung der Folgepflanzung anrechnen musst. Nach Klee oder Lupinen prüfst du deshalb besonders genau, ob die Neupflanzung überhaupt zusätzlichen Stickstoff braucht.
Saatmengen und Saatzeiten für Phacelia und Winterroggen findest du im Ratgeber Düngen, Boden & Kompost.
Pflanzenjauche selbst ansetzen
Pflanzenjauchen setzt du zum Beispiel aus Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch an. Ihr Nährstoffgehalt schwankt mit Pflanzenart, Zustand des Krauts und Erntezeit. Die Mengen in der Tabelle gelten für den Ansatz, nicht für die Ausbringung.
| Schritt | Angabe |
|---|---|
| Ansatz mit frischem Kraut | 1 kg zerkleinertes Kraut auf 10 l Wasser |
| Ansatz mit getrocknetem Kraut | 100 bis 200 g auf 10 l Wasser |
| Brennnessel mit frischen Blättern | 75 g je Liter Wasser |
| Brennnessel mit getrockneten Blättern | 15 g je Liter Wasser |
| Gärzeit allgemein | etwa 2 bis 3 Wochen, bei Wärme etwa 14 Tage |
| Gärzeit Brennnessel | ungefähr 10 bis 14 Tage |
| fertig, wenn | dunkle Farbe und kein Schaum mehr |
| Verdünnung zur Wurzeldüngung | 1:10 mit Wasser |
| Brennnesseljauche für Jungpflanzen | 1:20 mit Wasser, bei Ansatz mit 75 g frischen Blättern je Liter |
Sichere das Gefäß mit einem luftdurchlässigen Gitter oder Netz gegen hineinfallende Tiere und leg keinen geschlossenen Deckel auf. Rühr den Ansatz täglich einmal kräftig um. Gieß nur fertige, verdünnte Jauche, und zwar in den Wurzelbereich.
Für Menge und Wiederholung einer Jauchedüngung gibt es keine allgemeingültige Vorgabe, weil Pflanzenbedürfnisse und Bodenvorräte verschieden sind. Ich rechne Jauche deshalb wie jeden anderen Dünger mit. KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht. setzt du für jede Anwendung frisch an. Kaffeesatz kompostiere ich mit den übrigen Küchenresten und grobem Gartenmaterial.
Bokashi und Wurmkiste: Küchenreste ohne großen Kompostplatz
Für Küchenreste ohne großen Kompostplatz bieten sich Bokashi und die Wurmkiste an. Beide Verfahren laufen anders ab als der Gartenkompost.
| Verfahren | Was passiert | Dauer | Danach |
|---|---|---|---|
| Gartenkompost | Rotte bei guter Durchlüftung | etwa 4 bis 12 Monate | Reife mit dem KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch. prüfen |
| Bokashi | milchsäurebasierte Fermentation im verschlossenen Eimer | etwa 2 bis 3 Wochen nach dem letzten Befüllen | mit Erde vermischen oder kompostieren |
| Wurmkiste | Kompostwürmer verarbeiten pflanzliche Küchenreste | etwa 3 bis 6 Monate | Abfallvolumen sinkt auf ungefähr ein Zehntel |
Bokashi: fermentieren, dann nachreifen
Bokashi konserviert Küchenabfälle durch Fermentation und dient als Zwischenstufe vor der Kompostierung. Du füllst die Reste in einen Eimer, der luftdicht verschlossen bleibt. Nach dem letzten Befüllen braucht die Fermentation etwa 2 bis 3 Wochen, bei kalten Bedingungen kann es länger dauern.
Fertig ist das Material dann noch nicht. Es muss mit Erde vermischt oder kompostiert werden, bevor du es als Gartendünger verwendest. In einem beschriebenen Nachreifeverfahren mischst du es mit Gartenerde oder Kompost und lässt es in einem offenen Behälter unter gelegentlichem Umsetzen weitere 3 Monate reifen.
Den Bokashi-Saft verdünnst du für Gartenfreiflächen im Verhältnis 1:100 mit Wasser. Weil er geruchsintensiv sein kann, verwendest du ihn draußen und nicht im Wohnraum.
Wurmkiste
Kompostwürmer arbeiten in der Wurmkiste bei 15 bis 25 °C unter günstigen Temperaturbedingungen. Je nach Feuchte, Temperatur und Ausgangsmaterial ist der Wurmkompost nach etwa 3 bis 6 Monaten fertig. In die Kiste gehören pflanzliche Küchenreste, aber keine Zitrusschalen, kein Fleisch, keine Milchprodukte, keine Getreideprodukte und nichts Gekochtes oder Verschimmeltes. Die Kiste braucht Luft und Feuchtigkeit: Bei Nässe helfen trockene Kartonschnipsel, bei Trockenheit besprühst du vorsichtig.
Die Flüssigkeit, die bei der Wurmkompostierung anfällt, kannst du 1:10 mit Wasser verdünnt als Flüssigdünger verwenden. Elektrische Küchenkomposter zerkleinern und trocknen Bioabfälle in der Regel nur, eine vollständige mikrobielle Kompostierung braucht mehr Zeit.
Effektive Mikroorganismen und Mykorrhiza: was Versuche zeigen
Ob ein mikrobielles Präparat wirkt, hängt von Boden, Klima, vorhandener Mikrobenpopulation und Produktqualität ab. In bundesweiten Ringversuchen mit Pflanzenstärkungs- und Hilfsmitteln an Zierpflanzen waren Qualitätsunterschiede selten feststellbar. Beobachtete Wirkungen ließen sich dort nicht sicher reproduzieren.
Effektive Mikroorganismen
In einem vierjährigen biologischen Feldversuch ergab die Zugabe Effektiver Mikroorganismen, kurz EM, keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität. In den Gemüsebauversuchen der LWG ließ sich eine Wirksamkeit der eingesetzten EM wissenschaftlich nicht nachweisen. Bei 106 Herbststaudensorten zeigten EM-Behandlungen keinen einheitlichen Trend bei Wachstum und Qualität, einzelne Sorten wiesen weniger Mehltau auf. Steht ein mikrobielles Präparat in einer FiBL-Betriebsmittelliste, belegt das nicht automatisch eine unabhängig geprüfte Wirksamkeit.
Bei locker gemischten Garten- und Küchenabfällen sind Kompostzusätze normalerweise entbehrlich. Ich gebe meinem Kompost deshalb keine und achte stattdessen auf eine lockere Mischung.
Mykorrhiza
Mykorrhizapilze können ihre WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter. mit Phosphat, Nitrat und Wasser versorgen und erhalten dafür Assimilate der Pflanzen. Ihr Hyphennetzwerk kann außerdem die Stabilität der Bodenaggregate unterstützen.
„Mit Mykorrhiza brauchst du keinen Dünger mehr.“ Das stimmt so nicht. Mykorrhiza erschließt vorhandene Bodennährstoffe und bringt selbst keine zusätzlichen Nährstoffe in den Boden ein.
Willst du ein Präparat ausprobieren, muss es in die Zone lebender Wurzeln gelangen. Arbuskuläre Mykorrhizapilze sind für Wachstum und Vermehrung auf ihre Wirtspflanze angewiesen. Beim Pflanzen kommt das Präparat deshalb direkt an den Wurzelballen. Angeboten wird das Inokulum unter anderem als Pulver, Granulat, Flüssigkeit oder Gel.
Eine ausreichende Phosphatversorgung kann die Ausbildung der arbuskulären Mykorrhiza unterdrücken. Auf einem gut mit Phosphat versorgten Beet spricht damit wenig für ein Präparat: Der Pilz bringt keine Nährstoffe mit, und das vorhandene Phosphat kann die Symbiose bremsen. Mäßige organische Düngung kann das Vorkommen arbuskulärer Mykorrhizapilze im Boden dagegen fördern. In einem untersuchten Stadtbaumversuch zeigten die geprüften Präparate keinen nachweisbaren Einfluss, bei der Erweiterung der Pflanzung wurde auf die Zugabe verzichtet.
Zugekaufte Dünger mit Augenmaß
Mineralisch, aber gezielt
Mineraldünger enthalten meist leicht lösliche Nährstoffe und können einen kurzfristigen Bedarf rasch decken. Die Herstellung synthetischer Mineraldünger ist energieaufwendig, deshalb kann das Recycling vorhandener Gartennährstoffe den Zukauf verringern. Gezielt bleibt mineralisches Düngen, wenn du nur ergänzt, was fehlt: Bei hohem Phosphorvorrat und niedrigem Kalium- oder Magnesiumvorrat gibst du Einzelnährstoffe statt eines Mehrnährstoffdüngers. Düngst du überwiegend mineralisch, musst du zusätzlich organische Substanz zuführen, damit die Bodenstruktur langfristig erhalten bleibt.
Steinmehl, natürlicher Sand, Ton und Tonminerale sowie Calciumcarbonat natürlichen Ursprungs stehen auf der Öko-Positivliste zulässiger Düngemittel und Bodenverbesserer. Die Liste regelt, was im Ökoanbau mit welchen Beschränkungen zulässig ist; ob dein Boden einen dieser Stoffe braucht, sagt sie nicht. Kohlensaurer Kalk wirkt langsam und mild. Sinnvoll ist eine Kalkung nur, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt.
Für sehr durchlässige, trockene Ziergartenböden ist eine Gabe von 0,5 bis 1 kg Bentonit je m² zusammen mit Kompost beschrieben. Bei sandigen Rosenböden kann Bentonit die Wasser- und Nährstoffspeicherung verbessern. Pflanzenkohle enthält selbst kaum pflanzenverfügbare Nährstoffe und wird vor der Nutzung beladen, etwa durch Zugabe zu frischem Kompost. Beim Kauf sollte eine anerkannte Zertifizierung wie das European Biochar Certificate die Prüfung von Schadstoffgehalten und Grenzwerten absichern.
Horn, Vinasse und Mist
Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl sind organische Dünger mit typischerweise 10 bis 14 % Stickstoff. Sie liefern überwiegend Stickstoff und Schwefel und ersetzen deshalb keine vollständige Nährstoffversorgung. Hergestellt werden sie aus getrockneten Rinderhörnern und Rinderhufen. Auch im ökologischen Gemüsebau eingesetzte HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. können Rohstoffe aus konventioneller Tierhaltung enthalten.
Fein vermahlenes Hornmehl wird im Boden in etwa 6 Wochen umgesetzt, gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate. Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei, denn bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden Salmonellen nachgewiesen. Ich wasche mir nach dem Streuen deshalb gründlich die Hände.
Organische Dünger sind nicht automatisch vegan, weil sie Horn oder Schafwolle enthalten können. Rapskuchen und Vinasse sind pflanzliche organische Dünger und eine Alternative zu tierischen Ausgangsstoffen. Wie du den ganzen Garten umstellst, beschreibt der Ratgeber zur organischen Düngung von Gemüse-, Obst- und Ziergarten.
Kompostierter Mist verbessert die Bodenstruktur, fördert das Bodenleben und gibt Nährstoffe langsam frei. Im Ziergarten kann er im Herbst den Boden um Zierpflanzen und Gehölze schützen. Für die Gartendüngung empfiehlt sich mindestens ein Jahr gelagerter Mist, wobei diese Lagerdauer keinen Hygienenachweis ersetzt. Wegen der Phosphatzufuhr begrenzt du Rinder- oder Pferdemist auf 3 kg je m². Pferdemist holst du möglichst aus bekannten Haltungen, weil Tierarzneimittelrückstände enthalten sein können. Beim Umgang mit Mist trägst du Handschuhe oder wäschst dir danach gründlich die Hände.
Wo Nährstoffe der Umwelt schaden
Nitrat wird von Bodenpartikeln kaum festgehalten und ist auswaschungsgefährdet. Mit dem Sickerwasser kann es ins Grundwasser gelangen, besonders wenn keine Pflanze mehr aufnimmt und starke Niederschläge fallen. Phosphoreinträge können in Gewässern starkes Algenwachstum fördern. Der Abbau der abgestorbenen Algen verbraucht Sauerstoff und gefährdet Gewässerorganismen.
„Mehr Phosphat bringt mehr Blüten.“ Eine zusätzliche Phosphatbetonung ist kein allgemeiner Weg zu mehr Blüten; entscheidend sind eine bedarfsgerechte Versorgung und das Vermeiden von Stickstoffüberschüssen. Phosphor, den die Blüte nicht braucht, kann dagegen in Gewässern das Algenwachstum fördern.
Düngst du im Frühjahr statt im Herbst, verringerst du Auswaschungsverluste. Auf leeren Beeten können freigesetzte Nährstoffe nicht mehr aufgenommen werden und sind auswaschungsgefährdet. Kurze Brachzeiten, Gründüngung und Mulch können Nährstoffverluste und ungeschützte Bodenphasen vermindern. Streudünger bringst du auf feuchten Boden und nicht auf nasses Laub, damit er wirken kann und keine Ätzschäden entstehen. Obst- und Ziergehölze erhalten nach Mitte Juli keinen stickstoffhaltigen Dünger mehr, damit ihre Triebe vor dem Winter ausreifen.
Auch beim Erdenkauf geht es um Umweltschutz. Torfabbau und die dafür nötige Entwässerung zerstören Moorlebensräume und setzen gespeicherten KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. als Treibhausgas frei. Maßgeblich sind die Angaben torffrei oder ohne Torf, denn als torfreduziert oder torfarm bezeichnete Erden können noch bis zu 70 % Torf enthalten. Ein Bio-Siegel allein belegt keine Torffreiheit. Das Umweltzeichen Blauer Engel DE-UZ 234 gilt für torffreie organische Kultursubstrate und Blumenerden mit Anforderungen an Gebrauchstauglichkeit und Schadstoffgehalte.
Folgen für die Artenvielfalt
Wie Düngung Bodenleben, Nützlinge und Bestäuber im Ziergarten beeinflusst, ist ein eigenes Thema. Ein Beispiel: Eine artenreiche Blumenwiese pflegst du extensiv ohne regelmäßige Rasendüngung und magerst sie aus, indem du das Mähgut entfernst. Mehr dazu liest du im Ratgeber, wie du so düngst, dass Bodenleben und Bestäuber profitieren.
Bio, Öko und Recht: was Kennzeichnungen bedeuten
Biotaugliche Düngemittel dürfen nicht mit dem EU-Bio-Logo gekennzeichnet werden. Die zulässigen Düngemittel und Bodenverbesserer für die ökologische Produktion stehen samt ihren Beschränkungen in Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165. Im privaten Selbstversorgergarten können diese Regeln als Orientierung für biologisches Gärtnern dienen. Hornmehl und Wolle stehen auf dieser Positivliste, Stallmist und kompostierter Stallmist dürfen nicht aus industrieller Tierhaltung stammen.
Die Aufnahme in die Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau bestätigt die geprüfte Verwendbarkeit eines Produkts, aber keine geprüfte Düngewirksamkeit. Eine Betriebsmittelzertifizierung nach dem GGBM-Standard umfasst Dokumentenprüfung, Produktanalysen und Inspektionen der Herstellungsstätten. Folgeinspektionen finden je nach Risikoklasse alle 1 bis 3 Jahre statt.
Die Düngeverordnung regelt vorrangig die Düngung landwirtschaftlich genutzter Flächen und erfasst andere Flächen nur, soweit sie das ausdrücklich bestimmt. Haus-, Nutz- und Kleingärten sind vom Anwendungsbereich der Bioabfallverordnung ausgenommen, Vorschriften des Düngemittel- und Pflanzenschutzrechts bleiben aber unberührt. Liegt dein Garten in einem Wasserschutzgebiet, können örtliche Schutzverordnungen oder behördliche Entscheidungen bestimmte Handlungen verbieten oder einschränken. Prüfe das, bevor du düngst.
Lagern, abmessen, Kinder und Tiere schützen
Feste Düngemittel lagerst du verpackt oder abgedeckt in trockenen Räumen. Düngermengen wiegst du ab, weil sich Dünger in ihrem Schüttgewicht unterscheiden. Für einen wiederverwendbaren Messbecher wiegst du die passende Menge einmal mit der Waage ab und markierst die Füllhöhe am Behälter. Bei jeder Gabe zählen zusätzliche Nährstoffe aus anderen Düngern und aus Kompost mit.
Ich führe für jedes Beet eine Zeile im Gartenheft mit Datum, Kompostmenge, Jauchegaben und dem letzten Bodenbefund. Vor jeder neuen Gabe schaue ich dort nach, was das Beet schon bekommen hat.
Hat ein Kind vermutlich größere Mengen Blumendünger aufgenommen, kontaktierst du ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis. Nicht ausreichend erhitzter Rizinusschrot in organischen Düngern kann bei Hunden schwere Vergiftungen verursachen. Besteht bei einem Tier Vergiftungsverdacht, rufst du sofort eine Tierarztpraxis an und nimmst die Verpackung mit; gib keine Hausmittel und löse kein Erbrechen aus.
Ein Kaninchenauslauf bleibt ungedüngt und frei von Pflanzenschutzmitteln.
Was Technik leisten kann
Präzisionsdüngung dient der gezielteren Ausbringung eines zuvor ermittelten Düngebedarfs und ersetzt dessen Ermittlung nicht. Messgeräte für die elektrische LeitfähigkeitDie Leitfähigkeit, oft als EC-Wert angegeben, ist ein Messwert für die Menge gelöster Salze, etwa Düngesalze, in Erde oder Wasser. Gemessen wird, wie gut die Probe Strom leitet: Je mehr Salze gelöst sind, desto höher der Wert. zeigen den Gesamtsalzgehalt einer Lösung, aber keine einzelnen Nährstoffe. Wie Bodenanalyse, Düngebedarf und Düngerformen zusammenspielen, beschreibt der Ratgeber Düngen, Boden & Kompost.
