Rattenbefall erkennen: Kot, Nagespuren, Rattennest und was du dann tust
- Kot der Wanderratte ist als Orientierung etwa 1 bis 3 cm lang: frisch weich, glänzend und braun, älter matter, fast schwarz und oft hart.
- Nagespuren von Ratten zeigen zwei parallele Rillen mit etwa 4 mm Abstand.
- Im Garten legen Wanderratten häufig Erdbauten mit einer oder mehreren Öffnungen an Böschungen, Mauern, unter Bodendeckern oder Gehwegplatten an.
- Schmierspuren aus Körperfett und Schmutz, abendliche Lauf- oder Kratzgeräusche und ein ammoniakähnlicher Geruch können auf Nager hinweisen.
- Befallsermittlung und Bekämpfung gehören grundsätzlich in die Hand eines professionellen Schädlingsbekämpfungsbetriebs.
Ein frisches Loch am Kompost, dunkle Kotstücke im Schuppen, abends ein Kratzen in der Gartenhütte: Dann willst du schnell wissen, ob Ratten im Spiel sind. Ich gehe bei so einem Verdacht zuerst die typischen Stellen ab und sammle Hinweise, bevor ich etwas anfasse oder wegräume. Ein einzelnes Zeichen ist nur ein Hinweis, erst mehrere an einer Stelle ergeben ein klares Bild. Hier liest du, woran du Kot, Nagespuren, Laufwege, Geräusche, Geruch und ein Rattennest erkennst und was du bei einem Befall tust.
Die Zeichen auf einen Blick
| Zeichen | Woran du es erkennst | Wo du suchst |
|---|---|---|
| Kot | spindelförmig, als Orientierung etwa 1 bis 3 cm lang; frisch weich, glänzend und braun, älter matter, fast schwarz und oft hart | entlang von Wänden, in Ecken, im Keller, in Schuppen und Garagen, an Mauern und Zäunen |
| Nagespuren | zwei parallele Rillen mit etwa 4 mm Abstand (bei Mäusen 1 bis 2 mm) | Holz, Kabel, Kunststoff, Verpackungen, Dämmmaterial |
| Laufwege | Fußabdrücke, Schmierspuren aus Körperfett und Schmutz, ausgetretene Pfade | Wandkanten auf Bodenhöhe, Durchgänge, Rasen und lockere Erde |
| Geräusche | Lauf- und Kratzgeräusche, vor allem abends | Wände, Decken, Dachboden, Gartenhütte |
| Geruch | ammoniakähnlich | Keller, Schuppen, Vorratsräume |
| Bau und Nest | Erdbau mit einer oder mehreren Öffnungen; drinnen ein Polster aus zernagtem Material | Böschungen, Mauern, unter BodendeckernBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. und Gehwegplatten; Dachboden, Hohlräume, Kompost |
Ein Zeichen allein beweist keinen Befall. Je mehr davon an einer Stelle zusammenkommen, desto dringender solltest du handeln.
Warum es sich lohnt, früh hinzusehen
Ratten sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Deshalb bemerkst du oft zuerst ihre Spuren und nicht die Tiere selbst. Ein kleiner Bestand hinterlässt nur wenige Spuren, und wer diese wenigen erkennt, kann früher reagieren.
Am Haus geht es auch um Zugänge. In Gebäude gelangen Ratten schon durch Öffnungen mit nur 2 cm Durchmesser. Eine Ratte im Schuppen kann deshalb auch den Keller oder einen Anbau erreichen, wenn dort eine Lücke in dieser Größe klafft.
Dazu kommt die Hygiene. Kot und Urin von Wanderratten können Lebensmittel und Tierfutter mit Krankheitserregern verunreinigen. Welche Gesundheitsrisiken von Ratten ausgehen und wie du einem Befall vorbeugst, steht ausführlich in einem eigenen Ratgeber.
Wenn ich im Herbst die Beete abräume, gehe ich ohnehin an Mauern, Kompost und Schuppen entlang. Dabei schaue ich gezielt nach Kot, Erdlöchern und Schmierspuren an den Kanten.
Rattenkot erkennen: Größe, Form und Frische
Kotstücke sind ein handfester Hinweis, weil du Größe und Zustand prüfen kannst. Rattenkot ist länglich und spindelförmig. Für Kot der Wanderratte nennen Behörden eine Länge von etwa 1 bis 3 cm. Diese Spanne dient zur Orientierung, sie ersetzt keine sichere Bestimmung.
Die Oberfläche verrät dir das Alter. Frischer Kot ist weich, glänzend und braun. Ältere Kotstücke werden matter, fast schwarz und häufig hart. Liegen frische und alte Stücke an derselben Stelle, kann das darauf hindeuten, dass Tiere diese Stelle wiederholt aufsuchen.
Ratten setzen Kot dort ab, wo sie laufen und fressen. Drinnen findest du ihn entlang von Wänden, in Ecken, hinter Küchenschränken und Geräten, im Keller und auf dem Dachboden. Draußen schaust du in Garage und Schuppen, entlang von Zäunen und Mauern und rund um den Kompost. Fass Kot nie mit bloßen Händen an, auch nicht zum Prüfen.
„Je dunkler der Kot, desto frischer.“ Das stimmt nicht. Frischer Rattenkot ist braun, weich und glänzend; mit dem Alter wird er matter, fast schwarz und häufig hart.
Nagespuren: Ratte oder Maus?
Ratten nagen ständig, weil ihre Nagezähne nachwachsen. Die Schneidezähne hinterlassen dabei zwei parallele Rillen im Material. Am Abstand dieser Rillen unterscheidest du Ratte und Maus:
| Nager | Abstand der Rillen |
|---|---|
| Ratte | etwa 4 mm |
| Maus | 1 bis 2 mm |
Typische Stellen sind Holz an Türrahmen, Fußleisten und Schuppenwänden, dazu Kunststoff, Lebensmittelverpackungen und Dämmmaterial. Angenagte Verpackungen zeigen dir außerdem, wo die Tiere nach Futter suchen. Besonders ernst nimmst du angenagte Leitungen, denn Ratten können durch das Annagen elektrischer Kabel Kurzschlüsse verursachen.
Leg ein Lineal neben die Nagespur und fotografiere beides zusammen. So prüfst du den Rillenabstand in Ruhe und kannst das Bild dem Fachbetrieb zeigen.
Laufwege und Schmierspuren
Ratten benutzen gern immer wieder dieselben Wege, meist eng an Wänden, Zäunen und Mauern entlang. Solche Wege werden durch Fußabdrücke sichtbar oder durch Schmierspuren aus Körperfett und Schmutz. Drinnen sind das dunkle Streifen an Wandkanten auf Bodenhöhe, an Durchgängen und an Rohren. Glänzende, speckige Stellen an Holz oder Mauerwerk entstehen dort, wo das Fell immer wieder entlangstreift.
Draußen zeigen sich ausgetretene Pfade im Rasen oder in lockerer Erde. Folgst du so einem Pfad, führt er oft zu einem Versteck oder zu einer Futterquelle wie Kompost, Mülltonne oder Vogelfutterplatz. Ich wische Schmierspuren nicht weg, bevor der Fachbetrieb sie gesehen hat, weil sie den genutzten Weg zeigen.
Geräusche und Geruch deuten
Abendliche Lauf- oder Kratzgeräusche können auf Nager hinweisen. Typisch ist ein Trippeln oder Huschen in Hohlräumen von Wänden und Decken, auf dem Dachboden oder unter dem Boden der Gartenhütte. Dazu kommt ein leises Schaben oder Knabbern, wenn die Tiere nagen.
Auch die Nase hilft. Ein ammoniakähnlicher Geruch kann ebenfalls auf einen Nagerbefall hindeuten, er stammt vor allem vom Urin. In geschlossenen Räumen wie Keller, Schuppen oder Vorratsraum fällt er eher auf als im Freien. Riecht es dagegen nach Verwesung, kann ein verendetes Tier in einem Hohlraum liegen. Ein Kadaver ist ein Infektionsrisiko, deshalb entfernst du ihn nur mit Einmalhandschuhen und Maske.
Geräusche und Geruch sagen dir nur, dass Nager da sein können, nicht welche. Ich notiere mir Stelle und Uhrzeit und suche dort bei Tageslicht nach Kot und Nagespuren.
Rattennest erkennen: Erdbau im Garten, Nest im Haus
Im Freien legen Wanderratten häufig Erdbauten mit einer oder mehreren Öffnungen an. Du findest sie an Böschungen, unter Bodendeckern, an Mauern und unter Gehwegplatten. Auch unter Holzstapeln, am Schuppen und am Kompost lohnt ein genauer Blick, weil die Tiere dort Schutz finden.
Weil Wanderratten Erdbauten anlegen und Erdhummelköniginnen im Frühjahr bevorzugt alte Mäuselöcher beziehen, verrät dir die Öffnung allein nicht, wer darin wohnt. Prüf deshalb den Eingang auf weitere Zeichen: frischen Kot, Schmierspuren an der Kante, einen ausgetretenen Pfad zum Loch hin.
Im Haus suchen Ratten für ihr Nest geschützte, ruhige und warme Orte. Typisch sind Dachboden und Zwischendecken, Hohlräume in Wänden nahe Wasser- oder Heizungsrohren und ungestörte Kellerecken. Das Nest selbst ist ein Polster aus zerkleinertem Material. Drinnen tragen Ratten dafür Papier, Karton, Stoffreste, Polstermaterial und Dämmwolle zusammen, draußen auch Laub, Gras und kleine Zweige. Liegt neben so einem Haufen zernagter Fasern Kot, ist das ein deutlicher Hinweis auf ein bewohntes Nest.
Grab einen Bau nicht auf und räum kein Nest mit bloßen Händen aus. Nester, Kot und Urin sind ein Infektionsrisiko, und die Befallsermittlung gehört in die Hand eines Fachbetriebs.
Eine Ratte am Tag gesehen?
Ratten zeigen sich selten bei Tageslicht. Siehst du eine am helllichten Tag am Kompost, an der Mülltonne oder unter dem Vogelhaus, kann das auf einen größeren Bestand oder auf Futterknappheit hindeuten. Sicher klären lässt sich das nur vor Ort durch eine Befallsermittlung. Melden solltest du die Sichtung in jedem Fall.
Dein Rundgang bei Verdacht
- Kot entlang von Wänden, in Ecken, im Schuppen und am Kompost
- Nagespuren an Holz, Kabeln, Verpackungen und Dämmmaterial
- Schmierspuren und Fußabdrücke an Wandkanten und Durchgängen
- Erdlöcher an Böschungen, Mauern, unter Bodendeckern und Gehwegplatten
- Lauf- und Kratzgeräusche am Abend
- ammoniakähnlicher Geruch in Keller, Schuppen und Vorratsraum
Befall bestätigt: was du jetzt tust
Die Befallsermittlung und die Bekämpfung von Ratten überlässt du grundsätzlich einem professionellen Schädlingsbekämpfungsbetrieb. Das gilt erst recht bei Spuren an mehreren Stellen, angenagten Kabeln oder Kindern und Haustieren im Haushalt.
Melde das Rattenvorkommen dem Grundstückseigentümer oder der zuständigen Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Welche Stelle bei dir zuständig ist und wie das Verfahren abläuft, unterscheidet sich von Ort zu Ort, deshalb fragst du bei deiner Gemeinde nach. Wohnst du zur Miete, informierst du die Hausverwaltung oder den Eigentümer.
Mehrere Zeichen an einer Stelle? Fotografiere sie, lass Kot, Spuren und Löcher, wie sie sind, melde das Vorkommen dem Eigentümer oder deiner Gemeinde und beauftrage einen Schädlingsbekämpfungsbetrieb.
So geht ein Fachbetrieb vor
Zuerst sucht der Fachbetrieb alle Spuren und möglichen Zugänge und schätzt ab, wie groß der Bestand ist. Daraus entsteht ein Plan, der die Gegebenheiten auf deinem Grundstück und die rechtlichen Vorgaben berücksichtigt. Ob Fallen, Köder oder beides zum Einsatz kommen, entscheidet er nach der Lage vor Ort. Zur Bekämpfung gehört auch, Zugänge zu verschließen und Futterquellen zu entfernen, damit neue Tiere weniger Anreiz finden. Danach kontrolliert er, ob noch Tiere aktiv sind.
Rattengift auf eigene Faust auslegen. Rattengift kann auch Tiere vergiften, die Köder oder bereits vergiftete Nager fressen. Weil Katzen, Bussarde und Eulen zu den Fressfeinden der Wanderratte gehören, können gerade sie dabei zu Schaden kommen.
Was du selbst tun kannst und was nicht
Ein Haustier löst das Problem nicht: Hunde und Katzen können einen Befall, der in Gebäuden schon besteht, nicht beseitigen. Welche natürlichen Feinde Ratten haben und wie du sie förderst, steht in einem eigenen Ratgeber.
Auf Geräte mit Schall, Ultraschall oder elektromagnetischen Feldern verzichtest du, denn sie haben sich nach bisherigem Kenntnisstand gegen Ratten als wirkungslos erwiesen. Stellst du in Absprache mit dem Fachbetrieb selbst Schlagfallen auf, kontrollierst du sie mindestens täglich, idealerweise alle 12 Stunden. Wie Fallen und Barrieren grundsätzlich einzuordnen sind, liest du im Abschnitt über Barrieren, Netze und Fallen gegen Schädlinge.
Nach der Bekämpfung: den Erfolg kontrollieren
Ob die Bekämpfung gewirkt hat, zeigen dieselben Zeichen, an denen du den Befall erkannt hast. Lass den alten Kot nach Absprache mit dem Fachbetrieb entfernen oder entferne ihn selbst mit Schutz. Weil frischer Kot weich, glänzend und braun ist, fällt dir danach jeder neue Fund sofort auf.
Achte außerdem auf neue Nagespuren an Holz und Verpackungen, auf frische Schmierspuren und auf neue Spuren an den Bauöffnungen. Hörst du abends wieder Kratzen, gib dem Fachbetrieb Bescheid.
Reinige nie trocken. Lüfte Innenräume vorher mindestens 30 Minuten, trag Einmalhandschuhe und eine FFP2-Maske und feuchte Kot und Flächen an. Kehre nicht und nimm keinen Staubsauger, damit kein Staub aufwirbelt.
Damit keine neuen Tiere einziehen, bewahrst du Lebensmittel, Tierfutter, Saatgut und Hausmüll so auf, dass Ratten nicht herankommen. Schäden an Regenfallrohren, Bodenabläufen und Hausanschlüssen lässt du beheben, Kelleröffnungen sicherst du mit engmaschigen Stahlgittern. Alles Weitere zur dauerhaften Vorbeugung steht im Ratgeber zu den Gesundheitsrisiken durch Ratten.

