Raupenbefall erkennen: Fraßspuren, Kot und Gespinste früh deuten
- Erste Zeichen sind Fraß am Blattrand, Löcher, Raupenkot und zusammengesponnene Blätter.
- Raupen sitzen auf Blattunterseiten, im Kohlkopf und im Strauchinneren, dort suchst du zuerst.
- Die Raupe des Großen Kohlweißlings ist gelbschwarz, die des Kleinen grün und samtartig behaart.
- Überwinterte Buchsbaumzünslerraupen fressen im Frühjahr ab etwa 7 °C wieder.
- Gespinstnester an Eichen fasst du nicht an, denn die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können Haut und Augen reizen und Atembeschwerden auslösen.
Raupen fallen oft erst auf, wenn am Blatt schon viel fehlt. Die ersten Spuren sind kleiner: ein angefressener Blattrand, einzelne Kotkrümel, zusammengesponnene Blätter am Buchs. Erkennst du den Befall an Kohl oder Buchs früh, kann gezieltes Absammeln noch ausreichen. Ich suche deshalb nicht dort, wo der Schaden am größten aussieht, sondern dort, wo Raupen sitzen.
Die ersten Anzeichen für Raupenbefall
Raupen verraten sich durch Fraß, durch Kot, durch Gespinste und durch sich selbst. Jedes dieser Zeichen ist für sich nur ein Hinweis. Erst zusammen sprechen sie deutlich für Raupen.
Fraßspuren am Blatt und im Kohlkopf
Am Kohl kann sich Raupenbefall durch Fraß am Blattrand, durch Löcher im Blatt und durch Bohrgänge ins Kopfinnere zeigen. Die Spuren reichen von kleinen Löchern bis zu Blättern, an denen ganze Partien fehlen. Ein Bohrgang zeigt dir, dass die Raupe nicht mehr nur außen frisst. Ich biege beim Kohl deshalb die äußeren Blätter zurück und schaue bis ins Herz.
Am Mais sieht der Fraß anders aus. Typisch für den Maiszünsler sind Löcher, aus denen Bohrmehl und Kot austreten, sowie abgeknickte Pflanzenteile.
Raupenkot auf Blättern und am Boden
Raupenkot bleibt dort zurück, wo gefressen wird, oder landet auf tieferen Blättern und am Boden unter der Pflanze. Ich schaue deshalb auf die unteren Blätter, in die BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. und auf die Erde rund um den Stängel. Liegen dort dunkle Krümel, suche ich direkt darüber nach der Raupe. Kot allein beweist noch keinen aktuellen Befall, er zeigt dir aber, wo du suchen solltest.
Gespinste an Zweigen und im Buchs
Sitzen Raupen in Gruppen in weißen Gespinsten an Apfel, Pfaffenhütchen, Schlehe oder Traubenkirsche, deutet das auf Gespinstmotten hin. Am Buchs sind die Gespinste unauffälliger. Junge Raupen des Buchsbaumzünslers sitzen dort häufig zwischen Blättern, die sie zusammengesponnen haben. Gespinstnester an Eichen fasst du dagegen nicht an; den Grund findest du weiter unten beim Eichenprozessionsspinner.
Die Raupe selbst finden
Raupen sitzen gern dort, wo du beim Vorbeigehen nicht hinschaust: auf Blattunterseiten, in Blattachseln, im Kohlkopf und im Strauchinneren. Am Buchs stecken junge Raupen zwischen zusammengesponnenen Blättern, größere flüchten bei Erschütterung ins Strauchinnere. Wer am Buchs nur rüttelt und von außen schaut, übersieht also beide. Ich biege die Zweige deshalb mit beiden Händen auseinander und schaue bis an den Stamm.
Bei Stachelbeeren fressen die grünlich-grauen, schwarz gepunkteten Larven der Stachelbeerblattwespe zuerst im Strauchinneren. Deshalb kann der Befall anfangs unbemerkt bleiben. Ich schaue bei Stachelbeeren zuerst in die Mitte des Strauchs.
Auf Blattunterseiten findest du manchmal auch Gelege. Nicht jedes davon gehört zu einem Schädling.
Jedes Gelege auf der Blattunterseite sofort zerdrücken. Eier auf etwa 5 mm langen Stielchen können von der Grünen Florfliege stammen, deren Larven unter anderem Blattläuse fressen. Ich zerdrücke nur Gelege, die ich sicher zuordnen kann.
Indirekte Anzeichen
Manche Hinweise sind unspezifisch: verformte oder gekräuselte Blätter, Verfärbungen und Pflanzen, die im Wachstum zurückbleiben. Sie können auf Raupen hindeuten, die an jungen Trieben oder Knospen fressen. Sie können aber auch andere Ursachen haben, etwa andere Schädlinge oder zu viel Gießwasser. Finde ich solche Zeichen ohne Fraß, Kot oder Gespinst, gehe ich zuerst die Verwechslungen weiter unten durch.
Welche Raupe steckt dahinter?
Die befallene Pflanze ist der erste Anhaltspunkt, Aussehen und Spuren grenzen weiter ein. Ein gezielter Nützlingseinsatz setzt voraus, dass der Schädling genau bestimmt ist, und er sollte schon bei beginnendem Befall vorbereitet werden. Wer die Raupe erst bei starkem Befall bestimmt, fängt mit dieser Vorbereitung also zu spät an.
| Wer frisst | So erkennst du sie | Hier suchst du | Typische Spuren |
|---|---|---|---|
| Kohlweißlinge | Großer Kohlweißling: gelbschwarz, Maximallänge 4 bis 4,5 cm. Kleiner Kohlweißling: grün, samtartig behaart, Maximallänge 3 bis 3,5 cm | Kohl: Blattunterseiten und Kopfinneres | Fraß am Blattrand, Löcher, Bohrgänge ins Kopfinnere, Raupenkot |
| Buchsbaumzünsler | grün, schwarze Seitenstreifen, schwarzer Kopf | Buchs: junge Raupen zwischen zusammengesponnenen Blättern, größere im Strauchinneren | zusammengesponnene Blätter, Fraß im Frühjahr ab etwa 7 °C |
| Kleiner und Großer Frostspanner | Spannerraupe, kriecht mit Katzenbuckel | Obstbäume und andere Laubgehölze | die Raupe selbst an ihrer Fortbewegung |
| Gespinstmotten | Raupen in Gruppen im Gespinst | Apfel, Pfaffenhütchen, Schlehe, Traubenkirsche | weiße Gespinste an den Zweigen |
| Stachelbeerblattwespe | Larve grünlich-grau, schwarz gepunktet | Stachelbeere, zuerst im Strauchinneren | Blattfraß, der innen beginnt und anfangs unbemerkt bleiben kann |
| Maiszünsler | an ihren Bohrlöchern | Mais | Löcher mit austretendem Bohrmehl und Kot, abgeknickte Pflanzenteile |
| Schwammspinner | behaart, auf dem Rücken blaue und rote Warzen | Laubbäume, besonders Eichen | Fraß am Laub, bei starkem Befall bis zum Kahlfraß |
| Eichenprozessionsspinner | behaart, mit Brennhaaren | Eichen | Gespinstnester, nicht anfassen |
Die beiden Kohlweißlinge unterscheidest du an der Farbe: Die Raupe des Großen ist gelbschwarz, die des Kleinen grün und samtartig behaart. Buchsbaumzünslerraupen sind ebenfalls grün, tragen aber schwarze Seitenstreifen und einen schwarzen Kopf. Spannerraupen wie die des Kleinen und Großen Frostspanners erkennst du an der Bewegung, denn sie kriechen mit dem typischen Katzenbuckel.
Behaarte Raupen und Gespinstnester an Eichen fasst du nicht an. Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können Haut und Augen reizen sowie Atembeschwerden und allergische Reaktionen auslösen. Nester und Haare überlässt du Fachleuten.
Wann und wo du kontrollierst
Wann sich der Blick lohnt, hängt von der Raupe ab.
Ab etwa 7 °C nehmen überwinterte Raupen des Buchsbaumzünslers im Frühjahr ihren Fraß wieder auf. Ab dann gehört der Buchs zu deinem Kontrollgang.
Je nach Witterung braucht eine Generation des Buchsbaumzünslers 2 bis 3 Monate. Der Buchs bleibt deshalb auch nach dem ersten Fund im Frühjahr auf meiner Liste.
An Obstbäumen helfen Pheromonfallen bei der Zeitplanung. Sie zeigen vor allem, wann die Falter fliegen, den Befall mindern sie allein aber nur wenig. Vom Apfelwickler befallene Früchte sollten schon im Juni und Juli vom Baum, deshalb schaue ich in diesen Monaten gezielt auf die Äpfel.
So sieht mein Kontrollgang aus.
- Erst die ganze Pflanze ansehen: Löcher, Randfraß, Gespinste, abgeknickte Triebe.
- Blätter umdrehen und in die Blattachseln schauen.
- Beim Kohl die äußeren Blätter zurückbiegen und ins Herz sehen.
- Am Buchs und an Stachelbeeren die Zweige auseinanderbiegen und ins Strauchinnere schauen.
- Untere Blätter und Boden nach Kotkrümeln absuchen, dann direkt darüber nach der Raupe.
- Gelege nur entfernen, wenn klar ist, von wem sie stammen.
Raupe oder etwas anderes?
Nicht jede Fraßspur und nicht jeder dunkle Krümel stammt von Raupen. Diese Zeichen können auf unterschiedliche Ursachen hindeuten:
| Was du siehst | Kann hindeuten auf |
|---|---|
| Fraß am Blattrand, Löcher, Bohrgänge, Kotkrümel | Raupen |
| helle bis silbrig schimmernde Blattstellen und winzige schwarze Kottröpfchen an Zierpflanzen | Thripse |
| weißlich gelbe Sprenkel, etwa 0,5 mm große Tiere auf Blattunterseiten von Zierpflanzen | SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. |
| rot und schwarz gezeichnete Larven an Kartoffelblättern | Kartoffelkäfer |
| welke, gelbe Blätter an Topf- oder Wintergartenpflanzen | zu viel Gießwasser und Sauerstoffmangel an den Wurzeln |
Findest du Fraßlöcher, aber weder Raupe noch Kot, können auch Schnecken dahinterstecken. Spanische Wegschnecken sind bei Trockenheit vor allem morgens, abends und nachts unterwegs, bei feuchtem Wetter auch tagsüber. Ein zweiter Blick am Abend kann dann klären, wer frisst.
Raupen gefunden: so geht es weiter
Absammeln und gezielt bekämpfen
Bei geringem Befall an Kohl und Buchs sammle ich die Raupen gezielt ab. Buchsschnitt mit Raupen bringe ich nicht auf den üblichen Hauskompost, weil er dort nicht heiß genug wird, um sie abzutöten. Wie du akuten Raupenbefall mechanisch und biologisch bekämpfst, auch bei Kohlweißling, Apfelwickler und Buchsbaumzünsler, liest du im Ratgeber zur natürlichen Raupenbekämpfung.
Vorbeugen für die nächste Saison
Vor zufliegenden Faltern kannst du Gemüse mit einem KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. unter 1 mm Maschenweite abschirmen. Es liegt gleich nach Saat oder Pflanzung locker auf und bleibt mit befestigtem Rand gewöhnlich bis kurz vor der Ernte. Wie du Raupenbefall mit Sortenwahl, Netzen und einem Jahresplan vorbeugst, steht im Ratgeber zur Raupenvorbeugung.
Einordnen und langfristig denken
Insektenfressende Vögel, räuberische Wanzen und Wespen fressen Raupen und können den Befall begrenzen, deshalb gehört ein gewisser Befall als ihre Nahrung dazu. Pflanzenschutzmittel erwägst du im Hausgarten erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Ich notiere mir Pflanze und Stelle jedes Fundes; wie du einen Fund erst einordnest und dann der Reihe nach handelst, steht im Ratgeber zu NützlingenNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. und Schädlingen.
Mischkultur als Ergänzung
MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. kann die Fläche besser nutzen und die Bodenbedeckung verbessern, eine verlässliche gegenseitige Schädlingsabwehr beliebiger Pflanzenpaare ist aber nicht nachgewiesen. Tomaten und Sellerie neben Kopfkohl können den Kohlweißlingsbefall mindern, allein darauf bauen solltest du aber nicht. Welche Nachbarn zu deinem Kohl passen, prüfst du im Mischkultur-Werkzeug; die Grundlagen stehen im Ratgeber zu Nützlingen und Schädlingen unter FruchtfolgeFruchtfolge ist die geplante Reihenfolge, in der verschiedene Gemüsearten über die Jahre auf demselben Beet wachsen. Wechselst du jedes Jahr die Pflanzenfamilie, sinkt das Risiko für Krankheiten und Schädlinge, und die Nährstoffe im Boden werden besser genutzt. und Mischkultur.

