Wespen als Nützlinge im Bio-Anbau: wie sie helfen und wie du sie förderst
- Soziale Wespen versorgen ihre Larven mit tierischer Beute und holen sich selbst Kohlenhydrate unter anderem aus Nektar.
- Grabwespen der Gattungen Passaloecus und Pemphredon sammeln Blattläuse als Futter für ihren Nachwuchs und nisten auch in Nisthilfen.
- Schlupfwespen legen ihre Eier in Wirtsinsekten; Encarsia formosa lässt sich gegen die Gewächshaus-Weiße-Fliege auch im Kleingewächshaus einsetzen.
- Wer Gegenspieler fördern will, toleriert einen gewissen Schädlingsbefall als ihre Nahrungsgrundlage.
- Heimische Wespen unterliegen dem allgemeinen Artenschutz, die Europäische Hornisse ist besonders geschützt.
Wenn eine Wespe über dein Beet fliegt, denkst du vielleicht zuerst an den Stich. Im biologischen Anbau lohnt ein zweiter Blick, denn soziale Wespen füttern ihre Larven mit tierischer Beute. SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. wiederum nutzen Schädlinge als Wirt für ihren Nachwuchs.
Ich bleibe im Sommer gern an meiner Nisthilfe stehen und schaue, wer dort ein- und ausfliegt. Neben Wildbienen nutzen auch Grabwespen solche Hohlräume, und manche Arten sammeln Blattläuse als Futter für ihren Nachwuchs. Hier zeige ich dir, welche Wespen dir im Bio-Garten helfen, wie du sie förderst und was ihr Schutzstatus für dich bedeutet.
Wie helfen Wespen im biologischen Anbau?
Biologische Schädlingsbekämpfung nutzt natürliche Gegenspieler, darunter räuberische und parasitische Tiere. Wespen kommen in beiden Rollen vor. Für den Bio-Garten sind drei Gruppen interessant: soziale Wespen, Grabwespen und Schlupfwespen.
Soziale Wespen versorgen ihre Brut mit Beute
Soziale Wespen versorgen ihre Larven mit tierischer Beute. Die erwachsenen Tiere decken ihren eigenen Kohlenhydratbedarf unter anderem mit Nektar, HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. und süßem Obst. Am Kaffeetisch fallen vor allem die Deutsche und die Gemeine Wespe auf, weil sie menschliche Speisen und Getränke aufsuchen.
Grabwespen tragen Blattläuse ein
Nicht jede Wespe lebt im Volk. Solitäre Lehm- und Grabwespen nisten auch in Hohlraum-Nisthilfen, die ebenso Mauer- und Scherenbienen besiedeln. Grabwespen der Gattungen Passaloecus und Pemphredon sammeln Blattläuse als Nahrung für ihren Nachwuchs.
Schlupfwespen entwickeln sich im Schädling
Als Gegenspieler genutzte parasitische Wespen legen ihre Eier in geeignete Wirtsinsekten, in denen sich ihre Larven entwickeln. Trichogramma-Wespen parasitieren zum Beispiel die Eier des Maiszünslers, sodass aus befallenen Eiern Wespen statt Raupen schlüpfen. Die Schlupfwespe Encarsia formosa kannst du zur biologischen Bekämpfung der Gewächshaus-Weißen-Fliege auch im Kleingewächshaus einsetzen.
Wie förderst du Wespen im Garten gezielt?
Fördern beginnt bei der Beute: Wer natürliche Gegenspieler im Garten halten will, toleriert einen gewissen Schädlingsbefall als ihre Nahrungsgrundlage. Weil manche Grabwespen Blattläuse für ihren Nachwuchs sammeln, nimmt ihnen jede sofort entfernte Kolonie einen Teil des Futters. Ich streife Blattläuse deshalb nicht beim ersten Fund ab, sondern schaue zuerst, ob schon Gegenspieler an der Kolonie sind.
Blühende Kräuter und Lückenfüller
Erwachsene soziale Wespen holen sich ihre Kohlenhydrate unter anderem aus Nektar. Lass deshalb einen Teil deiner Kräuter wie Thymian, Lavendel, Dill und Gewürzfenchel zur Blüte kommen, damit Insekten dort Nahrung finden. Freie Stellen auf abgeernteten Gemüsebeeten nutzt du für blühende Lückenfüller wie Ringelblumen, Zinnien, Schmuckkörbchen und Tagetes.
Wo im Lauf der Saison solche Lücken entstehen, siehst du schneller, wenn du deine Beetbelegung im Beetplaner festhältst. Setzt du Kräuter direkt zwischen das Gemüse, prüfe vorher, welche Pflanzen als Nachbarn zusammenpassen. Eine schädlingsmindernde Wirkung der MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. tritt aber nicht unter allen Standort- und Anbaubedingungen gleichermaßen auf.
An Dill und Gewürzfenchel schneide ich nie alle Dolden ab. Einen Teil lasse ich blühen und schaue nach, welche Insekten daran sitzen.
Verstecke und Nisthilfen
Laubhaufen, Totholz, Steinhaufen und über Winter stehen gelassene Staudenstängel bieten vielen Tieren Rückzugsräume. Hohlraum-Nisthilfen hängst du sonnig mit südlicher Öffnung auf, geschützt vor Feuchtigkeit und so fest, dass sie sich bei Wind nicht bewegen. Wie du Nützlingen Lebensräume und Nisthilfen anbietest, samt geeigneter Nistgänge, steht im Überblick zu NützlingenNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. und Schädlingen.
Pflanzenschutzmittel nur als letzter Schritt
Pflanzenschutzmittel erwägst du im Hausgarten erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Dann nimmst du nur ein für Pflanze und Schadorganismus zugelassenes Mittel, folgst der Gebrauchsanleitung und hältst Kinder und Haustiere fern. Auch die natürlichen Pyrethrine aus Pyrethrum können Schlupfwespen vergiften, ein natürlicher Ursprung schützt die Helfer also nicht.
Lohnt es sich, Schlupfwespen zu kaufen?
Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend im Gewächshaus zum Einsatz, im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. ist das vergleichsweise teurer und weniger effizient. Der Erfolg vieler Nützlinge hängt von Tageslänge, Lichtstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab.
| Schlupfwespe | Gegenspieler von | Was für den Einsatz gilt |
|---|---|---|
| Encarsia formosa | Gewächshaus-Weiße-Fliege | auch im Kleingewächshaus einsetzbar; im Wintergarten braucht sie mindestens 4.200 Lux, dort werden 60 bis 70 % Luftfeuchtigkeit angegeben |
| Trichogramma | Maiszünsler, parasitiert dessen Eier | in elf historischen Maisversuchen erreichte eine zweimalige Ausbringung Wirkungsgrade von 35 bis 81 % gegenüber unbehandelten Kontrollen |
Vor der Bestellung bestimmst du den Schädling genau, nach dem Ausbringen kontrollierst du regelmäßig den Erfolg. Bei der Gewächshaus-Weißen-Fliege drehe ich dafür die Blätter um, denn Erwachsene und Larven sitzen vor allem auf den Blattunterseiten. Wie gezielte Nützlingseinsätze allgemein ablaufen, findest du ebenfalls im Überblick zu Nützlingen und Schädlingen.
Gelbtafeln hängen direkt neben den Nützlingsträgern. Im Gewächshaus gehören Leimtafeln möglichst auf Höhe der Kultur, aber nicht unmittelbar neben die Träger der Nützlinge.
Stehen Wespen unter Naturschutz?
Ja, und zwar unterschiedlich streng. Heimische Wespen unterliegen dem allgemeinen Artenschutz. Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt, und Eingriffe an ihrem Nest musst du vorher behördlich klären lassen.
Zum Saisonende sterben bei den heimischen sozialen Wespen alte Königin und übriges Volk ab, nur begattete Jungköniginnen überwintern. Ein Volk besteht also nur eine Saison lang.
Ich halte zu Wespen- und Hornissennestern mindestens 2 m Abstand. Im Umkreis von etwa 5 m vermeide ich Störungen und mähe dort bis zum Saisonende nicht. Welche Wespenarten bei uns leben und wie du mit ihren Nestern umgehst, liest du im Ratgeber zur Wespenvielfalt. Bei Verdacht auf eine anaphylaktische Reaktion nach einem Stich wählst du schon bei ersten leichteren Beschwerden die Notrufnummer 112.

