Nützlinge im Garten: Wer frisst welche Schädlinge?
- Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag.
- Eine Larve der Grünen Florfliege frisst während ihrer Entwicklung etwa 400 Blattläuse.
- Bei blattlausfressenden Schwebfliegen jagen die Larven Blattläuse, die erwachsenen Fliegen brauchen Pollen und Nektar.
- Schlupfwespen legen ihre Eier in Wirtsinsekten, in denen sich ihre Larven entwickeln.
- Der Tigerschnegel frisst andere Nacktschnecken und deren Eier, beim Absammeln lässt du ihn liegen.
- Beim Igel machen Schnecken nur etwa 5 % der Nahrung aus.

Wenn an meinen Bohnen die ersten Blattlauskolonien sitzen, schaue ich zuerst nach, wer dort schon frisst. Zwischen den Läusen finden sich oft Marienkäferlarven, gestielte Florfliegeneier oder SchwebfliegenlarvenSchwebfliegenlarven sind die Larven der Schwebfliegen und zählen zu den wirksamsten natürlichen Gegenspielern der Blattläuse im Garten. Sie fressen alle Blattlausstadien und gehören auch zu den natürlichen Feinden verschiedener Milben.. Wer diese Helfer erkennt, streift sie beim Eingreifen nicht versehentlich mit ab. Hier lernst du die NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. im Garten kennen: was sie fressen, woran du sie erkennst und was sie zum Bleiben brauchen.
Welcher Nützling frisst welchen Schädling?
Die Tabelle ordnet die Gartenhelfer aus diesem Ratgeber ihrer Beute zu.
| Nützling | Was er frisst oder befällt | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Siebenpunkt-Marienkäfer | Blattläuse, als Käfer und als Larve | Larven und Puppen auf den Blättern lassen |
| SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse., blattlausfressende Arten | Larven fressen Blattläuse | Erwachsene brauchen Pollen und Nektar |
| Grüne Florfliege | Larven fressen unter anderem Blattläuse | Eier sitzen auf feinen Stielchen |
| SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. | legen Eier in Wirtsinsekten, etwa Blattläuse | Blüten mit Pollen und Nektar anbieten |
| Ohrenkneifer | unter anderem Blattläuse | kann weichschaliges Obst anfressen |
| Spinnen | Insekten, darunter Blattläuse und kleine Raupen | Ritzen, Laub und dunkle Ecken |
| Tigerschnegel | andere Nacktschnecken und deren Eier | beim Schneckensammeln liegen lassen |
| Frösche und Molche | Insekten, Würmer und Schnecken | Teich ohne Fische, Totholzhaufen |
| Gartenvögel | zur Brutzeit Raupen, Blattläuse und kleine Insekten | Hecken, Sträucher, passende Nistkästen |
| Igel | Raupen und andere Insekten, Schnecken nur etwa 5 % der Nahrung | Durchlass im Zaun, Laub unter Hecken |
| Wespen und Grabwespen | tierische Beute für die Brut, darunter Blattläuse | Abstand zum Nest halten |
Viele dieser Tiere begegnen dir auch zwischen Rosen und Stauden. Welche Schädlinge Zierpflanzen befallen und wie du Blumenbeete gezielt umweltfreundlich schützt, liest du im Ratgeber zum Blumengarten.
Warum ein paar Schädlinge bleiben dürfen
Nützlinge sind die natürlichen Gegenspieler der Schädlinge: räuberische Tiere, die ihre Beute fressen, und parasitische, die ihren Nachwuchs in ihr heranziehen. Wer sie fördern will, toleriert einen gewissen Schädlingsbefall, denn er ist ihre Nahrungsgrundlage. Wie du ein Tier erst als Nützling oder Schädling einordnest und dann handelst, erklärt der Überblick zu Nützlingen und Schädlingen.
Die wichtigsten Nützlinge im Porträt
Manche Nützlinge sind nachtaktiv, andere so klein, dass du sie nur beim genauen Hinsehen bemerkst. Ein Rundgang mit offenen Augen zeigt dir trotzdem schnell, wer schon in deinem Garten wohnt.
Marienkäfer: Käfer und Larve jagen Blattläuse
Bei blattlausfressenden Marienkäferarten erbeuten sowohl die Käfer als auch ihre Larven Blattläuse. Am Siebenpunkt-Marienkäfer lässt sich das beziffern. Ein erwachsener Siebenpunkt frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag. Seine Larve vertilgt während ihrer Entwicklung etwa 600 Blattläuse. Manche Marienkäferarten gehen zusätzlich an Schildläuse oder SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall..
Die Larve sieht dem fertigen Käfer kaum ähnlich, deshalb lohnt beim Kontrollgang ein zweiter Blick. Auch eine Puppe an der Blattunterseite lässt du sitzen. Nach der Verpuppung entstehen beim Siebenpunkt in ungefähr 2 Wochen neue Käfer, die selbst wieder Blattläuse fressen. Fördern kannst du Marienkäfer mit blühenden Flächen aus heimischen, pollenreichen Pflanzen und mit Totholz- und Laubhaufen als Unterschlupf.
Bei jeder Blattlauskolonie drehe ich die Blätter um und nehme die Lupe dazu. Ich suche nach Marienkäferlarven, Puppen, Schwebfliegenlarven und gestielten Eiern. Finde ich welche, stecke ich einen Stab neben die Pflanze und sehe dort beim nächsten Rundgang zuerst nach.
Schwebfliegen: welche Arten Blattläuse fressen
Schwebfliegen stehen im Flug fast reglos in der Luft, daher ihr Name. Viele Arten sind gelb-schwarz gezeichnet und erinnern an Wespen. Für dein Beet zählt vor allem eine Unterscheidung: Nicht jede Schwebfliegenart lebt als Larve von Blattläusen. Bei den blattlausfressenden Arten fressen die Larven Blattläuse, während die erwachsenen Fliegen Pollen und Nektar nutzen.
Die Larven brauchen also Läuse, die Fliegen brauchen Blüten. Blühendes in Beetnähe kann deshalb genau die Tiere anziehen, deren Nachwuchs an deinen Blattläusen frisst. Auf abgeernteten Beeten eignen sich Zinnien, Schmuckkörbchen, Ringelblumen und Tagetes als blühende Lückenfüller. Von Thymian, Lavendel, Dill und Gewürzfenchel lässt du einen Teil zur Blüte kommen, damit Insekten Nahrung finden.
Setzt du Blüher zwischen das Gemüse, prüfst du vorher, welche Gemüsearten als Nachbarn zusammenpassen. Eine MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt. unterstützt, sie garantiert nichts. Ihre schädlingsmindernde Wirkung tritt nicht unter allen Standort- und Anbaubedingungen gleich auf.
Florfliegen: Eier auf Stielen, Larven als Blattlausjäger
Die Grüne Florfliege ist etwa 1 bis 1,5 cm lang. Die eigentlichen Jäger sind ihre räuberischen Larven, die unter anderem Blattläuse fressen. Am leichtesten entdeckst du die Art am Gelege, denn die Eier sitzen auf feinen Stielchen.
| Stadium | Grüne Florfliege |
|---|---|
| Ei | sitzt auf einem etwa 5 mm langen Stielchen |
| Schlupf | Larven schlüpfen 2 bis 10 Tage nach der Eiablage |
| Larve | Entwicklung dauert etwa 2 bis 3 Wochen |
| Fraß | eine Larve frisst in dieser Zeit etwa 400 Blattläuse |
| Generationen | Lebenszyklus wiederholt sich 2 bis 3 Mal im Jahr |
Findest du an Blatt oder Stängel winzige Eier auf haarfeinen Stielen, gehören sie zur Grünen Florfliege. Lass diese Blätter hängen, wenn du befallene Triebe ausputzt.
Schlupfwespen: Nachwuchs im Wirtsinsekt
Schlupfwespen fressen ihre Beute nicht. Sie legen ihre Eier in geeignete Wirtsinsekten, und darin entwickeln sich ihre Larven.
Schlupfwespen sind klein und unauffällig, du übersiehst sie leicht. Je nach Art dienen ihnen Blattläuse oder Schmetterlingsraupen als Wirt. Trichogramma-Wespen setzen noch früher an: Sie parasitieren die Eier des Maiszünslers, sodass daraus Wespen statt Raupen schlüpfen. Die erwachsenen Schlupfwespen leben von Pollen und Nektar. Du förderst sie mit einem reichen Blütenangebot und mit Hecken als Unterschlupf.
Ohrenkneifer: Helfer im Obstbaum
Der Ohrenkneifer, auch Ohrwurm genannt, ist ein Raubinsekt mit breitem Speiseplan. Er frisst unter anderem Blattläuse und Spinnmilben. Besonders gern hält er sich in Obstbäumen auf, wo du ihm trockene Verstecke anbieten kannst. Ohrwürmer können allerdings auch weichschaliges Obst wie Kirschen und Weintrauben anfressen. Ich biete ihnen Verstecke deshalb im Apfelbaum an und nicht an Kirsche oder Rebe.
Spinnen: unbeliebt, aber nützlich
Am Boden lebende Raubspinnen zählen zu den natürlichen Gegenspielern von Pflanzenschädlingen. Springspinnen siehst du an trockenen Tagen oft auf dem Beet, wo sie Grashüpfern, kleinen Raupen und Blattläusen nachstellen. In einem strukturreichen Garten siedeln sich Spinnen gern an. Dunkle Ecken und Ritzen nutzen sie als Rückzugsort nach der Jagd. Ich lasse das Laub unter den Sträuchern liegen und räume Steinhaufen am Beetrand nicht weg.
Tigerschnegel: die Nacktschnecke, die du liegen lässt
Nicht jede große Nacktschnecke im Beet ist ein Schädling. Der Tigerschnegel frisst unter anderem Pilze, abgestorbenes Pflanzenmaterial und Aas. Dazu kommen andere Nacktschnecken und deren Eier. Erkennen kannst du ihn an seiner auffälligen Fleckenzeichnung, die an ein Leopardenfell erinnert. Feuchte Ecken und Totholzhaufen bieten ihm Unterschlupf. Beim Absammeln nehme ich jede große Nacktschnecke einzeln in die Hand und schaue mir die Zeichnung an.
Jede große Nacktschnecke landet im Sammeleimer. Den gefleckten Tigerschnegel setzt du besser zurück ins Beet, denn er frisst andere Nacktschnecken und deren Eier.
Molche und Frösche: Schneckenjäger am Teich
Erwachsene Frösche und Molche leben von tierischer Beute, darunter Insekten, Würmer und Schnecken. Zusammen mit Kröten sind sie vor allem nachts im Gemüsebeet unterwegs. Damit sie sich ansiedeln können, brauchen sie Wasser. Ein kleiner Teich ohne Fische kommt ohne Pumpe und Filter aus. Ein Totholzhaufen in der Nähe dient ihnen als Winterquartier. Mähst du eine Gartenwiese, gibt eine Schnitthöhe von 14 cm auch Amphibien und Reptilien eine Überlebenschance.
Vögel: Raupenjäger zur Brutzeit
Viele Gartenvögel brauchen während der Brutzeit eiweißreiche Nahrung wie Raupen, Blattläuse und andere kleine Insekten. Rotkehlchen suchen gern in frisch umgegrabener Erde nach Engerlingen, Drahtwürmern und Raupen. Bäume, Sträucher und Hecken bieten Schutz und Nistplätze. Nistkästen, die zur jeweiligen Vogelart passen, ergänzen das Angebot.
Leimringe und Klebetafeln können Nützlinge, kleine Vögel und Fledermäuse töten. Setzt du sie überhaupt ein, begrenze sie auf die Zeit, in der der Zielschädling aktiv ist.
Igel: weniger Schnecken als gedacht
Der Igel streift am liebsten durch dichtes Gebüsch und Hecken. Auf seinem Speiseplan stehen Raupen und andere Insekten. Hat dein Grundstück einen Zaun, lass einen Durchlass für Igel von mindestens 10 × 10 cm. Eine Igelhütte, im Herbst mit trockenem Laub und Stroh ausgepolstert, kann ihm als Quartier dienen. Ich kehre das Herbstlaub unter die Hecke, statt es abzufahren.
Der Igel gilt als Schneckenvertilger. Tatsächlich machen Schnecken nur etwa 5 % seiner Nahrung aus. Gegen viele Nacktschnecken im Beet planst du ihn deshalb nicht als Hauptmaßnahme ein.
Wespen und Grabwespen: Beute für die Brut
Soziale Wespen versorgen ihre Larven mit tierischer Beute. Für sich selbst nutzen sie unter anderem Nektar, HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. und süßes Obst. Am Kaffeetisch fallen vor allem die Deutsche und die Gemeine Wespe auf. In Nisthilfen siedeln außerdem Grabwespen der Gattungen Passaloecus und Pemphredon, die Blattläuse als Futter für ihren Nachwuchs sammeln.
Halte zu Wespen- und Hornissennestern mindestens 2 m Abstand und vermeide Störungen in einem Umkreis von etwa 5 m. Heimische Wespen stehen unter allgemeinem Artenschutz, die Europäische Hornisse ist besonders geschützt. Eingriffe an einem Hornissennest klärst du vorher mit der Behörde.
Nützlinge statt Pestizide
Im integrierten Pflanzenschutz schöpfst du zuerst die Kulturmaßnahmen aus; reicht das nicht, bevorzugst du biologische oder biotechnische Verfahren. Raupen, Kartoffelkäfer und Schnecken entfernst du im Hausgarten durch Absammeln sofort. Wann ein Pflanzenschutzmittel überhaupt infrage kommt und was der Vergleich zwischen natürlichen und chemischen Wegen hergibt, steht ebenfalls im Überblick zu Nützlingen und Schädlingen.
So holst du Nützlinge in den Garten
Laubhaufen, Totholz, Steinhaufen und über Winter stehen gelassene Staudenstängel bieten vielen Tieren Nahrung, Rückzugsraum und Winterquartier. Welche Pflanzen, Nisthilfen und Pflegegriffe deinen Gemüsegarten dauerhaft für Nützlinge attraktiv machen, zeigt der Ratgeber zum Gemüsegarten. Wie du Wiese, Altgras und offene Bodenstellen als Lebensraum pflegst, findest du im Überblick zu Nützlingen und Schädlingen.
Nützlinge kaufen: im Gewächshaus eher als im Beet
Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend im Gewächshaus zum Einsatz. Im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. ist ihr Einsatz im Vergleich teurer und weniger effizient. Die Schlupfwespe Encarsia formosa kann gegen die Gewächshaus-Weiße-Fliege auch im Kleingewächshaus eingesetzt werden. Vorher bestimmst du den Schädling genau, denn ob der Einsatz gelingt, hängt bei vielen Nützlingen zudem von Tageslänge, Lichtstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Welche Nützlinge gegen welche Fliegenarten helfen und wie du sie ansiedelst, erklärt ein eigener Ratgeber.
