Unkraut im Gebrauchsrasen bekämpfen: welche Methode bei welchem Kraut passt
- Löwenzahn stichst du mit möglichst vollständiger Pfahlwurzel aus, denn verbliebene Wurzelteile können erneut austreiben.
- Mähen allein beseitigt Rosettenpflanzen wie Löwenzahn nicht, weil flache Blattrosetten dem Schnitt entgehen können.
- Ein Mittel, das nicht zwischen Gras und Kraut unterscheidet, kann die Rasengräser mit schädigen.
- Unerwünschte Gräser wie Hirse lassen sich im Hausgarten nicht selektiv chemisch aus dem Rasen entfernen.
- Chemie kommt nur als letztes Mittel infrage: zugelassen für nicht berufliche Anwender, im zugelassenen Anwendungsgebiet und nach Gebrauchsanleitung.
- Betrifft Unkraut mehr als 50 % der Fläche, rät eine Herstellerfaustregel zur Neuanlage statt zum Ausbessern.
Eine Löwenzahnrosette, der du nur die Blätter abreißt, kann aus der PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche. erneut austreiben. Gegen Unkraut im Gebrauchsrasen richtest du die Methode deshalb nach der Pflanze. Ich bestimme jedes Kraut, bevor ich zum Werkzeug greife. Chemie ziehe ich erst ganz am Ende in Betracht, und dann nur in einem engen Rahmen.
Welches Unkraut wächst in deinem Rasen?
Wie du vorgehst, hängt davon ab, wie sich das Kraut im Rasen hält: über eine Pfahlwurzel, über Kriechtriebe oder als Gras in Lücken. Diese Merkmale helfen dir beim Bestimmen.
| Unkraut | Woran du es erkennst | Womit ich arbeite |
|---|---|---|
| Löwenzahn | bodennahe Rosette gezähnter Blätter, einzelne gelbe Blütenköpfe auf blattlosen, hohlen Stielen | ausstechen, Pfahlwurzel möglichst vollständig |
| Gänseblümchen | grundständige, zungenförmige Blätter, blattlose Blütenstiele, gelbe RöhrenblütenRöhrenblüten sind die röhrenförmigen Einzelblüten im Blütenstand der Korbblütler. Sie bilden ihn allein, etwa bei Disteln, oder zusammen mit den Zungenblüten am Rand, etwa bei Astern. in der Mitte und weiße bis rosafarbene Zungenblüten außen; die wilde Form wird 5 bis 15 cm hoch | einzelne Pflanzen ausstechen |
| Weißklee | bodenanliegende Kriechtriebe, die an ihren Knoten wurzeln, dazu weiße Blütenköpfchen | Triebe anheben und mit den bewurzelten Knoten herauslösen |
| Hirse (Ungras) | unerwünschtes Gras, das bei Bodentemperaturen über 20 °C in lückigen Rasenflächen und Rasenneuanlagen keimen kann | einzelne Pflanzen von Hand ziehen, Lücke nachsäen |
Wurzelunkräuter halten sich über ihre Wurzel. Bleiben Teilstücke im Boden, können daraus neue Pflanzen entstehen. Bei ihnen reicht es deshalb nicht, die Blätter zu entfernen.
Moos behandle ich getrennt vom Unkraut. Gefördert werden kann es durch Schatten, Verdichtung, NährstoffmangelNährstoffmangel heißt, dass eine Pflanze von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig bekommt oder aufnehmen kann. Sie bleibt dann im Wachstum zurück und zeigt Verfärbungen, etwa hellgrünes oder vergilbendes Laub. oder zu tiefen Schnitt, ein Beweis für Kalkbedarf ist es für sich allein nicht. Woran Moos liegt und wie du es angehst, erklärt der Überblick zu Moos, Unkraut und Krankheiten im Rasen.
Mechanisch: ausstechen statt abreißen
Für Löwenzahn, Gänseblümchen und andere ausdauernde Kräuter ist Ausstechen der direkte Weg. Entscheidend ist die Wurzel: Ausdauernde Wurzelunkräuter entfernst du möglichst vollständig, weil verbliebene Teile wieder austreiben können. Beim Löwenzahn betrifft das die tiefe Pfahlwurzel, die beim Mähen im Boden bleibt. Gänseblümchen stichst du Pflanze für Pflanze aus. Beim Weißklee hebe ich die Kriechtriebe an und löse sie mitsamt den bewurzelten Knoten heraus.
Ich setze den Unkrautstecher senkrecht dicht neben der Rosette an und lockere die Pfahlwurzel rundum, bevor ich ziehe. Reißt sie trotzdem ab, grabe ich den Rest nach. Das Loch fülle ich mit feiner Rasenerde, streue NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. darüber, bedecke sie leicht mit Erde, drücke an und halte die Stelle feucht.
Was Mähen gegen Unkraut ausrichtet
Mähen gehört zur mechanischen Arbeit, stößt bei Rosettenpflanzen aber an Grenzen. In einem jungen Rasen verschwinden dagegen viele Samenunkräuter nach wenigen Schnitten.
„Wer regelmäßig mäht, wird den Löwenzahn los.“ Mähen drängt Löwenzahn nur begrenzt zurück, weil seine flachen Blattrosetten und kurzen Blütenstiele dem Schnitt entgehen können. Die Pfahlwurzel bleibt dabei unberührt im Boden.
Den Mäher tiefer stellen, um die Gänseblümchen zu kappen. Zu kurzer Schnitt kann Moos und unerwünschte Kräuter begünstigen. Ich bleibe beim Gebrauchsrasen in der Spanne von 3 bis 6 cm, die je nach Pflegekonzept empfohlen wird, und steche hartnäckige Gänseblümchen einzeln aus.
Die Lücke schließen
Jedes ausgestochene Kraut hinterlässt eine offene Stelle im Rasen. Weil Hirsearten bei Bodentemperaturen über 20 °C in lückigen Rasenflächen keimen können, säe ich die Löcher nach. Wann eine Nachsaat passt, zeigt dir der Aussaatkalender für Rasen zum Ausdrucken.
Thermisch: was Hitze im Rasen anrichtet
Hitze unterscheidet nicht zwischen Kraut und Gras. Beim Abflammen oder Überbrühen können deshalb die Gräser rund um das Unkraut mit geschädigt werden, und es kann eine kahle Stelle zurückbleiben. Beim Löwenzahn kommt die Wurzel hinzu: Bleibt die Pfahlwurzel unversehrt, kann die Pflanze aus ihr erneut austreiben. Eine offene Flamme über trockenem Gras oder Laub kann außerdem einen Brand auslösen. Im Rasen verzichte ich deshalb auf Hitze und steche aus.
Biologisch: Gräser gegen Kräuter
Biologisch bekämpfst du Unkraut im Rasen über die Konkurrenz der Gräser. Für Gebrauchsrasen setzt man Kombinationen aus Deutschem Weidelgras, Wiesenrispe und Rotschwingel ein. Die Wiesenrispe festigt die Narbe mit unterirdischen AusläufernAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. und kann entstandene Lücken schließen.
Wie viel diese Konkurrenz ausmacht, zeigt die Gegenrichtung. Kräutersaat, die man bloß in einen normalen Rasen streut, scheitert häufig an Weidelgras und Wiesenrispe. Weil zugleich Hirsearten in lückigen Rasenflächen keimen können, kann eine dichte Narbe es auch Unkraut schwer machen, sich anzusiedeln.
Offene Stellen schließt du mit Nachsaat: Weidelgrasbetonte Mischungen können Lücken durch schnelle Keimung und Bestockung zügig schließen. Ich arbeite dabei ohne Präparate und setze auf die Gräser selbst.
Bekämpfen oder stehen lassen?
Nicht jedes Kraut muss aus dem Rasen. Ich entscheide nach der Nutzung: Wo getobt wird, steche ich aus, am wenig genutzten Rand dürfen Kräuter blühen. Ein Gebrauchsrasen ist für mittlere Belastung ausgelegt.
Auf weniger intensiv genutzten Teilflächen können blühender Weißklee, Gänseblümchen und Schafgarbe Bienen und anderen Insekten Nahrung bieten. Löwenzahn und Ehrenpreis vertragen das Mähen ebenfalls und versorgen blütenbesuchende Insekten. Häufiger gemähte Laufwege lassen sich mit abschnittsweise gemähten Kräuterflächen verbinden. Ein Kräuterrasen verträgt geringe bis mittlere Belastung und eignet sich eher zum Begehen und für den Liegestuhl als zum Toben.
Hat jemand im Haushalt eine bekannte Insektengiftallergie, berücksichtigst du das, bevor du blühende Kräuter im Rasen stehen lässt. Bienenstiche können schwere allergische Reaktionen auslösen.
Chemisch: nur als letztes Mittel
Chemie kommt erst infrage, wenn Ausstechen und eine dichte Narbe nicht reichen. Im Hobbygarten darfst du nur Pflanzenschutzmittel einsetzen, die für nicht berufliche Anwender zugelassen sind. Auch dann gilt nur das zugelassene Anwendungsgebiet, und die Gebrauchsanleitung bestimmt Menge, Zeitpunkt und Schutzkleidung.
Ein Mittel, das nicht zwischen Gras und Kraut unterscheidet, kann die Rasengräser mit schädigen und taugt nicht zum gezielten Entfernen. Gegen unerwünschte Gräser wie Hirse gibt es im Hausgarten keinen chemischen Weg, der nur das Ungras aus dem Rasen nimmt. Von Düngern mit beigemischtem Unkrautvernichter wird für die Rasenpflege abgeraten. Jeder chemische Eingriff kann zudem NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. treffen.
Wer Gänseblümchenblüten isst, pflückt sie nur bei sicherer Bestimmung und nur von Flächen ohne belastende Pflanzenschutzmittelbehandlung.
Bevor du zu Chemie greifst:
- Ist das Kraut bestimmt, und ist es kein Ungras?
- Hast du Wurzelunkräuter mit möglichst vollständiger Wurzel ausgestochen?
- Ist das Mittel für nicht berufliche Anwender im Haus- und Kleingarten zugelassen, und zwar für genau diese Anwendung?
- Liegt Schutzkleidung bereit, und hast du die Gebrauchsanweisung gelesen?
- Bleiben Kinder und Haustiere bis zum Ende der Wartezeit von der Fläche fern?
- Weißt du, wie Reste und Verpackung nach Gebrauchsanweisung entsorgt werden?
Wenn mehr Unkraut als Gras wächst
Besteht die Fläche zu großen Teilen aus Unkraut und Moos, kann eine Neuanlage zweckmäßiger sein als wiederholtes Ausbessern. Eine Herstellerfaustregel zieht die Grenze bei mehr als 50 % betroffener Fläche. Als Kriterien zählen Unkraut, Kahlstellen, eine unerwünschte Gräserzusammensetzung oder Unebenheiten, und es reicht, wenn eines davon zutrifft.
Bevor du neu anlegst, prüfe die Ursachen: wie du typische Rasenprobleme von Filz über Moos bis zu Lücken erkennst und behebst. Den Ablauf einer Neuanlage beschreibt der Rasen-Überblick im Abschnitt zum Säen.
Damit sich neues Unkraut schwerer ansiedelt
Vorbeugen setzt bei Schnitthöhe, Boden, Nährstoffen und einer geschlossenen Narbe an. Dazu findest du, wie du Unkraut mit Saatwahl, Bodenvorbereitung und regelmäßiger Pflege vorbeugst. Was an Mähen, Wässern, Düngen und Nachsaat dazugehört, zeigt dir, welche Pflege dein Gebrauchsrasen übers Jahr braucht.






