Futterpflanzen für Pferde: Gräser, Klee und Giftpflanzen auf der Weide
- Deutsches Weidelgras bildet robuste Narben, lagert aber tendenziell mehr Fruktan ein.
- Lieschgras, Rotschwingel, Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz haben tendenziell weniger Fruktan als die Weidelgräser.
- Zugesetzten Weißklee lässt man in Ansaatmischungen für Pferdeweiden in der Regel weg.
- Starke Sonne bei kalten Nächten und Wassermangel können höhere Fruktangehalte begünstigen.
- Kreuzkraut bleibt auch in Heu und Silage gefährlich, Herbstzeitlose auch nach dem Trocknen.
- Pferdeheu braucht nach der Ernte 8 bis 10 Wochen Nachreife vor dem ersten Verfüttern.

Welche Gräser auf deiner Pferdeweide stehen, entscheidet über drei Dinge: wie viel Tritt die Narbe aushält, wie viel Fruktan im Gras steckt und wie viel Klee deine Pferde mitfressen. Dazu kommen Giftpflanzen, die auf der Fläche oder am Zaun wachsen können. Ich beurteile eine Koppel deshalb zuerst zu Fuß und erst danach am Saatgutregal.
Hier geht es um die Auswahl aus Sicht der Pferde: Gräser, Klee und Kräuter, Fruktan, Anweiden, Giftpflanzen und Besatz. Saatzeiten, Pflege und Futterhygiene für alle Futterpflanzen findest du in den Grundlagen zu Standort, Aussaat und Weidepflege von Futterpflanzen.
Welche Gräser passen auf eine Pferdeweide?
Grünlandfutter besteht typischerweise aus Gräsern, Kräutern und LeguminosenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft., etwa Weidelgras, Spitzwegerich und Klee. Bei den Gräsern achte ich für Pferde auf zwei Eigenschaften: wie belastbar die Narbe ist und wie viel Fruktan die Art tendenziell einlagert.
| Gras | Was auf der Pferdeweide zählt |
|---|---|
| Deutsches Weidelgras | bildet robuste, regenerationsfähige Narben für stark beanspruchte Ausläufe; tendenziell mehr Fruktan als Lieschgras, Rotschwingel, Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz |
| Welsches Weidelgras | tendenziell mehr Fruktan als die fruktanärmeren Gräser; mit fortschreitender Reife steigt der Stängelanteil, der Energiegehalt sinkt |
| Wiesenlieschgras (Lieschgras) | Futtergras aus der Gruppe der Obergräser; tendenziell weniger Fruktan als die Weidelgräser |
| Rotschwingel | tendenziell weniger Fruktan als die Weidelgräser |
| Knaulgras | trockenheitsverträglich; tendenziell weniger Fruktan als die Weidelgräser; geringerer Futterwert als Deutsches Weidelgras |
| Wiesenfuchsschwanz | tendenziell weniger Fruktan als die Weidelgräser |
| Wiesenrispe | gutes Futtergras aus der Gruppe der Untergräser |
| Rohrschwingel | trockenheitsverträglich; geringerer Futterwert als Deutsches Weidelgras |
Deutsches Weidelgras hält stark beanspruchte Ausläufe zusammen, lagert aber tendenziell mehr Fruktan ein als Lieschgras oder Rotschwingel. Für eine Koppel mit empfindlichen Pferden ist eine robuste Narbe deshalb allein noch kein Grund für viel Weidelgras in der Mischung.
Für trockene Standorte eignen sich Knaulgras und Rohrschwingel, weil beide Trockenheit vertragen. Ihr Futterwert liegt allerdings unter dem von Deutschem Weidelgras. Allgemeine Steckbriefe der Futtergräser stehen in den Futterpflanzen-Grundlagen unter Wiese und Weide. Wer mehrere Tierarten versorgt, findet im Überblick, welche Futterpflanzen sich für welche Nutztiere eignen, die Einordnung über das Pferd hinaus.
Lies vor dem Kauf einer Mischung für Pferdeweiden die Zusammensetzung. Wie hoch ist der Anteil an Deutschem und Welschem Weidelgras, und ist Weißklee enthalten?
Neu ansäen
Für eine Neuansaat gilt dieselbe Auswahl. Feinsämige Futterpflanzen brauchen ein feinkrümeliges SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. mit gutem Bodenschluss, damit die Wasserversorgung beim AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. klappt. Saatzeit und Etablierung beschreiben die Futterpflanzen-Grundlagen unter Aussaat.
Rotklee und Weißklee auf der Pferdeweide
Bei Weißklee lautet die übliche Empfehlung: In Ansaatmischungen für Pferdeweiden lässt man zugesetzten Weißklee in der Regel weg. Rotklee ist ebenfalls eine Kleeart. Kleearten haben einen hohen Eiweiß- und Mineralstoffanteil und binden mit Hilfe von KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. Luftstickstoff.
Ich halte es bei Rotklee wie beim Weißklee und säe ihn nicht gezielt in eine Pferdeweide ein. Wächst er von selbst in der Narbe, fällt er zur Blüte am ehesten auf, als Richtwert von Juni bis September. Wie viel Klee im Futter deines Pferdes Platz hat, ist eine Rationsfrage, die du mit Tierarzt oder Futterberatung klärst.
Der Kleeanteil reagiert auch auf die Düngung. Zusätzlicher StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). fördert in Kleegrasbeständen die Gräser und kann den Kleeanteil verringern.
Kräuter und Luzerne auf der Pferdeweide
Spitzwegerich gehört neben Gräsern und Klee zum typischen Grünlandfutter. Schafgarbe blüht als Richtwert von Juli bis Oktober, gelegentlich schon ab Juni, und ist dann in der Narbe leicht zu finden.
Spitzwegerich für die Atemwege, Schafgarbe gegen Bauchweh? Weidekräuter sind Futter, keine Medizin. Bei Husten oder Koliken gehört dein Pferd in tierärztliche Hände.
Luzerne stellt eigene Ansprüche an den Standort. Sie braucht warme, sonnige Lagen mit tiefgründigem, durchlässigem Boden und verträgt keine Staunässe. Im Feldfutterbau bevorzugt sie einen Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. von 7,0 bis 7,5.
Ihr Eiweißgehalt schwankt deutlich, das zeigt ein Vergleich von drei untersuchten Chargen. Darin lag das Rohprotein zwischen 133 und 183 g je kg TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist.. Weil tabellierte Futterwerte Mittelwerte sind, sagt ein Tabellenwert bei so einer Spanne wenig über die Luzerne aus, die du gerade fütterst. Wie du den Gehalt einer Partie bestimmen lässt, erklärt der Ratgeber, wovon der Nährstoffgehalt von Futterpflanzen abhängt.
Fruktan im Weidegras: wann es für Pferde heikel wird
Fruktane sind Zuckerverbindungen, die Gräser als Reserve einlagern. Wie viel davon im Gras steckt, hängt von Grasart und Wetter ab.
Starke Sonne bei kalten Nächten kann höhere Fruktangehalte im Gras begünstigen. Wassermangel wirkt in dieselbe Richtung. Dazu kommt die Grasart: Lieschgras, Rotschwingel, Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz haben tendenziell weniger Fruktan als Deutsches und Welsches Weidelgras.
Auf einer Weide mit hohem Weidelgrasanteil treffen bei kalten Nächten und kräftiger Sonne also zwei Faktoren zusammen, die beide in Richtung mehr Fruktan zeigen.
Bei Pferden mit Stoffwechselproblemen oder Hufrehe in der Vorgeschichte legst du Weidezeit und Grasangebot mit Tierarzt oder Tierärztin fest. Für solche Pferde notiere ich mir kalte Nächte mit anschließenden Sonnentagen. So kann ich die Weidezeit rechtzeitig mit der Tierärztin abstimmen.
Anweiden: so bringst du dein Pferd auf die Frühjahrsweide
Nach einem Winter mit Heu ist das erste Gras eine Futterumstellung. Verlängere die Weidezeit schrittweise und beobachte dabei, wie dein Pferd das frische Futter verträgt. Feste Zeitpläne für alle Pferde gibt es nicht, bei empfindlichen Tieren legst du den Ablauf mit der Tierarztpraxis fest.
Für die Weidenutzung von Gräsern gilt das 3-Blatt-Stadium als günstiger Zeitpunkt. Fällt der Start in eine Phase mit kalten Nächten und kräftiger Sonne, kläre ich das Anweiden empfindlicher Pferde vorher mit der Tierärztin ab.
Fläche nach Kreuzkraut, Herbstzeitlose und Eisenhut absuchen. Zaunlinie und Nachbargärten auf Eiben prüfen. Kahle und matschige Stellen notieren. Wetterbericht auf kalte Nächte mit viel Sonne prüfen.
Giftpflanzen auf und an der Koppel
Kreuzkräuter wie das Jakobskreuzkraut enthalten Pyrrolizidinalkaloide. Diese Giftstoffe können bei Pferden und Rindern schwere bis tödliche Vergiftungen verursachen, auch wenn sie über Heu oder Silage aufgenommen werden. Kreuzkraut gehört deshalb weder auf die Weide noch ins Futter. Ich steche es aus, sobald ich es auf der Fläche finde, und trage die Pflanzen vollständig von der Weide.
Bei der Herbstzeitlose bleiben die Giftstoffe sogar nach Trocknung, Silierung und Lagerung erhalten. Trocknen und Silieren machen also weder Kreuzkraut noch Herbstzeitlose unschädlich: Was auf der Wiese steht, steckt später auch im Heu.
Bei der Eibe sind Rinde, Nadeln und Samen giftig. Eine Eibe gehört deshalb nicht an den Koppelzaun. Eisenhut ist für sämtliche Tierarten giftig, also auch für Pferde. Steht er im angrenzenden Garten, muss er außer Reichweite der Pferde bleiben.
Heckenschnitt und Gartenabfälle über den Koppelzaun kippen. Zwischen den Zweigen können Eibe oder andere Giftpflanzen stecken, und welke Pflanzenteile verlieren ihre Gifte nicht automatisch.
Hast du den Verdacht, dass dein Pferd eine Giftpflanze gefressen hat, ruf sofort deine Tierärztin oder deinen Tierarzt. Warte nicht ab und behandle nicht selbst.
Wie viele Pferde verträgt deine Weide?
Wie viel eine Koppel trägt, hängt von Boden, Narbe und Witterung ab, deshalb lese ich die Besatzdichte auf der Fläche selbst ab.
Ich laufe eine Koppel einmal quer und einmal an der Zaunlinie entlang. Dabei notiere ich, welche Gräser dominieren, wo Klee dicht steht, wo die Narbe offen ist und was jenseits des Zauns wächst.
Kahle Stellen, zertretene Narbe an Tor und Tränke oder matschige Bereiche können darauf hindeuten, dass zu viele Pferde zu lange auf derselben Fläche stehen. Dann sperre ich die Teilfläche und stelle die Pferde um. Dafür ist die Weide in mehrere Koppeln geteilt: So bekommt jede Teilfläche kurze Beweidungsphasen und längere Erholungsphasen für die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz..
Wo Ausläufe stark beansprucht werden, bildet Deutsches Weidelgras robuste und regenerationsfähige Narben. Bei empfindlichen Pferden wägst du das gegen seinen tendenziell höheren Fruktangehalt ab. Ist der Boden stark verdichtet, kann ein mechanischer Eingriff nötig sein, um ihn akut zu lockern. Mähe ich Weidereste ab, lasse ich keine dicke Schicht Schnittgut liegen, denn eine solche Matte kann die Grasnarbe darunter ersticken und teilweise absterben lassen.
Lücken nachsäen
Bei dichter Grasnarbe brauchst du keine Pflegenachsaat. Lückige Stellen kannst du von März bis September nachsäen, solange die Wasserversorgung die Etablierung trägt. Termine findest du im Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken, den Ablauf in den Futterpflanzen-Grundlagen unter Aussaat.
Weidesysteme in Kürze
Umtriebsweiden und vor allem Portionsweiden machen mehr Arbeit als eine Standweide, nutzen den Futterbestand aber besser aus. Die Zielhöhen der Kurzrasenweide gehören zu Milchkühen und lassen sich nicht einfach auf Pferde übertragen. Weidesysteme und Aufwuchshöhen erklären die Futterpflanzen-Grundlagen unter Wiese und Weide, die Rinderseite zeigt der Ratgeber, welche Weidepflanzen und Heusorten zu Rindern passen.
Heu von der eigenen Weide
Beim Welschen Weidelgras steigt mit fortschreitender Reife der Stängelanteil, während der Energiegehalt sinkt. Schnittzeitpunkt und Heuwerbung beschreiben die Futterpflanzen-Grundlagen unter Ernte und Verwertung.
Pferdeheu braucht nach der Ernte eine Nachreifezeit von 8 bis 10 Wochen, bevor du es zum ersten Mal verfütterst. Für die Lagerung im Sommer wird eine Restfeuchte unter 14 % bei ausreichender Nachreife empfohlen. Schimmelpilzgifte können Futter schon auf dem Feld oder erst im Lager kontaminieren; mehr dazu steht in den Futterpflanzen-Grundlagen unter Lagern und Futterhygiene.





