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Futterpflanzen für Rinder: Weidepflanzen und Heu für Milch, Mast und Mutterkuh

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Gräser bilden die Grundlage für wiederkäuergerechtes Futter, Kleearten bringen einen hohen Eiweiß- und Mineralstoffanteil mit.
  • Knaulgras und Rohrschwingel sind trockenheitsverträglich, haben aber einen geringeren Futterwert als Deutsches Weidelgras.
  • Luzerne braucht warme, sonnige Standorte mit tiefgründigem, durchlässigem Boden und verträgt keine Staunässe.
  • In einem Milchkuhversuch erzielten angepasste Rationen mit Wiesenheu oder Luzerneheu keine signifikant unterschiedlichen Milchleistungen.
  • Spät geschnittenes Heu oder Stroh kann Mutterkühen in der frühen Trockenstehphase helfen, eine energetische Überversorgung zu vermeiden.
  • Kreuzkraut gehört nicht ins Futter, weil es Rinder auch über Heu oder Silage schwer bis tödlich vergiften kann.

Wer Rinder auf die Weide stellt oder Heu für den Winter einlagert, muss zuerst klären, wer das Futter frisst. Eine Milchkuh, ein Mastochse und eine trockenstehende Mutterkuh brauchen von Gräsern, Klee und Heu nicht dasselbe. Wenn mich jemand nach einer Weidemischung für Rinder fragt, stelle ich deshalb zuerst diese Gegenfrage. Danach schaue ich auf den Boden, weil er mitentscheidet, welche Gräser und Leguminosen dort gut wachsen.

Ein Risiko gilt für alle Tiergruppen gleich: Kreuzkraut kann Rinder auch über Heu oder Silage schwer bis tödlich vergiften. Der Blick auf Giftpflanzen gehört deshalb zu jeder Wiese, die Rinderfutter liefert.

Welche Weidepflanzen gehören auf eine Rinderweide?

Grünlandfutter setzt sich typischerweise aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen zusammen. Weidelgras, Spitzwegerich und Klee stehen beispielhaft für diese drei Gruppen. Die Gräser liefern die Grundlage für wiederkäuergerechtes Futter. Kleearten bereichern den Bestand mit ihrem hohen Eiweiß- und Mineralstoffanteil.

Auch bei der Mischung zählt der Standort. Für Kleegras im ökologischen Futterbau gibt es keine Saatmischung, die unabhängig vom Standort optimal ist. Die Auswahl richtet sich deshalb nach zwei Fragen: Wie sieht dein Standort aus, und welche Rinder fressen dort?

Hältst du Rinder nach Öko-Regeln, müssen mindestens 70 % der Futtermittel aus dem eigenen Betrieb oder aus regionalen Kooperationen stammen. Die Wahl der Weidepflanzen ist dann ein großer Teil deiner Futterplanung. Welche weiteren Gruppen wie Getreide, Wurzelfrüchte und Zwischenfrüchte infrage kommen, zeigt der Ratgeber darüber, welche Futterpflanzengruppen sich für welche Nutztiere eignen.

Welche Gräser eignen sich für Rinder?

Bei den Gräsern schaust du auf zwei Dinge: auf den Futterwert und darauf, ob dein Standort im Sommer austrocknet. Wenn ich eine Fläche beurteile, frage ich deshalb zuerst nach trockenen Sommern und nassen Senken.

Gras Was es mitbringt Wo es passt
Deutsches Weidelgras robuste, regenerationsfähige Grasnarbe; höherer Futterwert als Knaulgras und Rohrschwingel Weiden mit starker Beanspruchung
Wiesenlieschgras Futtergras aus der Gruppe der Obergräser Grünlandmischungen
Wiesenrispe gutes Futtergras aus der Gruppe der Untergräser Grünlandmischungen
Knaulgras trockenheitsverträglich, geringerer Futterwert als Deutsches Weidelgras trockene Standorte
Rohrschwingel trockenheitsverträglich, geringerer Futterwert als Deutsches Weidelgras trockene Standorte
Welsches Weidelgras mit fortschreitender Reife mehr Stängel und weniger Energie Nutzung, bevor die Reife weit fortgeschritten ist
Einjähriges Weidelgras Zwischenfrucht Silagebereitung im Herbst

Knaulgras und Rohrschwingel sind trockenheitsverträglich, haben aber einen geringeren Futterwert als Deutsches Weidelgras. Auf einem trockenen Standort nimmst du diesen Abstrich beim Futterwert also in Kauf, damit der Bestand mit Trockenheit zurechtkommt.

Kurz erklärt

Obergräser schieben ihre Halme in die Höhe, Untergräser bleiben bodennah und schließen die Grasnarbe. Wiesenlieschgras zählt zu den Obergräsern, Wiesenrispe zu den Untergräsern.

Teilen sich Rinder eine Fläche mit Pferden, gelten für die Pferde andere Maßstäbe, etwa beim Fruktan. Was dort zählt, erklärt der Ratgeber, worauf es bei der Weideauswahl für Pferde ankommt.

Klee und Luzerne: was Leguminosen für Rinder liefern

Leguminosen bringen Eiweiß in den Bestand. Kleearten bereichern Feldfutter mit ihrem hohen Eiweiß- und Mineralstoffanteil. Luzerne dient in Rinderrationen vor allem als Protein- und Strukturkomponente. Als Standort braucht Luzerne warme, sonnige Lagen mit tiefgründigem, durchlässigem Boden, Staunässe verträgt sie nicht.

Klee und Luzerne brauchen einen unterschiedlichen Boden-pH

Für Kleearten im Feldfutterbau gilt ein Boden-pH von 6,0 bis 6,7 als optimal. Luzerne im Feldfutterbau bevorzugt dagegen einen pH von 7,0 bis 7,5. Die beiden Bereiche überschneiden sich nicht: Ein Boden, der für Klee optimal ist, liegt unter dem pH, den Luzerne bevorzugt. Ich messe den pH-Wert deshalb, bevor ich Luzerne für eine Fläche einplane.

Stickstoff aus den Knöllchen

Kleearten binden mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff und machen ihn pflanzenverfügbar. Zusätzlicher Stickstoff fördert in Kleegras dagegen die Gräser und kann den Kleeanteil verringern. Wie Futterleguminosen ohne Stickstoffdüngung auskommen, erklärt der Abschnitt Gießen und Düngen im Ratgeber Futterpflanzen & Weide. Im selben Ratgeber stehen auch Standort, Winterhärte und Fruchtfolge der Luzerne.

Welche Futterpflanzen passen zu Milchkühen, Mastrindern und Mutterkühen?

Die Nutzungsrichtung entscheidet, worauf du bei Weide, Heu und Ergänzungsfutter besonders achtest.

Nutzungsrichtung Futter im Mittelpunkt Darauf achtest du
Milchkühe Kurzrasenweide, Wiesenheu oder Luzerneheu Calcium und Kalium aus Klee und Luzerne bei Trockenstehern
Mastrinder, also Ochsen und Bullen Grassilage bei grasbasierter Ausmast hohe Verdaulichkeit, gute Gärqualität, gute Futterhygiene
Mutterkühe spät geschnittenes Heu oder Stroh in der frühen Trockenstehphase energetische Überversorgung vermeiden

Milchkühe

Bei trockenstehenden Milchkühen brauchen Klee und Luzerne besondere Aufmerksamkeit. Die hohen Calcium- und Kaliumgehalte beider Leguminosen müssen in der Trockensteherration berücksichtigt werden. Wie du die Kurzrasenweide für Milchkühe führst, steht weiter unten im Abschnitt zur Weideführung.

Mythos-Check

„Luzerneheu bringt Milchkühen immer mehr Milch als Wiesenheu.“ In einem Milchkuhversuch erzielten angepasste Rationen mit Wiesenheu beziehungsweise Luzerneheu keine signifikant unterschiedlichen Milchleistungen. Beide Heusorten können also in eine Milchkuhration passen, wenn die Ration auf das Heu abgestimmt ist.

Mastrinder

Bei der grasbasierten Ausmast von Ochsen und Bullen steht die Grassilage im Mittelpunkt. Die Silage soll eine hohe Verdaulichkeit, eine gute Gärqualität und eine gute Futterhygiene aufweisen. Getreide lässt sich zusätzlich als Ganzpflanzensilage mit Korn und grünen Pflanzenteilen nutzen und ergänzt so den Silomais.

Mutterkühe

In der frühen Trockenstehphase können spät geschnittenes Heu oder Stroh im Rationsausgleich helfen, eine energetische Überversorgung von Mutterkühen zu vermeiden. Beim Welschen Weidelgras sinkt der Energiegehalt mit fortschreitender Reife, während der Stängelanteil steigt. Zusammen heißt das: Heu für trockenstehende Mutterkühe darfst du bewusst später schneiden als Heu, bei dem es auf Energie ankommt.

Welche Heusorten eignen sich für Rinder?

Welche Heusorte passt, hängt vom Pflanzenbestand und vom Schnittzeitpunkt ab.

Heusorte Was sie liefert Worauf du achtest
Wiesenheu Gräser, Kräuter und Klee aus dem Grünland Schnittzeitpunkt und Pflanzenbestand der Wiese
Luzerneheu Protein und Struktur Rohprotein schwankt je Charge; Calcium und Kalium bei Trockenstehern
Kleeheu hoher Eiweiß- und Mineralstoffanteil der Kleearten Calcium und Kalium bei Trockenstehern
Spät geschnittenes Heu Raufutter für die frühe Trockenstehphase von Mutterkühen energetische Überversorgung vermeiden
Stroh Strukturausgleich in Zwischenfruchtrationen und bei trockenstehenden Mutterkühen

Luzerneheu bringt Protein und Struktur in die Ration, doch der Proteingehalt ist keine feste Größe.

Zahl im Blick

In drei untersuchten Luzernechargen lag der Rohproteingehalt zwischen 133 und 183 g je kg Trockenmasse.

Tabellierte Futterwerte sind Mittelwerte, und schon diese drei Luzernechargen lagen weit auseinander: Für die Rationsplanung brauchst du daher die Werte deiner eigenen Partie aus einer Futteruntersuchung. Beim Heukauf frage ich deshalb nach einer aktuellen Futteruntersuchung.

Achtung

Kreuzkraut gehört nicht ins Futter. Seine Pyrrolizidinalkaloide können Rinder auch über Heu oder Silage schwer bis tödlich vergiften. Auch die Giftstoffe der Herbstzeitlose bleiben nach Trocknung, Silierung und Lagerung erhalten. Eisenhut ist für sämtliche Tierarten giftig. Bei einem Vergiftungsverdacht holst du sofort tierärztliche Hilfe.

Marias Erfahrung

Bevor eine Wiese für Heu gemäht wird, gehe ich sie langsam ab und suche gezielt nach Kreuzkraut und Herbstzeitlose. Fundstellen markiere ich, damit die Pflanzen vor dem Schnitt aus der Fläche geholt werden können.

Heu trocken lagern

Lagerstabiles, dicht lagerbares Heu sollte weniger als 14 % Wasser enthalten. Schütze das Lager vor erneutem Wasserzutritt und lass darüber genug Luftraum, damit feuchtwarme Luft abziehen kann. Mehr zu Lagerung und Schimmelpilzgiften steht im Ratgeber Futterpflanzen & Weide im Abschnitt Lagern und Futterhygiene.

Zwischenfrüchte und Rüben als Ergänzung

Markstammkohl eignet sich für Rinder als Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen. Du kannst ihn frisch verfüttern oder im Spätherbst beweiden lassen. Als Zweitfrucht wird er ab Mitte Oktober für Frischfutter oder Silage geerntet. Der angegebene Erntezeitpunkt liegt bei 12 bis 15 % Trockensubstanz.

Achtung

Nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer ein Vergiftungsrisiko sein. Nitrat kann zu Nitrit umgewandelt werden und die Bildung von Methämoglobin begünstigen. Eine pauschal sichere Menge gibt es nicht, deshalb stimmst du die Herbstfütterung am besten mit deiner Tierarztpraxis ab.

Grünroggen säst du als Winterzwischenfrucht Ende September bis Anfang Oktober. Genutzt wird er im folgenden Frühjahr Ende April bis Anfang Mai. Früh gesätes einjähriges Weidelgras oder einsömmeriges Kleegras ist bei ausreichendem Niederschlag nach etwa 8 bis 10 Wochen nutzbar.

Futterrüben sind ein energiereiches, proteinarmes Ausgleichsfutter. Der Strukturgehalt der Rüben ist gering, deshalb muss die Ration ihn ausgleichen. Rübentypen und Futterwerte vertieft der Ratgeber Futterpflanzen & Weide im Abschnitt Futterwert und Rübentypen.

Führe Zwischenfruchtfutter langsam ein: Für Wiederkäuer wird eine Umstellung über 8 bis 14 Tage empfohlen. Heu oder Stroh können dabei bei Bedarf als Strukturausgleich dienen. Eine Futteruntersuchung liefert die Inhaltsstoffwerte für die Rationsplanung.

Fressen Schafe oder Ziegen mit, gelten für sie eigene Umstellungsfristen und Grenzen beim Futterkohl. Was dort zählt, steht im Ratgeber, welche Futterpflanzen den Bedarf von Ziegen und Schafen decken.

Weide führen und neu ansäen

Kurzrasenweide oder Umtriebsweide?

Auf der Kurzrasenweide für Milchkühe liegt die Ziel-Aufwuchshöhe in Hauptwachstumsphasen bei 5 bis 6 cm, gemessen mit der Deckelmethode. Den Aufwuchs kontrollierst du wöchentlich mit derselben Methode. Umtriebsweiden und besonders Portionsweiden kosten mehr Arbeit als Standweiden, nutzen den Futterbestand aber besser aus. Messen, Koppeln und Weidesysteme vertieft der Ratgeber Futterpflanzen & Weide im Abschnitt Wiese und Weide.

Ansaat und Nachsaat

Feinsämige Futterpflanzen brauchen ein feinkrümeliges Saatbett mit gutem Bodenschluss, damit sie beim Auflaufen mit Wasser versorgt sind. Ökologisches Feldfutter sollte regional angepasst bis Mitte oder Ende August gesät sein, sonst ist die Frühjahrsansaat vorzuziehen. Bei einer dichten Grasnarbe ist keine Pflegenachsaat nötig. Termine und Saattiefen je Kultur stehen im Ratgeber Futterpflanzen & Weide im Abschnitt Aussaat, zum Aufhängen im Stall gibt es die Aussaattermine für Futterpflanzen als Druckkalender.

Schritt für Schritt zur passenden Mischung

Mini-Checkliste

  • Kläre zuerst, wer frisst: Milchkühe, Mastrinder oder Mutterkühe.
  • Prüfe, ob dein Standort im Sommer austrocknet, und nimm dann Knaulgras oder Rohrschwingel in die Auswahl.
  • Miss den Boden-pH, bevor du Luzerne einplanst.
  • Lass Heu und Grundfutter untersuchen, statt mit Tabellenwerten zu rechnen.
  • Geh jede Wiese vor dem Schnitt auf Kreuzkraut und Herbstzeitlose ab.
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Häufige Fragen

Welche Futterpflanzen eignen sich für die Rinderhaltung?
Grünlandfutter für Rinder besteht typischerweise aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen, zum Beispiel Weidelgras, Spitzwegerich und Klee. Gräser bilden die Grundlage für wiederkäuergerechtes Futter, Kleearten bringen einen hohen Eiweiß- und Mineralstoffanteil mit. Als Ergänzung kommen etwa Markstammkohl, Grünroggen oder Futterrüben infrage. Welche Mischung passt, hängt vom Standort und von der Nutzungsrichtung ab.
Wie unterscheiden sich Gräser und Leguminosen in der Rinderfütterung?
Gräser liefern die Grundlage für wiederkäuergerechtes Futter. Kleearten ergänzen sie mit einem hohen Eiweiß- und Mineralstoffanteil, Luzerne dient in Rinderrationen vor allem als Protein- und Strukturkomponente. Bei trockenstehenden Milchkühen müssen die hohen Calcium- und Kaliumgehalte von Klee und Luzerne in der Ration berücksichtigt werden.
Was spricht für Deutsches Weidelgras auf der Rinderweide?
Deutsches Weidelgras bildet robuste, regenerationsfähige Grasnarben, die sich auch für stark beanspruchte Flächen eignen. Im Futterwert liegt es über den trockenheitsverträglichen Gräsern Knaulgras und Rohrschwingel. Auf trockenen Standorten können diese beiden Gräser trotzdem die passendere Wahl sein.
Worin unterscheiden sich Kurzrasenweide und Umtriebsweide?
Auf der Kurzrasenweide für Milchkühe liegt die Ziel-Aufwuchshöhe in Hauptwachstumsphasen bei 5 bis 6 cm, gemessen mit der Deckelmethode. Kontrolliert wird der Aufwuchs wöchentlich. Bei der Umtriebsweide ist die Fläche in Koppeln geteilt, sodass auf kurze Beweidungsphasen längere Erholungsphasen für die Grasnarbe folgen. Umtriebsweiden brauchen mehr Arbeit als Standweiden, nutzen den Futterbestand aber besser aus.
Wie beeinflusst der Boden die Auswahl der Futterpflanzen?
Für Kleearten im Feldfutterbau gilt ein Boden-pH von 6,0 bis 6,7 als optimal. Luzerne bevorzugt einen pH von 7,0 bis 7,5, braucht warme, sonnige Standorte mit tiefgründigem, durchlässigem Boden und verträgt keine Staunässe. Auf trockenen Standorten kommen trockenheitsverträgliche Gräser wie Knaulgras und Rohrschwingel infrage.
Wie wirkt sich die Symbiose von Leguminosen und Knöllchenbakterien auf die Weide aus?
Knöllchenbakterien an den Wurzeln der Leguminosen binden Luftstickstoff und machen ihn pflanzenverfügbar. Kleinkörnige Futterleguminosen können deshalb ohne Stickstoffdüngung auskommen. Zusätzlicher Stickstoff fördert in Kleegras dagegen die Gräser und kann den Kleeanteil verringern.
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