Gebrauchsrasen als CO2-Speicher: was dein Rasenboden leisten kann und was nicht
- Ein Kohlenstoffvorrat im Boden ist keine jährliche CO2-Bindungsrate, denn bei Sättigung nimmt die zusätzliche Speicherung ab.
- Eine Kohlenstoffmasse mal 3,67 ergibt die entsprechende CO2-Masse.
- Schwingel und Rispen, also Festuca und Poa, gehören zu den C3-Pflanzen.
- Rohrschwingel wurzelt tief, doch Bodenverdichtung begünstigt ein flaches Wurzelwerk.
- Weniger häufiges Mähen, bedarfsgerechte Düngung und extensivere Grünflächen können den Ressourcenaufwand der Pflege senken.
Dein Rasen soll fürs Klima arbeiten, und du fragst dich, ob du mit Gräserwahl und Pflege mehr herausholen kannst. Bevor ich über Mischungen oder Mäher nachdenke, kläre ich, was mit „CO2 speichern“ überhaupt gemeint ist. Daran hängt, ob eine Zahl für deinen Garten taugt oder nur gut klingt.
Ein Gebrauchsrasen ist für mittlere Belastung ausgelegt, also für regelmäßiges Betreten und Spielen. Seine Gräser nehmen CO2 auf und bauen den KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. in Blätter und Wurzeln ein. Mit abgestorbenen Pflanzenteilen gelangt ein Teil davon in den Boden, und dort entscheidet sich, was gespeichert bleibt.
Wie viel CO2 bindet ein Gebrauchsrasen?
Wie viel ein Rasen zusätzlich speichert, hängt am Zustand seines Bodens. Dafür musst du zwei Größen auseinanderhalten.
Der Vorrat ist der Kohlenstoff, der bereits im Boden steckt. Die Bindungsrate beschreibt, was in einem Jahr zusätzlich hinzukommt. Ein vorhandener Vorrat ist keine jährliche Bindungsrate, und kommt der Boden in die Sättigung, nimmt die zusätzliche Speicherung ab.
Pauschale Angaben, die offenlassen, ob Vorrat oder Zuwachs gemeint ist, taugen deshalb nicht als Rechengrundlage für deinen Garten. Dazu kommt eine zweite Verwechslung, die Einheiten betrifft.
Kohlenstoff und CO2 sind zwei verschiedene Massen. Eine Kohlenstoffmasse multiplizierst du mit 3,67, um die entsprechende CO2-Masse zu erhalten. Steht bei einer Angabe nicht dabei, welche der beiden gemeint ist, lassen sich zwei Zahlen nicht vergleichen.
Zur Bilanz gehört auch die andere Seite. In Klimabewertungen von Golfplatzrasen werden der Bodenkohlenstoff und die Emissionen durch Pflege und Management getrennt erfasst. Weniger häufiges Mähen, bedarfsgerechte Düngung und extensivere Grünflächen können den Ressourcenaufwand der Rasenpflege verringern. Kommt im Boden bei Sättigung weniger hinzu, kostet die Pflege trotzdem weiter Ressourcen. Sie ist damit der Teil der Rechnung, den du selbst in der Hand hast.
Begegnet mir eine CO2-Angabe zum Rasen, prüfe ich drei Dinge. Ist Kohlenstoff oder CO2 gemeint? Geht es um einen Vorrat oder um einen jährlichen Zuwachs? Und wurde die Pflege mitgerechnet?
Was im Rasenboden mit dem Kohlenstoff passiert
Unter der GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. arbeitet das Bodenleben. Bodenmikroorganismen bauen Pflanzenreste ab und setzen dabei organisch gebundene Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form frei. Zu diesen Mikroorganismen zählen Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller. Regenwürmer verarbeiten organisches Material zu stabilen Bodenaggregaten, und ihre Röhren verbessern Belüftung und Wasserversickerung.
Wie gut das läuft, hängt von Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffstatus ab. Organische Nahrung fördert die Bodenfauna, ebenso das Vermeiden von Verdichtung. Verdichtung vermindert den Grobporenraum sowie die Wasser- und Luftdurchlässigkeit und begünstigt ein flaches Wurzelwerk. Eine dauerhafte Pflanzendecke schützt außerdem die Bodenoberfläche vor dem Verschlämmen durch aufprallende Regentropfen.
Bodenhilfsstoffe aus dem Sack sollen das Bodenleben fördern. Mykorrhizapilze unterstützen zwar die Nährstoffaufnahme ihrer WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter.. In einer Untersuchung von 28 kommerziellen Mykorrhizaprodukten führten aber rund 84 % in kontrollierten Gewächshausversuchen nicht zur gewünschten Wurzelbesiedlung. In einem Laborversuch mit Wickroggenmaterial bei 12 °C veränderten effektive Mikroorganismen weder die mikrobielle Biomasse noch die Nährstofflöslichkeit nachweisbar. Pflanzenkohle hängt in ihren Eigenschaften von Ausgangsmaterial und Herstellung ab, und ihre hohe Sorption kann Nährstoffe zeitweise der Pflanzenverfügbarkeit entziehen.
Welche Gräser passen zu einem klimabewussten Gebrauchsrasen?
Bei der Gräserwahl richte ich mich zuerst nach der Nutzung der Fläche und dann nach dem Standort. Eine feste Speicherleistung je Quadratmeter schreibe ich keiner Grasart zu. Was ich vergleiche, sind Wuchs, Wurzeln und Belastbarkeit. Für Gebrauchsrasen werden Kombinationen aus Deutschem Weidelgras, Wiesenrispe und Rotschwingel eingesetzt. An sehr trockenen Standorten kommt Rohrschwingel infrage.
| Gras | Was es mitbringt | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Deutsches Weidelgras | keimt schnell, regeneriert rasch, zählt mit Wiesenrispe zu den besonders trittfesten Hauptgräsern in Sportplatzmischungen | eignet sich für NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. und zügigen Lückenschluss |
| Wiesenrispe | unterirdische AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen., festigt die Narbe und kann Lücken schließen | entwickelt sich anfangs langsam und kann von raschwüchsigen Partnern verdrängt werden |
| Rotschwingel | trockenheitstolerant | im Allgemeinen nur mäßig trittfest, die Sorten unterscheiden sich |
| Rohrschwingel | wurzelt tief, hitze- und trockenheitsverträglich | grobblättrig, passt zu Rasen an sehr trockenen Standorten |
Oft heißt es, Rasengräser hätten einen C4-Stoffwechsel und arbeiteten deshalb bei Hitze besonders effektiv. Für die wichtigen Rasengattungen stimmt das nicht: Schwingel (Festuca) und Rispen (Poa) gehören zu den C3-Pflanzen.
Rohrschwingel wurzelt tief, BodenverdichtungBodenverdichtung bedeutet, dass der Boden zusammengedrückt ist und seine lockere Struktur verloren hat, vor allem durch Betreten oder Befahren in feuchtem Zustand. Wurzeln dringen dann kaum ein, und Regenwasser bleibt oft in Pfützen stehen. begünstigt dagegen ein flaches Wurzelwerk. Auf verdichtetem Boden arbeitest du deshalb gegen genau die Eigenschaft, für die du ihn ausgewählt hast.
Einen bestehenden Rasen reiße ich für eine neue Mischung nicht um. Brauner Rasen ist bei Trockenheit nicht automatisch abgestorben, weil etablierte Gräser eine Ruhephase überstehen und nach Regen wieder austreiben können. Bleiben danach tatsächlich abgestorbene Lücken, kannst du die Nachsaat mit einer Mischung verbinden, die besser zum Standort passt. Tiefer wurzelnde Gräser wie Rohrschwingel kommen vor allem bei einer notwendigen Neuanlage ins Spiel. Den passenden Zeitraum dafür findest du im Aussaatkalender für Rasen zum Ausdrucken.
Pflege: was den Boden stützt und wo du Aufwand sparst
Für die Pflege gilt dieselbe doppelte Rechnung. Sie soll Wurzeln und Bodenleben stützen und dabei möglichst wenig Ressourcen kosten. Die Grundregeln zu Mähen, Düngen und Gießen im Rasen-Ratgeber fasse ich hier nur kurz zusammen.
Mähen, Düngen, Gießen und Vertikutieren in Kürze
Für Garten-Gebrauchsrasen reichen die empfohlenen Schnitthöhen je nach Pflegekonzept von 3 bis 6 cm. Pro Mähgang nimmst du höchstens ein Drittel der Wuchshöhe ab. Zu kurzer Schnitt begünstigt Moos und unerwünschte Kräuter.
Die Nährstoffversorgung richtest du am Pflanzenbedarf und an der Bodenuntersuchung aus. Überhöhte Stickstoffgaben oder Düngung außerhalb der Vegetationsperiode können die Nitratauswaschung ins Grundwasser erhöhen. Bei großer Hitze und Trockenheit regst du den Rasen nicht durch Dünger zum Wachstum an.
Etablierten Rasen wässerst du durchdringend, sodass das Wasser 10 bis 15 cm tief in den Wurzelbereich eindringt. Frühes morgendliches Wässern verringert die Verdunstung. Örtliche Bewässerungsverbote und Einschränkungen haben Vorrang vor jeder allgemeinen Gießempfehlung.
Vertikutiert wird Hausrasen nur, wenn Rasenfilz oder abgestorbene Gräserreste entfernt werden müssen. In ausgeprägten Trockenphasen vertikutierst du nicht.
Schnittgut auf der Fläche lassen
Fein zerkleinertes Rasenschnittgut kann auf der Fläche bleiben und gibt bei seiner Zersetzung Nährstoffe an den Rasen zurück. Das organische Material bleibt so auf dem Rasen, statt abgefahren zu werden. Beim dauerhaften Einsatz eines Mähroboters kann die jährliche Nährstoffmenge durch die Rückführung des Schnittguts um etwa 15 bis 25 % sinken. Wie viel das Schnittgut nachliefert, hängt aber von seiner MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. ab und lässt sich nicht als einheitlicher Abschlag vom Dünger berechnen.
Damit es funktioniert, verteilst du trockenes, kurzes Schnittgut fein und gleichmäßig, ohne Klumpen oder eine undurchlässige Schicht. Ich mähe zum Mulchen nur bei abgetrockneten Halmen und gehe danach einmal über die Fläche, um liegen gebliebene Haufen zu verteilen.
Zum Schutz von Kleintieren fährt ein Mähroboter weder nachts noch in der Dämmerung. Kinder und Haustiere halten sich während des Betriebs nicht im Garten auf.
Kompost geben und Verdichtung vermeiden
Kompost liefert organisches Material für das Bodenleben und kann die Wasserleit- und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens verbessern. Für bestehenden Rasen kommt feiner RAL-Fertigkompost der Körnung 0/6 als gelegentliche Gabe infrage. Als Menge gelten etwa 3 bis 5 l je m². Der Abstand zwischen zwei Gaben liegt bei 3 bis 5 Jahren. Kompost bringt auch Nährstoffe mit, deshalb ziehst du sie vom weiteren Düngerbedarf ab. Bei fehlendem Nährstoffbedarf kann auch Kompost zu einer Überversorgung führen.
Verdichtete Oberflächen kann AerifizierenAerifizieren heißt, den Boden unter dem Rasen mit Zinken zu durchlöchern. Die Hohlräume verbessern den Luftaustausch im verdichteten Boden und fördern so Wurzelwachstum und Bodenleben. mit anschließendem Besanden verbessern. Die Belüftungslöcher reichen dabei bis etwa 10 cm in den Boden, und Sand in den Löchern bildet durchlässige Kanäle. Eine tiefgründige Verdichtung behebt das nicht. Bei nassem Boden halte ich Ballspiele und schwere Geräte von der Fläche fern, weil intensive Nutzung bei hoher Bodenfeuchte den Boden verdichten kann.
Teilflächen extensiver pflegen
Nicht jede Ecke muss Gebrauchsrasen sein. Häufiger gemähte Laufwege lassen sich mit abschnittsweise gemähten Kräuterrasenflächen und über Winter stehen gelassenen Teilbereichen kombinieren. Mähverträgliche Kräuter wie Gänseblümchen, Löwenzahn und Ehrenpreis bieten im Rasen blütenbesuchenden Insekten Nahrung. Wie das neben Spiel- und Liegeflächen funktioniert, zeigt der Beitrag, wie du Gebrauchsrasen und Artenvielfalt auf einer Fläche verbindest.
Hat jemand in deinem Haushalt eine bekannte Insektengiftallergie, berücksichtige das bei der Nutzung blühender Flächen, denn Bienenstiche können schwere allergische Reaktionen auslösen.
So schätzt du deinen eigenen Rasenboden ein
Ob sich im Boden etwas tut, siehst du von oben nicht. Eine Bodenuntersuchung zeigt Unter- und Überversorgung, und das Standardpaket umfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Humus lässt sich zusätzlich untersuchen. Unmittelbar vergleichbar sind die Ergebnisse über die Jahre nur bei gleichem Untersuchungsverfahren und übereinstimmender Nährstoffdarstellung. Eine einzelne Messung zeigt dir also einen Stand und keinen jährlichen Zuwachs; ob sich der Humusgehalt verändert, erkennst du erst im Vergleich zweier gleich gemessener Analysen.
Ich nehme die Proben mit Spaten und Löffel, entferne Wurzeln und Pflanzenreste und mische alles gründlich.
So läuft die Probe für deinen Rasen.
- 10 bis 15 Einzelproben aus 0 bis 10 cm Tiefe zu einer Mischprobe vereinen
- Wurzeln und Pflanzenreste entfernen, gründlich mischen
- rund 500 g davon an das Labor schicken
- Humus zusätzlich zum Standardpaket untersuchen lassen
- bei Wiederholungen zur gleichen Jahreszeit und vor einer Düngung beproben
- Abstände für Wiederholungen: Beratungsstellen nennen 2 bis 3 Jahre, teils auch 3 bis 4 Jahre






