Gebrauchsrasen und Artenvielfalt: Spielfläche behalten, Blühzonen gewinnen
- Die Spiel- und Liegefläche bleibt belastbarer Gebrauchsrasen, Kräuter und Blüten bekommen weniger genutzte Teilflächen.
- Kräutersaat einfach in den Rasen zu streuen scheitert häufig an der Konkurrenz von Weidelgras und Wiesenrispe.
- Kräuterrasen verträgt geringe bis mittlere Belastung und wird 6 bis 10 Mal im Jahr gemäht.
- Zum Umbau stellst du auf der Teilfläche Düngung und Bewässerung ein und räumst das Mähgut ab.
- Auf naturnahen Flächen bleiben 5 bis 20 % der Vegetation als Rückzugsraum stehen, auch über Winter.
Du willst eine Rasenfläche, auf der die Kinder Fußball spielen, und trotzdem sollen Bienen und andere Insekten im Garten Nahrung finden? Beides geht, nur nicht auf jedem Quadratmeter gleichzeitig. Ich plane solche Gärten deshalb vom Gebrauch her. Zuerst gehe ich über den Rasen und markiere, wo gespielt, wo gelaufen und wo kaum hingetreten wird. Aus diesem Plan ergibt sich, wo der Rasen belastbar bleiben muss und wo Kräuter und Blüten Platz bekommen.
Was ein Gebrauchsrasen leisten soll
Gebrauchsrasen, im Alltag oft Nutzrasen genannt, wird für regelmäßiges Betreten und Spielen ausgewählt und ist für mittlere Belastung ausgelegt. Typische Mischungen kombinieren Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe und Rotschwingel. Wie er sich von Schattenrasen und Trockenrasen unterscheidet, steht im Kurzporträt der Rasentypen im Ratgeber Rasen anlegen und pflegen.
Warum Kräuter im normalen Gebrauchsrasen kaum aufkommen
Der naheliegende Versuch ist, Kräutersamen einfach in den bestehenden Rasen zu streuen. Das scheitert häufig an der Konkurrenz von Weidelgras und Wiesenrispe. Genau diese beiden Gräser stecken in typischen Gebrauchsrasenmischungen. Eingestreute Kräuter treten in einem Gebrauchsrasen also gegen genau die Gräser an, an deren Konkurrenz solche Versuche häufig scheitern.
Dazu kommen die Nährstoffe. In Magerrasen wachsen Pflanzen, die an nährstoffarme Bedingungen angepasst sind. Zusätzlicher Stickstoff kann sie von konkurrenzstärkeren Arten verdrängen lassen.
Deshalb baust du nicht die ganze Fläche um. Intensiv genutzte Spiel- und Liegeflächen bleiben bei belastbaren Gräsermischungen, kräuterreichere Bestände kommen eher auf weniger intensiv genutzten Flächen infrage. Wiesen- und Kräuterrasen auf solchen Teilflächen bieten Insekten Nahrung und Lebensraum. Gegenüber intensiv gepflegtem Rasen können sie außerdem den Pflegeaufwand senken.
So teilst du deinen Garten in Zonen auf
Häufiger gemähte Laufwege lassen sich mit abschnittsweise gemähten Kräuterrasenflächen kombinieren und mit Teilbereichen, die über Winter stehen bleiben. Daraus ergeben sich Zonen mit eigener Nutzung und eigener Pflege:
| Zone | Nutzung | Bestand | Pflege |
|---|---|---|---|
| Spiel- und Liegefläche | Spielen, Toben, Liegen | belastbare Gräsermischung als Gebrauchsrasen | Schnitthöhe je nach Pflegekonzept 3 bis 6 cm, bedarfsgerecht düngen |
| Laufwege | häufig begangen | Gebrauchsrasen | häufiger mähen |
| Kräuterrasen | geringe bis mittlere Belastung: begehen, Liegestuhl aufstellen | Gräser mit mähverträglichen Kräutern | 6 bis 10 Schnitte im Jahr bei 6 bis 10 cm, Düngung und Bewässerung eingestellt, Mähgut abräumen |
| Blumenwiese | nicht regelmäßig betretbar, solange sie hoch steht | Gräser und Wildkräuter auf sonnigem Standort, je nach Mischung etwa 60 bis 100 cm hoch | je nach Ausprägung 1 bis 3 Mähgänge im Jahr |
| Rückzugsbereich | keine | was dort wächst | über Winter stehen lassen |
Gebrauchsrasen ist für mittlere Belastung ausgelegt, Strapazierrasen für hohe. Wird deine Spielfläche sehr hart beansprucht, kläre vorher, ob Gebrauchsrasen oder Sportrasen besser zu deiner Nutzung passt.
Bevor du säst oder umbaust:
- Spiel- und Liegefläche abstecken, sie bleibt Gebrauchsrasen.
- Laufwege markieren, auch den Weg zu Kompost und Wäscheleine.
- Für die Blumenwiese einen sonnigen, wenig betretenen Bereich wählen.
- Den Kräuterrasen dorthin legen, wo gegangen und gelegen, aber nicht getobt wird.
- Einen Rückzugsbereich festlegen, der über Winter stehen bleibt.
Blühende Kräuter können Bienen Nahrung bieten. Hat jemand im Haushalt eine bekannte Insektengiftallergie, berücksichtige das bei Lage und Nutzung der Blühflächen, denn Bienenstiche können schwere allergische Reaktionen auslösen. Auch Gräserpollen können bei sensibilisierten Menschen allergische Beschwerden auslösen. Gänseblümchenblüten isst du nur, wenn die Art sicher bestimmt ist und die Fläche nicht mit belastenden Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde.
Welche Mischung auf welche Fläche gehört
Die Auswahl einer Rasenmischung richtet sich nach der vorgesehenen Nutzung der Fläche. Für jede Zone wählst du deshalb getrennt aus.
Spielfläche: Gräser mit Ausläufern
Auf der Spielfläche bleibt es bei Gräsern. Wiesenrispe festigt mit ihren unterirdischen AusläufernAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. und kann entstandene Lücken schließen. Welche Gräserarten einen Gebrauchsrasen für Standort und Nutzung robust machen, erkläre ich in einem eigenen Beitrag.
Kräuterzone: blühende Kräuter für wenig genutzte Flächen
Weißklee, Gänseblümchen und Schafgarbe können auf weniger intensiv genutzten Rasenflächen Nahrung für Bienen und andere Insekten bieten. Kräuterrasen verträgt geringe bis mittlere Belastung. Zum Begehen und für den Liegestuhl eignet er sich besser als zum intensiven Toben.
Wiesenzone: Mischung passend zum Standort
Eine artenreiche Blumenwiese braucht einen sonnigen Standort. Ihre Saatmischung muss zu den vorhandenen Licht- und Wasserverhältnissen passen. Eine dauerhafte heimische Blumenwiese besteht meist aus Gräsern und Wildkräutern und unterscheidet sich damit von Mischungen aus überwiegend einjährigen Schmuckblumen. Auf nährstoffreichem Gartenboden wählst du eine dafür geeignete Wiesenmischung, statt ohne Standortanpassung einen Magerrasen anzustreben.
Für häufig betretene Spielflächen taugt eine hochwachsende Blumenwiese nicht. Ein trittverträglicher Blumenrasen ist dort eine mögliche Alternative.
Einen bestehenden Rasen zur Kräuterzone umbauen
Für eine Kräuterzone im bestehenden Rasen änderst du vor allem die Pflege. Zur schrittweisen Umwandlung stellst du auf der Teilfläche Düngung und Bewässerung ein und entfernst das Mähgut. Wurde der Bereich früher stark gedüngt, dient der Düngeverzicht der Aushagerung. Die Artenanreicherung kann mehrere Jahre dauern.
Fein zerkleinertes Schnittgut, das auf der Fläche bleibt, gibt beim Zersetzen Nährstoffe an den Rasen zurück. Mulchmähen passt deshalb nicht zur Umwandlungsfläche: Es bringt genau die Nährstoffe zurück, die beim Aushagern weniger werden sollen. Ich mähe diese Teilfläche mit Fangkorb und trage das Schnittgut zum Kompost.
Wildblumen ohne Umbruch nachsäen
Willst du gezielt Wildblumen in eine bestehende Fläche bringen, kommt eine umbruchlose Wildblumennachsaat infrage. Sie setzt einen geeigneten, konkurrenzarmen Bestand voraus, dessen Grasnarbe nach dem Mähen stark aufgerissen wird. Ein dichter Gebrauchsrasen aus Weidelgras und Wiesenrispe ist kein solcher Bestand, weil gerade diese Gräser eingestreuten Kräutern Konkurrenz machen.
Auf geeigneten bestehenden Wiesenflächen streust du 1 bis 2 g/m² reine Kräutersaat oberflächlich aus und walzt sie an. Gesät wird von Februar bis Mai oder von Ende August bis Anfang Oktober, vorzugsweise bei feuchter Witterung. Danach hältst du die vorhandenen Gräser kurz, bis die jungen Kräuter RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. gebildet haben.
Eine artenreiche Teilfläche neu ansäen
Für die Gräser der Spielfläche gelten die üblichen Regeln zu Saatmenge, SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. und Keimung, die im Ratgeber Rasen anlegen und pflegen im Abschnitt Rasen säen stehen. Den passenden Zeitraum für die Rasensaat zeigt dir der Aussaatkalender für Rasen zum Ausdrucken.
Legst du eine artenreiche Blühfläche komplett neu an, muss die konkurrenzstarke Grasnarbe weg. Danach stellst du ein feinkrümeliges SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. her. Die Saatmenge richtest du nach der Angabe der jeweiligen Mischung. Den Regelwert von 25 g je m² für Regelsaatgutmischungen überträgst du nicht auf artenreiche Blumenrasen- oder Trockenrasenmischungen.
Für artenreiche Blühflächen ist der Spätsommer eine günstige Saatzeit. Säst du im Frühjahr etwa von Anfang März bis Mitte April, braucht die Saat ausreichende Keimfeuchte. Wildpflanzensaat benötigt zum Quellen und Keimen mindestens etwa 4 bis 5 Wochen durchgehende Feuchtigkeit.
Die Wildartenfläche nach dem Zeitmaß des Rasens beurteilen. Rasengräser keimen bei einer Neuanlage nach 7 bis 21 Tagen. Wildartenansaaten brauchen auf feuchtem Boden etwa 3 bis 6 Wochen bis zur ersten Keimung. Wer den Rasen als Maßstab nimmt, hält die Fläche womöglich für gescheitert, während die Keimung noch läuft.
Bei einer Magerrasenmischung können Pionier- und einjährige Arten schon im ersten Jahr blühen. Bis alle enthaltenen Arten blühreif sind, vergehen mehrere Jahre. Beim neu angesäten Blumen-Kräuter-Klimarasen, einer Blumenrasen-Mischung, setzt du den ersten SchröpfschnittEin Schröpfschnitt ist ein früher Schnitt im ersten Jahr nach dem Aussäen einer Blumenwiese. Er kürzt schnell wachsende Beikräuter zurück, damit die langsameren eingesäten Wildkräuter nicht überwuchert werden und genug Licht bekommen. möglichst erst bei einer Grashöhe von 10 bis 20 cm an. Überwuchern BegleitpflanzenEine Begleitpflanze ergänzt im Beet eine auffälligere Leitpflanze; sie ist niedriger und wächst in kleineren Gruppen daneben. Im Gemüsebeet nennt man so auch einen Mischkulturpartner, der neben der Hauptkultur wächst. die Ansaat, kann er früher nötig sein.
Jede Zone bekommt ihre eigene Mahd
Die Spielfläche mähst du wie jeden Gebrauchsrasen. Für Garten-Gebrauchsrasen reichen die empfohlenen Schnitthöhen je nach Pflegekonzept von 3 bis 6 cm. Je Mähgang schneidest du höchstens ein Drittel der aktuellen Wuchshöhe ab; Drittel-Regel und Mulchmähen stehen ausführlich im Ratgeber Rasen anlegen und pflegen im Abschnitt Mähen.
Für Kräuterrasen sind 6 bis 10 Schnitte im Jahr vorgesehen. Die Schnitthöhe liegt dort bei 6 bis 10 cm.
Auf Wiesen und naturnahen Teilflächen schont eine Mahdhöhe von mindestens 10 cm Insekten. Mit einer einzigen Höheneinstellung fährt der Mäher deshalb nicht durch alle Zonen. Lass auf diesen Flächen 5 bis 20 % der Vegetation als Rückzugsfläche stehen, auch über den Winter. Das Mähgut räumst du nach 1 bis 2 Tagen ab, damit sich keine Nährstoffe dauerhaft anreichern und die Fläche nicht verfilzt. Eine als Blühwiese gepflegte Teilfläche wird grundsätzlich nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht und nicht gedüngt.
Ich mähe zuerst die Spielfläche und die Laufwege. Danach stelle ich den Mäher hoch und messe an der Kante zur Kräuterzone mit dem Zollstock nach, bevor ich weitermähe.
Beim Blumen-Kräuter-Klimarasen mähst du möglichst nur die halbe Fläche. Die andere Hälfte bleibt mindestens 14 Tage stehen, bis sie nachgewachsen ist und möglichst erneut blüht. Mindestens von November bis März bleibt die Fläche ungemäht. Für einen regionalen Blumen-Kräuter-Klimarasen aus dem nordwestdeutschen Tiefland empfehlen sich in den Folgejahren 3 bis 6 Mähgänge pro Jahr. Nach der Etablierung wird der extensiv gepflegte Blumen-Kräuter-Klimarasen weder gedüngt noch vertikutiert.
Ein Mähroboter fährt zum Schutz von Kleintieren weder nachts noch in der Dämmerung. Setz ihn nur tagsüber unter Aufsicht auf vorher kontrollierten Flächen ein. Blühflächen und Rückzugsräume sparst du aus, und laufen lässt du ihn nur, wenn sich keine Kinder oder Haustiere im Garten aufhalten.
Frühblüher-Zwiebeln im Rasen
Frühlingsblühende Zwiebelpflanzen bringen schon im Frühjahr Blüten in den Rasen. Zum Verwildern eignen sich unter anderem Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge. Sie breiten sich je nach Art über Brutzwiebeln oder Samen aus und können das Blütenangebot für früh aktive Insekten erweitern.
Günstige Pflanzmonate sind September und Oktober. Du stichst eine passende Rasensode ab, setzt die Zwiebeln etwa doppelt so tief, wie sie hoch sind, und legst die Sode wieder auf. Der Boden muss durchlässig sein, weil winterliche Staunässe die Zwiebeln faulen lassen kann.
Gemäht wird dort erst, wenn das Laub der Zwiebelpflanzen eingezogen ist. Weil die Laufwege häufiger gemäht werden, setzt du die Zwiebeln in die Kräuterzone oder an den Rand und nicht in den Weg.
Wildkräuter: was im Rasen bleiben darf
„Wildkräuter haben im gepflegten Rasen nichts verloren.“ Nicht grundsätzlich. Gänseblümchen, Löwenzahn und Ehrenpreis sind mähverträgliche Kräuter und bieten blütenbesuchenden Insekten im Rasen Nahrung. Das wilde Gänseblümchen bleibt mit einer Wuchshöhe von 5 bis 15 cm niedrig.
Stört dich eine Löwenzahnpflanze auf der Spielfläche, stichst du sie gezielt aus, weil Mähen ihre tiefe PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche. nicht entfernt. Bei Wurzelunkräutern holst du die Wurzel möglichst vollständig heraus, denn aus verbleibenden Teilstücken können neue Pflanzen entstehen. Auf Rasendünger mit Unkrautvernichter verzichte ich, wie es für die Rasenpflege auch allgemein empfohlen wird.
Die Spielfläche belastbar halten
Intensive Nutzung bei hoher Bodenfeuchte kann die Rasenoberfläche zerstören und den Boden verdichten. In Trockenphasen sollte der Rasen weniger betreten und gemäht werden. Mehr zu Frühjahr, Sommerhitze und Winter steht im Ratgeber Rasen anlegen und pflegen im Abschnitt Pflege im Jahreslauf.
Entstehen Lücken, schließen weidelgrasbetonte Reparaturmischungen sie durch schnelle Keimung und Bestockung zügig. Gedüngt wird nur der Gebrauchsrasen, ausgerichtet am Pflanzenbedarf und an der Bodenuntersuchung. An der Grenze zur Kräuterzone streue ich den Dünger nur in Richtung Spielfläche.






