Schädlinge an Zimmerpflanzen natürlich bekämpfen: So gehst du mit Wasser, Hand und Nützlingen vor
- Bestimme zuerst den Schädling: Helle Sprenkel und feine Gespinste können auf Spinnmilben hindeuten, Honigtau und verformte Triebspitzen auf Blattläuse.
- Bei schwachem Befall kommen Wasserstrahl, Dusche, vorsichtiges Abstreifen und ein feuchtes Tuch vor jedem Mittel.
- Die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis braucht eine relative Luftfeuchtigkeit über 60 %, das passt nicht zu jedem beheizten Wohnzimmer.
- Schmierseife, Rapsöl und Jauchen gelten als Hausmittel, eine Wirkung an deiner Pflanze ist damit nicht zugesagt.
- Chemie bleibt das letzte Mittel: nur mit Zulassung für Haus- und Kleingarten, nach Gebrauchsanleitung und mit geprüfter Pflanzenverträglichkeit.

Klebrige Blätter, helle Sprenkel auf dem Laub oder kleine Mücken über der Erde: Dann sitzt womöglich ein Schädling an deiner Zimmerpflanze. Wenn ich so etwas entdecke, stelle ich die Pflanze als Erstes von den anderen weg und hole die Lupe. Bei schwachem Befall kannst du vieles zuerst mit Wasser, Fingern und einem feuchten Tuch angehen. Nützlinge kommen infrage, wenn Wärme und Luftfeuchte am Platz zu ihren Ansprüchen passen.
Natürliche Schädlingsbekämpfung heißt hier: vorbeugen, kontrollieren, mechanisch eingreifen und Nützlinge dort einsetzen, wo die Bedingungen stimmen. Hausmittel ordne ich ein, ohne Rezepte und Mischungen zu nennen. Ein chemisches Mittel bleibt das letzte Mittel.
Welcher Schädling sitzt an deiner Pflanze?
Bevor du eingreifst, lohnt der genaue Blick auf Blatt, Trieb und Erde. Die Zeichen in der Tabelle sind Hinweise und keine sichere Diagnose, denn manche Schäden ähneln sich.
| Schädling | Mögliche Zeichen | Wo du nachsiehst |
|---|---|---|
| Blattläuse | gekräuselte Blätter, verformte Triebspitzen, klebriger HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. | Triebspitzen und Blätter |
| Spinnmilben | winzige weißlich gelbe Blattsprenkel, bei stärkerem Befall feine Gespinste; erwachsene Tiere ungefähr 0,5 bis 0,7 mm groß | Blätter, vor allem an warmen, trockenen Plätzen |
| Weiße Fliegen | erwachsene Tiere ungefähr 2 mm groß | überwiegend Blattunterseiten |
| Thripse | silbrige Saugflecken und schwarze Kotpunkte | Blätter und Blüten |
| Woll- und Schmierläuse | weiße Wachswolle oder weiße Wachsschicht | bei Kakteen zwischen den Rippen, am Scheitel und am WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt. |
| Schildläuse | kleine, festsitzende Schilde | Blätter und Triebe |
| TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen. | kleine Mücken über der Erde, die Larven leben im Substrat | Erdoberfläche und Wurzelbereich |
Weil erwachsene Spinnmilben nur ungefähr 0,5 bis 0,7 mm groß sind, fallen dir die weißlich gelben Sprenkel auf den Blättern meist früher auf als die Tiere selbst. Beim Nachsehen drehe ich einzelne Blätter um und schaue mit der Lupe auf die Unterseite und in die Blattachseln.
Gelbe Blätter allein sprechen noch nicht für einen Schädling. Vergilbung mit Blattfall kann auch durch Lichtmangel, Temperaturschwankungen, Wasserstress oder Nährstoffmangel entstehen. Findest du keine Tiere, hilft dir der Ratgeber dazu weiter, wie du Nährstoffmangel an Zimmerpflanzen erkennst und behandelst.
Was tust du zuerst gegen Läuse und Thripse?
Stell eine befallene Pflanze zuerst getrennt von den anderen auf, damit sich die Tiere nicht auf die Nachbarn verteilen. Danach richtet sich der Handgriff nach dem Schädling.
Blattläuse abspritzen
Bei schwachem Befall spritzt du Blattläuse zunächst mit einem Wasserstrahl ab. Ich halte den Trieb dabei mit der anderen Hand fest und spüle von oben nach unten. Den klebrigen Honigtau wische ich anschließend mit einem feuchten Tuch von den Blättern.
Schildläuse abstreifen
Schildläuse streifst du als erste Maßnahme vorsichtig ab, etwa mit dem Fingernagel. Arbeite dabei behutsam, damit Blatt und Trieb unverletzt bleiben. Danach siehst du die übrigen Blätter und Triebe derselben Pflanze an.
Woll- und Schmierläuse abwischen
Von Wollläusen befallene SukkulentenSukkulenten sind Pflanzen, die Wasser in verdickten Blättern, Trieben oder Wurzeln speichern und so längere Trockenzeiten überdauern. Der Begriff beschreibt eine Anpassung im Körperbau, keine einzelne Pflanzenfamilie. stellst du getrennt auf. Zugängliche Läuse entfernst du samt ihren Eiern mit einem feuchten Tuch. Bei Kakteen suchst du dafür zwischen den Rippen, am Scheitel und am Wurzelhals knapp über der Erde.
Verdacht auf Thripse
Silbrige Saugflecken mit schwarzen Kotpunkten können auf Thripse hindeuten. Auch eine solche Pflanze stelle ich getrennt und sehe mir Blätter und Blüten genau an.
Nicht jede Pflanze verträgt nasse Blätter. Bei Gloxinien der Gattung Sinningia schützt du die Blätter vor Nässe. Glücksklee überspritzt du nicht mit Wasser, weil das Fäulnis begünstigen kann. Gloxinienlaub, das mit zu kaltem Wasser überbraust wird, kann unregelmäßige gelblich weiße Flecken entwickeln.
Pflanze getrennt stellen · Schädling an Blatt, Trieb, Blüte und Erde bestimmen · je nach Schädling abspritzen, abstreifen oder abwischen · Nachbarpflanzen ansehen · nach der Behandlung erneut unter die Blätter schauen
Spinnmilben: Was du ohne Chemie tun kannst
Spinnmilben können an Zimmerpflanzen das ganze Jahr über auftreten. Warme, trockene Heizungsluft begünstigt sie, deshalb lohnt in der Heizperiode ein genauerer Blick auf die Blätter. Abduschen und Besprühen mit zimmerwarmem Wasser gehören zu den gängigen Maßnahmen ohne Chemie.
Zum Abduschen stelle ich den Topf in die Dusche und lege eine Tüte über die Erde, damit sie nicht durchnässt. Die Brause halte ich auch schräg von unten an die Blätter, weil die Unterseiten sonst trocken bleiben. Hinterher lasse ich die Pflanze abtropfen, bevor sie zurück an ihren Platz kommt.
Ein Platz unmittelbar über der Heizung ist für Zimmerpflanzen häufig ungünstig, weil dort besonders warme und trockene Luft auf sie trifft. Wird Luft ohne zusätzliches Wasser erwärmt, sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit. Wie feucht es am Platz deiner Pflanze tatsächlich ist, zeigt dir ein HygrometerEin Hygrometer ist ein Messgerät für die Luftfeuchtigkeit. Beim Gärtnern zeigt es dir, wie feucht die Luft im Gewächshaus, unter der Anzuchthaube oder bei deinen Zimmerpflanzen ist..
Mehr Feuchte löst das Problem allerdings nicht von selbst. Warme, trockene Luft begünstigt Spinnmilben, feuchtwarme Luft mit engem Stand dagegen Grauschimmel: Wer Pflanzen gegen Milben dicht zusammenrückt, tauscht womöglich ein Risiko gegen ein anderes. Grauschimmel trifft dabei besonders geschwächte Pflanzen in der dunklen Jahreszeit.
Die Luftfeuchte nach Gefühl hochtreiben. Zur Schimmelvorbeugung gelten im Wohnraum 40 bis 60 % relative Luftfeuchtigkeit als Orientierung, in schlecht gedämmten Wohnungen im Winter als Faustregel unter 50 %. Auch wenn das Hygrometer in der Raummitte 50 % zeigt, können kalte Außenwände bereits zu feucht sein.
Bei hartnäckigem Befall kommen RaubmilbenRaubmilben sind winzige Milben, die andere Milben wie Spinnmilben und je nach Art auch Thripslarven fressen. Als Nützlinge werden sie im Gewächshaus und im Garten gezielt gegen Spinnmilben eingesetzt. infrage. Ihre Ansprüche an Wärme und Luftfeuchte findest du weiter unten bei den Nützlingen.
Weiße Fliegen: Warum der Blick unter die Blätter zählt
Erwachsene Weiße Fliegen sind ungefähr 2 mm groß und sitzen überwiegend an den Blattunterseiten. Weil sich Weiße Fliegen über mehrere Larvenstadien in ungefähr 2 bis 4 Wochen zum erwachsenen Tier entwickeln, zeigen dir die erwachsenen Tiere unter den Blättern nur einen Teil des Befalls. Ich schaue deshalb nicht nur die befallene Pflanze von unten an, sondern auch ihre Nachbarn.
Im geschützten Anbau, etwa im Gewächshaus, kann die Schlupfwespe Encarsia formosa gegen Weiße Fliegen eingesetzt werden. Ob sich das auf deine Fensterbank übertragen lässt, hängt von deinem Raum ab.
Trauermücken: Warum der Schaden in der Erde entsteht
Bei Trauermücken fressen die Larven an Wurzeln und weiteren Pflanzenteilen, die erwachsenen Mücken nehmen keine Nahrung auf: Wer nur die fliegenden Tiere wegfängt, erreicht den schädlichen Teil des Befalls nicht. Deine Aufmerksamkeit gehört also dem Substrat.
„Sand auf der Erde hält Trauermücken sicher fern.“ Bei Zimmerpflanzen in torffreier Erde kann eine ungefähr 1 cm hohe Schicht aus Quarz- oder grobem Sand auf der Substratoberfläche helfen. Verlass dich aber nicht darauf.
Bei torffreier Erde trocknet die Oberfläche schneller ab als der untere Bereich, darum prüfst du vor dem Gießen auch die Feuchte weiter unten. Ich hebe den Topf dafür vor und nach dem Gießen an und fühle die Feuchte am Gewicht, das geht auch mit Sand obenauf.
Gegen die Larven im Substrat kommen NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt. der Art Steinernema feltiae infrage. Was sie brauchen, steht im nächsten Abschnitt.
Welche Nützlinge passen ins Zimmer?
Nützlinge sind lebende Gegenspieler bestimmter Schädlinge. Ob sie am Platz deiner Pflanze zurechtkommen, hängt vor allem an Temperatur und Feuchte.
| Nützling | Gegen | Bedingungen |
|---|---|---|
| Raubmilbe Phytoseiulus persimilis | Spinnmilben | durchschnittlich mindestens 18 °C und relative Luftfeuchtigkeit über 60 % |
| Nematoden der Art Steinernema feltiae | Trauermückenlarven | Substrat 15 bis 28 °C warm, nach der Anwendung gleichmäßig feucht |
| Schlupfwespe Encarsia formosa | Weiße Fliegen | Einsatz im geschützten Anbau |
Die Raubmilbe Phytoseiulus persimilis braucht für die Spinnmilbenbekämpfung eine relative Luftfeuchtigkeit über 60 %. In schlecht gedämmten Wohnungen sollte die Luftfeuchte im Winter als Faustregel unter 50 % liegen. Im beheizten Winterzimmer einer solchen Wohnung passen die Ansprüche dieser Raubmilbe und ein Raumklima, das Schimmel vorbeugt, deshalb schlecht zusammen.
Bevor ich Nützlinge bestelle, messe ich am Platz der Pflanze mit einem digitalen Thermohygrometer Temperatur und Luftfeuchte. Wie viele Tiere du brauchst und wie du sie ausbringst, entnimmst du der Anleitung, die den Nützlingen beiliegt. Ein Spritzmittel kann eingesetzte Nützlinge treffen, darum sprühe ich dort nichts, wo sie arbeiten sollen.
Was ist von Schmierseife, Rapsöl und Jauche zu halten?
Für Hausmittel gegen Schädlinge gibt es viele überlieferte Rezepte. SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. gilt dabei als Klassiker: Eine Seifenlösung soll weichhäutige Tiere wie Blattläuse benetzen und ihnen so schaden. Von Rapsöl heißt es, dass ein Ölfilm festsitzende Schädlinge wie Schildläuse überzieht. Brennnesseljauche wird nachgesagt, Läuse zu vertreiben und die Pflanze zu kräftigen, und Knoblauchsud soll über seinen Geruch abschrecken.
Wie stark eine selbst angerührte Mischung ist, lässt sich zu Hause kaum bestimmen. Blätter reagieren schon auf bloßes Wasser je nach Art verschieden, wie Gloxinie und Glücksklee zeigen. Bei Befall greife ich zuerst zu Brause, Fingernagel und feuchtem Tuch.
Wie beugst du Schädlingen vor?
Neue Pflanzen stelle ich zuerst getrennt von den anderen auf und sehe sie mir genau an, bevor sie dazukommen. Neu gekaufte Kakteen und andere Sukkulenten stehen zur Kontrolle auf eingeschleppte Schmierläuse vier Wochen getrennt und werden dabei wiederholt untersucht. Holst du Kübelpflanzen ins Winterquartier, kontrollierst du sie schon einige Wochen vor dem Einräumen auf Schädlinge und Krankheitszeichen.
Vor dem Gießen hebe ich meine Töpfe an, um die Feuchte am Gewicht zu fühlen, und drehe bei der Gelegenheit ein paar Blätter um. Steht eine Pflanze direkt über der Heizung, suche ich ihr einen anderen Platz.
Eine Pflanze am passenden Platz, bedarfsgerecht gegossen und gedüngt, ist die Grundlage für alles andere. Für viele Zimmerpflanzen wird in der Wachstumsphase im Frühling und Sommer alle 2 bis 4 Wochen flüssig gedüngt, eine kranke Kübelpflanze aber erst nach ihrer Erholung. Mehr dazu findest du im Überblick, wie du Zimmerpflanzen rund um die Blüte, beim Gießen und beim Düngen pflegst.
Was tun, wenn Wasser, Hand und Nützlinge nicht reichen?
Ein chemisches Pflanzenschutzmittel ist für mich das letzte Mittel. Kommt es so weit, wählst du nur ein Mittel mit Zulassung für den Haus- und Kleingarten. Vorher prüfst du die angegebene Pflanzenverträglichkeit, besonders bei blühenden Zimmerpflanzen. Halte dich genau an die Gebrauchsanleitung, trag Schutzkleidung, beachte die Wartezeit und entsorge Reste so, wie es die Anleitung vorgibt. Ein solches Mittel kann auch Nützlinge treffen, die du eingesetzt hast.
Bei Fäulen an den Wurzeln stößt auch Chemie an eine Grenze: Bereits an Wurzelfäule erkrankte Topfpflanzen lassen sich durch Gießen mit Pflanzenschutzmitteln nicht heilen.
Für Fäulen und Zwiebelmilben erfährst du in einem eigenen Ratgeber, wie du Krankheiten und Schädlinge an Zimmerpflanzen-Zwiebeln erkennst und ihnen vorbeugst. Ziehst du Kurkuma, lies nach, wie du Schädlinge an Kurkuma natürlich bekämpfst.

