Glockenreben für Bienen und Schmetterlinge: Blüte einordnen, Partner ergänzen
- Am Naturstandort übernehmen Fledermäuse den Hauptteil der Bestäubung der Glockenrebe.
- Die Glockenrebe blüht von Juli bis November und gilt als nicht duftend.
- An Duftwicken sammeln Bienen und Hummeln Nektar, Herbstastern besuchen auch Tagfalter.
- Schmetterlinge brauchen neben Blüten auch Raupenfutter, Wildbienen zusätzlich Nistplätze.
- Die Glockenrebe ist kein Lichtkeimer, ihre Samen kommen 0,5 bis 2 cm tief in die Erde.
- Zur Keimung brauchen die Samen 18 bis 24 °C.

Du möchtest eine Wand begrünen und dabei Bienen und Schmetterlingen Futter bieten, und die Glockenrebe steht auf deiner Liste. Bevor du sie als Insektenweide einplanst, lohnt ein Blick auf ihre Bestäuber. Am Naturstandort übernehmen Fledermäuse den Hauptteil der BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport.. Ich ziehe Glockenreben deshalb als blühende Kletterwand und setze für die Insekten gezielt Partner daneben.
Was bietet die Glockenrebe Bienen und Schmetterlingen?
Am Naturstandort bestäuben vor allem Fledermäuse
Die Glockenrebe (Cobaea scandens) trägt von Juli bis November Blüten. Bestäubt wird sie an ihrem Naturstandort vor allem von Fledermäusen. Wie stark Bienen, Hummeln oder Falter die Blüten in hiesigen Gärten nutzen, lässt sich nicht verlässlich beziffern. Ich plane die Glockenrebe deshalb als Blütenwand ein und nicht als Hauptfutterquelle für Insekten.
Dazu kommt das Wetter. Anhaltend nasskalte Witterung kann Wachstum und Blüte der wärmeliebenden Kletterpflanze beeinträchtigen. Weil die Blüte ohnehin erst im Juli beginnt, kann das Blütenangebot in einem kühlen, nassen Sommer also knapp ausfallen.
Lockt die Glockenrebe abends mit Duft Nachtfalter an? Die Glockenrebe gilt als nicht duftend. Wenn du am Sitzplatz Abendduft möchtest, nimm die Levkojenmischung ‘Duftbouquet’ oder die Nachtviole, die beide besonders in den Abendstunden duften. Garten-Levkojen können zudem Bestäuber anziehen.
Pollen und Nektar: Worauf es bei Insektenblüten ankommt
Viele ungefüllte und halbgefüllte Blüten eignen sich als Pollen- und Nektarquellen für Bienen. Stark gefüllte Blüten meidest du dagegen, denn vollständig gefüllte Zierblüten können als Pollenquelle ausfallen. Die Füllung allein entscheidet aber nicht sicher über den Wert für Bienen. Auch manche gefüllt blühende Zierpflanze bildet noch zugänglichen Pollen oder Nektar.
Ein Beispiel aus der Praxis: Die dicht gefüllte Sommeraster ‘Prinzess Mischung’ stuft ihr Hersteller als nicht nützlingsfreundlich ein. Ich schaue deshalb beim Saatgutkauf zuerst, ob eine Sorte ungefüllt oder halbgefüllt blüht.
Blüten liefern außerdem Unterschiedliches. Mohn gilt als nektarlose Pollenpflanze, ungefüllte Tagetes-Sorten bieten Insekten dagegen frei zugänglichen Nektar. Wer beide pflanzt, bietet also Pollen und Nektar an, statt nur eines davon.
Schmetterlinge brauchen Blüten und Raupenfutter
Tagfalter besuchen zum Beispiel Raublatt- und Glattblatt-Astern, die bis zum ersten Frost blühen. Die Raupen brauchen aber eigene Futterpflanzen. Brennnesseln sind etwa Futter für die Raupen von Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs. Ein Garten für Schmetterlinge braucht deshalb beides: Nektarblüten für die Falter und eine Brennnesselecke für die Raupen.
Über Winter stehen gelassene Staudenstängel bieten Insekten Quartiere, und Samenstände können Vögeln Nahrung liefern. Ich lasse die Brennnesseln hinter dem Kompost stehen und schneide dürre Staudenstängel erst im Frühjahr.
Wildbienen brauchen Nistplätze
Wildbienen benötigen neben Blüten auch Plätze zum Nisten. Offene Bodenstellen und Totholz können solche Nistmöglichkeiten bieten. Neben meiner Kletterwand bleibt deshalb ein Streifen Boden unbewachsen, und daneben liegt ein Stück Totholz.
So ergänzt du die Glockenrebe für Insekten
- ungefüllte oder halbgefüllte Blüten vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst
- Pollenpflanzen und Nektarpflanzen gemischt, etwa Mohn und ungefüllte Tagetes
- eine Brennnesselecke als Raupenfutter
- offene Bodenstellen und Totholz als Nistplätze für Wildbienen
- Staudenstängel über Winter stehen lassen
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, alkalische, neutrale Böden sind geeignet.
- Substrat
Der Boden sollte feucht und gut durchlässig sein.
- Anbauort
Die angebotenen Sorten lassen sich im Hochbeet und im Topf ziehen.
Pflege
- Pflege
Eine Rankhilfe an geschützter Stelle bereitstellen und den Boden feucht, aber gut drainiert halten.
- Düngung
Vor der Pflanzung Kompost einarbeiten und während der Saison eine weitere Gabe oberflächlich aufbringen.
Lebensform und Verwendung
- Verwendung
Die angebotenen Sorten eignen sich für Beet und Balkon.
Womit kombinierst du die Glockenrebe für Insekten?
Wie du mit Glockenreben einen blühenden Sichtschutz an Zaun, Pergola und Balkon anlegst, beschreibt ein eigener Ratgeber. In diesem Kapitel geht es um Partner, die Insekten Nahrung bieten. Für ein durchgehendes Blütenangebot kombinierst du Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeiten über die ganze Saison. Krokus und Lungenkraut im Frühjahr, Schmuckkörbchen und Kornblume im Sommer und ungefüllte Herbstastern können das Angebot für Bienen ergänzen. Wie die Blühzeiten ineinandergreifen, kannst du im Beetplaner für deine Beete durchspielen.
Duftwicke und Glockenrebe an einer Kletterwand
Die Duftwicke, auch Edelwicke genannt, ist eine einjährige Kletterpflanze, deren Blüten Bienen und Hummeln zum Nektarsammeln anfliegen. Dabei landen sie auf dem Schiffchen der Blüte, und Pollen gelangt an ihre Körperunterseite. Die Duftwicke blüht von Juni bis September. Die Glockenrebe blüht von Juli bis November. Zusammen halten beide eine Kletterwand also von Juni bis in den November in Blüte, und an der Wicke finden Bienen Nektar.
Duftwicken klettern an filigranen Rankhilfen aus Weide oder feinem Maschendraht. Plane von Anfang an genug Platz für die endgültige Größe beider Pflanzen ein. Ich setze die Wicken an das eine Ende des Gitters und die Glockenrebe an das andere.
Alle Teile der Edelwicke sind giftig, besonders die Samen. Setze sie nicht dorthin, wo kleine Kinder unbeaufsichtigt an Blüten und Hülsen kommen.
Astern vor der Glockenrebenwand
Raublatt- und Glattblatt-Astern blühen bis zum ersten Frost, und Honigbienen, Wildbienen, SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. und Tagfalter besuchen sie. Raublatt-Astern wollen Sonne und frischen bis feuchten Boden. Die Glockenrebe braucht für eine gute Blüte ebenfalls einen sonnigen Platz und feuchten, gut durchlässigen Boden. Beide passen deshalb an dieselbe sonnige Wand, die Astern als Vorpflanzung.
Auf zu nährstoffreichem Boden können Raublatt-Astern allerdings an Standfestigkeit verlieren. An trockeneren Stellen im Garten nimmst du stattdessen die heimische Berg-Aster. Sie mag sonnige Plätze mit trockenem bis frischem, vorzugsweise kalkhaltigem Boden.
Im Kübel auf dem Balkon
Die Glockenrebe wird auch als Beet- und Balkonpflanze im Topf gezogen. Die Eignung für Gefäße ist allerdings sortenabhängig, achte also auf die Angaben zur Sorte. Das Gefäß muss standfest sein, und das Klettergerüst sicherst du möglichst zusätzlich an einer festen Rückwand.
Unter den einjährigen Blühpflanzen, die an der LWG geprüft wurden, bewährten sich Zweizahn, Lobelie, Ziersalbei und Strohblume als bienenattraktive Balkonpflanzen. In geprüften gemischten Balkonpflanzungen wurden schwache Partner im Sommer häufig zurückgedrängt. Ich setze die Bienenpflanzen deshalb in einen eigenen Kasten neben den Kübel.
An meiner Kletterwand hängt über den Sommer ein kleines Heft. Darin notiere ich, an welchen Blüten ich Bienen, Hummeln oder Falter sehe. Nach diesen Notizen plane ich die Partner fürs nächste Jahr.
Welche Arten und Sorten der Glockenrebe gibt es?
Im Saatguthandel begegnet dir die Glockenrebe als Cobaea scandens, etwa in den Sorten ‘Violette Schönheit’ und ‘Violette Cobaea’. Botanisch ist sie eine mehrjährige Kletterpflanze. Weil sie nicht winterhart ist, wird sie bei uns meist einjährig kultiviert. Die Pflanze klettert mit gegabelten Blattranken, an deren Enden Haken sitzen.
Bei den violett blühenden Sorten öffnen sich die Blüten zunächst grünlich. Im Lauf ihrer Entwicklung färben sie sich violett, sodass an einer Pflanze verschiedene Farbstufen zu sehen sind. Als Schnittblume gilt die Glockenrebe nicht.
Die Glockenrebe wird 200 bis 300 cm hoch, manche Kulturangaben nennen bis 400 cm. In der Breite nimmt sie 30 bis 100 cm ein. Die Blütezeit reicht von Juli bis November.
Die Sorten unterscheiden sich schon bei der Aussaat, denn die Saatgutangebote nennen verschiedene Saattiefen:
| Sorte | Saattiefe (Saatgutangebot) |
|---|---|
| ‘Violette Schönheit’ | 0,5 bis 1 cm |
| ‘Violette Cobaea’ | 1 bis 2 cm |
Eine gemeinsame Tiefe für alle Sorten leitest du daraus besser nicht ab. Für ‘Violette Schönheit’ ist das Auspflanzen ins Freiland ab Mitte Mai vorgesehen.
Wie vermehrst du die Glockenrebe?
Aussaat auf der Fensterbank
Die Glockenrebe vermehrst du über Samen. StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. nutze ich bei ihr nicht. Saatgutangebote nennen als Kulturstart die Monate Februar bis Mai.
Die Samen sind groß. Das Tausendkorngewicht liegt bei Wild- und Genbankherkünften der Art bei 69 bis 75,6 g. Größere Samen legst du einzeln in kleine Töpfe, feine Samen streust du breitwürfig in Schalen. Bei diesem Samengewicht bekommt also jeder Glockenrebensamen seinen eigenen Topf.
Die Glockenrebe ist kein Lichtkeimer, die Samen kommen also unter die Erde. Je nach Saatgut liegt die Saattiefe bei 0,5 bis 2 cm. Vorquellen über Nacht in Wasser soll die Keimung beschleunigen, nötig ist es aber nicht. Ich fülle die Töpfe mit frischer Aussaaterde und achte auf einen Wasserabzug.
| Kerndaten zur Aussaat | Wert |
|---|---|
| Kulturstart | Februar bis Mai |
| Lichtkeimer | nein |
| Saattiefe | 0,5 bis 2 cm, je nach Saatgut |
| Keimtemperatur | mindestens 18 °C, höchstens 24 °C |
| Keimdauer | 8 bis 21 Tage |
| Vorquellen | über Nacht in Wasser, kein Muss |
| Ins Freiland | ‘Violette Schönheit’ ab Mitte Mai |
Nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. brauchen die Jungpflanzen ausreichend Licht, weil Lichtmangel lange, instabile Triebe begünstigt. Nach der Keimung senkst du außerdem die Temperatur, denn viel Wärme bei wenig Licht fördert weiche Triebe. Vor dem Auspflanzen gewöhnst du die Pflanzen bei mildem Wetter zuerst im Schatten und nach einigen Tagen auch in der Sonne an draußen.
Den passenden Termin für den Start erklärt der Ratgeber dazu, zu welchem Zeitpunkt du Glockenreben aussäst. Die Termine aller Sommerblumen hast du mit dem Aussaatkalender für Sommerblumen zum Ausdrucken im Blick.
Glockenrebensamen nur auf die Erde zu legen, weil man sie für Lichtkeimer hält. Die Samen brauchen zum Keimen kein Licht, deshalb bedeckst du sie in der Tiefe, die dein Saatgut angibt.
Eigene Samen ernten und prüfen
Für die eigene Nachzucht lässt du einzelne Blüten bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen und erntest bei trockenem Wetter. Dunkle und trockene Körner zeigen häufig die Erntereife an. Die Samen trocknest du auf Papier nach, beschriftest sie und lagerst sie kühl, dunkel und trocken. Bei HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. können die Nachkommen anders aussehen als die Mutterpflanze.
Das Lagerverhalten von Glockenrebensamen gilt allerdings als unsicher. Eine Probeaussaat mit genau abgezählten Körnern zeigt dir, wie es um die KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. steht. Bei selbst geernteten und gelagerten Samen machst du diese KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt. also vor der Aussaat, weil du dich auf die Lagerung allein nicht verlassen kannst.
Standort, Pflege und Winter in Kürze
Standort und Boden
Für eine gute Blüte braucht die Glockenrebe eine geschützte, sonnige Wand oder ein Rankgerüst in solcher Lage. Der Boden sollte feucht und gut durchlässig sein, wobei sie mit Kalk-, Ton-, Lehm- und Sandboden zurechtkommt. Welcher Platz in Beet und Kübel passt, erklärt der Ratgeber zum passenden Standort für die Glockenrebe.
Gießen und Düngen
Halte den Boden feucht, aber gut drainiert. Vor der Pflanzung arbeitest du Kompost ein, während der Saison folgt eine weitere oberflächliche Gabe. Wann und wie viel du gießt, steht im Ratgeber, wie du Glockenreben richtig bewässerst.
Rankhilfe und Blütezeit
Zu dicke Streben können die Ranken nicht umfassen, deshalb braucht das Gerüst geeignete Greifmöglichkeiten. Mehr dazu, welche Rankhilfe zur Glockenrebe passt und wie du sie aufbaust, findest du in einem eigenen Ratgeber. Wie du die Blütezeit der Glockenrebe bis in den Herbst verlängerst, beschreibt ein weiterer.
Krankheiten und Schädlinge
Bei Blattläusen achtest du zuerst auf vorhandene Nützlinge und spülst die Läuse nur bei Bedarf mit einem Wasserstrahl ab. Verstecke und Überwinterungsmöglichkeiten fördern Nützlinge, die Blattläuse dezimieren, und passen damit zu einem insektenfreundlichen Garten. Wie du Krankheiten und Schädlingen an Sommerblumen vorbeugst und von Hand eingreifst, zeigt der Sommerblumen-Ratgeber.
Winter und Jahreslauf
Die Glockenrebe ist nicht winterhart und wird deshalb meist einjährig gezogen. Welche Arbeiten von der Aussaat bis zum ersten Frost anfallen, findest du im Ratgeber zur Pflege der Glockenrebe im Jahreslauf.



